Kunst-Fleisch essen

Hai, Leute,

anläßlich eines Artikels im aktuellen Spiegel (Steaks aus der Retorte) hat mich die Neugier gepackt.

Also, an alle religiös oder ethisch begründete nicht-alles-Esser: was wäre, wenn es ein Restaurant gäbe, in dem man ein Steak* oder ein Schnitzel* verzehren und hinterher das Tier, von dem das Stück Fleisch „ist“, noch streicheln könnte - würdet ihr?

Selbstverständlich bin ich mit einem schlichten ja oder nein nicht zufrieden - ich will schon wissen, warum.

Fragt Euch
Sibylle

*: selbstverständlich sind die angebotenen Retorten-Fleisch-Stücke in Geschmack und Textur nicht von konventionell aus Schlachtungen gewonnenen nicht zu unterscheiden.

frage beantwortet sich selbst
Hi,

Also, an alle religiös oder ethisch begründete
nicht-alles-Esser:

Der punkt liegt hier in der formulierung doch bei „religiös/ethisch“…
Zumal ja gerade aus dieser ecke die heftigste kritik an retorte, gentechnik etc. kommt.
Also denke ich, daß vom religiös/ethischen standpunkt das töten von tieren und das „gottgleiche“ schaffen von welchen, als gleichermaßen verurteilenswert angesehn wird…

LG Alex:smile:

Huhu!

Also denke ich, daß vom religiös/ethischen standpunkt das
töten von tieren und das „gottgleiche“ schaffen von welchen,
als gleichermaßen verurteilenswert angesehn wird…

Hey! Also Moment!
Ich bin Veganer, und ich will später mal Gentechniker werden!
Das eine hat nix mit dem anderen zu tun.

(Zumindest theoretisch nicht - faktisch gibt es diese unglückseelige Tendenz gerade in der linken Szene, das zu einer bestimmten Meinung was eine Sache angeht, ein ganzer Rattenschwanz von anderen Meinungen dranhängt, von dem Vorausgesetzt wird, das man ihn komplett teilt, wenn man nur der ersten Idee anhängt. Ist aber eigentlich Stuss.)

Was die Ursprungsfrage angeht:
Joah, würd ich essen … ich bin aber auch nur gegen Massentierhaltung - ein Tier, von dem ich weiß, das es vernünftig aufgezogen wurde, würde ich essen.

Ich plan auch, wenn ich mal Zeit hab, Kaninchen zum futtern zu züchten.

Gegen Gentechnik habe ich nichts, ich glaube nur, das die transgenen Pflanzen, die heute auf dem Markt sind, technisch das Äquivalent zum „Reit-Wagen“ von Daimler und Benz darstellt, und davon Millionen Tonnen herzustellen und an alle Welt zu verkaufen, ist so ähnlich, als hätten Daimler und Benz ihre schicken Kutschen direkt in Stückzahlen wie die heutigen Golfs verkauft, ohne sie vernünftig zu testen.

Grüßlis!
Scrabz aka Philipp (aka Drache).

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hallo sibylle,

ich denke mal, das kommt auf den hintergrund des menschen an.

ein bauernkind würde die frage eher mit ja beantworten.

ein stadtkind eher mit nein.

ist wohl gewöhnungssache.

grüsse
corinne (vegetarierin)

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Sibylle,

ich hätte damit keine Probleme, denn schon heute hat die „normale“ Nahrung viele synthetische Bestandteile; man denke an die die naturidentischen Aromen, die aus Pilzen gewonnen werden.

Im Gegenteil, die Vorstellung, dass dafür kein Tier in grausamer Massentierhaltung existieren muss, finde ich sehr sympathisch.
Fleischnachbildungen aus Soya gefällt mir deswegen sehr gut. Je ähnlicher die Nachbildung realer Nahrung ist, desto besser. Es sollte vermieden, dass es zu Mangelernährung kommt, weil Substanzen fehlen, deren man sich heute noch nicht bewußt ist.

Ein religiöses oder ethisches Problem sehe ich hier nicht.

Gruß
Carlos

Die gesunden Vitamine B, A, S und F

Hai, Leute,

anläßlich eines Artikels im aktuellen Spiegel (Steaks aus der
Retorte) hat mich die Neugier gepackt.

Also, an alle religiös oder ethisch begründete
nicht-alles-Esser: was wäre, wenn es ein Restaurant gäbe, in
dem man ein Steak* oder ein Schnitzel* verzehren und hinterher
das Tier, von dem das Stück Fleisch „ist“, noch streicheln
könnte - würdet ihr?

Selbstverständlich bin ich mit einem schlichten ja oder nein
nicht zufrieden - ich will schon wissen, warum.

Plastikfleisch, das schmeckt wie echtes?
Irgendwie total eklig.

Nick

ERGÄNZUNG
Hai, Leute,

sorry für das Anblöken, aber für die, die den Artikel nicht kennen eine Ergänzung: es geht um die Möglichkeit, aus ein paar Zellen eines Tieres ganze Muskelstränge in Nährlösung wachsen zu lassen.

Man klaut dem Tier also ein paar Zellen und macht daraus ein paar Kilo Steak, die in die Pfanne wandern, während die Kuh auf der Wiese fröhlich mampfend auf ihren nächsten Piekser wartet.

Bisher wird’s zwar irgendwie nur 'n Zellhaufen und ist unbezahlber…

Gruß
Sibylle

Also, an alle religiös oder ethisch begründete
nicht-alles-Esser: was wäre, wenn es ein Restaurant gäbe, in
dem man ein Steak* oder ein Schnitzel* verzehren und hinterher
das Tier, von dem das Stück Fleisch „ist“, noch streicheln
könnte - würdet ihr?

Wenn ich bedenke, welcher geschmackliche Unterschied zwischen einer Tomate aus dem Supermarkt und der Tomate aus dem eigenen Garten besteht, bzw. zwischen einem Steak vom Großmarkt und vom Biobauernhof, dann bin ich auf den Geschmack eines Retortenschnitzels wirklich nicht neugierig.

(Allerdings gehöre ich ja auch nicht zum angesprochenen Personenkreis.)

BS"D

Hallo,

zuerst würde ich meinen Rabbiner fragen :wink: Selber würde ich aber erst einmal annehmen, dass dieses innerhalb des Judentums verboten wäre. Und von dort aus nicht nur Juden, sondern allen Menschen. Dieses ergibt sich schon aus den noachidischen Geboten. So dürfen wir alle kein Fleisch essen, welches von einem lebendigen Tier genommen wurde.

Gruß,
Eli

Hai, Alex,

Der punkt liegt hier in der formulierung doch bei
„religiös/ethisch“…

nee, nee, so nicht! Da steht religiös oder ethisch…

Zumal ja gerade aus dieser ecke die heftigste kritik an
retorte, gentechnik etc. kommt.
Also denke ich, daß vom religiös/ethischen standpunkt das
töten von tieren und das „gottgleiche“ schaffen von welchen,
als gleichermaßen verurteilenswert angesehn wird…

Ich kenne mehrere Vegetarier, die nur deshalb kein Fleisch essen, weil dafür ein Tier getötet werden müsste - das meine ich mit ethischen Gründen. (lustigerweise ist der einzige Radikal-Veganer, der jeden blöd anmacht, der es wagt, in seiner Gegenwart Fleisch zu essen, auch der Einzige in dem Haufen, der Lederjacken trägt - ein beliebter Zoff-Punkt zwischen ihm und mir, aber etwas abseits vom Thema)

Ich denke also, daß Deine Gleichsetzung religiös/ethisch nicht funktioniert - zumal ja nicht mal Tiere geschaffen werden, sondern nur ‚teilweise nachwachsen‘.

Gruß
Sibylle

Hai, Phillip,

Was die Ursprungsfrage angeht:
Joah, würd ich essen … ich bin aber auch nur gegen
Massentierhaltung - ein Tier, von dem ich weiß, das es
vernünftig aufgezogen wurde, würde ich essen.

Ah ja - danke.

Ich plan auch, wenn ich mal Zeit hab, Kaninchen zum futtern zu
züchten.

Erinnert mich an meine Schwägerin - ein auf’s Land gezogenes Stadtkind. Die hat im ersten Jahr ein Huhn, das von der Stange gekippt ist, verschreckt zum Tierarzt gebracht und dort dann einschläfern lassen…
Für mich eine völlig normale Aktion - für die Bauern in ihrer Umgebung bis heute ein Spott-Grund.

Gegen Gentechnik habe ich nichts, ich glaube nur, das die
transgenen Pflanzen, die heute auf dem Markt sind, technisch
das Äquivalent zum „Reit-Wagen“ von Daimler und Benz
darstellt, und davon Millionen Tonnen herzustellen und an alle
Welt zu verkaufen, ist so ähnlich, als hätten Daimler und Benz
ihre schicken Kutschen direkt in Stückzahlen wie die heutigen
Golfs verkauft, ohne sie vernünftig zu testen.

Da haste völlig recht - ein bischen, wie in der Software-Branche: die Endkunden werden zu Beta-Testern … ob da wohl auch irgendwann transgene Updates zur Fehlerkorrektur verbreitet werden?

Gruß
Sibylle

Hai, Corinne,

ich denke mal, das kommt auf den hintergrund des menschen an.
ein bauernkind würde die frage eher mit ja beantworten.
ein stadtkind eher mit nein.
ist wohl gewöhnungssache.

ich bin ein Stadtkind und würde es essen - was ist mit Dir?

Gruß
Sibylle

Hai, Carlos,

Ein religiöses oder ethisches Problem sehe ich hier nicht.

Dankeschön

Gruß
Sibylle

Hai, Nick,

Plastikfleisch, das schmeckt wie echtes?
Irgendwie total eklig.

ääähhh - Plastik-Fleisch? Es handelt sich um richtige, normale Zellen - genauso, wie sie im Tier stecken, nur daß sie sich außerhalb des Tieres zum kompletten Filet-Stück geteilt haben…

Immer noch nicht?

Gruß
Sibylle

Hai, Hardy,

Wenn ich bedenke, welcher geschmackliche Unterschied zwischen
einer Tomate aus dem Supermarkt und der Tomate aus dem eigenen
Garten besteht, bzw. zwischen einem Steak vom Großmarkt und
vom Biobauernhof, dann bin ich auf den Geschmack eines
Retortenschnitzels wirklich nicht neugierig.

?? - Hast Du die Ergänzung unten nicht gelesen? „*: selbstverständlich sind die angebotenen Retorten-Fleisch-Stücke in Geschmack und Textur nicht von konventionell aus Schlachtungen gewonnenen nicht zu unterscheiden.“

Geh also bitte mal davon aus, daß es sensorisch nicht zu unterscheiden ist - nicht mal vom durchgeknalltesten aller Feinschmecker, der sonst nur diese chinesischen Viecher ist, die täglich mit Bier massiert werden…
…würdest Du es essen? Hättest Du ein Problem damit, wenn Du nach dem Verzehr die Kuh streicheln könntest, von der, genaugenommen, das Steak stammt, das Du gerade zu Dir nahmst?

(Allerdings gehöre ich ja auch nicht zum angesprochenen
Personenkreis.)

Och - das war nicht ausschließend gemeint.

Gruß
Sibylle

Hai, Eli,

zuerst würde ich meinen Rabbiner fragen :wink: Selber würde ich
aber erst einmal annehmen, dass dieses innerhalb des Judentums
verboten wäre. Und von dort aus nicht nur Juden, sondern allen
Menschen. Dieses ergibt sich schon aus den noachidischen
Geboten. So dürfen wir alle kein Fleisch essen, welches von
einem lebendigen Tier genommen wurde.

aaahhh - eine schöne Antwort.
Aber müsste in dem Fall nicht umgedacht werden? Bisher ist es ja so, daß „Fleisch von einem lebendigen Tier essen“ mit übler Mißachtung der Kreatur verbunden ist (ich möchte das jetzt nicht näher ausführen *grün-werd*); sollte das der Grund für dieses Gebot sein, dann müsste es doch hinfällig sein, weil dem entsprechenden Tier ja nicht mehr Schaden zufügt würde, als ein Mückenstich?!? Kannste mal Deinen Rabbi fragen?

Gruß
Sibylle

…würdest Du es essen?

Ja.

Hättest Du ein Problem damit, wenn Du
nach dem Verzehr die Kuh streicheln könntest, von der,
genaugenommen, das Steak stammt, das Du gerade zu Dir nahmst?

Nein. Ich würde sogar noch „Danke schön“ sagen.

Ich hätte damit ebensowenig Probleme, wie mich in den Schatten des Kirschbaumes zu legen, den ich aberntete oder das Schaf zu füttern, dessen Wolle ich als Pullover trage.

?? - Hast Du die Ergänzung unten nicht gelesen? „*:
selbstverständlich sind die angebotenen
Retorten-Fleisch-Stücke in Geschmack und Textur nicht von
konventionell aus Schlachtungen gewonnenen nicht zu
unterscheiden.“

Geh also bitte mal davon aus, daß es sensorisch nicht zu
unterscheiden ist - nicht mal vom durchgeknalltesten aller
Feinschmecker, der sonst nur diese chinesischen Viecher ist,
die täglich mit Bier massiert werden…

Dies halte ich aber nach wie vor im höchsten Maße irreal und es läßt Deine Frage etwas akademisch werden.

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Hela-Zellen

Hai, Nick,

Plastikfleisch, das schmeckt wie echtes?
Irgendwie total eklig.

ääähhh - Plastik-Fleisch? Es handelt sich um richtige, normale
Zellen - genauso, wie sie im Tier stecken, nur daß sie sich
außerhalb des Tieres zum kompletten Filet-Stück geteilt
haben…

Immer noch nicht?

Sagt Dir „HeLa-Zellen“ etwas?

Da musste ich spontan dran denken, und sich vorzustellen
sowas zu essen… buahhhhh.

Nick

So dürfen wir alle kein Fleisch essen, welches von
einem lebendigen Tier genommen wurde.

das betrifft doch eher raubtierverhalten, oder? man soll nicht wie ein raubtier essen, d.h. ein tier bei lebendigem leibe anknabbern. welche stellen sind relevant? „tref“ kommt doch von „litrof“, was reißen heißt (wie ein löwe, wolf). oder bin ich im falschen zusammenhang?

gruß
dataf0x

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BS"D

oder bin ich im falschen zusammenhang?

Ja, es geht hier nicht um trefes Fleisch, sondern um noachidische Gebote und in diesem Zusammenhang das Verbot (welches auch für Juden gilt, unabhängig vom Schächten) vom lebendigen Tier Fleisch zu essen. Dieses wird im Talmud in brachot behandelt, wobei ich die Seite jetzt raussuchen müsste. Dabei ist aber egal, wie das Fleisch entnommen wurde, ob das Tier dabei leidet oder nicht. Es bleibt alles verboten.

Kol tuw,
Eli

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