Kutlass

Hallo!
„Entermesser - deutsche Sammelbezeichnung für alle Entergriffwaffen mit gerader oder gekrümmter Klinge bei Klingenlängen zwischen 400 und 700 mm; weitere Kollektivbezeichnungen: Entersäbel, Bordsäbel, Bukaniersäbel, seltener Flibustiersäbel (nur wenn Klinge gekrümmt), Bordhauer, Schiffshauer, Kutlass (wenn mit Haumesser- oder
Machetenklinge); das spezifische Entermesser bildete sich erst um 1750 heraus, als Modellwaffe gegen Ende 18. Jh.; Gefäß terzseitig meist voll, quartseitig gelegentl. halb deckenden Handschutz; zuweilen ohne Scheide, da zum Bordinventar gehörend und nur selten
als Seitenwaffe angelegt (z. B. vom Landungskommando); befanden sich auch bis geg. Mitte 19. Jh. an Bord von Handelsschiffen (Levante-, Asien-, Afrika-, Lateinamerikafahrer); deutsche Modelle: Entersäbel d. Reichsflotte v. J. 1848, Entermesser d. kgl. preuß. Marine v.
gl. Jahre, Entermesser 91, Marineseitengewehr 1 1“

Entschuldigt das lange Zitat, ich wollte nur zeigen, dass der Verfasser (Lexikon der blankwaffenkundlichen Fachsprache)vermutlich weiß, wovon er schreibt. Aber das eingedeutschte „Kutlass“ (engl. cutlass) habe ich nirgends finden können. Ist es außer in dem besagten Lexikon noch irgendwo belegt, so dass ich es mit gutem Gewissen in einer Übersetzung verwenden kann?

Gruß,
Eva

Hallo,

Aber das
eingedeutschte „Kutlass“ (engl. cutlass) habe ich nirgends
finden können. Ist es außer in dem besagten Lexikon noch
irgendwo belegt,

z. B. hier (unter cutlass) und hier (Unsere Kutlasse und Pistolen hatten wir natürlich zurückgelassen…).

Gruß
Kreszenz

Hallo!
Danke für die Links - der eine sehr informastiv, der andere sehr nostalgisch :smile: Ach, ich erinnere mich an rotbackige Nachmittage mit Karl May …

Gruß,
Eva

der Vollständigkeit halber
Hallo!
Habe ich in meinem Archäologischen Wörterbuch gefunden (Heinrich Otte), welches zu meinem Erstaunen in Deutsch/Latein/Englisch/Französisch unterteilt ist, so weit war ich beim Blättern noch gar nicht gekommen :wink:
„cutlass: altengl. coutel-axe, coutel-hache, starkes, fast gerades, einschneidiges Schwert; üblich seit dem Ende des 15. Jahrhunderts“

Tja, für den Roman, den ich übersetze, definitiv zu spät, was ich schon wusste, die Übersetzung Entermesser zeichnet ein ganz falsches Bild, aaaber Venedig, Kapitän, evtl. Pirat - vielleicht kann man ihm eine Art Türkensäbel unterjubeln. Her mit dem Boeheim :smile:

Gruß,
Eva

Kordalätsch
Hallo Eva,
was spricht eigentlich gegen die von mir vor einem knappen Monat vorgeschlagene ‚Falcione‘ (http://it.wikipedia.org/wiki/Falcione)? Im Böheim findet sich allerdings nur die französische Variante:

„Vom 4. Jahrhunderte an, zuerst in Italien, später auch unter den Franken, wird das kurze Krummschwert eine beliebte Waffe des Fußvolkes, das, wie wir wissen, immer mit weniger widerstandsfähigen Schutzwaffen ausgerüstet war. In Frankreich tritt es um die Mitte des 13. Jahrhunderts unter der Bezeichnung fauchon als messerartige Waffe mit gegen die Spitze zu sich verbreitender und dort vom Rücken aus schräg abgeschnittener Klinge, also in vollkommen orientalischer Form auf.“

Als Waffe speziell für Seesoldaten im 14. Jahrhundert verweist der Böheim auf die sog. Craquemarts - allerdings nur für England und Frankreich. Das venezianische Sägeschwert ist noch später als der Cutlass („Eine eigene Art von Krummschwertern wurde um die Mitte des 16. Jahrhunderts von den venezianischen Seesoldaten geführt: das sogenannte Sägeschwert“).

Ansonsten nennt der Böheim speziell für Venedig das Coltelaccio:

„In Italien, namentlich in den Freistaaten Venedig und Genua, welche, friedlich oder feindlich, in einer ununterbrochenen Berührung mit dem Oriente standen, ja welche selbst orientalische Völkerschaften beherrschten, finden wir das Krummschwert unter der Bezeichnung coltelaccio, cortelas, d. i. großes Messer (Fig. 309), in ihren Heeren bis ins Mittelalter hinauf vertreten. In Deutschland erscheint es unter der korrumpierten Bezeichnung Kordelatsch oder Kordalätsch. Venedig ist im Fache der Waffen bis ins 17. Jahrhundert als die rege Vermittlerin zwischen dem Oriente und dem Occidente anzusehen. Aus diesem Umstande erklärt sich die Aufnahme des coltelaccio als Waffe in den venezianischen Fechtschulen der Markusbrüder im 14. Jahrhundert, und wir treffen sie da nicht nur einhändig, sondern später auch zweihändig. Der schnabelförmig endende Griff und der muschelförmige Ansatz (Parierknebel) an der Parierstange kennzeichnet die orientalische Herkunft dieser Fechtschwerter vollends. (Fig. 310.)“

Ob freilich eine Übersetzung Kordelatsch oder Kordalätsch ratsam wäre, wage ich anzuzweifeln. Dann doch lieber Coltelaccio oder - nach wie vor mein Favorit - Falcione.

Freundliche Grüße,
Ralf

Falcione & Konsorten
Hallo, Ralf!
Da spricht gar nichts gegen, außer: „Entermesser“ und im Engl. vermutlich auch „cutlass“ sind Begriffe, die beim Leser spontane Assoziationen auslösen, „cutlass“ klingt auch schon regelrecht nach action und Halsdurchschneiden:wink:

Ich kann nicht schreiben: „Der Kapitän hielt ihm sein Falcione an die Kehle“ … Entermesser geht aber auch nicht so richtig gut, weil dieser Kapitän ein venezianischer Nobile ist und ein paar Seiten später steht dann da, dass er sein sword in die sheath steckt. So ein Entermesser, das der Leser vor Augen hat, hat aber keine Scheide. Und mit „Kutlass“ kann der Leser auch nix anfangen :frowning:

Ach, es liegt an mir. Ich stehe noch zu nah vorm Text und verliere mich in unwichtigen Details. Lasse ich ihn eben das blöde Entermesser schwingen und gut is’!

Vielen Dank für Deine und euer aller Geduld.

Gruß,
Eva Erbsenzähler

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Hallo!

Ich kann nicht schreiben: „Der Kapitän hielt ihm sein Falcione
an die Kehle“ … Entermesser geht aber auch nicht so
richtig gut, weil dieser Kapitän ein venezianischer Nobile ist
und ein paar Seiten später steht dann da, dass er sein sword
in die sheath steckt.

Wie wär’s mit einem ganz ordinären „Säbel“?

lg,
M.