Hallo Mondi84,
Kann man eine ISDN Anlage inklusive angeschlossener Telefone
zerstören indem man den Netzerkanschluss eines Notebooks mit
einer ISDN Dose verbindet?
Das hängt sehr davon ab unter anderem wie die Verkabelung der verschiedenen Dosen genau ausgeführt ist. Ohne genaue Bastandsaufnahme kann ich da leider nur allgemein bleiben:
Eigentlich kann man eher einen Computer mit einem ISDN-Signal beschädigen als umgekehrt, da aus dem ISDN soweit ich weiss 48 Volt kommen und aus dem Netzwerkanschluss vernachlässigbar schwache Signale. Klare Ausnahme ist, wenn es eine Stromversorgung über Computernetz „Power over Ethernet“ gibt - da kommt der Strom aus dem zentralen Switch (der das Computersignal verteilt) und nicht aus der Netzwerkkarte. Das kann ganz klar auch ein Telefon und eine Anlage gleichzeitig zerstören.
Netzwerkdosen und -karten sind andererseits recht gut gegen Fremdspannungen von ISDN und Telefon geschützt, aber da schau ich nicht tief genug in die Materie.
Bei einem Bekannten ist dies neulich passiert.
Da sich die ISDN Dosen unmittelbar neben den Netzwerkdosen
befanden und nicht speziell gekennzeichnet waren, wurde ein
Notebook versehentlich an die ISDN Dose angeschlossen.
Folge war, dass die ISDN Anlage und mehrere (nicht alle) der
angeschlossenen Telefone nicht mehr funktionierten.
Inzwischen wurden die betroffenen Geräte ausgetauscht und
alles läuft wieder.
Mal abgesehen davon, dass man natürlich eine Netzwerkkarte
nicht an eine ISDN Dose anschließen sollte, stellte sich uns
jedoch trotzdem die Frage ob es nicht entsprechende
Schutzmechanismen gibt, die einen Kurzschluss in so einem Fall
verhindern können.
Das folgende gilt für den Fall, dass kein „Power over Ethernet“ existiert:
Auf seiten des Notebooks sollte es die geben (weshalb das Notebook auch nicht beschädigt wurde, richtig?)
Die ISDN-Telefone sollten eigentlich auch nicht beschädigt worden sein, da sie ja nur Verbraucher sind und von der Netzwerkkarte keine hohen Spannungen ausgehen.
Die Telefonanlage sollte eigentlich am ISDN-Port kurzschlussfest sein und auch nicht kaputtgehen, am wahrscheinlichsten ist es jedoch in diesem Fall dass der „Port“ (also ISDN-Anschluss) der Telefonanlage aufgegeben hat.
ALLERDINGS habe ich hier keinen Schaltplan der ganzen Anlage, schon daher ersetze ich keinen Gutachter mit Vororttermin.
Sollten wirklich die Telefonanlage UND mehrere ISDN-Telefone zerstört worden sein, so drängt sich mir noch eine andere Problemquelle auf, die sonst kaum entdeckt worden wäre: Es ist nicht ausgeschlossen dass entweder das Netzteil der Telefonanlage oder des Notebooks defekt ist und es daher einen sog. meist kapazitiv eingekoppelten Kriechstrom gibt. Dieser muss nicht lebensgefährlich sein, kann aber Elektronik eventuell verwirren.
Meine Meinung als „Gutachter“ (ich war auch Elektroplaner) wäre aber in dem Fall eine ganz andere: Wer die Dosen nicht klar beschriftet, den trifft mindestens eine Mitschuld! Vor allem wenn ISDN und Ethernet nebeneinander liegen (was durchaus üblich ist und nicht „illegal“).
Die Telefonsysteme der Welt haben sich historisch entwickelt, daher verwendet man dieselbe Steckerform RJ45 für ISDN, Netzwerk und (vor allem in den USA) Telefon. Zwar versuchen die Techniker seit Anfang an, die Signale duch Normung „aneinander vorbei“ zu führen selbst wenn falsch gesteckt wird (Telefon liegt auf Pin 4 und 5, Ethernet bis 100 Mbit/s auf Pin 1 und 2, 3 und 6, aber ISDN macht da einen kleinen Strich durch die Rechnung (4 und 5, 3 und 6 beschaltet).
Hoffe das hilft fürs erste…
Gruss
Andreas