Kann mir jemand die Begriffe
Kurfürst
Stammesherzogtum erklären ?
Warum haben die sich so genannt ? Warum gab es ein Kurfürstentum ?
Wieso hat Napoleon aus Bayern ein Königreich gemacht etc ?
Grüsse
Marcel
Kann mir jemand die Begriffe
Kurfürst
Stammesherzogtum erklären ?
Warum haben die sich so genannt ? Warum gab es ein Kurfürstentum ?
Wieso hat Napoleon aus Bayern ein Königreich gemacht etc ?
Grüsse
Marcel
Hallo Marcel
Ganz knapp hier etwas zu den Kurfürsten:
Erstmals werden die Kurfürsten im Sachsenspiegel (um 1220/30) erwähnt. Die politische Umsetzung dieser Theorie (die Kurfürtsen küren/wählen den König) erfolgte erst während des Interregnums, v. a. bei der Doppelwahl von 1255/56. Die Zahl aller Kurfürsten (drei geistliche: die Erzbischöfe v. Mainz, Köln und Trier; vier weltliche: der König v. Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, die Herzöge v. Sachsen und der Markgraf v. Brandenburg) erscheint erst in dem Kurfürstenspruch Reinmars v. Zweter 1239.
und zum Stammesherzogtum:
(etwas komplizierter, deshalb zitiere ich aus dem Lexikon des Mittelalters)
Charakter und Entwicklung: »Herzog.« (lat. dux, ahd. heritogo) bezeichnet den Inhaber einer provinzialen Herrschaftsgewalt unterhalb der Königsebene, vornehmlich, aber nicht ausschließlich im Frankenreich und in seinen Nachfolgestaaten. Die Geschichte des Herzogtums wird - trotz mancher Kontinuitäten - gemeinhin in verschiedene Perioden eingeteilt:
a) Ein sog. älteres Stammesherzogtums ging auf den Dukat der Merowingerzeit zurück (dux), der zunächst eine eher begrenzte und noch nicht durchgängige, sich über mehrere Komitate (comes) erstreckende Verwaltung mit vorwiegend militärischen Aufgaben umfaßte, sich in den Randgebieten und in den ostrheinischen Stammesprovinzen im Zuge sinkender Königsgewalt jedoch zu eigenständiger Herrschaft entwickelte.
Das austrasische Hausmeiertum (Hausmeier) der Karolinger fügte sich hier durchaus ein. Die karolingischen Könige Pippin und Karl d. Gr. gliederten die verselbständigten Herzogtümer erneut dem Reich ein und beseitigten die »Stammesherzogtümer«. Den Abschluß dieser Entwicklung bildete der Sturz des Bayernhzg.s Tassilo III. (788).
b) Nach einer Phase der Statthalterschaften und Unterkönigreicee karolingischer Königssöhne (regna) entwickelten sich seit dem späten 9. Jh. aus Machthäufung und Eigenherrschaft, Ämtern und Königssnähe sowie nicht zuletzt aus der Grenzverteidigung gegen Normannen, Slaven und Ungarn v. a. in den Grenz- oder Markgrafschaften der fränkischen Nachfolgestaaten in Auseinandersetzung zw. rivalisierenden Geschlechtern sog. jüngere Stammesherzogtümer bzw. (eher) Fürstentümer (Fürst). Ihre Inhaber konnten sich eine Vorherrschaft in den Provinzen und regna sichern und gegenüber dem König (Konrad I.) verteidigen (Liudolfinger in Sachsen, Luitpoldinger in Bayern, Hunfridinger in Alamannien, Konradiner in Franken, Reginare in Lotharingien).
Die itlienischen »Herzogtümer« bzw. Markgrafschaftenen knüpften dabei an die langob. Dukate an. Während die frz. Fsm.er (Fürst), von denen im Zuge einer längeren Entwicklung sieben den Herzogstitel erwerben konnten, eine oft eigenständige Entwicklung einschlugen, wurden diese fürstliche Herrschaften im dt. Raum spätestens unter den Ottonen wieder als Herzogtümer institutionalisiert und in die Reichsverfassung eingegliedert und allmähl. stärker vom König kontrolliert.
Im dt. Reich des 10. bis 12. Jh. wurden Herzogtümerund Fürstentümer gleichsam identisch.
c) Von diesem »älteren« unterscheidet sich nach herrschender Meinung ein jüngeres Herzogtum., das, seit dem 12. Jh., im Territorialfürstentum aufging.
Bei Napoleon kenne ich mich nicht so aus,
hoffe aber ich konnte Dir weiterhelfen, ansonsten frag noch mal nach!
Larissa
KURfürst
Die Kurfürsten hießen nicht Kurfürsten, weil sie krank waren und so oft eine Kur machen mussten (kleiner Scherz am Rande)
. Vielmehr waren das die Fürsten, die den Kaiser wählen durften. Die Vorsilbe „Kur“ steht also für „wählen“ und findet sich auch im heutigen Sprachgebrauch wieder, wenn jemand zum Sieger „gekürt“ wird oder ein Eiskunstläufer in der „Kür“ sein Programm selber aussuchen darf.
Bayern
Hallo, zu Bayern habe ich folgendes gefunden:
„Nach der Verfassung des Rheinbunds hatten die deutschen Fürsten anteilmäßig als Bundesgenossen Frankreichs zum Teil enorme Heereskontingente für die Feldzüge Napoleons zu stellen. Diese Truppen wurden dem Oberbefehl der Grande Armee unterstellt. Als Ausgleich erhielten sie Gebietsvergrößerungen (insbes. Sachsen und Bayern) auf Kosten kleinerer Staaten und von Kirchenbesitz sowie Standeserhöhungen (Königreich Bayern, Königreich Württemberg, Königreich Sachsen, Königreich Westfalen, Großherzogtum Kleve-Berg usw.).“
Quelle: http://www.koenigreich-westphalen.de/03%20Rheinbund/…
Gruß
Monika
Bleibt hinzuzufügen, dass die bairischen Herzöge sich auf Grund der frühmittelalterlichen Geschichte (Bajuwaren etc.) ohnehin als königlich fühlten. Propagandistisch setzten sie sich also nur in angebliche alte Rechte wieder ein, realpolitisch allerdings „von Napoleons Gnaden“.
Andreas