und ein paar Gedanken zurück
(Achtung: lang!)
Hallo Tapherchen,
ziemlich indirekt zu einem Beitrag zu diesem Austausch
aufgefordert, möchte ich ein paar Gedanken äußern.
Also, ich wars nicht! 
Dieses Brett unterscheidet sich (ähnlich wie manchmal auch
L&L) von den anderen unter „Wissenschaftlen“ eingereihten,
dadurch, daß es nicht nur (natürlich nur „eigentlich“!)
manchmal auf extrem sorgfältige Formulierungen ankommt
(besser: ankäme - wenn die Fragen wirklich beantwortet werden
sollten). Hier ist es auch so, daß Äußerungen direkt eine
psychotrope Rückwirkung haben können - egal welcher Art - auf
jemanden, der ein Problem schildert…
Das ist unbestritten. gerade darum steht am Schluß der Brettbeschreibung „wichtig, daß wir hier besonders sorgfältig miteinander umgehen“. Dazu stehe ich selbstverständlich (sonst hätte ichs nicht geschrieben).
In diesem Fall war das unempfindlich […]
Aber in anderen Fällen könnte so manches schiefgehen
(und das heißt, negative Befindlichkeiten provozieren). Daß so
etwas vorkommen kann (selbstverständlich - fast - immer
unbeabsichtigt), ist selbstverständlich, das liegt an der
Forenform selbst… und es ist mir ja selbst auch oft genug
passiert…
Natürlich kann es schiefgehen. Gerade weil wir es hier - und ich meine jetzt nicht Dich, Kahdja (Du liest ja wahrscheinlich immer noch mit), sondern andere Fälle - oft mit psychisch labilen Menschen und fast immer mit Menschen in Krisensituationen zu tun haben (Ausnahme sind die reinen Wissensfragen, auf die ich mich hier mal gar nicht beziehen werde).
Zu den Äußerungen, die schiefgehen könnten, z.B. als massive
Eingriffe in die Denkautonomie eines anderen erlebt werden
könnten, gehören solche:
vielleicht machst Du Dir einfach mal Gedanken drüber"
alles zu tun, damit … sie … sich selbst Gedanken macht.
… ihr nur geraten, sie soll sich mal Gedanken drüber machen.
Stimmt. So etwas ist immer ein Eingriff in die Denkautonomie eines anderen. Aber alles , was wir hier als Antwort auf ein Problem schreiben, ist ein solcher Eingriff. Kommunikation jeder Art ist ein Eingriff in die Denkautonomie eines anderen. Meines Erachten ist so etwas wie „Denkautonomie“ ein ebensolches Abstraktum wie „Autarkismus“. Kein Mensch ist autark, und niemand denkt völlig autonom. Wenn ich mich entschließe, ein Problem mit meiner besten Freundin zu besprechen, gewähre ich ihr damit einen Eingriff in meine „Denkautonomie“. Wenn ich mich entschließe, ein Problem hier im Forum zu posten, gewähre ich jedem, der hier seine Meinung dazu schreibt, einen Eingriff in mein Gefühls- und Denkleben.
Damit will ich nicht sagen: „Wer hier posted, muß halt wissen, was er tut, und mit dem Echo leben“. Ich habe ja schon geschrieben, daß ich der Meinung bin, wir müßten hier vorsichtig miteinander sein (mit hier meine ich primär das Psych-Brett, aber auch das Forum allgemein). Denn manche, die hier posten (wieder nicht Du speziell gemeint, Kahdja) sind labil, leicht manipulierbar und schutzlos.
Aus genau diesem Grunde verwende ich immer wieder Formulierungen wie „das ist nur meine Meinung“ (obwohl das eigentlich klar sein sollte), „das soll jetzt nur ein Denkanstoß sein“, oder „vielleicht machst Du Dir einfach mal Gedanken darüber“.
Aus Familen- und Partnerschaftskommunikationen weiß man z.B.
daß die Aufforderung, „sich Gedanken zu machen“ oder „mal
nachzudenken“, zu extremen Aggressionen führen kann, die
leider oft (zumal, wenn es sich um Kinder handelt),
jahrzehntelang nicht erkannt werden, so daß sie unbewußt ihr
Unheil treiben und urplötzlich zu einem Abbruch von
Vertrauensbeziehungen führen können. Die Erklärung liegt
darin, daß mit solchen Aufforderungen der andere im Kern
autonomen Selbsterlebens, nämlich im Denken, gewissermaßen
entmündigt wird. Natürlich meist unbeabsichtigt, zumindest
nicht bewußt. Das ist vergleichbar mit jemandem, der sein
Leben in Bücherbergen verbringt und einen Instinkt für das
Richtige entwickelt hat, wenn er aufgefordert wird „Du mußt(!)
mal unbedingt dieses Buch lesen“… (die bessere Alternative
wäre: „Ist dir auch dieses Buch schon aufgefallen?“)
Ich bin keine Psychologin und erlebe Kommunikation immer nur selbst und analysiere sie dementsprechend nur auf der Basis eigener Erfahrungen. Der Satz „denk einfach mal drüber nach“ ist in einem (Life)Gespräch meistens der Abschluß, wenn man nicht weiterkommt, und besagt oft so etwas wie: " Ich weiß, daß ich recht habe, Du willst es nicht einsehen, aber Du solltest wenigstens drüber nachdenken.
So ist es in diesem Forum hier bestimmt nicht gemeint, da einem Posting ja erst mal keine Diskussion vorausging.
Ich bin mir der diversen „Ich sage dies aber meine das“ Spielchen sehr wohl bewußt und habe sie sehr lange beobachtet. Aber für mich habe ich entschieden, sie nicht mehr zu spielen. Wenn ich sage „denk einfach mal drüber nach“, dann meine ich „denk einfach mal drüber nach“. Nicht mehr, nicht weniger.
Daß jemand anders das anders auffassen kann, ist klar. Im real life nehme ich da mittlerweile keine Rücksicht mehr drauf. Alle, die mich kennen, wissen, daß ich sage, was ich denke. Wenn sich jemand dennoch bemüßigt fühlt, Dinge in meine Worte hineinzudeuten, die ich nicht gesagt habe, ist das nicht mein Problem.
Im Forum verhält sich das natürlich anders. Für mich sind hier Sätze wie „denk einfach mal drüber nach“ die Möglichkeit, klarzumachen, daß ich natürlich auch nicht haargenau weiß, was das exakte Problem ist (was ich Kahdja ja auch schrieb) und nichts weiter versuchen will, als einen Denkanstoß, eine andere Sichtweise zu geben.
Gottseidank ist die Alltagskommunikation eh relativ ungenau
gegenüber solchen Feinheiten, so daß der Schaden oft gar nicht
an die Oberfläche kommt. Aber sobald eine sensibilisierte
psychische Disposition vorliegt, könnten solche
Formulierungen in eine offene Wunde stechen…
Da wir hier ja nicht mehr über Kahdja und ihr Problem sprechen, beobachte ich nur mal, daß es anscheinend bei Penny und Dir auf eine solche Disposition traf - und sicher auch noch bei anderen - bei Kahdja allerdings nicht. Und für die war das Posting geschrieben. Ich hatte mir, gerade beim ersten Posting, ziemlich lange Gedanken gemacht, wie ich es genau formulieren soll. Anscheinend lag ich nicht ganz richtig - aber wohl auch nicht ganz falsch.
Das ist das Risiko, das hier jeder eingeht, der ein sensibles
Problem darstellt, und ebenso das Risiko eines jeden, der
darauf wie auch immer antwortet. Der relativ träge
Mail-Austausch macht das unvermeidbar.
Da ist der Punkt dessen, was ich auch schon Penny schrieb: Das ist das Risiko, das wir mit jedem Posting, jedem Satz hier eingehen. Ich habe schon kurze Postings im Plauderbrett verfaßt, die ausschließlich lustig gemeint waren, und jemand war eingeschnappt. Weil er mit dem falschen Fuß aufgestanden ist. Weil der Humor nicht kompatibel war. Weil weil weil. In diesem Brett sind die Themen prekärer, aber im Grunde ist es das Gleiche.
Natürlich ist es so, daß sie ein Problem hat, nämlich genau
das (und nur das!!), was sie postete (hier: Ärger über
schwer abzuwendende Ruhestörung und darüber hinaus die
Beschreibung von Erregungszuständen). Aber das bedarf ja nicht
mehr der Rückmeldung „ich bin der Meinung , daß sie ein
Problem hat…“. Das deutet vielmehr an, daß eine
psychotherapeutisch identifizierbare und terminologisch
genauer determinierbare Indisposition vermutet wird. Auch,
wenn diese unbestimmt gelassen würde, wäre das schon der
Anfang einer Ferndiagnose.
Weswegen ich ja auch schrieb, daß das, was ich niederschreibe, lediglich Dinge waren, die mir beim Lesen ihrer Fragen und der folgenden Antworten durch den Kopf gingen, und ihr riet, sich für genauere Analysen von jemand Fachkundigem beraten zu lassen. Natürlich schrammen wir hier immer am Anfang einer Ferndiagnose vorbei, so sehr wir uns auch bemühen. Das läßt sich auch gar nicht ändern. Wir müssen uns dessen nur bewußt sein, behutsam damit umgehen und versuchen, klarzustellen, daß unsere Meinung nicht allgemeingültig ist. Das habe ich versucht und meine, daß das auch klargeworden ist. Zumindest derjenigen, für die das Posting verfaßt war, und nur für sie war es verfaßt.
Die Situation wäre eine ganz andere, wenn jemand auf seine
Symptombeschreibung hin selbst anfragen würde, „in
welcher pathologischen Kategorie man zunächst eine
Diagnostizierung für möglich halten würde“. Das wäre ein
Zeichen eines direkten kognitiven Interesses. Aber gerade
dann würde ein Therapeut niemals eine Vermutung
aussprechen (dürfen), wenn es sich um die Person selbst
handelt.
Das ist genau das, was ich meinte: wir müssen versuchen, uns auf denjenigen einzustellen, der fragt. Kahdja zeigte meiner Meinung nach eine sehr bewundernswerte (und das meine ich, ich kann in solchen Krisensituationen nicht so kognitiv reagieren) Fähigkeit zur Selbstanalyse, zur Reflektion und Rationalisierung. Darauf bin ich eingegangen. Von genauen Termini habe ich mich ferngehalten (den Bezug zu Panikattacken stellte ich erst in meinem Posting an Penny her, und auch dort nur vorsichtig), weil ich die in den meisten Fällen für hinderlich halte.
Das Problem ist nämlich, daß eine Liste von Fachtermini, die
ein Klient im Kopf hätte, bevor er eine Therapie begänne, den
therapeutischen Prozess unnötig verkomplizieren würde. Wie man
das, was man „hat“, bezeichnet, ist zunächst nur für die
Krankenkassen wichtig und nötig… Therapeuten, die nach der
ersten Sitzung den Patienten mit einem Fachausdruck nach Hause
schicken, werden allgemein als unseriös betrachtet.
Und ganz zu Recht. Deswegen, s. o., habe ich mich auch keiner bedient. Ganz davon abgesehen, daß es gerade hier unmöglich ist, fachliche Diagnosen zu stellen.
Natürlich ist hier niemand an diese Regeln gebunden, der nicht
selbst therapeutisch tätig ist. Deshalb ist es ein großer
Unterschied, ob eine Diagnose (und das ist bereits eine
Aussage der Form " du bist therapiebedürftig" oder
" du hast ein (psychopathologisches) Problem", auch wenn
der Zusatz „meiner Meinung nach“ dabei steht) von einem
diesbezüglichen Laien kommt (er würde sich ja gerade dadurch,
daß er es schreibt, als Laie ausweisen), oder von
jemandem, der sich als psychologischer Berater im Forum
identifiziert - egal ob Therapeut oder nicht.
Diese Diskussion hatten wir in ganz anderer Form schon mal im ALK-Brett. Damals war das Thema: Ist es wichtig, daß Leute ihren Beruf in die ViKa eintragen? Einige meinten, daß sie Postings wesentlich mehr Substanz zutrauen, wenn sie der ViKa entnehmen können, daß der Autor ein ausgewiesener (beruflicher) Experte auf dem Gebiet der Frage ist. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich sehe das nicht so.
Ich denke (und das ist nur meine Meinung *g*), daß ein ausgebildeter Psychotherapeut hier im Brett genau so wenig eine Ferndiagnose stellen kann wie ich oder irgend jemand sonst. Wie Du selbst sagtest, würde das ein „echter“ Experte auch nicht tun. Ich glaube aber, daß die berufliche Ausbildung nicht indiziert, ob ein Artikel hilfreich sein kann oder nicht. Meines Erachtens spielt gerade die Mischung aus Fachleuten und Laien eine große Rolle. Letzten Endes kann man nie vorher sagen, welches (wenn überhaupt eines) der Postings eine Initialzündung auslöst. Mir ist in meinem Leben schon oft von Menschen geholfen worden, die von der dem Problem zugrunde liegenden Sache gar keine Ahnung hatten. An der Uni - und auch jetzt noch, im Beruf - galt immer der Grundsatz: „Wenn Du nicht weiterkommst, erkläre die Problematik jemandem, der sich überhaupt nicht damit auskennt, und höre ihm zu“. Und das hat sich bis jetzt sehr oft bewährt. Denn es kann einen völlig anderen Sichtpunkt auslösen, auf den man bislang einfach noch nicht gekommen ist. Psychologisch ebenso wie in allen anderen Bereichen des Lebens.
Sie beschreibt sehr genau gewisse Reaktionen, die sich meines Erachtens mit Symptomen aus dem Bereich Phobie / Panikattacke decken, aber ausgelöst einzig und allein von Sexgeräuschen.
Das ist eben so eine oben beschriebene Aussage.
Jaaa, ich wußte, das das kommen würde. Diesen Satz habe ich nicht an Kahdja geschrieben, sondern an Penny. Und als ich ihn geschrieben hatte, kamen mir auch Zweifel, ob ich das hätte tun sollen (ich halte aber nichts vom „Im-nachhinein-Editieren“ in eigenen Brettern - außer bei Rechtschreibfehlern *g*). Das ist tatsächlich ein zweifelhaftes Statement. Ich habe mich dazu hinreißen lassen, weil ich mich von Penny provoziert fühlte (und nein, Marion, ich sage damit nicht, daß Du mich provoziert hast - nur, um weiteren Mißverständnissen gleich vorzubeugen)), weil das dasjenige war, was ich tatsächlich vermutete , aber natürlich nicht beurteilen kann, weil ich eben keine Fachfrau bin.
Sie ist
erstens falsch, denn k. hat nichts geschrieben, das auf Phobie
hinweist (vielleicht, rein der Erscheinungform nach, auf
Panik, aber nicht auf Panikattacke, das ist was anderes), und
zweitens ist es eine Ferndiagnose, denn eine Diagnose ist fast
immer nur nach einem „Erachten“ stellbar - sie kann immer
bezweifelt werden - im Unterschied zur Automechanik oder
Computertechnologie, wo Eindeutigkeiten möglich sind.
Ja, das kann ich als Gegenmeinung stehen lassen. Meine Definitionen von Panik und Panikattacken sind sicherlich nicht so genau (darum lasse ich meine FAQ auch immer von echten Fachleuten prüfen *g*), und Du wirst es sicher besser beurteilen können. Daß es in diesem Fall eine Ferndiagnose ist, gebe ich zu: Aber, wie gesagt, sie ging als Antwort an Penny, nicht an Kahdja. Kahdja wollte ich nichts dergleichen schreiben, es war sicher ein Fehler, es in meiner Antwort an Penny zu schreiben, die Kahdja natürlich auch liest.
Es ist Sinn und Zweck der Übung, auf eine Frage in einem Forum
wie diesem verschiedenste Meinungen zu hören.
Das denk ich auch… was Empfehlungen angeht… denn das ist
ja der Grund, weshalb man Probleme hier postet…
Eeeben… 
Wie gesagt, dieses Brett hier hat eigentlich ein Höchstmaß an
Vorsicht zur Spielregel, mehr als alle anderen Bretter,
aber diese Vorsicht kann nur als gewünscht gelten, nicht
gefordert werden, da niemand (weil öffentlich) dazu
verpflichtet werden kann. Und jeder von uns kann Fehler machen
(und macht sie auch), und jeder kann Dinge bewirken, derer er
sich gar nicht bewußt ist. Aber das setzt jeder Problem-Poster
ja sicher auch voraus.
Ja, das weiß ich eben nicht so genau. Ich habe es bei Kahdja vorausgesetzt, weil ich sie für eine kluge, reflektierte Persönlichkeit halte. Ich setze es nicht bei jedem voraus. In anderen Fällen würde ich anders formulieren - oder lieber gar nichts schreiben. Bei Kahdja hatte ich aber das Gefühl, daß sie verschiedene Sichtweisen wünscht und diese auch einordnen und für sich selbständig verwerten kann - und der Meinung bin ich immer noch.
Klar machen wir immer wieder Fehler. Der Satz im Posting an Penny war ein Fehler, das sehe ich ein. Meine Formulierungen in den eigentlichen Postings - hm. Mißverständlich, vielleicht. Falsch? Nein?
Wir sollten nicht vergessen, daß dies ein Online-Forum ist. Rapid Intimacy ebenso wie Anonymität stehen hier zwischen uns allen. Ein Großteil des menschlichen Erfahrungsschatzes zum Einordnen von reinen Wörtern fehlt. Und das ist sehr fruchtbarer Nährboden für Mißverständnisse. Wenn wir dieses Risiko völlig ausklammern wollten, dürften wir hier nichts mehr schreiben.
Das Wichtigste ist doch, daß wir über allem wissenschaftlichen und anderem Eifer nicht vergessen, adß auf der anderen Seite ein Mensch sitzt, der ein Problem hat. Und daß wir diesen Menschen nicht kennen, daß er auf tausenderlei verschiedene Möglichkeiten reagieren kann auf jede Art von Input, die wir geben. Und daß niemand, niemand von uns die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Es ist gerade in diesem Forum anscheinend leicht, Menschen für Fehler an den pranger zu stellen. Was für Persönlichkeiten hinter den Fehlern stehen, was für Dispositionen, was für situationsbedingte Einflüsse - das wird leider sehr oft außer Acht gelassen.
Sooo, jetzt bin ich aber sehr ins Forumsphilosophische abgeglitten. Ab mit uns ins Philosophie-Brett! 
Jedenfalls finde ich es richtig, daß auch soetwas hier
diskutiert werden soll - und muß.
Was hiermit geschehen ist.
Kuß, Nike