Kürzungen im Bildungsbereich

Hallo,

ich habe die ganze Diskussion über Studiengebühren, Kürzungen im Bildungswesen jetzt mal etwas verfolgt hier im Board, und es ist stellenweise erschreckend welches Bild ihr von den Studenten habt.
Und welche Vorstellungen, dass dies alles nur durch den Staat finanziert wird.

Bafög:
Bafög wird dir nur nach sehr genauer Prüfung gegönnt. Ich kenne dutzende Studenten, die Anzeigen deswegen bekommen haben. Bafög ist keine Melkkuh. Schon deswegen nicht, weil du den Großteil sowieso nur „geliehen“ kriegst, du kassierst das nicht einfach so auf Nimmer-Wiedersehen. Desweiteren musst du spätestens nach dem vierten Semester einen Leistungsnachweis erbringen, wenn du danach auch noch Bafög bekommen willst. Bummelstudenten kriegen KEIN Bafög. Und auch keine Ewig-Studierer, die öfter den Studiengang wechseln, als andere die Unterhose. Denn erstens wird dir Bafög beim Studiengang-Wechsel nur weiter bezahlt, wenn der Wechsel spätestens im 2. Semester erfolgt und dann auch nur, wenn du dort innerhalb von 2 Semestern einen Leistungsnachweis bringst und der Wechsel begründet ist.

Vergünstigungen:
Billige Krankenversicherung, Busfahrkarte usw. Da kann ich auch nur dazu sagen, dass das ebenfalls keine Melkkuh ist. Billigere Krankenversicherung kriegst du bei praktisch jeder Kasse nur bis zu einem bestimmten Alter, und da sind dass dann auch 60-100 EUR im Monat. Ein 30jähriger Bummel-Student kriegt das sowieso nicht mehr. Genauso ist das bei diversen anderen Vergünstigungen. Auch die Bus/U-Bahn-Fahrkarten sind keine Geschenk des Himmels. Da zahlst du nämlich - zwar einen verbilligten Preis - dafür. Für eine Monats-Karte in München sind das immerhin ca 60 EUR im Monat. Und ansonsten? Viel mehr Verbilligungen kriegst du nicht. Und darüber können sich manche Leute aufregen die darin die große Geld-Verschwendung sehen?

Bummel-Studenten:
Erstens ist die Zahl der „faulen“ Studenten weitaus geringer als viele meinen, denn die meisten Studenten haben schlichtweg kein Geld, dass sie nur aus Spass einfach so studieren. In den allermeisten Fällen tragen die Eltern 80% der Kosten des Studiums. Und Eltern tun dies in der Regel nicht, wenn man nur aus „Spass“ studiert (zumindest nicht die Eltern, die ich kenne). Ausserdem sind in fast allen Studiengängen inzwischen Fristen gesetzt, bis wann du was erreichen musst. Meist ist es so, dass man in Diplom-Studiengängen nach 5 Semestern zum Vordiplom antreten MUSS, fällst du durch, kannst dus im 6. Semester nochmal probieren und dann ist Schluss. So kommst du normal auf eine maximale Studienzeit von 11-12 Semestern die MÖGLICH ist. Natürlich kannst du den Studiengang wechseln, und einfach was anderes weiterstudieren. Aber das macht höchstens eine verschwindend geringe Anzahl von Studenten, was man leicht an den Matrikelnummern bei Prüfungen sehen kann.

Bummel-Studenten kosten soviel Geld:
Auch das halte ich für total überbewertet. Jemand der so faul ist und sowieso nie in die Uni geht und eh nur Party macht, der kostet fast nix. Er sitzt in keinem Hörsaal, er nimmt keine Praktika/Seminars/Übungsplätze weg, er verursacht keinen Korrektur-Aufwand, da er keine Übungsblätter abgibt. Er bekommt kein Bafög oder andere staatliche Zuschüsse aus o.g. Gründen.
Das ganze Uni-Drumherum wie Cafeterien/Mensa/usw kostet für ihn auch nix, weil er dafür ZAHLEN muss, ob er will oder nicht, denn er muss wohl Studentenwerksbeitrag zahlen, wenn er immatrikuliert ist.
BTW: Die Vorlesungen und andere Lehrveranstaltungen sind ÜBERFÜLLT. Das kann wohl kaum daran liegen, dass alle daheim faul auf der Couch liegen…
Nun, wie finanzieren also solche Langzeitstudenten ihr Studium? Ganz einfach: ARBEIT. Die meisten Studenten jobben sowieso schon neben dem Studium, um sich finanziell über Wasser zu halten. Viel kannst du eh nicht dazuverdienen, weil du sonst eine teuerere Krankenversicherung brauchst, sozialversicherungspflichtig wirst, kein Bafög mehr kriegst usw. Da sind die Grenzen eng gesteckt. Ein Grund wieso viele Studenten länger brauchen, als vorgesehen ist einfach, weil sie nebenbei auch noch arbeiten müssen.

Studiengebühren bringen etwas:
Sie bringen NIX! Wo liegt der Vorteil von Studiengebühren??? Erstens stopfen Studiengebühren in keinster Weise die Löcher in den Etats der Unis, dazu sind die Löcher jetzt schon viel zu groß! Und dann die tollen „Versprechungen“, dass die Qualität vom Studium besser wird, wenn wir Studiengebühren zahlen… Wer ist so NAIV und glaub diesen gequirlten Käse?? An den Unis wird seit JAHREN gespart, gespart, gespart. Ausserdem bringen Studiengebühren viele Studenten noch mehr in finanzielle Bedrängnis, als sie es eh schon sind. Dass heisst dann: Noch mehr jobben, noch längeres Studium. Und wie soll dadurch die Akademiker-Quote gehoben werden, die ja eh schon im Vergleich zu den anderen Ländern im hinteren Drittel ist (in einem Land, das wohlgemerkt nur durch geistigen Rohstoff wettbewerbsfähig ist. Wir haben keine geheimen Ölquellen die uns Freude und Reichtum bescheren)?
Denn viele, die aus nicht so begüterten Verhältnissen kommen, können sich dann ein Studium erst recht nicht mehr leisten, da sie sowieso schon an der Grenze des finanziell Machbaren sind. Universitäre Bildung wird dann nur noch für gut situierte Familien zugänglich. Das kanns doch nicht sein, oder? Und jetzt kommt mir nicht damit, dass die, die weniger Geld haben, sich dann davon befreien lassen können oder das durch mehr Bafög oder sonstwie erstattet bekommen, denn das ist ja wohl Humbug². Wenn man da die Gelder die ausfallen, weil sich viele von den Studiengebühren befreien konnten, und den Verwaltungsaufwand für all dies wegrechnet, bleibt effektiv nur noch ein Bruchteil von den Einnahmen der Studiengebühren übrig…
Allein um den Status-Quo an Uni zu halten, würden die Studiengebühren
sowieso nicht ausreichen. Und apropos…

Stand der Dinge an den Unis:
Die Unis haben jetzt schon viiiieeel zu wenig Geld. Einige Lehrstühle werden nicht mehr neu besetzt, an den meisten Unis ist eine Einstellungssperre verhängt worden, bei uns an der Uni-Bib wurde seit Februar kein neues Buch mehr angeschafft (ausser ganz Dringlichen, wie Gesetze die sich geändert haben), die IT-Infrastruktur kann nicht repariert werden, weil die Etats zu klein sind (einige der viel zu wenigen Rechner stehen daher unbenutzbar herum).
Ich könnte noch unzählige andere Beispiele nennen, aber noch was anderes: Faktisch wird an den Hochschulen schon seit Jahren jedes Jahr gekürzt, denn es gibt pro Jahr etwa 5-7% mehr Studenten. Die Hörsääle werden dadurch immer voller!
Hierzu ein paar Beispiele: Es werden stellenweise Seminarsplätze VERLOST! Da wird drum gestritten, wie in nem 3. Weltland ums tägliche Brot. Natürlich ist das von Studiengang zu Studiengang anders und eine Verlosung ist natürlich nicht die Regel. Aber allein die Tatsache, dass wir vereinzelt den Zugang zu Lehrveranstaltungen VERLOSEN müssen, sollte schon den Ernst der Lage verdeutlichen.
Nun, wenn jetzt eingespart wird, was passiert dann:
Die Etats aller werden etwas gekürzt. ==> Noch weniger neue Rechner/Bücher usw. Die Infrastrukur wird sich noch weiter verschlechtern.
Entlassungen: Davon ist leider nur der universitäre Mittelbau betroffen, denn viel in der Verwaltung sind verbeamtet bzw haben Arbeitsverträge, die normal erst in 3-4 Jahren gekündigt werden können. Das heisst: Es trifft die Wissenschaftliche Mitarbeiter (die eigentlich Forschen sollten), die lehrenden Mitarbeiter (die die Übungen halten) und die HiWis (die viel Korrektur und Verwaltungsarbeit am Lehrstuhl leisten). Diese Mitarbeiter sind das Rückgrat des Studiums. Sie gewährleisten den Ablauf der Seminare/Übungen/Tutorien. Und diese Veranstaltungen sind zum Verständnis des Lehrstoffs ESSENTIELL!
Rekapitulieren wir:
Weniger Geld
==> Weniger Stellen im Mittelbau
==> Weniger Übungen, für mehr Studenten
==> Längere Studienzeiten
==> Schlechtere Qualität des Studiums
==> Schlechtere Ausstattung der Bibliotheken und Computerräume
==> Weniger Forschung
==> Wir geraten immer mehr ins Hintertreffen im Vergleich zu den anderen Ländern!

Das kanns doch wohl nicht sein! Also man kann über alles reden, aber die derzeitge Hochschulpolitik die in diesem Land betrieben wird, die ist dermaßen unter aller S**, dass es mich schon eher wundert, dass dies von einigen Studenten und v.a. auch der Gesellschaft (die sehr stark von den Unis profitiert, auch wenn das den meisten nicht so klar sein wird) als nicht so schlimm erachtet wird…

Zum Schluss mal ein Rechenbeispiel, welche Ausgaben ein Student im Monat hat (sehr bescheiden gerechnet):

  • Miete (mit Heizung): 200 EUR
  • Essen: 160 EUR
  • Strom, Telefon, Wasser, GEZ: 60 EUR
    macht über 400 EUR FIX-Kosten

Dann braucht man aber auch mal was zum Anziehen, Computer, Bücher, Friseur, usw, usf.
Diese variablen Kosten machen auch noch mal einen großen Teil aus, denn keins davon ist halbwegs billig, lassen sich aber ebenfalls praktisch nicht vermeiden.

Wenn man dann auch noch sowas wie ein Zeitschriften-Abo, Hallenbad, Sport, einmal in der Woche fortgehen haben will, dann stoßen da schon viele an ihre Grenze.

Ich hoffe, dass Bildung in diesem Land weiterhin jedem zugänglich bleibt, denn Bildung ist DAS was unserem Land die Zukunft garantiert. Und ausserdem bestimmt Bildung und Kultur auch wesentliche Züge unserer Gesellschaft auf der unser aller Zusammenleben basiert. An der Bildung zu sparen, heisst an den Grundmauern unser Gesellschaft zu wackeln.

mfg
deconstruct

Hallo

erst mal ein dickes Lob und Dankeschön für diesen Beitrag.Sehr gut zusammengefasst. Du redest mir von der Seele. Ich werde ein paar Textstellen noch kommentieren, um das ganze abzurunden.

ich habe die ganze Diskussion über Studiengebühren, Kürzungen
im Bildungswesen jetzt mal etwas verfolgt hier im Board, und

und ich hab sie satt!!

es ist stellenweise erschreckend welches Bild ihr von den
Studenten habt.

Meines erachtens tragen die meisten noch das Bild von Studenten aus den 70er, Anfang 80er Jahre noch mit sich herum. Die heutigen Studis sind das krasse Gegenteil. Nix (bzw. nur sehr wenig)mit Demos usw.

Bummelstudenten kriegen KEIN Bafög. Und auch keine

Zumindest in BaWü müsssen Langzeitstudenten eine Studiengebühr bezahlen!

Vergünstigungen:

Fallen nicht sonderlich ins Gewicht.

Bummel-Studenten:
Erstens ist die Zahl der „faulen“ Studenten weitaus geringer
als viele meinen, denn die meisten Studenten haben schlichtweg
kein Geld, dass sie nur aus Spass einfach so studieren.

Und das Betrifft m.E. sogar 90%

allermeisten Fällen tragen die Eltern 80% der Kosten des
Studiums. Und Eltern tun dies in der Regel nicht, wenn man nur
aus „Spass“ studiert (zumindest nicht die Eltern, die ich
kenne).

Ich kenne auch keine

Bummel-Studenten kosten soviel Geld:

Das ganze Uni-Drumherum wie Cafeterien/Mensa/usw kostet für
ihn auch nix, weil er dafür ZAHLEN muss, ob er will oder
nicht, denn er muss wohl Studentenwerksbeitrag zahlen, wenn er
immatrikuliert ist.

Und zumindest in BaWü noch eine Verwaltungskostenpauschale von ca. 40€

Die meisten Studenten jobben
sowieso schon neben dem Studium, um sich finanziell über
Wasser zu halten. Viel kannst du eh nicht dazuverdienen, weil
du sonst eine teuerere Krankenversicherung brauchst,

eine normale Krankenversicherung wie jeder Arbeitnehmer!

Studiengebühren bringen etwas:
Sie bringen NIX! Wo liegt der Vorteil von Studiengebühren???
Erstens stopfen Studiengebühren in keinster Weise die Löcher

Viel Geld geht an unnötigen Verwaltungskosten drauf

Und dann die tollen „Versprechungen“, dass die
Qualität vom Studium besser wird, wenn wir Studiengebühren
zahlen…

Was wollen die Hochschulen verbessern? Mehr Lehrkräfte anstellen um mehr Vorlesungen oder Übungsstunden abhalten zu können.

Dann ist nichts gespart

Ausserdem bringen Studiengebühren viele Studenten noch mehr in
finanzielle Bedrängnis, als sie es eh schon sind. Dass heisst
dann Noch mehr jobben, noch längeres Studium.

Irgendwann arbeiten wir soviel, dass wir gar nicht mehr Studieren.

Universitäre Bildung wird dann nur noch für gut situierte
Familien zugänglich. Das kanns doch nicht sein, oder?

Sollen wir schneller eine zwei-Klassen-Gesellchaft werden?

Stand der Dinge an den Unis:
Die Unis haben jetzt schon viiiieeel zu wenig Geld. Einige
Lehrstühle werden nicht mehr neu besetzt, an den meisten Unis
ist eine Einstellungssperre verhängt worden, bei uns an der
Uni-Bib wurde seit Februar kein neues Buch mehr angeschafft
(ausser ganz Dringlichen, wie Gesetze die sich geändert
haben), die IT-Infrastruktur kann nicht repariert werden, weil

Solange an vielen Hochschulen noch Geld vorhanden ist teure Kunstobjekte zu kaufen kanns nicht so schlimm sein.

Zum Schluss mal ein Rechenbeispiel, welche Ausgaben ein
Student im Monat hat (sehr bescheiden gerechnet):

  • Miete (mit Heizung): 200 EUR
  • Essen: 160 EUR
  • Strom, Telefon, Wasser, GEZ: 60 EUR
    macht über 400 EUR FIX-Kosten

Sehr bescheiden gerechnet!
Ihc hab mich mal mit meinen Kommilitonen unterhalten und hab mal durchgerechnet.

Durchschnittliche kosten pro Monat: ca 650 - 700€
Was natürlich vom Hochschulort abhängt.
Die Meisten Hochschulorte sind allerdings in relevanten Städten die auch Touristische Knotenpunkte sind. Das treibt den Preis hoch.

Hallenbad, Sport, einmal in der Woche fortgehen haben will,

Und dass muss auch für ein Student drin sein.

dann stoßen da schon viele an ihre Grenze.

Ich hoffe, dass Bildung in diesem Land weiterhin jedem
zugänglich bleibt, denn Bildung ist DAS was unserem Land die
Zukunft garantiert.

Das hoffe ich auch.

Noch ein Tipp für diejenigen, die Studis kritisieren:

Wir schreiben das Jahr 2003. Die Ära der Revolutzer ist schon Geschichte.

Des weiteren wäre es nur Fair, sich vor einer Kritik mal genauer zu informieren um nicht mit schlicht weg falschen Argumenten um sich zu werfen.

Bestes Beispiel ist wohl dass wir dem Staat auf der Tasche liegen.

Schöne Grüße an alle.

Christian

DANKE
Hallo deconstruct,

schön, dass es mal einer zusammenfasst und auf diese Weise darstellt.

Es gibt sicherlich Bummel-Studenten, aber sie dürfen nicht als pauschale Bewertungsgrundlage für „den Studenten“ benutzt werden, wie es in der Tat in letzter Zeit hier oft passiert ist.

Denn: Augen auf im Straßenverkehrt. Wer heute studiert, ist sozusagen selber schuld. Seit der Einführung des Bachelor wird die Regelstudienzeit zwar gekürzt, was bedeutet, dass man schneller fertig ist. Leider bedeutet es nicht, dass man weniger lernen muss. Wer heute nur 24 SWS hat, ist noch gut bedient. Und da sind die Tutorien noch nicht eingerechnet!!

Inzwischen habe ich den unbestimmten Verdacht, dass es in diesem Forum Menschen gibt, die gut reden haben, weil sie selber gar nicht studieren. Anders kann ich mir nicht erklären, warum studieren als „so einfach“ dargestellt wird.

Wer studiert hat meiner Ansicht nach gute Gründe dafür. [Anmerkung: JA, ES GIBT AUSNAHMEN! Es soll vorkommen, dass in den Hörsälen und Seminarräumen Leute sitzen, die einfach nur da sind, weil sie nicht wissen, was sie sonst machen sollen! Das ist aber NICHT DIE REGEL! Oder hat von euch einer Lust sich „nur zum Spaß“ auf fünf Klausuren im Nebenfach und sieben im Kernfach vorzubereiten? (ANMERKUNG ZWEI: die Möglichkeit, überall nur den Sitzschein mitzunehmen, besteht im Bachelor nicht mehr!!)] Und dann kann es schon ganz schön frustrierend sein, wenn hier ständig das Gegenteil über „den Studenten“ behauptet wird.

Studiengebühren: ich bin noch nicht so sicher, was ich davon halten soll. Ich habe gut reden, denn mich betrifft es nicht. Die Erklärung von deconstruct fand ich logisch und nachvollziehbar. Bisher ist meine Erfahrung: es erwischt auch (oder sogar: vor allem?) die, die es nicht verdient haben. Ich bin gerne bereit auch die Vorteile zu sehen - ich hab sie bisher nur noch nicht gefunden (wenn man mal von der Tatsache absieht, dass Studiengebühren in anderen Ländern schon seit Jahren erfolgreich eingeführt sind - aber die sind dann auch in so Dingen wie der Kinderunterbringungsfrage deutlich besser organisiert als wir!!!).

Hallo,
ich bin zwar schon an paar Jährchen älter, wie einige von Euch, aber ich kann dem meisten Ausagen nur zustimmen.

Es gibt nicht die „faulen und immer demonstierenden“ Studenten.
Fakt ist auch: wer in der heutigen Zeit kein Studium nachweisen kann, hat es noch schwerer bei Arbeitssuche. Oder im heutigen Zeitgeist ausgesprochen, wer kein Studium abgeschlossen hat, ist Doof. Was so aber auch nicht stimmt. Vorurteile, wie so oft.

Vor vielen Jahren habe viele Arbeiter für das kostenfreie Studium und die Gebührenfreiheit für Schule und Lehrmittel gekämpft, denn sie konnten nicht studieren. Der Besuch von der Realschule und Gymnasium kostete. Hinzu kamen noch die Lehrmittelkosten. Das konnten sich viele nicht leisten.

Darum kämpt für Eure Ausbildung. Demonstriert für das, wofür wir gekämpft haben. Eine bestmöglichste Ausbildung.

Denn wenn Ihr verliert, dann geht es Euch wie den Rentnern heute. Auf die Politik vertrauen, heißt auf Sand bauen.

In diesem Sinne noch ein frohes Weihnachtsfest
Peter

Hallo,

und ich hab sie [Die Diskussion über Studiengebühren] satt!!

Warum setzt Du sie dann selbst fort?

Meines erachtens tragen die meisten noch das Bild von
Studenten aus den 70er, Anfang 80er Jahre noch mit sich herum.
Die heutigen Studis sind das krasse Gegenteil. Nix (bzw. nur
sehr wenig)mit Demos usw.

Generell amerikanisiert sich die Bevölkerung, d.h. verliert über den „Stammtisch“ hinaus jegliches Interesse an Politik. Ist aber auch kein Wunder, bei dem was sich unsere „Volksvertreter“ so für Vorstellungen leisten. http://www.eki.liu.se/affarsratt/shellstudie2000.doc

Bummel-Studenten:
Erstens ist die Zahl der „faulen“ Studenten weitaus geringer
als viele meinen, denn die meisten Studenten haben schlichtweg
kein Geld, dass sie nur aus Spass einfach so studieren.

Und das Betrifft m.E. sogar 90%

Zu dieser Zahlenangabe hätte ich gerne mal eine Quelle.

allermeisten Fällen tragen die Eltern 80% der Kosten des
Studiums. Und Eltern tun dies in der Regel nicht, wenn man nur
aus „Spass“ studiert (zumindest nicht die Eltern, die ich
kenne).

Auch zu den 80% hätte ich gerne eine Quellenangabe. Wie kommt ihr nur alle auf eure Zahlen?

Was wollen die Hochschulen verbessern? Mehr Lehrkräfte
anstellen um mehr Vorlesungen oder Übungsstunden abhalten zu
können.

Ja, das auch. Und die Bibliotheken wieder vernünftig ausstatten, die Räumlichkeiten renovieren, die Erreichbarkeit der Professoren und Dozenten verbessern, mehr Wert auf gute Lehrer und nicht nur auf gute Forschung legen, auch junge Studenten in echte Forschungsprojekte integrieren, aufhören die Fachbereiche gegeneinander auszuspielen, Studenten wirklich betreuen und nicht nur verwalten, etc. pp.

Nichts dergleichen wird geschehen. Die Gebühren werden lediglich dazu reichen, die Kürzungen nicht ganz so krass ausfallen zu lassen. Das lässt sich sehr leicht an aktuellen Debatten über Fachbereichsschließungen, Zusammenlegungen, etc. an allen größeren deutschen Universitätsstandorten sehen.

Irgendwann arbeiten wir soviel, dass wir gar nicht mehr
Studieren.

Das ist scheinbar das Ziel der Verantwortlichen. Eine qualifizierte Ausbildung nur noch für die sog. „Elite“ (also, die mit Geld ausgestatteten und ein paar Stipendiaten mit Alibifunktion). Der Rest konkurriert auf Arbeitsplätzen mit geringem Qualifikationsprofil mit den Lohnsklaven der Billiglohnländer China, Indien, Ostblock. Siehe dazu Spiegel-Interview mit Heinrich von Pierer vor ein paar Wochen. Was der so von sich gegeben hat … die armen Siemens-Mitarbeiter.
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,269393,00.html

Erste Umsetzung findet ja auch schon statt. Der vor einem Jahr noch über den grünen Klee gelobte Standort Bocholt wird geschlossen, die Arbeit nach Ungarn verlegt. http://www.heise.de/newsticker/data/tol-18.11.03-004/

Gut, dass die Leute nicht studiert haben. Da haben sie es bestimmt besonders leicht, einen neuen Job zu finden.

Sollen wir schneller eine zwei-Klassen-Gesellchaft werden?

Ähm, wie waren schon immer eine. Nur wird die Kluft ständig größer. Im Fernehen ARD Promishow (Bizz oder ZZzap oder wie auch immer) werden lachende deutsche Millionärssöhnchen, die an einem Morgen an der Côte d’Azur für mehr Geld Champagner ins Mittelmeer kippem, als eine Familie am unteren Einkommensrahmen im Jahr zur Verfügung hat. Und erdreisten sich noch, das ganz normal und für völlig in Ordnung zu befinden. Höhensonnengegerbte Blondinen, die ihren fetten Schoßhündchen Diamanthalsbänder kaufen, reiche Säcke, die sich mit hilfe prominenter Steuerberater ihr zu versteuerndes Einkommen auf Null rechnen lassen, sind auch schon auf die neue Erbschaftssteuer bestens vorbereitet.

Da von diesen „Leistungsträgern“ unserer Gesellschaft kein Geld zu holen ist, oder kein Wille besteht, Geld zu holen, müssen alternative Quellen gefunden werden. Drei wurden bereits ausgemacht:

  • Arbeitslose
  • Sozialhilfeempfänger
  • Studenten

Praktischerweise konnte man mit Hilfe einschlägiger Medien (BILD, ehem. Kirch-Medien wie Kack1, Pro7, etc) eine Diffamierungskampagne starten (Arbeitslose sonnen sich im Wohlfartsstaat und sind alle faule Säcke, Sozialhilfeempfänger lassen sich in Florida sie Sonne auf den Bauch scheinen und Studenten bummeln auf Steuerzahler’s Kosten gemütlich durch 27 Semester Germanistik) um so einen breiten Konsens für die notwenigen und überfälligen Maßnahmen zu bekommen.

Endlich geht ein Ruck durch Deutschland! Nehmt’s denen, die eh nichts haben. Die wehren sich wenigstens nicht.

Gruß

Fritze

Hallo,

und ich hab sie [Die Diskussion über Studiengebühren] satt!!

Warum setzt Du sie dann selbst fort?

Wenn man etwas satt hat, heißt es nicht, dass man sich
nicht mehr für seine Rechte einsetzen darf!

Bummel-Studenten:
Erstens ist die Zahl der „faulen“ Studenten weitaus geringer
als viele meinen, denn die meisten Studenten haben schlichtweg
kein Geld, dass sie nur aus Spass einfach so studieren.

Und das Betrifft m.E. sogar 90%

Zu dieser Zahlenangabe hätte ich gerne mal eine Quelle.

Schon mal mit Studenten geredet und nachgefragt?
Solltest Du vielleicht auch mal tun, dann kommst Du auf
die selben Zahlen.

allermeisten Fällen tragen die Eltern 80% der Kosten des
Studiums. Und Eltern tun dies in der Regel nicht, wenn man nur
aus „Spass“ studiert (zumindest nicht die Eltern, die ich
kenne).

Auch zu den 80% hätte ich gerne eine Quellenangabe. Wie kommt
ihr nur alle auf eure Zahlen?

Siehe oben!

Sollen wir schneller eine zwei-Klassen-Gesellchaft werden?

Ähm, wie waren schon immer eine. Nur wird die Kluft ständig
größer.

Im moment haben wir immer noch eine Mittelschicht.

Im Fernehen ARD Promishow (Bizz oder ZZzap oder wie
auch immer) werden lachende deutsche Millionärssöhnchen, die
an einem Morgen an der Côte d’Azur für mehr Geld Champagner
ins Mittelmeer kippem, als eine Familie am unteren
Einkommensrahmen im Jahr zur Verfügung hat. Und erdreisten
sich noch, das ganz normal und für völlig in Ordnung zu
befinden. Höhensonnengegerbte Blondinen, die ihren fetten
Schoßhündchen Diamanthalsbänder kaufen, reiche Säcke, die sich
mit hilfe prominenter Steuerberater ihr zu versteuerndes
Einkommen auf Null rechnen lassen, sind auch schon auf die
neue Erbschaftssteuer bestens vorbereitet.

Das ist mit sicherheit richtig, aber es betrifft auch nicht die Mehrheit. Der Mittelstandsunternehmer kann sich die Spielchen auch nicht erlauben.

Du redest hier von der High Society.

Studenten bummeln auf Steuerzahler’s Kosten gemütlich durch 27
Semester Germanistik)

Ist nicht möglich! BaFög und kostenloses bzw. auf Staatskosten Studieren ist zeitlich begrenzt!

Wurde im Leitartikel schon deutlich Erklärt.

Gruß Chris

Ja, hallo!

und ich hab sie [Die Diskussion über Studiengebühren] satt!!

Warum setzt Du sie dann selbst fort?

Wenn man etwas satt hat, heißt es nicht, dass man sich
nicht mehr für seine Rechte einsetzen darf!

Mir ist nicht ganz klar, wo der Zusammenhang zu Deiner ersten Aussage „ich hab’s satt“ ist. Na egal. So satt kannst Du’s ja nicht haben :smile:

Zu dieser Zahlenangabe hätte ich gerne mal eine Quelle.

Schon mal mit Studenten geredet und nachgefragt?
Solltest Du vielleicht auch mal tun, dann kommst Du auf
die selben Zahlen.

Nein, komme ich nicht. Das ist genauso wenig repräsentativ wie die von Dir zu recht monierte von mir angeführte „high society“. Wobei ich mich hüte, in dem Zusammenhang konkrete Zahlen zu nennen. Deine 90% sind einfach unbelegter Unfug. So ein Prozentwert macht aber immer toll was her, ich weiss.

allermeisten Fällen tragen die Eltern 80% der Kosten des
Studiums. Und Eltern tun dies in der Regel nicht, wenn man nur
aus „Spass“ studiert (zumindest nicht die Eltern, die ich
kenne).

Auch zu den 80% hätte ich gerne eine Quellenangabe. Wie kommt
ihr nur alle auf eure Zahlen?

Siehe oben!

Dito.

Sollen wir schneller eine zwei-Klassen-Gesellchaft werden?

Ähm, wie waren schon immer eine. Nur wird die Kluft ständig
größer.

Im moment haben wir immer noch eine Mittelschicht.

Ja, eine dünner werdende. Also ich korrigiere mich. Wir sind keine zwei Klassen Gesellschaft, wir sind eine vier-fünf Klassen Gesellschaft.

[Einkommen auf Null rechnen, Erbschaftssteuer legal umgehen]

Das ist mit sicherheit richtig, aber es betrifft auch nicht
die Mehrheit. Der Mittelstandsunternehmer kann sich die
Spielchen auch nicht erlauben.

Doch, Mittelstandsunternehmer können sich solche „Spielchen“ (einen fähigen und skrupellosen Steuerberater) recht wohl leisten und tun das auch ausgiebig. Wer sich diese Spielchen aber in der Tat mehrheitlich nicht leisten kann, dass ist die große Mehrheit der abhängig beschäftigten.

Du redest hier von der High Society.

Wenn es um „Schampus ins Meer kippen“ geht, sicherlich. Das ist aber etwas, was alle „die es geschafft“ haben als Vorbild hinstellen. Weil ja gilt: Je mehr Kohle auf dem Konto, desto erfolgreicher und vor allem desto wertvoller für die Gesellschaft. Daher nennen wir die Geldsäcke ja auch „Leistungsträger“.

Studenten bummeln auf Steuerzahler’s Kosten gemütlich durch 27
Semester Germanistik)

Ist nicht möglich! BaFög und kostenloses bzw. auf Staatskosten
Studieren ist zeitlich begrenzt!

Nicht wirklich. Selbst mit Einführung (der von mir im übrigen heftig kritisierten) Studiengebühren werden die tatsächlichen Kosten für den Steuerzahler nur zu einem kleinen Bruchteil bezahlt.

Was aber sowohl von Dir als auch anderen völlig zu Unrecht aufgeführt wird, sind die allgemeinen Lebenshaltungkosten (die von Dir angegebenen 650-700 EUR). Gerade diese Kosten darf man in der Argumentation nicht anführen, denn sie gelten für alle gleichermaßen, unabhängig davon, ob sie ein Studium absolvieren oder nicht. Ich habe etwas weiter unten schon einmal auf die Opportunitätskosten hingewiesen, die für einen Studenten erheblich sind und gerade durch den Rentenbeschluss noch einmal erhöht wurden. Darum ist ein weiteres verteuern des Studiums, von dem Problem der Lebenshaltungskosten ganz abgesehen, vollkommen kontraproduktiv. Wir haben jetzt bereits laut OECD eine Akademikerquote unter dem Durchschnitt der EU. Es werden in Zukunft mehr Akademiker gebraucht. Durch die demnächst massiv einsetzende Renten- und Pensionierungswelle werden nach Schätzungen bis zu 250000 Stellen nicht neu besetzt werden können. Ich bezweifle, dass diese Stellen alle gestrichen werden sollen. Auch die sog. „freie Wirtschaft“ wird nicht alle Betriebe in Deutschland schließen wollen. Zumindest für einen Bedarf an BWL-Absolventen wird wohl gesorgt werden.

Ich wollte auch einen Link für die Zahlen angeben, aber die OECD-Datenbank hat mich mit einem 404 im Stich gelassen. Könnt ihr aber auch selbst leicht finden:

http://www.oecd.org/

Gruß

Fritze

Zu dieser Zahlenangabe hätte ich gerne mal eine Quelle.

Schon mal mit Studenten geredet und nachgefragt?
Solltest Du vielleicht auch mal tun, dann kommst Du auf
die selben Zahlen.

Nein, komme ich nicht. Das ist genauso wenig repräsentativ wie
die von Dir zu recht monierte von mir angeführte „high
society“. Wobei ich mich hüte, in dem Zusammenhang konkrete
Zahlen zu nennen. Deine 90% sind einfach unbelegter Unfug. So
ein Prozentwert macht aber immer toll was her, ich weiss.

Es ist doch auch ziemlich egal, ob das jetzt 75%, 80%, 90% oder weiss-der-geier-wieviel-Prozent sind. Um das gehts doch gar nicht. Auf jeden Fall kann ich an der Universität feststellen, dass die „meisten“ Studenten, sicherlich nichts mit dem Bild des „faulen, arbeitsscheuen“ Studenten zu tun haben, welches anscheinend in vielen Köpfen als Bild des deutschen Standard-Studenten umherschwirrt.
Und das stelle nicht nur ich fest, das stellen auch alle anderen Studenten fest, die ich kenne. Und auch mein Bruder und andere Bekannte, die z.B. mit mir Abi gemacht haben, berichten das gleiche. Das sind für mich Indizien genug, dass ich hier behaupte, dass der Großteil der Studenten nicht dem Faulheits-Schema entspricht, sondern dass die etwas lernen wollen und v.a. ihren Abschluss machen wollen, um Geld zu verdienen.
Soviel zu den Prozentzahlen…

Und dann noch was allgemeines. Es gibt kein „perfektes“ System. Sowas wirds nicht im Gesundheitswesen, noch in der sozialen Absicherung und auch nicht in der Bildung geben. Es wird immer Leute geben, die die eine oder andere Sache ausnutzen. Aber es ist eine kleine Minderheit die so etwas tut, und solange es eine Minderheit bleibt, ist das alles noch in Ordnung. Du hast auch in einem industriellen Fertigungsprozess immer einen gewissen Prozentsatz an Ausschuss, egal wie „perfekt“ deine Beschäftigen arbeiten und wie „state-of-the-art“ deine Maschinen und Roboter sind. Aber das kümmert keinen, solange die Qualitätssicherung feststellt, dass es nur wenige Prozent sind, die nicht ins Gewicht fallen. (Blöder Vergleich, ich weiss, aber mir fällt grad nix besseres ein)
Aber wenn es um irgendwelche staatlichen Systeme geht, dann ist der Sündenbock am Stammtisch immer schnell gefunden: Die faulen Arbeitslosen, die faulen Studenten, die Ausländer, etc. pp.
Klar, manche Schlupflöcher sollte man schließen, wenn ihre Schließung in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen steht. Aber das tut sie oftmals nicht. Ich könnte jedem Arbeitslosen einen Bewacher zuweisen, der dafür sorgt, dass er kein Sozialschmarotzer ist. Dadurch hab ich natürlich das Problem gelöst, aber nebenbei hab ich für alle die sich eh an das System halten ein riesiges PROBLEM geschaffen. Und das kann nicht die Lösung sein. (ich schweife schon wieder ab…)

Die Studenten gehen z.Z. aus sehr guten Gründen auf die Strasse, und nicht weil sie gerne weiter faulenzen wollen. Und man sollte dafür sorgen, dass alle Menschen kapieren, dass diese Gründe nicht nur die Studenten etwas angehen, sondern JEDEN in diesem Land betreffen.

Was aber sowohl von Dir als auch anderen völlig zu Unrecht
aufgeführt wird, sind die allgemeinen Lebenshaltungkosten (die
von Dir angegebenen 650-700 EUR). Gerade diese Kosten
darf man in der Argumentation nicht anführen, denn sie
gelten für alle gleichermaßen, unabhängig davon, ob sie ein
Studium absolvieren oder nicht.

Was ich damit sagen wollte, ist, dass das Student-Sein jede Menge Geld kostet, ohne dass du in dieser Zeit etwas verdienst. Und jede Menge Geld hat nicht jeder, daher sind viele Studenten auf Bafög und einen Nebenher-Job angewiesen, wenn ihre Eltern nicht über die entsprechenden Mittel verfügen.
Und daher ist das Studenten-Leben nicht nur Halli-Galli-Faulenzer-Dasein, sondern in der Regel schaut man, dass man das ganze relativ flott hinter sich bringt. Das ganze sollte als Indiz dafür gelten, dass die Mehrzahl der Studenten eben keine Faulenzer sind…

Ansonten stimme ich mit dir fast überein.

mfg
deconstruct

Hallo.

Auch wenn die Diskussion schon eine Weile her ist, will ich einfach auch mal was dazu schreiben. Ich bin nämlich auch eine Betroffene von diesen wirklich dummen und unüberlegten Sparprogrammen an den Unis in Niedersachsen.

Ich werde nie verstehen, warum sich dieses Konzept ausgerechnet Hochschul Optimierungs KOnzept heißt, denn meiner Meinung nach ist da wirklich nichts optimales und auch schon gar nichts optimierendes drann, wenn man die sowieso schon gebeutelten Studiengänge noch radikaler zusammenstreicht, dass sie keine Überlebenschancen haben.

Und wie sieht es vor allem mit den Überlebenschancend er STudis aus?

Das interessiert die Politiker einen Dreck!!!

Es heißt immer „Natürlich könnt ihr zu ende studieren.“ Aber in wirklichkeit können wir nur so lange weiter studieren, bis die Leitder der gekürzten Fakultäten in den Ruhestand gehen.
In meinem Fall ist es so, dass ich warscheinlich mein ganzes Studium an dieser Uni begraben kann, aber das zu erklären würde jetzt zu weit führen!

DAs Thema Studiengebühren finde ich auch hoch brisant, aber ich finde auch richtig, das man darüber diskutiert.
Ich wäre tatsächlich für eine Einführung von Studiengebühren, wenn sie dirket den Unis zugeführt werden würden, und nicht den blöden Politikern und ihren Unfähigkeiten,
ABER…ich bin nicht bereit für einen zusammengestrichenen Studiengang, und damit eine miserable Ausbildung zu zahlen!!!

Ihr müsst Euch vorstellen, welche Konsequenzen dieses Konzept für zB GÖttingen hat, wo ich studiere.

In Göttingen leben schätzungsweise 40 000 Studis. Die Hälfte davon( warscheinlich sogar mehr) sind direkt betroffen von den Einsparungen und werden sehr warscheinlich zum WIntersemester 04 an andere Unis gehen.
Da die Ausbildung für die übrigen 20 000 auch nicht mehr optimal verläuft werden von denen warscheinlich irgendwann in absehbarer Zeit auch eine ganze Reihe Göttingen verlassen.
Das wird sehr große ZUsammenbrüche für die Stadt mit sich bringen und das finde ich sehr schade, denn Göttingen ist eine niedliche kleine Stadt und eigentlich sehr gut zum Studieren.

Ich studiere Pädagogik im 3ten Semester und finde es wirklich grauenhaft, dass die sogenannten Bildungsexperten in der Politik nichts von ihrem Fach verstehen!
Die sollen mal erleben, wie das ist, wenn man in einem Hörsaal, wo maximal 500 reingehen, mit etwa 800 Leuten eine Vorlesung halten muss.

Die haben keine Ahnung, dass man sein Studium nicht in einer Regelstudienzeit von 9-11 Semestern absolvieren kann, weil man in jedem Semester aus Veranstaltungen rausfliegt, weil zu viele drinnen sind!

ICh bin sehr wütend und auch extrem beunruhigt was die Zukunft angeht.
Aber spätestens nach der nächsten Pisastudie ist das Geschrei ja wieder groß! Denn Deutschland wird da garantiert nicht unter den besten auftreten!
Und das ist nicht nur ein Spiegel für die schlechte Schulbildung, sondern zeigt auch ganz deutlich, dass es so einfach nicht weiter geht!
Und Deutschland so nie konkurrenzfähig werden wird, im internationalen Vergleich. Und das gilt auch für einen großen Teil der Uni - Bildung!

Vielleicht wandere ich aus, in ein Land, wo man in Bildung investiert und nicht das bißchen, was man da rein investiert - noch nichtmal das Mindestmaß - wieder wegnimmt.

Und ich trau mich eigentlich gar nicht mehr zu fragen, wo es mit unserem Land noch erst hingehen muss, damit die Menschen es begreifen!!

Erboste und traurige Grüße zu gleich!

Berlind

Hallo Hanna!

Es gibt sicherlich Bummel-Studenten, aber sie dürfen nicht als
pauschale Bewertungsgrundlage für „den Studenten“ benutzt
werden, wie es in der Tat in letzter Zeit hier oft passiert
ist.

Das finde ich auch!

Denn: Augen auf im Straßenverkehrt. Wer heute studiert, ist
sozusagen selber schuld. Seit der Einführung des Bachelor wird
die Regelstudienzeit zwar gekürzt, was bedeutet, dass man
schneller fertig ist. Leider bedeutet es nicht, dass man
weniger lernen muss. Wer heute nur 24 SWS hat, ist noch gut
bedient. Und da sind die Tutorien noch nicht eingerechnet!!

Ich habe gerade mal 12, und da kann ich noch nicht mal was für. Ich bin aus 3 Veranstaltungen rausgeflogen, weil zu viele da waren. Und dann soll man auch noch die Zeit einhalten!
Da läuft echt was schief, und mit diesm blöden Konzept wird das noch schlimmer.

Inzwischen habe ich den unbestimmten Verdacht, dass es in
diesem Forum Menschen gibt, die gut reden haben, weil sie
selber gar nicht studieren.

Endlich sagt das mal jemand!! DANKE!!!
Und die, die einfach nur so da sitzen, ohne wirklich interesse zu zeigen, fliegen meist eh nach der ersten oder zweiten KLausur durch!

Studiengebühren: ich bin noch nicht so sicher, was ich davon
halten soll. Ich habe gut reden, denn mich betrifft es nicht.
Die Erklärung von deconstruct fand ich logisch und
nachvollziehbar. Bisher ist meine Erfahrung: es erwischt auch
(oder sogar: vor allem?) die, die es nicht verdient haben. Ich
bin gerne bereit auch die Vorteile zu sehen - ich hab sie
bisher nur noch nicht gefunden (wenn man mal von der Tatsache
absieht, dass Studiengebühren in anderen Ländern schon seit
Jahren erfolgreich eingeführt sind - aber die sind dann auch
in so Dingen wie der Kinderunterbringungsfrage deutlich besser
organisiert als wir!!!).

Vor allem nehmen die das Geld und investieren es wieder in die Bildung, aber sie nehmen es nicht für andere Bereiche her, so wie es hier geschehen soll!
Ich würde bezahlen, aber nur für eine ordentliche Ausbildung, und nicht für so ein Chaos, wie es jetzt herscht!!!
Und ich freu mich schon auf den Moment, wo die Politiker, die diesen Bockmist verzapft haben, endlich auf die Nase fliegen!

in dem Sinne
Viele Grüße
Berlind

Hallo!

Ich finde, dass Du total recht hast. Es geht hier nicht um so hanebüchende Prozentangaben, sondern es geht um etwas viel wichtigeres: Nämlich, ob Deutschland in Zukunft sich weiterhin so den Bach hinunter entwickelt, wie es jetzt der Fall ist!
Und das ist durchaus eine Bildungsfrage!!!
Wenn es so weiterläuft,wie es das jetzt tut, dann wirds echt gefährlich!

kleine Gegenrede
Hallo deconstruct,

ich werde nicht auf die einzelnen Punkte eingehen, da ich Dir in weiten Teilen durchaus zustimme.c

Aber ein paar Anmerkungen:
Nur so nebenbei: Dass von Studierenden zeitlich befristete Leistungsnachweise gefordert werden, ist keine Last der Studierenden, derer sie sich in dieser Diskussion brüsten können, sondern schlicht normal. Dass es früher nicht von nöten war, ist für mich ein zum Glück mittlerweile in vielen (aber weiterhin nicht allen) Fachbereichen korrigiertes Desaster der Vergangenheit.

Was mich an der Argumentation der Studierendenvertretung (ich selber bin im Moment u.a. Studierender) häufig stört, ist die zumindest scheinbare generelle Verweigerungshaltung gegenüber einem Umbau des Systems nach dem Motto: Wehret den Anfängen!

Was wollen wir eigentlich? Wollen wir tatsächlich weiterhin ein zentral gelenktes, alles über einen Bausch scherenders System der studentischen Massenabfertigung, in dem selbst diejenigen eine Ausbildung geschenkt bekommen, die durchaus zum Tragen der Ausbildungskosten fähig wären (auf dass sie lächelnd ins Ausland gehen, um dort kostenpflichtig ihre Elite-Ausbildung durchzuführen)?
Oder wollen wir ein System, in dem Wettbewerb zwischen den Ausbildungsstätten herrscht, eine Mittelverteilung nach Leistung erfolgt und eben diese Leistung dadurch von allen (d.h. von den Hochschulen, von Lehre und Forschung, aber eben auch von den Studierenden) gefordert wird?
Wenn wir zweiteres wollen (und ich will das), dann sehe ich keine andere Möglichkeit, als mit dem derzeitigen System radikal zu brechen.
Ich stimme zu, dass die derzeitigen Bestrebungen der einzelnen Länder zum großen Teil nur gedacht sind, Haushaltslöcher zu stopfen und eben nicht darauf abzielen, einen zukunftsfähigen Ausbildungssektor zu erreichen.
Aber: Zweitstudien kostenpflichtig zu machen, Langzeitstudierenden (die selbstverständlich alleine durch ihren Karteileichenstatus Verwaltungskosten verursachen, die in meinen Augen höher sind, als die derzeitigen „Straf“-gebühren) über Gebühren zu einem entschlossenen Handeln zu ermuntern ist nichts, was für mich im größeren Maße diskussionswürdig ist. Eine generelle Verweigerung hierzu von den Studierenden ist für mich derzeit ein Sägen am eigenen Ast, wie wir es derzeit bei fast jeder Klientel in Deutschland (seien es Beamten, Rentner, Unternehmer, Angestellte) erleben.

Was ich von den ach so wehleidig-verweigernd schreienden Studenten fordere, sind konstruktive Vorschläge, wie wir ein besseres Ausbildungssystem erreichen können. Wir leben in einer Zeit, wo schlicht Geld in unserem Gemeinwesen so knapp ist, dass jeder(!) seine finanziellen Ansprüche an unser Gemeinwesen zu reduzieren und sich verstärkt mit Eigenengagement und -initiative einzubringen hat. Und aus diesem Grund kann ich nicht einsehen, warum zwangsläufig eine Hochschulausbildung für alle für alle Zukunft kostenlos sein soll.

Grüße
Jürgen

PS: Ich habe mal als Studierendervertreter eine große Demonstration gegen Bafögkürzungen mitorganisiert. Was mich sehr getroffen hat, war das Desinteresse der betroffenen Studierenden (ich selber war nicht betroffen) an dieser Thematik. Aber danach heulen über die böse, böse Welt, das hat funktioniert, sorry…

Hallo Juergen!

Du hast sicherlich in einigen Punkten recht, dass das alte System nicht gut ist.
Aber ich finde zB nicht gut, dass mit den Studiengebühren zB nur noch diejenigen studieren können, die es sich leisten können, und die anderen die sich das nicht leisten können ( und das sind nicht wenige) haben sehr schlechte Karten.
Ich bin für eine Chancengleichheit, die dieses System nicht bieten würde.

Und ich finde auch nicht, dass man schon ab dem 9 oder 12 Semester zahlen sollte, denn so, wie das im Moment aussieht, gibt es in den meisten Studiengängen nicht die Möglichkeit drunter zu kommen, wegen Überfüllung!
Aber es wäre auch nicht gerecht denjenigen ein Studium zu verwähren, die es gerne machen würden.

Und den Wettbewerb zwischen den Unis kann es erst geben, wenn es ein wirklich solides System für doe Unis gibt.
( mal davon abgesehen wäre mir der Wettbewerb nicht sehr lieb, weil der soviel negatives mit sich bringt!)

Komischerweise wollen sie genau an den Fächern sparen, die keine Massenabfertigung betreiben.
Im Gegenzug sollten sie lieber bei solchen Fächern wie BWL, VWL oder Jura kürzen.
Da fliegt sowieso die Hälfte nach spätestens dem 2ten Semester raus…

Aber Du hast im Großen schon recht, dass es so wirklich nicht geht!
Und ich muss auch ehrlich gesagt zugeben, dass mich diese ganzen Proteste, auf die Art wie sie geführt worden sind, ziemlich genervt haben. Außerdem hatte ich echt das Gefühl, dass sich wirklich nur die Hälfte der Protestler gedanken über die Sache gemacht haben, und die Linken haben es ausgenutzt gegen das politische System an sich zu mucken. Und mit solchen sympatisiere ich mich nicht!
Und bei uns in Göttingen haben die Studentenvertreter eh nur versucht für sich Profit aus der Sache zu schlagen. Das fand ich am aller traurigsten.

in dem Sinne
Guten Abend
Berlind