Lachen über den Holocaust

Liebe Mitleser,
heute steht ein bemerkenswerter Artikel in der Taz, den ich gern hier verlinken möchte:

http://www.taz.de/pt/2005/05/03/a0141.nf/text

Ich denke, in dieses Brett passt er evtl. noch am ehesten.

Es ist ein Artikel aus Tel Aviv von Robin Alexander

Titel: Auschwitz ist ein Witz
Darf über den Holocaust gelacht werden? Junge israelische Comedians entdecken die Komik des Genozids: „Nicht unsere Witze sind geschmacklos, euer Faschismus war es“

… Beginn Text.


Die Meinungen meiner Freunde und Kollegen reichen von:

„Sehr, sehr guter Artikel, aber auch ein wenig verstörend. Viele Israelis haben den Holocaust nicht aufgearbeitet und dies ist die krasseste Form damit umzugehen. Ich finde die Witze einfach nur geschmacklos und hoffe, dass so etwas hier keine Nachahmer findet, die aber wahrscheinlich eh im Knast landen würden.“

oder auch:

„Jede Nation hat das Recht auf die Verarbeitung seiner Geschichte mit seinen eigenen Mitteln. also: warum nicht.“

Viele Grüße,
Transi

Jede Nation hat das Recht auf die Verarbeitung seiner Geschichte mit seinen eigenen Mitteln. also: warum nicht

Das ist aber leider vor allem auch unsere (der Deutschen und Österreicher) Geschichte.

Hallo,

es handelt sich ja wohl offenbar um einen Bericht über ein anderes Land, welches einen Teil seiner Geschichte auf seine Weise handhabt. Ob es da ethisch korrekt ist, drüber zu urteilen?
Und gibt es irgend einen Religionsstifter, der empfiehlt, über andere zu urteilen?
Und wie sollen sie denn sonst damit umgehen?

Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann.
Keine Ahnung, von wem es stammt.

Vielleicht würde es uns eine ganze Menge helfen, mit dem gleichen Thema auch mit ein wenig mehr Humor umzugehen. Mir scheint, es gibt bei uns sehr viel Unwissenheit darüber, obwohl oder gerade da wir das Täterland bewohnen, hier und da und reichlich oft von Tätern abstammen.
Ich selbst glaube nicht, dass mein Vater, ehemaliger Täter, mit uns ehrlich über diesen Irrsinn hätte reden können, hätte er keinen Humor und keine Lebenslust gehabt. Jedenfalls hat der sogenannte ernsthafte Teil meiner Verwandtschaft mit möglichst aller Gewalt diese Geschichte unter dem Boden gehalten. Da kann ich nichts draus lernen. Und wie hätte er sonst meiner Mutter, Dannenbergüberlebende, helfen können?

Mir scheint, ich hab so viel vor meiner eigenen Tür zu kehren, dass ich es nur als hilfreich ansehen kann, wenn andere es auch mit Humor versuchen.

Gruß
R

Darf über den Holocaust gelacht werden?

Titel: Auschwitz ist ein Witz
Darf über den Holocaust gelacht werden?

Nur Verherrlichen und Leugnen ist verboten.

Gruss, Marco

P.S. eigentlich gehört das nicht ins
Religionsbrett, weil es in dem Beitrag
nicht um „jüdischen“ Humor, sondern um
„israelischen“ Humor geht. Ein Brett
„Naher Osten“ gibts.

Wir Juden gehen allgemein mit dem Thema anders um und dieses drückt sich halt auch im Humor aus. Und ich finde das eigentlich eher positiv, weil man nur über etwas lachen kann, was man in irgend einer Form auch verarbeitet hat (wenn es nicht Witze über andere sind, aber diese sind innerjüdisch auch eher selten). So kenne ich solche Witze nicht nur aus Israel.

Das es sich in Deutschland aber ganz anders verhält, merke ich immer wieder und somit wundert mich der taz-Artikel und die Meinungen hier auch weniger. So werde ich nie vergessen, dass wir aus „Das Leben ist schön“ fast aus dem Kino geflogen sind, weil wir auch in der zweiten Hälfte das Filmes nicht aufhören wollten, zu lachen. Im Sinne von obigen ist das für mich dann auch mehr als bedenklich…

Hallo, Translator,
mag sein, dass ein Jude über diese Witze lachen kann, Witze sind seit jeher die letzte Waffe der Opfer.

Mir als Deutschem allerdings bleibt das Lachen darüber im Halse stecken.

Gruß
Eckard

Hey Translatoris !

So eine leichte Ahnung habe ich auch schon, was dieses Thema betrifft.
Da brachte mir doch jemand aus Israel einen Aschenbecher (!) in Form eines Hexagramms ( Judensterns) , mit der Aufschrift Bethlehem.

Als ich dessen ansichtig wurde, hat es mir erstmal die Sprache verschlagen. Ich habe dann versucht, dieses Ding auf einem Flohmarkt zu verscherbeln und siehe da - es hat tatsächlich einen Liebhaber gefunden.

Angel

Humor als höchste Form des Verstehens

Wir Juden gehen allgemein mit dem Thema anders um und dieses
drückt sich halt auch im Humor aus. Und ich finde das
eigentlich eher positiv, weil man nur über etwas lachen kann,
was man in irgend einer Form auch verarbeitet hat (wenn es
nicht Witze über andere sind, aber diese sind innerjüdisch
auch eher selten).

Ich glaube, du hast recht.

Man muss nur sehr genau unterscheiden zwischen
Humor und Lachen. Man kann über Menschen lachen,
die man überhaupt nicht versteht. Das ist dann
Auslachen. Man kann aber über eine gute Pointe
in einem Physik-Witz normalerweise nur dann
schmunzeln, wenn man ein ein Verständnis,
das über das Auswendiglernen hinausgeht,
hat.

Ich bin der Überzeugung, ein Grund für die
seltenen Kirchenbesuche in der Deutschen
evangelischen Kirche sind die *auch* die
allzu seltenen Pointen und aha-Effekte.

Gruss, Marco

das ist normal in israel. es kursieren witze, die bringen einen in .de ins kittchen wegen volxverhetzung und wiederbetätigung. das liegt an der anderen perspektive! ist sicher ein schock diesen artikel zu lesen. mir gings nicht anders, als ich zum ersten mal derartige sachen gehört habe.

gruß
dataf0x

Ich lache worüber mir es passt!
Und das lasse ich mir von KEINEM verbieten!

mfg

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

Titel: Auschwitz ist ein Witz
Darf über den Holocaust gelacht werden? Junge israelische
Comedians entdecken die Komik des Genozids: „Nicht unsere
Witze sind geschmacklos, euer Faschismus war es“

In Deinem Text steht:

 Kopatch ist auch ins Land der Täter gereist: 
 Ein Freund hat ihn dabei gefilmt, wie er über das 
 Gelände des Führerbunkers in Berlin läuft und lacht 
 und schreit: "Hitler, du Schwein, fuck you, du bist 
 tot, du bist tot. Aber ich lebe noch!"

Versteht ihr, was die ganze Lacherei bedeutet?

Über solches Lachen lacht man nicht.
Meine Meinung.

Grüße

CMБ

Hallo Transi,

ich persönlich kann über Witze aller Bereiche lachen.
Dennoch achte ich darauf, wem ich Witze erzähle und dass ich mit meinen Witzen keinen anderen verletzte.

In der Pause eines Kurses hat ein Mädel ständig Türkenwitze erzählt und zwar in einer Art, dass es eben nicht mehr witzig war.
Ich sagte zu meinem Tischnachbarn leise, dass er ihr gleich sagen solle, ich sei Halb-Türke. Ich ging zur Toilette und als ich wiederkam hatte ich endlich Ruhe vor diesen „Witzen“.

Gruß, Joe

ich sei Halb-Türke.

ach du lieber.

fast wie groucho marx, der den antisemitischen bademeister fragt: darf meine tochter bis zu den hüften ins wasser, die ist nämlich halb-jüdin.

dataf0x

ach Joe, wenn nur Witze über mich gerissen würden, dann könnte ich ja mitlachen oder wo anders hinhören oder selbst was dagegen unternehmen. Bin ja über 18 und möchte ganz gerne wie eine Erwachsene wahrgenommen werden.
Ich glaube, Glauben heißt auch, Eigenverantwortung übernehmen und darauf vertrauen, dass die nötige Kraft dazu schon von irgendwo kommt. Nach meiner Erfahrung funktioniert das so lange, wie mir mein Egolein nicht in die Quere kommt. Ersteres kitzelt bei mir hier und da im Bauch, Zweites kostet eine ganze Menge.
Schau, bei mir ist der Witz, meine Oma und meine Mutter waren in Dannenberg = Frauen-KZ. Weil dieses hübsche ariesche Mädchen mit den super Genen und Anlagen nicht in so einen Jungborn = Führer Zuchtstation, wollte. (Ich nenn das meist Jungbrunnen. Das ist auch ein Witz, den ich mir wert bin.) Wer hat schon je von dem Nest gehört in Deutschland, wer will überhaupt davon hören? Oder von der anderen Seite mein Opa, der nur dank U.K. von seinem Chef am KZ vorbei kam. Sozialdemokrat. Und wer interessiert sich denn dafür, wie das entstehen konnte?
Heftigen Gerüchten zu Folge soll ich ja genetisch ganz schön hindukusch-mäßg gepolt sein. Das liegt bestimmt an dem nachgewiesenen reinen Arierblut meiner Vorfahren.

Gruß
R

ich sei Halb-Türke.

ach du lieber.

fast wie groucho marx, der den antisemitischen bademeister
fragt: darf meine tochter bis zu den hüften ins wasser, die
ist nämlich halb-jüdin.

Finde ich witzig.

Halb-Christ, Halb-Jüdin, Halb-Atheist klingt trotzdem ein bisschen wie Halb-Schwanger.
Ich glaube doch nicht etwas nur zur Hälfte.
Halb-Türke ist dagegen irgendwie einleuchtender.

Gruß vom Halb-Hessen

Ich denke man muss das Ganze wohl differenziert betrachten.
Nicht nur hier, wo wir uns rechtstaatlich, kulturell und gesamtgesellschaftlich nach dem 3. Reich entscheidend weiter entwickelt und vor allem vielfach gewandelt haben ist das eben auch in Israel der Fall.
So wie hier die verschiedenen Generationen jede auf ihre Art an den Holocaust herangeht, ob nun zur Aufarbeitung oder nicht, ist dies widerum in Israel ebenso der Fall. Und wie eine bestimmte Generation mit den Geschehnissen umgeht ist eben nicht immer so leicht nach zu vollziehen, auch aufgrund der zahlreichen Einflüsse auf solche Entwicklungen.
Wir Deutschen hören von dem angesprochenen Thema „Witze über den Holocaust“ und sind erst einmal schockiert oder erstaunt, in jedem Fall doch ganz gehörig überrumpelt. Und das ganz unabhängig davon wie die persönliche Bewertung dann aussieht.

Aber das sieht doch bei anderen ethnischen Konflikten und deren Aufarbeitung nicht wirklich anders aus. Ein populäres Beispiel dürfte wohl das Wort „Nigger“ in den USA sein. Farbiger Amerikaner sprechen sich durchaus untereinander so an und niemand findet das wirklich schlimm (allenfalls weil es etwas vulgär ist, es wird nicht wegen der Geschichte des Wortes an sich als Herabwürdigung empfunden). Wenn ein weißer Amerikaner das Wort bentutzt gilt er (oft zurecht) als Rassist und diverse Anti-Diskriminierungsgesetze greifen.

Es ist eben immer die Frage wie ein bestimmter Kulturkreis in einer ganz bestimmten Situation Geschichte aktuell erlebt bzw. bewertet, das muss man in anderen Kulturkreisen und Generationen nicht zwangsläufig immer genau so sehen.
Für viele mag das nicht so einfach nachzuvollziehen sein, aber es gibt kaum Möglichkeiten bei so etwas richtig und falsch abzugrenzen, es ist und bleibt nun einmal eine Frage der Perspektive. Und nur weil ein paar Israelis den Holocaust aktuell nun so aufarbeiten ist das noch lange kein Grund darüber zu sinnieren ob ein solches Verhalten für uns hier in Frage käme.

mfg
Simon

„Jede Nation hat das Recht auf die Verarbeitung seiner
Geschichte mit seinen eigenen Mitteln. also: warum nicht.“

Viele Grüße,
Transi

Hi Transi,

dieser Mr. Kopatch ist in meinen Augen einfach nur ein dummer Mensch ohne Anstand und mit der Mentalität einer Prostituierten.

Über den Holocaust Witze machen? Gehts noch? Was für eine Geschmacklosigkeit.! Irre sowas!

Eigentlich wollte ich mich garnicht zu diesem hirnverbranntem Thema äußern aber es macht so wütend und dann noch diese Stellungnahmen ,hilflos sowas.

kopfschüttelnd und sprachlos.
mfg,oK

Eben
denn am Lachen erkennt man den Narren.

1 „Gefällt mir“

Hallo Translator,

das kommt immer darauf an, wer wann aus welcher Perspektive und mit welcher Absicht Holocaust-witze erzählt.

Ich kann Dir auch Holocaust-Witze erzählen, die ich von nicht-jüdischen Deutschen gehört habe.
Das geht dann in dem Stil:

Eine türkische und eine jüdische Mannschaft spielen in der Gaskammer Fußball. Wer gewinnt? Die Juden natürlich - sie haben Heimvorteil.

Findest Du den witzig?
Warum - warum nicht?

Viele Grüße

Iris

Halb-Christ, Halb-Jüdin, Halb-Atheist klingt trotzdem ein
bisschen wie Halb-Schwanger.
Ich glaube doch nicht etwas nur zur Hälfte.
Halb-Türke ist dagegen irgendwie einleuchtender.

juden haben der eigendefinition nach nix mit glauben zu tun, und dennoch gibts keine halbjuden - das ist nazijargon. entweder man ists oder halt net.

gruß
dataf0x