Kurswert, Nennwert

Hallo!!

Könnte jemand so nett sein, und mir die Begriffe Kurswert, Nennwert, Nominalzins und Effektivzins bei Anleihen mal erklären? (Also besonders Kurswert, Effektivzins und die Frage, warum es wichtig ist, ob eine Anleihe über/unter pari notiert? Schließlich hat man den Zinssatz doch schon bei Vertragsabschluss festgelegt, der Wert der Anleihe ändert sich doch also nicht!?).
Ich scheitere da nun schon länger dran! Da ich aber offensichtlich schon Probleme bei den Begriffen habe, hilft mir die unglaubliche Formel:

(V/(1+r_e)^n) * [(r_n/r_e) ((1+r_e)^n-1)+1]
(wobei r_n = fester jährlicher Nominalzinssatz, r_e = Effektivzinssatz, V = Nennwert und n = Laufzeit ist,)

schon garnicht weiter.

Ich bin da wirklich ziemlich aufgeschmissen, also schonmal vielen Dank für Eure Hilfe!!!

Grüße!

Hallo,

Kurswert einer Anleihe

Hierbei handelt es sich um den (aktuellen) Marktwert, zu dem die Anleihestücke gehandelt werden. Anleihen stellen Fremdkapital dar, welches an Börsen bzw. Märkten gehandelt werden kann. Daher braucht es auch einen Kurs, zu dem dies erfolgt (Ausgleich von Angebot und Nachfrage nach Anleihen)

Nennwert einer Anleihe

Dahinter verbirgt sich der Schuldbetrag der Anleihe. Also der Betrag, auf den auch die Zinsen berechnet werden.
Beispiel: Ein Unternehmen begibt eine Anleihe mit einem Volumen i.H.v. 100.000.000 Euro. Das Unternehmen nimmt die 100 Mio. ein. Das ist auch gleichzeitig der Nennwert der Anleihe.
Einzelne Anleihestücke werden gehandelt und besitzen oftmals einen Nennwert i.H.v. 1000 Euro. Der Kurswert weicht dann vom Nennwert ab, wenn der Zins der Anleihe und der Marktzins nicht übereinstimmen.

Nominalzins einer Anleihe

Derjenige Zins, der auf den Nennwert gezahlt wird. Er bestimmt sich v.a. auch auf Grund der Bonität des die Anleihe begebenden Unternehmens. Hier spielen bei großen Unternehmen auch Ratingagenturen eine Rolle.

Effektivzins einer Anleihe

Der Zins, der sich insgesamt ergibt, wenn man in eine Anleihe investiert. Man spricht hier auch vom internen Zinsfuss der Anleihe.

Frage, warum es wichtig ist, ob eine Anleihe über/unter pari
notiert? Schließlich hat man den Zinssatz doch schon bei
Vertragsabschluss festgelegt, der Wert der Anleihe ändert sich
doch also nicht!?).

Am Ende der Laufzeit unterscheiden sich Kurs- und Nennwert nicht mehr, da die Anleihe abläuft. Grund ist folgender:

Während der Laufzeit steigt der Kurswert immer über den Nennwert, wenn der Marktzins niedriger ist, als der Zins der auf die Anleihe gezahlt wird. Das kommt daher, weil man am Markt für sein Geld eine nur geringere Verzinsung erhält. Die Leute, die die Anleihe besitzen, bekommen mehr. Daher steigt die Nachfrage nach dieser Anleihe und damit auch der Kurswert.
Genau umgekehrt verhält es sich, wenn der Marktzins über dem Nominalzins der Anleihe liegt. Dann wollen alle aus der Anleihe raus. In der Folge fällt der Kurswert.

VG
Sebastian

Okay - vielen Dank dafür Sebastian!!! Die Begriffe sind mir nun endlich klar!!!

Den Bezug zur o.g. Formel, also

Kurswert = diskontierte Zinsleistungen + Barwert des Nennwerts
(mit dem Effektivzins als Diskontfaktor)

verstehe ich dann aber leider immernoch nicht!

Kannst du mir da nochmal weiterhelfen? Ansonsten nochmal Dankeschön bis hierhin, war wirklich ne große Hilfe.

LG

Hallo,

Den Bezug zur o.g. Formel, also

Kurswert = diskontierte Zinsleistungen + Barwert des Nennwerts
(mit dem Effektivzins als Diskontfaktor)

verstehe ich dann aber leider immernoch nicht!

Das ist gar nicht schwer. Der (aktuelle) (Kurs)Wert einer Anleihe ergibt sich ja dadurch, in dem man die einzelnen Zahlungen die so eine Anleihe leistet, bewertet und dies für den Zeitpunkt t=0. Mithin haben wir es hier mit einer Barwert- bzw. Kapitalwertermittlung zutun.

Beispiel:

Eine Anleihe besitzt eine Laufzeit von 3 Jahren. Der Newnnwert beträgt 1.000 Euro, es gibt einen Nominalzins i.H.v. 5,00 %. Damit lässt sich über die Zahlungen in den einzelnen Perioden folgendes sagen:

t=1 ==> 50,00 GE Zinsen (5% von 1.000 GE)
t=2 ==> 50,00 GE Zinsen (5% von 1.000 GE)
t=3 ==> 50,00 GE Zinsen (5% von 1.000 GE) UND Rückzahlung der 1.000GE
==> 1.050,00 GE

Mit der Zusatzinformation, dass der gegenwärtige Marktzins 4,5 % beträgt (flache Zinsstruktur unterstellt), kann man nun für den Zeitpunkt t=0 den Wert dieser Anleihe ermitteln. Man bewertet also wobei Bewerten immer Vergleichen meint. Man vergleicht also die Möglichkeit das Geld in Anleihe anzulegen, oder aber eben am Markt (in einer anderen Form).

Wert t=0 bei i=4,5% : -1.000 + 50/1,045 + 50/1,045^2 + 1.050/1,045^3

==> Wert in t=0 = 13,74 GE

Beträgt der Marktzins hingegen 7,5 % ergibt sich folgender Wert für den Zeitpunkt t=0: - 65,01 GE.
Der Verlust ergibt sich ja gerade deswegen, weil man „außerhalb“ der Anleihe eine höhere Verzinsung für den Anlagebetrag erhalten könnte.

Beträgt der Marktzins hingegen 3 % folgt daraus ein Wert von 56,57 GE.

Und zum Vergleich: Beträgt der Marktzins 5%, hat die Anleihe den Wert von 1.000 GE. Ist ja logisch.

Kurswert = diskontierte Zinsleistungen + Barwert des Nennwerts
(mit dem Effektivzins als Diskontfaktor)

verstehe ich dann aber leider immernoch nicht!

Die Formel ist nichts anderes als eine Bewertungsgleichung. Der Wert der Anleihe muss sich ja aus den Eigenschaften (Laufzeit und Kupon der Anleihe) sowie dem Marktzins als Alternative ergeben. Dieser Vergleich wird wie gesagt über das „Diskontieren“ der Zahlungen erreicht.

Wichtig ist aber wie gesgat, dass alle (!) Zahlungen erfasst werden. Daher muss Deine Aussage wie folgt korrigiert werden:

Kurswert = diskontierte Zinsleistungen + Barwert des Nennwerts + letzte Zinszahlung

(mit dem Effektivzins als Diskontfaktor)

Ja, das ist wie gesagt der interne Zinsfuss der Zahlungsreihe bzw. der Anleihe. Er lässt sich immer dann ermitteln, wenn der Kurs der Anleihe schon gegeben ist (sowie die Zinszahlungen).

VG
Sebastian

Phew, jetzt hab ich’s.

Vielen Dank für die super Antworten!!! War ne riesen Hilfe.

VG