Wie steht es eigentlich heutzutage mit Kuren? Stimmt es, dass einem Menchen über 70 a priori keine mehr verordnet wird, auch wenn dieser seit Jahrzehnten stärkste Schmerzen leidet, auf Grund einer permanent geschädigten Wirbelsäule und in Folge zahlreicher unterschiedlicher Operationen? Der Arzt verschreibt immer mehr Tabletten, dennoch sinkt die Lebensqualität immer weiter. Es ist kaum noch mitanzusehen.
Danke & Gruß,
Eva
Hallo,
ich bin zwar bei der DAK, aber allein die Überschrift regt mich
schon auf.
Erst recht der Inhalt deiner Anfrage zeigt wieder einmal wie
unwissend doch die Versicherten sind. Bitte nimm das nicht persönlich,
aber es absoluter Quatsch dass es für Menschen ab 70 keine Kuren
mehr gäbe.
Es gibt keine Versicherten I. und II. Klasse bei der GKV.
Ob jemand eine Kur bewilligt wird hängt einzig und alleine
von der Ausführlichkeit und Genauigkeit des Antrages ab und davon
ob der Medizinische Dienst der Krankenversicherung diesem Antrag
aus m e´d i z i n i s c h e n Gründen zustimmt.
Die Problematik, warum der Eindruck entsteht, dass keine Kuren
mehr bewilligt werden liegt in folgenden Umständen.
- Die Kur kann immer nur der zweite Schritt sein
Die meisten Kuren werden heute abgelehnt mit der Begründung, dass
alle am Wohnort zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglöichkeiten
nicht ausgenutzt wurden.
Das liegt daran, dass die ortsansässigen Ärzte die Behandlungen
nicht verordnen, weil Sie Angst vor dem Budget haben und Regressforderungen der KAssenärztlichen VEreinigung (KV)
fürchten. Eine Kurverordnung dagegen fällt nichts ins Gewicht und
der „Schwarze Peter“ wurde an den MDK weitergegeben.
- Die o.g. Logik wird seitens der Versicherten nicht erkannt
„Seit Jahren habe ich Schmerzen, gehe nicht zum Arzt um der Kasse
Geld zu sparen - kaufe meine Arzneimittel selbst, bin seit zig
Jahren Mitglied und habe die Kasse auch sonst nie in Anspruch genommen.Jetzt will ich einmal eine Kur und da wird die abgelehnt“
Dass sind Standartformulierungen, die immerund immer wieder
abgegeben werden.
- Was kann durch die Kur erreicht werden ?
Der MDK fragt in seinen Gutachten auch stets nach dem Reha-Ziel,
d.h. kann durch die Kur eine über einen längeren Zeitraum anhaltende
Besswerung des Gesundheitszustandes oder eine Linderung der Beschwerden erreicht werden. Dies wird in vielen Fällen verneint,
z.B. bei chronischen Schmerzzuständen.
- Unzureichende Antragsunterlagen
Wenn die Ärzte sich beim Ausfüllen der Antragsunterlagen etwas mehr
Gedanken machen würden und sich die Versicherten auch mal vorher bei
Ihrer Krankenkasse persönlich (nicht per Hotline) erkundigen würden,
würde mancher Antrag auch beim ersten Male bewilligt.
Natürlich will ich nicht versäumen auch auf eine grosse Anzahl von
Anträgen einzugehen, die abgelehnt werden und ich als Kassenmitarbeiter kein Verständnis für die Abehnung habe.
Da halte ich persönlich es aber für unbedingt notwendig die Versicherten zum Widerspruch (medizinisch begründet) zu animieren.
Genauso geht es aber auch umgekehrt - da werden Anträge von Leuten
gestellt. die nun wirklich keine Kur nötig haben - und siehe da
bewilligt !! Da ist es allerdings nicht so, dass ich die Kur dann
ablehne, da ich im Rechtststreit (Widerspruchsverfahren) immer
schlechte Karte haben würde.
Gruss
Günter Czauderna
Hallo Günter!
Der MDK fragt in seinen Gutachten auch stets nach dem
Reha-Ziel,
d.h. kann durch die Kur eine über einen längeren Zeitraum
anhaltende
Besswerung des Gesundheitszustandes oder eine Linderung der
Beschwerden erreicht werden. Dies wird in vielen Fällen
verneint,
z.B. bei chronischen Schmerzzuständen.
Behandlungsmöglichkeiten am Ort wurden voll ausgeschöpft. Eine kürzliche Untersuchung in der „Röhre“ erbrachte den Befund, dass die Wirbelsäule aus vielerlei Gründen (schwere Arbeit und schlechte Ernährung in Kriegszeiten etc etc) vollkommen verschlissen und verkrümmt ist. Ein Bandscheibenvorfall wurde vor vielen Jahren operiert, ohne dass eine Besserung eingetreten wäre. Es liegen Durchblutungsstörungen an den Beinen vor, eine schlechte Durchblutung im Kopf mit Gefahr des Schlaganfalls, durch Fehlhaltung sind Hüften und Knie verschlissen, die alten Narben einer Brustamputation drücken auf Nerven, dazu kommen Migräne, Herzrhythmusstörungen usw. - die Person ist zeitweilig nur ein Wrack. Eine Kur mit Schmerz- und Psychotherapie, einfach auch nur Entspannung und Ansprache (Verlust von vier (!)Kindern und vor einigen Jahren noch der Ehemann gestorben)würde bestimmt eine vielfältige Linderung bewirken!
Wenn die Ärzte sich beim Ausfüllen der Antragsunterlagen etwas
mehr
Gedanken machen würden
…oder wenn sie ihren Patienten anschauen, der gebrochen vor ihrem Schreibtisch hockt!
und sich die Versicherten auch mal
vorher bei
Ihrer Krankenkasse persönlich (nicht per Hotline) erkundigen
würden,
Die alten Leutchen tun das nicht. Wissen nicht wie, können sich nicht durchsetzen, haben meistens längst resigniert… So wie auch die betreffende Person. Sie würde nicht wollen, dass ich für sie den Kampf aufnehme, der Wirbel würde sie erschrecken. Auch werden manchmal Dauerschmerzen zu alten Freunden und wenn sie nicht mehr da wären, wüsste man gar nicht, was man tun sollte… Wollte aber doch wisen, ob sozusagen „von Amts wegen“ keine Aussichten bestehen, oder ob es sich lohnt, ihrem Arzt mal einen Tritt zu geben - ganz diskret, selbstverständlich 
Danke für deine engagierte und ausführliche Antwort!
Herzliche Grüße,
Eva
Hallo Eva,
einen Königsweg gibt es nicht.
In meiner Meinung nach (ob die immer richtig ist ???)
geeigneten Fälle rufe ich den Hausarzt an und bespreche mit Ihm
den Widerspruch. Dann lege ich den Widerspruch dem MDK vor und
bitte um Rückruf - meistens gelingt uns eine einvernehmliche Lösung.
Das klappt aber auch nur dann, wenn ich den MDK-Arzt kenne.
Gruss
Günter Czauderna