KZ besuch!

Hallo!

Ich habe demnächst vor, ein ehemaliges KZ zu besuchen, ich bin nicht nationalsozialistisch veranlagt, möchte mich nur über unsere schattige vergangenheit (die ja nun auch nicht mehr weg zu denken ist) Informieren!
Da ich in Hannover wohne, war ich schon des öfteren in Bergen-Belsen!
Ich möchte gerne in ein KZ, das fast vollständig erhalten ist.

Hat jemansd schon so etwas besucht und kann mir ein paar Tipps geben?

MFG, Tim

Also eine wirklich intakte KZ-Gedenkstätte gibt es meines wissens nicht.
Ich würde dir aber die Gedenkstätte KZ Mittelbau-Dora im Kohnstein bei Nordhausen empfehlen:

http://www.dora.de/media_de/index.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Dora-Mittelbau

Nach meiner persönlichen Erfahrung gibt es kaum eine Gedenkstätte, die bedrückender wirkt als diese.

Ansonsten ist die Gedenkstätte KZ-Neuengamme

http://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Neuengamme

sehr detailliert errichtet worden und die Ausstellungen und die Führungen sind sehr umfassend und informativ.
Bei beiden Gedenkstätten sollte man sich aber einer Führung anschließen, insbesondere bei Dora, da man sonst nicht in den Stollen kommt.

Gruß Andreas

Hallo Tim,

Da ich in Hannover wohne, war ich schon des öfteren in
Bergen-Belsen!

Ja, und? Hat daran etwas gefehlt?

Ich war noch nicht in Bergen-Belsen, habe auch nichts darüber gelesen, aber jetzt hast du mich neugierig gemacht.

Ich möchte gerne in ein KZ, das fast vollständig erhalten ist.

Eine Übersicht über ehemalige KZs und andere NS-Gedenkstätten findest du beispielsweise hier:
http://www.ns-gedenkstaetten.de/porta

Hat jemansd schon so etwas besucht und kann mir ein paar Tipps
geben?

Ich war bis jetzt nur in Dachau und Auschwitz. Also die beiden KZs sind jedenfalls „fast vollständig erhalten“, um es einmal so zu sagen. Ok, die großen Gaskammern in Auschwitz sind gesprengt, aber sehen kann man sie noch.

Die beiden Lager sind ganz unterschiedlich. Dachau war eher dafür gedacht, Regimekritiker zu inhaftieren. Auschwitz war eine Kombination aus Vernichtungslager und Arbeitslager.

Meiner Meinung nach gibt es jetzt zwei Möglichkeiten, wie du vorgehen kannst:

  1. Du liest Bücher über das Thema 3. Reich, siehst dir hier die Empfehlungen an, klickst dich durch die Links auf der oben genannten Website. (Oder sind da keine Links? Na, jedenfalls die Namen findest du dort.) Dann entscheidest du dich für ein spezielles KZ, das dich besonders interessiert.

  2. Du überlegst dir, wo du schon immer mal hinfahren wolltest und schaust dann, welches KZ dort in der Nähe ist. So könnte man z.B. eine Reise nach München mit einem Besuch in Dachau verbinden …

Ich hätte mit so einer Überlegung keine grundsätzlichen Probleme. Der Besuch in einem KZ ist für mich ungefähr so, wie der Besuch auf einem Friedhof. Man verlässt ihn wieder, nimmt noch eine Zeitlang die Gedanken an diesen Besuch mit, und dann geht das Leben weiter.

Ach ja: Am besten informierst du dich auch, wann Führungen stattfinden. Die in Dachau und Auschwitz waren beide sehr gut.

Wenn du nun eine einzige Empfehlung willst, dann würde ich sagen, fahr nach Auschwitz. Aber fahr mit dem Zug, nimm nicht den Billigflieger nach Krakau. Es dauert zwar eine Weile, bis man dort ist (ich glaube 18 Stunden oder so), aber es kostet nicht viel, weil die Bahn in Polen um einiges günstiger ist und es Sparpreise gibt. Und meiner Meinung nach gehört die Fahrt mit zum Besuch der Gedenkstätte. Das macht einen nachdenklich, wenn man bequem im Liegewagen fährt, noch dazu mit viel schnelleren Zügen als damals, und sich dann vorstellt, wie es gewesen sein muss, so eine Fahrt stehend, unfreiwillig, hungrig und durstig zu verbringen …

Schöne Grüße

Petra

Hallo,

Tim!

Eindrucksvoll ist auch Mauthausen bei Linz.
Gruß!
Hannes

Hallo!

Ich war bis jetzt nur in Dachau und Auschwitz. Also die beiden
KZs sind jedenfalls „fast vollständig erhalten“, um es einmal
so zu sagen. Ok, die großen Gaskammern in Auschwitz sind
gesprengt, aber sehen kann man sie noch.

Auschwitz ist auch (zusammen mit Buchenwald) das KZ, das man am besten aus den Medien kennt. Wenn man das Lagertor sieht („Arbeit macht frei“, die Rampe von Birkenau oder die Wachtürme, dann verbindet man damit immer gleich die Originalbilder aus der Zeit und spürt diesen kalten Schauer: „Hier ist das wirklich passiert!“

Die beiden Lager sind ganz unterschiedlich. Dachau war eher
dafür gedacht, Regimekritiker zu inhaftieren. Auschwitz war
eine Kombination aus Vernichtungslager und Arbeitslager.

Auch die Art und Weise der Präsentation ist ganz unterschiedlich. Dachau hat (in meiner Erinnerung, aber das ist schon lange her) vor allem den Charakter eines Museums. Auschwitz-Stammlager ist ein großes Dokumentationszentrum in den Original-Gemäuern und eine Sammlung von Bergen von Häftlingseigentum: Koffer mit aufgemalten Adressen aus ganz Europa, Schuhe, Brillen, Protesen, Geschirr und - ganz schlimm - Haare. Auschwitz-Birkenau ist eine Gedenkstätte (ein ziemlich unscheinbares Denkmal) und das Lager, zum Teil oiginal erhalten, zum Teil restauriert, zum Teil das, was die Russen davon übrig gelassen haben. Es erzählt seine Geschichte nicht durch Dokumentationstafeln, Bilder oder Ausstellungsstücke, sondern nur durch die Aura des Ortes.

Auschwitz-Stammlager wird täglich von so vielen (tausenden) Touristen „heimgesucht“, dass die Dokumentationsstelle der Flut nur Herr wird, wenn sie die Besucher mit organisierten Führungen durchs Lager schleust. Diese werden allen erdenklichen Sprachen gehalten. Ich habe auch schon japanisch und italienisch gehört. Birkenau ist dahingegen fast schon menschenleer.

Für mich (ich habe es jetzt schon dreimal gesehen) ist es immer wieder sehr bedrückend, allein die schiere Größe von Birkenau auf sich wirken zu lassen. Vom Lagertor bis zu den Krematorien geht man zu Fuß 10 oder 15 min lang auf einer schnurgeraden Straße, die rechts und links von unendlich vielen Baracken gesäumt ist. Dabei durchquert man das Lager von Ost nach West. In Nord-Süd-Richtung hat es eine noch größere Ausdehnung! Von manchen Baracken stehen nur noch die Schornsteine. Andere sehen so aus, als wären sie gestern erst von den Häftlingen verlassen worden.

Die Wirkung des Lagers ist stark wetterabhängig. Ich war jeweils im Mai dort. Dieses Jahr war es ausgesprochen warm, die Vögel zwitscherten und zwischen den Baracken hoppelten Feldhasen. Das war fast schon pitoresk. Vorletztes Jahr begann das Frühjahr in Polen erst sehr spät. Der Himmel war grau. Ein eisiger Wind fegte durch das Lager. Das Wasser in den Gräben war noch gefroren. Es waren kaum Menschen da und es war mucksmäuschenstill. Nur von fern war das Bellen eines einsamen Hundes zu hören. Ich habe selten etwas derart gruseliges erlebt.

  1. Du überlegst dir, wo du schon immer mal hinfahren wolltest
    und schaust dann, welches KZ dort in der Nähe ist. So könnte
    man z.B. eine Reise nach München mit einem Besuch in Dachau
    verbinden …

Oder eine Reise nach Krakau mit einem Besuch in Auschwitz.

Wenn du nun eine einzige Empfehlung willst, dann würde ich
sagen, fahr nach Auschwitz. Aber fahr mit dem Zug, nimm nicht
den Billigflieger nach Krakau. Es dauert zwar eine Weile, bis
man dort ist (ich glaube 18 Stunden oder so), aber es kostet
nicht viel, weil die Bahn in Polen um einiges günstiger ist
und es Sparpreise gibt.

Dennoch ist die Zugfahrt deutlich teurer als der Billigflug. Übrigens: Germanwings fliegt meines Wissens nicht mehr nach Krakau (zumindest nicht mehr ab Stuttgart), sondern nach Kattowitz. Im Januar schrieb mir Germanwings: „Bitte beachten Sie, dass sich Ihre Reisedaten geändert haben.“ (Damit meinten sie nicht etwa, dass der Flug um eine halbe Stunde verschoben wurde, sondern dass eine komplett andere Stadt angeflogen wurde. Ich hielt es zunächst für einen verfrühten Aprilscherz, war es aber nicht. Sogar der Pilot versprach sich, als er die Passagiere an Bord des Fluges „Stuttgart - Krakau … ach, nein, … äh … Kattowitz“ begrüßte).

Michael

Hallo Michael,

Die beiden Lager sind ganz unterschiedlich. Dachau war eher
dafür gedacht, Regimekritiker zu inhaftieren. Auschwitz war
eine Kombination aus Vernichtungslager und Arbeitslager.

Auch die Art und Weise der Präsentation ist ganz
unterschiedlich. Dachau hat (in meiner Erinnerung, aber das
ist schon lange her) vor allem den Charakter eines Museums.

Das würde ich jetzt nicht unbedingt sagen. Dachau ist halt wesentlich kleiner. Und was in den beiden Lagern passiert ist, lässt sich auch nicht vergleichen.

Aber ich denke, der Besuch so eines Lagers ist ein bisschen wie das Lesen eines Buches: Man muss schon seine Vorstellungskraft zu Hilfe nehmen. Es wird einem nicht alles denkfertig serviert. Aber nimm nur z.B. dieses Eingangstor in Dachau. Es sieht sehr stabil aus und zwischen Tor und Mauer ist nicht die kleinste Lücke. Also als ich durch dieses Tor gegangen bin, habe ich schon für einen Moment lang gedacht, „habe ich mein Handy dabei?“

Dann hat man uns auf einige andere Details aufmerksam gemacht. Deswegen finde ich es ja gut, an einer Führung teilzunehmen. Da war z.B. die karierte Bettwäsche, deren Karos beim Bettenmachen „in Reih und Glied“ sein mussten … das war natürlich reine Schikane. Oder dieser riesige Appellplatz. Als ich Dachau besucht habe, war es sehr warm (ca. 35 Grad), und ich hatte die „geniale“ Idee, zu Fuß von der S-Bahn zum Lager zu gehen. Das hat ungefähr eine Dreiviertelstunde gedauert. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, nicht nur ein bisschen spazierengehen, sondern ein paar Stunden Appell stehen zu müssen - na danke, mir hat schon der Hinweg gereicht. Zurück bin ich dann mit dem Bus gefahren.

Es erzählt seine Geschichte
nicht durch Dokumentationstafeln, Bilder oder
Ausstellungsstücke, sondern nur durch die Aura des Ortes.

Ja zum Glück. … Ehrlich gesagt lese ich solche Dokumentationstafeln meistens gar nicht. Lesen kann ich auch zu Hause.

Nur an eine Tafel aus Dachau kann ich mich erinnern, die habe ich sogar fotografiert. Das war ein Zeitungsbericht vom April 33, dass nun das erste KZ „eröffnet“ hat.

Auschwitz-Stammlager wird täglich von so vielen (tausenden)
Touristen „heimgesucht“, dass die Dokumentationsstelle der
Flut nur Herr wird, wenn sie die Besucher mit organisierten
Führungen durchs Lager schleust.

Oh, als wir dort waren, war es nicht so schlimm. Das war allerdings auch schon im Oktober oder so, über Allerheiligen.

Wir haben an einer englischen Führung teilgenommen, weil wir uns einig waren, dass wir dort kein Deutsch hören wollten.

Etwas eng war es nur bei der Besichtigung der Baracken im Stammlager Auschwitz. Ich denke da z.B. an die Stehbunker etc. Sonst haben sich die Leute verteilt und man hatte nicht das Gefühl, mit riesigen Menschenmassen unterwegs zu sein.

Die Wirkung des Lagers ist stark wetterabhängig. Ich war
jeweils im Mai dort. Dieses Jahr war es ausgesprochen warm,
die Vögel zwitscherten und zwischen den Baracken hoppelten
Feldhasen. Das war fast schon pitoresk. Vorletztes Jahr begann
das Frühjahr in Polen erst sehr spät. Der Himmel war grau. Ein
eisiger Wind fegte durch das Lager. Das Wasser in den Gräben
war noch gefroren. Es waren kaum Menschen da und es war
mucksmäuschenstill. Nur von fern war das Bellen eines einsamen
Hundes zu hören. Ich habe selten etwas derart gruseliges
erlebt.

Nun ja, ich dachte, wenn wir im Oktober fahren, ist es kalt und regnet vielleicht. War aber nicht so. Es war die ganze Zeit über das schönste Sommerwetter. Nur bei unserem Besuch in Krakau hat es dann geregnet.

Wir haben uns allerdings einmal im Ort Oswiecim verlaufen. Das wurde mir unheimlich. Es war schon dunkel, man roch Holzrauch, Hunde bellten, und wir kamen an so Wohnblocks vorbei. Viele der Bewohner waren auf der Straße, und einige von ihnen stritten lautstark.

Vielleicht kann ich es jetzt nicht so gut beschreiben. Aber irgendwie wirkt dieses Lager auf den ganzen Ort.

Oder eine Reise nach Krakau mit einem Besuch in Auschwitz.

Aber das ist doch kein Vergleich …

Außerdem finde ich, dass Auschwitz so überwältigend ist, dass man dann für Sightseeing in Krakau nicht wirklich in Stimmung ist. Zumindest ging es mir so. Wir haben uns da so ein Schloss angesehen, war ziemlich langweilig.

Dennoch ist die Zugfahrt deutlich teurer als der Billigflug.

Aha? Also soviel ich weiß, betrug der Preisunterschied nur ca. EUR 50,- oder 100,-. Man kann einen Supersparpreis nehmen, und ich glaube wir hatten auch noch Bahncard 25, dann geht es.

Außerdem finde ich, dass die Zugfahrt mit dazugehört, auch wenn sie teurer ist.

Sogar der Pilot versprach sich, als er die
Passagiere an Bord des Fluges „Stuttgart - Krakau … ach,
nein, … äh … Kattowitz“ begrüßte).

*gg* Das kenne ich doch irgendwoher. „Wir begrüßen Sie auf unserem heutigen Flug nach München, äh, Düsseldorf.“

Na, wenn man so eine Strecke vielleicht fünfmal am Tag fliegt, kann man schon ein bisschen den Überblick verlieren, wo man jetzt gerade ist.

Schöne Grüße

Petra

Du kannst auch nach Oranienburg fahren. Dort ist das KZ Sachsenhausen, das auch recht anschaulich ist. Damit ist die Fahrt nicht so weit der Ort des Verbrechens kann ausführlich angeschaut werden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager_Sac…

Hallo!

Wir haben an einer englischen Führung teilgenommen, weil wir
uns einig waren, dass wir dort kein Deutsch hören wollten.

Ich muss leider zugeben, dass ich das nicht nachvollziehen kann. Sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen ist eine Sache. Sie zu dämonisieren eine andere. Ich mag meine Muttersprache. Sie ist nicht nur die Sprache der SS sondern auch die Sprache der Insassen (zumindest vieler Insassen).

Aber das muss jeder halten, wie er es für richtig hält.

Etwas eng war es nur bei der Besichtigung der Baracken im
Stammlager Auschwitz. Ich denke da z.B. an die Stehbunker etc.
Sonst haben sich die Leute verteilt und man hatte nicht das
Gefühl, mit riesigen Menschenmassen unterwegs zu sein.

Wirklich? Wir wurden angehalten, uns in Treppen und Gängen stets rechts zu halten, dass entgegenkommende Gruppen sich nicht gegenseitig behinderten. In allen größeren Räumen waren mindestens zwei, oft sogar drei Gruppen gleichzeitig.

Oder eine Reise nach Krakau mit einem Besuch in Auschwitz.

Aber das ist doch kein Vergleich …

Außerdem finde ich, dass Auschwitz so überwältigend ist, dass
man dann für Sightseeing in Krakau nicht wirklich in Stimmung
ist. Zumindest ging es mir so. Wir haben uns da so ein Schloss
angesehen, war ziemlich langweilig.

Es wäre schade, wenn man schonmal in der Gegend ist und diese Stadt nicht anschaut. Klar, Krakau ist kleiner als München, aber wahrscheinlich ähnlich sehenswert. (Ich denke z. B. an die Franziskanerkirche und die Marienkirche).

Wir (ich spreche hier stets von einer Schülerbegegnungsfahrt, die an unserer Schule schon lange Tradition hat) besuchten in Krakau stets auch das ehemalige jüdische Viertel, das ehemalige Getto und eine Synagoge. Von daher ist schon ein inhaltlicher Zusammenhang gegeben.

Dennoch ist die Zugfahrt deutlich teurer als der Billigflug.

Aha? Also soviel ich weiß, betrug der Preisunterschied nur ca.
EUR 50,- oder 100,-.

Bei einem Flugticketpreis von 129 Euro finde ich 100 Euro Preisunterschied durchaus erheblich.

Michael

1 „Gefällt mir“

Hallo Tim,
da Du mit Bergen-Belsen zumindest eine KZ-Gedenkstätte schon kennengelernt hast, wäre es vielleicht ganz interessant, vor Ort etwas über über weitere Aspekte der verbrecherischen Nazi-Ideologie zu erfahren. Gegenüber den Vernichtungslagern gerät ja leider die Ermordung von psychisch Kranken und geistig Behinderten in der Wahrnehmung etwas in den Hintergrund. Diese war zwar rein quantitativ bei weitem nicht so umfangreich, doch dort wurde die Technologie der industriellen Menschenvernichtung entwickelt und erprobt - und es wurden Erfahrungen mit der Reaktion der Bevölkerung gesammelt. Auch in Hinsicht auf unseren heutigen Umgang mit psychisch Kranken und Behinderten sowie die Euthanasie-Problematik halte ich die Beschäftigung mit diesem Thema für notwendig.

Vielleicht lässt sich der Besuch der Gedenkstätte Hadamar (vgl. http://www.gedenkstaette-hadamar.de/) mit einem Besuch der nicht allzu weit entfernten Heime Scheuern (http://www.heime-scheuern.de/) verbinden. Scheuern war nicht nur ‚Zulieferer‘ für Hadamar, man kann dort auch Einiges über den heutigen Umgang unserer Gesellschaft mit dieser „Randgruppe“ lernen - in Zeiten stetig sinkender staatlicher Ausgaben für Menschen am Rande der Gesellschaft kein ganz unwichtiges Thema. Mindestens 4 Wochen vorher anmelden und - persönlicher Tip von mir - fragen, ob Herr Peter Nettesheim (ehemaliger Mitarbeiter und Sprecher der Schwerbehinderten) die Betreuung der Besuchergruppe übernimmt.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Tim,

ich war mit 14 Jahren mit meiner damaligen Schulklasse (DDR) im eisigen Februar in Buchenwald. Das war für uns alle ein Schockerlebnis der besonderen Art. Wir sahen die Räume mit den Genickschussanlagen, die Gaskammern, den Film, in dem wir sehen konnten, wie die Leichen mit - ich glaube - Schaufelbaggern in eine große Grube geschoben wurden, etc. Was wir dann noch bei der Führung hörten, gab uns den Rest. Wir wollten nur noch weg.

Das zweite Mal war ich viele Jahre später mit meiner Tante aus Philadelphia dort. Sie wollte unbedingt nach Buchenwald, mich kostete es viel Überwindung. Als wir dann dort waren und ich ihre entsetzten Blicke sah, war mir das alles ganz schön peinlich.
Als ich dann aber hörte, dass die Russen das KZ nach der Befreiung weiterführten und Deutsche dort grausam behandelt hatten, war ich sprachlos. Das wurde uns damals (mit 14) verschwiegen.

Also wenn du es dir wirklich antun willst, dann kann ich dir Buchenwald „empfehlen“.

Liebe Grüße
Ina

Hallo!

Hallo Tim,

es ist war nicht wirklich ein KZ (auch wenn dort Leute eingelagert, hingerichtet und später auch zu zig’en getötet wurden, die meisten wurden in ein eigenes KZ deportiert) ist, Theresienstadt ist einen Besuch wert.

Ich war dort, es ist sehr gut erhalten, sowohl der Lagerbereich, als auch der Wohnbereich und die künstliche Stadt (dort ist auch ein Museum).
Der Lagerbereich hat großen Eindruck auf uns gemacht. Ich war mit meiner Schulklasse da. Nur Testweise wurden wir in Kammern geschickt, in denen bis zu 60 „Häftlinge“ (in der Anfangszeit waren es Oppositionelle und Regimekritiker) unter gebracht waren. Wir waren 30 und es war so…eng…

Ebenso ist noch das Krematorium zu besichtigen und die Gaskammer, von der immer noch genug Leute behaupten, sie hätte gar nicht existiert.

Sie existiert, und es ist grausam, denn sie wurde nicht gesprengt und ist noch ganz erhalten. Inklusive Dellen in der Wand von verzweifelten Händen.

Ich empfehle dir ein dickes Fell, wenn du dort bist, aber da du bereits in KZs warst, wirst du das wohl haben.

Mich hat es damals sehr mitgenommen, aber ich bin feinfühlig. Dennoch möchte ich die Erfahrung nicht missen, weil sie mich sehr geprägt hat.

Das Theresienstadt in Tschechien liegt, wäre es eine längere Reise.

lg
Kate

hallo

Hallo Tim,

ich war mit 14 Jahren mit meiner damaligen Schulklasse (DDR)
im eisigen Februar in Buchenwald. Das war für uns alle ein
Schockerlebnis der besonderen Art. Wir sahen die Räume mit den
Genickschussanlagen, die Gaskammern

wo gabs denn da Gaskammern? Ich hab keine zu Gesicht zu gekriegt…

der mikesch

wo gabs denn da Gaskammern? Ich hab keine zu Gesicht zu
gekriegt…

Hallo Mikesch,

das habe ich in der Aufregung durcheinandergebracht. Die wurden ja nicht dort vergast, sondern zur Vergasung abtransportiert in andere Lager. Aber egal wie, das war schrecklich. Ich fahre bestimmt nicht noch mal hin.

Wann warst du denn dort?

Liebe Grüße
Ina

Hallo Michael,

Ich muss leider zugeben, dass ich das nicht nachvollziehen
kann. Sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen ist eine
Sache. Sie zu dämonisieren eine andere. Ich mag meine
Muttersprache. Sie ist nicht nur die Sprache der SS sondern
auch die Sprache der Insassen (zumindest vieler Insassen).

Aber das muss jeder halten, wie er es für richtig hält.

Hier bin ich wohl falsch verstanden worden. Es geht mir nicht darum, die Vergangenheit zu „dämonisieren“. Wie käme ich dazu?

Aber ich mag Deutsch ohnehin nicht besonders. Ja, es ist meine Muttersprache, aber Englisch ist schon seit Jahren meine Lieblingssprache. Ich wollte dort kein Deutsch hören, weil ich es mir nur vorstellen wollte. Meine Begleitung dachte da ähnlich. Also haben wir uns einer englischen Führung angeschlossen. Was macht es auch für einen Unterschied? Für mich keinen, nur dass ich Englisch mag und Deutsch eben nicht so.

Am liebsten würde ich in die USA auswandern, aber ich habe leider noch keinen Weg gefunden, das möglich zu machen.

Wirklich? Wir wurden angehalten, uns in Treppen und Gängen
stets rechts zu halten, dass entgegenkommende Gruppen sich
nicht gegenseitig behinderten. In allen größeren Räumen waren
mindestens zwei, oft sogar drei Gruppen gleichzeitig.

Na mag sein, dass ich das nicht so bemerkt habe. Oder es wird im Herbst ruhiger. Aber ich hatte echt nicht das Gefühl, dass es eng ist.

Es wäre schade, wenn man schonmal in der Gegend ist und diese
Stadt nicht anschaut. Klar, Krakau ist kleiner als München,
aber wahrscheinlich ähnlich sehenswert. (Ich denke z. B. an
die Franziskanerkirche und die Marienkirche).

Ja, wir sind ja auch hingefahren. Aber es hat in Strömen geregnet. Kirchen haben wir auch welche gesehen. Wenn ich aber Krakau nun mit München vergleiche … nun, ich will ja nicht unhöflich sein, aber bei mir gewinnt da München :wink:

Wir (ich spreche hier stets von einer Schülerbegegnungsfahrt,
die an unserer Schule schon lange Tradition hat) besuchten in
Krakau stets auch das ehemalige jüdische Viertel, das
ehemalige Getto und eine Synagoge. Von daher ist schon ein
inhaltlicher Zusammenhang gegeben.

Da waren wir leider nicht.

Bei einem Flugticketpreis von 129 Euro finde ich 100 Euro
Preisunterschied durchaus erheblich.

Ja, beim nächsten Mal werde ich wohl auch fliegen, wenn ich es mir dann noch leisten kann. Aber ich bin froh, einmal mit dem Zug dort gewesen zu sein. Und es waren damals echt nur um die EUR 50,- Unterschied, ich habe schon geschaut. Wahrscheinlich haben wir wieder viel zu spät gebucht und die billigen Flüge waren alle schon weg.

Schöne Grüße

Petra

wo gabs denn da Gaskammern? Ich hab keine zu Gesicht zu
gekriegt…

Hi

Wann warst du denn dort?

das ist schon ein paar Dekaden her :wink: das war noch zu Honnies Zeiten …

Liebe Grüße
Ina

LG
Der Mikesch

Ich möchte gerne in ein KZ, das fast vollständig erhalten ist.
Hat jemansd schon so etwas besucht und kann mir ein paar Tipps
geben?

Lieber WilsonWilson
Habe 1979 die Gedenkstätte Dachau besucht. Alles sehr gut erhalten. Die Ausstellung dort gibt einen ansatzweise authentischen Eindruck des damaligen Geschehens wieder.
Ist allerdings relativ weit von Hannover entfernt.
Solltest du dich je in der Gegend befinden, so besuche die Gedenkstätte. Solche Besuche sind prägend und wichtig.

Ansonsten hat Kate die passendsten Zeilen zu jedem dieser Besuche geschrieben.

Viele Grüße
Voltaire

Hallo,

ich denke, es ist doch ein Unterschied, ob ein Lager als Vernichtungslager (bis 45) oder als Straflager (nach 45) betrieben wird.
Nach 45 war z,B. unser gewesener Ortsbauernführer ein paar Jahre dort - er kam im Übrigen lebend wieder raus. Und der war u.a. dort, weil er im Krieg Kriegsgefangene schikanert hatte, die den Bauern zur Arbeit zugeteilt waren. Unter anderem war meine Großmutter mit ihm zusmmengeeckt - die gute Frau wollte nicht gergreifen, daß ein Kriegsgefangener gefälligst nicht an den Küchentisch gehört sondern statt dessen im Schweinestall Schweinefutter zu fressen hat.
Ich bin nach wie vor der Meinung, daß Leute wie dieser Herr es durchaus verdient hatten, dafür Buchenwald mal aus eigener Anschauung zu erleben. Zumal der treue Heimatkämpfer ja in seiner schöner braunen Uniform die ganzen Kriegsjahre zu Hause ganz gut überstanden hatte, als alle anderen Männer mit weniger nationalspzialistischer Überzeugung an der Ostfront im Dreck lagen.

Gernot Geyer

Hallo Gernot,

ich denke, es ist doch ein Unterschied, ob ein Lager als
Vernichtungslager (bis 45) oder als Straflager (nach 45)
betrieben wird.

Da hast du sicher Recht. Ich will nicht über solche Leute wie den Ortsbauernführer urteilen, aber es war sicher eine „interessante Erfahrung“ :smile: für ihn zu sehen, wie es denen ging, die er viell. sogar noch dahingebracht hat.

So eine Geschichte, wie du sie beschreibst, kenne ich auch von meinen Großeltern, die in Mecklenburg lebten. Sie hatten russische und französische Kriegsgefangene, die für sie arbeiten sollten. Meine Oma hat sie ganz normal behandelt, wie man Menschen eben so behandelt.
Das hat ihr nach der Befreiung durch die Russen sogar noch geholfen. Als die ankamen, erzählten die russischen Kriegsgefangenen den Soldaten, dass sie es bei meinen Großeltern sehr gut hatten. So wurden sie einigermaßen verschont.

Liebe Grüße
Ina

Hallo Gernot,

obwohl das, was Du schreibst, vermutlich stimmt, ist der ganze
Artikel doch von Übel; denn

  1. entschuldigt die Anwesenheit von Leuten, die es wahrscheinlich verdient haben, nicht die übelste, durchaus KZ-würdige Behandlung vieler Unschuldiger. D.h. sie waren natürlich im Sinne der Sowjetideologie schuldig, indem sie z.B. Berufe hatten, die in dem System nicht vorgesehen waren.

  2. ist „wie Du mir, so ich Dir“ ein etwas altes Rechtsverständnis. Dafür gibt es im Rechtsstaat Gerichte und Gefängnisse. Punkt.

Es gibt für die Weiterführung eines KZ, egal wo, keine Entschuldigung und keine Rechtfertigung!

Viele Grüße,
Andreas

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Andreas,

Es gibt für die Weiterführung eines KZ, egal wo, keine
Entschuldigung und keine Rechtfertigung!

damit hast Du natürlich recht, aber es geht etwas an dem, was Gernot geschrieben hat, vorbei:

ich denke, es ist doch ein Unterschied, ob ein Lager als
Vernichtungslager (bis 45) oder als Straflager (nach 45)
betrieben wird.

Sicher ist zwischen Straf- und Vernichtungslager ein Unterschied - wobei allerdings zu erwähnen wäre, dass gerade Buchenwald eben kein Vernichtungslager war. In Buchenwald gab es sowohl vor als auch nach 45 kriminelle Häftlinge - und unschuldig Verfolgte.

Freundliche Grüße,
Ralf