Kult, Kultur, Kultusminister

Hallo

Meinem zu dieser Frage nicht belesenen Sprachverstaendnis nach
bezeichnet das Wort Kult religioese oder auch andere rituelle
Handlungen. In dieser Bedeutung ist es mit dem Wort Kultus gleich.
Neuerdings bezeichnet Kult auch Dinge oder Vorgaenge, zu denen es
eine hinreichend grosse Zahl von Menschen gibt, die sich fuer sie
begeistern, obwohl oder weil sie nach traditionellen Werturteilen als
merkwuerdig oder minderwertig gelten. So ungefaehr.
Kultur ist im weiteren Sinne alles Nicht-Natuerliche, im engeren die
Eigenarten einer sozialen Gruppe, in noch engerem alles mit Kunst und
Bildung Zusammenhaengende. So ungefaehr.
Warum heisst es dann aber Kultusminister und nicht Kulturminister
oder, was noch treffender waere, Bildungsminister?
Kann jemand diese Begriffe inhaltlich und etymologisch abgrenzen?

Danke, Tychi

hi,
das hab ich mich auch schon oft gefragt, was ihr deutsche da mit „kultus“ meint …
die bezeichnung dürfte ziemlich sicher mindestens ins 19. jahrhundert zurückreichen. damals wurde das wort „kultus“ anders verstanden als heute, nämlich noch näher dem lateinischen: „pflege“, „bildung“ usw.
mittlerweile klingt die bezeichnung „kultusminister“ schon ziemlich fossil.
m.

Warum heisst es dann aber Kultusminister und nicht
Kulturminister
oder, was noch treffender waere, Bildungsminister?
Kann jemand diese Begriffe inhaltlich und etymologisch
abgrenzen?

Danke, Tychi

Hallo, Tychi,

so weit und wie ich das sehe, wurde der Name für das „Kultusministerium“ in einer Zeit festgelegt, da die heute gemachte Differenzierung zwischen den drei Begriffen noch nicht so deutlich war.

Einem humanistisch gebildeten Bürger des 19. Jhdts klang bei „Kultus“ die ursprüngliche Bedeutung des lateinischen Wortes mit, die heute nicht mehr allgemein verbreitet ist.

Gruß Fritz

Kann jemand diese Begriffe inhaltlich und etymologisch
abgrenzen?

Danke, Tychi

Ich würde hier nicht von einem sich erst herausdifferenzierenden Unterschied von “Kultus” und “Kultur” ausgehen (also von der Sprachgeschichte), sondern von der (politischen) Geschichte.
Die Bezeichnung “Kultusministerium” ist heute eine Kurzform, in der die sonstigen Aufgaben des Ministeriums (z. B. für Unterrichtswesen, evtl. Universitäten, Wissenschaft, Kunst usw.) weggelassen sind.
Dass sich der Staat in die kirchlichen Belange eingemischt hat, dafür gibt es vielerlei Ursachen. Von den Problemen des Übergangs von Unterrichtswesen und Schulaufsicht von der Kirchen an den Staat im 19. Jahrhundert soll hier gar nicht die Rede sein.
Bis in die Zeit des Zweiten Kaiserreichs herauf war (ich rede hier speziell von den bayrischen Verhältnissen) die Führung der Personenstands-Register (Beurkundung von Geburt/Taufe, Eheschließung, Tod), also das ganze Standesamtswesen, Teil der kirchlichen Verwaltung und fand in den Pfarrmatrikeln statt. Seit der Säkularisation und der Vergrößerung des Staatsgebiets musste aber der Staat zur Vereinheitlichung Anweisungen erlassen.
Durch die Säkularisation fiel eine Reihe von Kirchen an den Staat; in diesen finden aber Gottesdienst statt; für die Regelung der gegenseitigen Rechte und Pflichten (Bezahlung des Personals, Baulasten usw.) war eine staatliche Stelle notwendig.
Auch die Religionsausübung findet im öffentlichen Rahmen statt (staatliche Anerkennung der kirchlichen Feiertage, Prozessionen, Wallfahrten und entsprechender Arbeitsausfall u. v. a.).
Auch um die korrekte Verwaltung des beträchtlichen kirchlichen Stiftungsvermögens kümmerte sich seit dem 19. Jahrhundert der Staat (erst im bayerischen Konkordat aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wird dessen Verwaltung - unter Maßgabe des staatlichen Stiftungsrechts - der Kirche übertragen).
Zu Lösung solcher Probleme wurde kurz vor 1850 in Bayern innerhalb des Innenministeriums eine Behörde mit dem Namen “Ministerium des Inneren für kirchliche Angelegenheiten” gebildet, die dann zum Kultusministerium wurde.
Man kann aus diesen Beispielen, die nur ein kleiner Teilbereich sind, sehen, dass tatsächlich die Regelung originär kirchlicher Belange der Anfang der heutigen “Ministerien für Kultus usw.” war.
Beste Grüße!
H.