Anregungen zu Deinem Auftreten beim Stadtfest
Liebe Heike,
mit dem Vorhaben ein Glücksrad aufzustellen erreichst Du wahrscheinlich nicht Deine Zielgruppe. Wer kauft denn Designerartikel für den Haushalt, Garten etc.? Möchtest Du Deinen Kunden vermitteln, dass Deine hochwertigen Artikel so wenig wert sind, dass man sie verschenken kann?
Ich kann mir gut vorstellen, dass Deine potenziellen Kunden Menschen mit einem Anspruch an einen individuellen qualitativ hochwertigen Lebensstil sind, welche sich in einem gehobenen sozialen Milieu bewegen (z.B. Geschäftsleute, Akademiker, gehobene Mittelschicht).
Menschen, welche ein gutes Einkommen haben und sich daher auch mal dazu inspirieren lassen in Deinem Geschäft zu stöbern und einfach etwas zu kaufen weil es gefällt und nicht weil man des Produkt dringend benötigt.
Andererseits ist Dein Unternehmen ein typisches „Laufkundschaft-Geschäft“. Hierbei hat der Anbieter (in den Fall Du) die besten Möglichkeiten Kunden mit Kaufinteresse zu finden, indem er sie mit ungewöhnlichen, neugierig machenden Aktionen anspricht und ihren Verbleib vor dem Ladengeschäft fördert, so dass sie angeregt werden das Ladengeschäft zu betreten („ … wenn wir schon mal hier sind, können wir auch mal reinschauen …“).
Ich würde auf keinen Fall dem Vorschlag nachgeben, Pfennigartikel zu verteilen. Erstens haben Eltern mit Kindern keine Muße in Ruhe in Deinem Laden zu stöbern, weil die Kleinen quengeln und zweitens sind Familien mit kleinen Kindern meistens praktisch und funktionell orientiert. Gehören also nicht zu Deiner Zielgruppe. Auch passt dieses Vorgehen nicht zu Deinem Unternehmensimage, welches Deinen Beschreibungen folgend ein qualitativ hochwertiges Angebot verfolgt und kein „billiges“.
Wenn ich Du wäre, würde ich die Leute für einen kurzen Moment aus dem Alltag holen. Sie eintauchen lassen in nicht-alltägliche Welten. Z.B. ein Vorzelt aufbauen mit einem Thema welches durch Deine Artikel realisiert werden kann. Ein Beispiel zur Konkretisierung: Du bietest Schalen, Vasen, Geschirr, Accessoires in Deinem Laden an, welche das italienische Lebensgefühl widerspielen. Man könnte diese Artikel im Vorzelt zum Einsatz bringen und an einer kleinen Bar italienische Getränke verkaufen sowie kleine italienische Snacks zum Verzehr anbieten, sowie die Bar und das Umfeld mit Dekoartikeln aus Deinem Laden ausstatten. Der Hinweis, dass alle genutzten Artikel auch im Laden käuflich zu erwerben sind kannst Du diskret kommunizieren. Es besteht auch die Möglichkeit, sich eine Kaffeemaschine aus dem Gastroverleih zu besorgen und italienische Kaffee-Spezialitäten anzubieten.
Ein Zelt kannst Du im Großhandel günstig kaufen. 2-3 Stehtische und weiteres Gastrozubehör kannst Du ausleihen oder Du und ein paar Nachbargeschäfte schaffen sie sich gemeinsam für zukünftige kleine Aktivitäten an. Die Sondergenehmigung für die Ausgabe von Lebensmitteln kannst Du bei Eurer zuständigen Behörde (meist Lebensmittelüberwachungsamt) für ca. 30 Euro bekommen. Voraussetzung für denjenigen, welcher die offenen Lebensmittel (z.B. Kaffee) herausgibt ist ein Gesundheitszeugnis. Vielleicht hast Du in Deinem Bekanntenkreis jemanden, der im Gastrobereich tätig ist und daher ein Gesundheitszeugnis besitzt. Nicht nötig ist dieses Zeugnis, wenn Ihr geschlossene Lebensmittel verkauft … hat natürlich nicht so viel Charme.
Ich hätte auch noch ein anderes Szenario, welches ich mir gut vorstellen kann. So ein Stadtfest ist mit viel Trubel verbunden. Manchmal sehnt man sich förmlich nach ein paar Ecken , in die man sich zurückziehen kann. Wie wäre es, wenn Du in Deinem Zelt ein paar Sitzgelegenheiten anbietest (gemütliche Liegestühle, Bänke) und den Innenraum wieder mit Deinen Artikeln dekorierst. Ein Gitarre- oder Saxophonspieler aus der Musikschule kann für eine lauschige Hintergrundmusik sorgen, wenn das Umfeld nicht zu laut ist. Frisch erholt und immer mit einem Blick auf Dein Schaufenster, lassen sich sicherlich auch Kunden inspirieren, Deinen Laden zu betreten, zumal sie eine positive Erinnerung mit Deinem Geschäft verbinden.
Mein Vorschlag ist selbstverständlich nicht so einfach zu realisieren wie ein Glücksrad aufzustellen, wird aber Deinem Anliegen – denke ich – eher gerecht.
Auch außerhalb des Stadtfestes solltest Du Deine Werbestrategie überdenken. Zeitungsannoncen sind teuer und meist nur für solche Gewerbe attraktiv, welche die Kunden mit einem speziellen Anschaffungsziel aufsuchen (z.B. Autohäuser). Eine Annonce bei der Geschäftseröffnung ist o.k. , mehr würde ich dort nicht investieren, es sei denn Du kündigst wieder ein kleines Event an, welches mit Deinem Geschäft in Verbindung steht oder Du vermittelst in der Annonce einen konkreten Kundenvorteil, welcher eine breite Masse anspricht (z.B. dass Du auch Geschenkideen für alle hoffnungslos überforderten Ehemänner hast, deren Frauen kein Parfüm mehr sehen können). Du bietest damit den Kundennutzen Übernahme der Denkarbeit und des Verpackungsaufwandes an.
Du kannst mir auch gern mal Deine Zeitungsannonce und Deinen Prospektflyer per email zukommen lassen. Vielleicht kann ich Dir dazu ein paar Hinweise geben: [email protected]
Soviel wollte ich gar nicht schreiben, na ja mal wieder mit den Gedanken in verschiedenen Dimensionen unterwegs gewesen.
Viel Erfolg und Spaß beim Stadtfest Heike