Hallo Michael,
Die beiden Lager sind ganz unterschiedlich. Dachau war eher
dafür gedacht, Regimekritiker zu inhaftieren. Auschwitz war
eine Kombination aus Vernichtungslager und Arbeitslager.
Auch die Art und Weise der Präsentation ist ganz
unterschiedlich. Dachau hat (in meiner Erinnerung, aber das
ist schon lange her) vor allem den Charakter eines Museums.
Das würde ich jetzt nicht unbedingt sagen. Dachau ist halt wesentlich kleiner. Und was in den beiden Lagern passiert ist, lässt sich auch nicht vergleichen.
Aber ich denke, der Besuch so eines Lagers ist ein bisschen wie das Lesen eines Buches: Man muss schon seine Vorstellungskraft zu Hilfe nehmen. Es wird einem nicht alles denkfertig serviert. Aber nimm nur z.B. dieses Eingangstor in Dachau. Es sieht sehr stabil aus und zwischen Tor und Mauer ist nicht die kleinste Lücke. Also als ich durch dieses Tor gegangen bin, habe ich schon für einen Moment lang gedacht, „habe ich mein Handy dabei?“
Dann hat man uns auf einige andere Details aufmerksam gemacht. Deswegen finde ich es ja gut, an einer Führung teilzunehmen. Da war z.B. die karierte Bettwäsche, deren Karos beim Bettenmachen „in Reih und Glied“ sein mussten … das war natürlich reine Schikane. Oder dieser riesige Appellplatz. Als ich Dachau besucht habe, war es sehr warm (ca. 35 Grad), und ich hatte die „geniale“ Idee, zu Fuß von der S-Bahn zum Lager zu gehen. Das hat ungefähr eine Dreiviertelstunde gedauert. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, nicht nur ein bisschen spazierengehen, sondern ein paar Stunden Appell stehen zu müssen - na danke, mir hat schon der Hinweg gereicht. Zurück bin ich dann mit dem Bus gefahren.
Es erzählt seine Geschichte
nicht durch Dokumentationstafeln, Bilder oder
Ausstellungsstücke, sondern nur durch die Aura des Ortes.
Ja zum Glück. … Ehrlich gesagt lese ich solche Dokumentationstafeln meistens gar nicht. Lesen kann ich auch zu Hause.
Nur an eine Tafel aus Dachau kann ich mich erinnern, die habe ich sogar fotografiert. Das war ein Zeitungsbericht vom April 33, dass nun das erste KZ „eröffnet“ hat.
Auschwitz-Stammlager wird täglich von so vielen (tausenden)
Touristen „heimgesucht“, dass die Dokumentationsstelle der
Flut nur Herr wird, wenn sie die Besucher mit organisierten
Führungen durchs Lager schleust.
Oh, als wir dort waren, war es nicht so schlimm. Das war allerdings auch schon im Oktober oder so, über Allerheiligen.
Wir haben an einer englischen Führung teilgenommen, weil wir uns einig waren, dass wir dort kein Deutsch hören wollten.
Etwas eng war es nur bei der Besichtigung der Baracken im Stammlager Auschwitz. Ich denke da z.B. an die Stehbunker etc. Sonst haben sich die Leute verteilt und man hatte nicht das Gefühl, mit riesigen Menschenmassen unterwegs zu sein.
Die Wirkung des Lagers ist stark wetterabhängig. Ich war
jeweils im Mai dort. Dieses Jahr war es ausgesprochen warm,
die Vögel zwitscherten und zwischen den Baracken hoppelten
Feldhasen. Das war fast schon pitoresk. Vorletztes Jahr begann
das Frühjahr in Polen erst sehr spät. Der Himmel war grau. Ein
eisiger Wind fegte durch das Lager. Das Wasser in den Gräben
war noch gefroren. Es waren kaum Menschen da und es war
mucksmäuschenstill. Nur von fern war das Bellen eines einsamen
Hundes zu hören. Ich habe selten etwas derart gruseliges
erlebt.
Nun ja, ich dachte, wenn wir im Oktober fahren, ist es kalt und regnet vielleicht. War aber nicht so. Es war die ganze Zeit über das schönste Sommerwetter. Nur bei unserem Besuch in Krakau hat es dann geregnet.
Wir haben uns allerdings einmal im Ort Oswiecim verlaufen. Das wurde mir unheimlich. Es war schon dunkel, man roch Holzrauch, Hunde bellten, und wir kamen an so Wohnblocks vorbei. Viele der Bewohner waren auf der Straße, und einige von ihnen stritten lautstark.
Vielleicht kann ich es jetzt nicht so gut beschreiben. Aber irgendwie wirkt dieses Lager auf den ganzen Ort.
Oder eine Reise nach Krakau mit einem Besuch in Auschwitz.
Aber das ist doch kein Vergleich …
Außerdem finde ich, dass Auschwitz so überwältigend ist, dass man dann für Sightseeing in Krakau nicht wirklich in Stimmung ist. Zumindest ging es mir so. Wir haben uns da so ein Schloss angesehen, war ziemlich langweilig.
Dennoch ist die Zugfahrt deutlich teurer als der Billigflug.
Aha? Also soviel ich weiß, betrug der Preisunterschied nur ca. EUR 50,- oder 100,-. Man kann einen Supersparpreis nehmen, und ich glaube wir hatten auch noch Bahncard 25, dann geht es.
Außerdem finde ich, dass die Zugfahrt mit dazugehört, auch wenn sie teurer ist.
Sogar der Pilot versprach sich, als er die
Passagiere an Bord des Fluges „Stuttgart - Krakau … ach,
nein, … äh … Kattowitz“ begrüßte).
*gg* Das kenne ich doch irgendwoher. „Wir begrüßen Sie auf unserem heutigen Flug nach München, äh, Düsseldorf.“
Na, wenn man so eine Strecke vielleicht fünfmal am Tag fliegt, kann man schon ein bisschen den Überblick verlieren, wo man jetzt gerade ist.
Schöne Grüße
Petra