Guten Abend, Toni!
Mich ärgert gerade etwas :
Wer dem geschilderten Ärgernis mit rechtlichen Mitteln beikommen möchte, sollte sich schon mal um einen neuen Wohnort kümmern. Es gibt Sachverhalte, denen mit Rechtsstandpunkten nicht beizukommen ist.
In einem Dorf…
Genau das ist das Problem. Jeder kennt jeden und es ist absolut nicht klug, sich in einem Dorf auszugrenzen. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich rede ausdrücklich nicht der Buckelei das Wort!
Ein Anwohner kommt am Samstag gegen 17 Uhr nach Hause…
Das mit dem Anwohner mag ja formal zutreffen. Tatsächlich handelt es sich aber um einen Zugezogenen, einen Fremden (um nicht Fremdkörper zu sagen), jemanden ohne Kontakte im Dorf, der weder den örtlichen Vereinen, noch der freiwilligen Feuerwehr angehört, der nicht in der Gemeindevertretung hockt und auch dort niemanden kennt, der nicht Jagdpächter ist, womöglich nicht einmal über eigenen Grund und Boden im Dorf verfügt und man mag es ja kaum sagen - der bloß zur Miete wohnt. Jedenfalls hat er im Dorf kein Haus gebaut und falls doch, irgendwas Schlüsselfertiges von irgendeinem Bauträger aus der Stadt und nicht, wie es anständige Leute machen, per Einbindung örtlicher Schwarzarbeiter Helfer.
wurden 2 Festzelte, ein Bierstand und eine
Tribühne aufgebaut , die Musik ist so laut…
Quatsch. Die Musik ist toll. Hat der Zugezogene gefälligst toll zu finden.
das trotzt geschlossener Fenster kaum eine verständigung möglich ist
Schon wieder hat der zugezogene Fremde etwas falsch verstanden. Er soll sich nämlich nicht hinter verschlossenen Fenstern verständigen, sondern im Festzelt am Biertresen prost sagen. Muß ja nicht lange sein. Aber mal für einen Klönschnack vorbeikommen, kann nicht schaden.
In Klartext an Schlaf nicht zu denken.
Im Festzelt soll der Zugezogene ja auch nicht schlafen.
Frage :
Darf die Dorfgemeinde eine solche laute Feier veranstalten
ohne die direkten Anwohner über die zu erwartende
Lärmbelästigung zu informieren ?
Die Frage stellt sich nicht. Die Dorfgemeinde macht das so. Punkt.
In Klartext: wer nicht bei Facebook Mitglied ist , hatte
keinerlei Informationen über diese Dorffeier
Auch wieder so ein abstruser Standpunkt eines Zugezogenen. Kein Dörfler ist auf Facebook angewiesen. Dort taucht nur etwas auf, weil es irgendeinen Freak mit PC, Internetzugang und Facebook-Account im Dorf gibt. Ansonsten braucht sowas im Dorf kein Mensch. Man kennt sich, einer erzählt’s dem anderen und für die ganz Begriffsstutzigen hängt auch irgendwo ein Zettel am Baum. Der Zugezogene kennt natürlich weder den Baum noch sonst irgendwen im Dorf.
Toni, bevor du jetzt protestierst, hol’ mal tief Luft, laß dir gesagt sein: So isses nun mal auf’m Dorf und laß’ die Rechtsstandpunkte stecken.
Ich kenne jemanden ziemlich gut (also wirklich sehr gut
, der zog nach mehreren Jahrzehnten Großstadt aufs Land. So richtig Land. Winziges Dorf. Total abgelegen. Dort ist man alt und in Rente oder arbeitslos oder man arbeitet in der Landwirtschaft als Traktorfahrer oder Melker. Ein paar Handwerker gibts auch. Einige Familiennamen gibt es in der Gegend auffällig häufig. Viele sind irgendwie miteinander verwandt oder verschwägert. So ist das nun mal auf dem Land, wenn es nur abgelegen genug ist. Dieser Mensch, den ich ziemlich gut kenne, der vor reichlich einem Jahrzehnt in dieses abgelegene Dorf zog, ist dummerweise weder Traktorist noch Melker. Ist ganz schlecht. Es kommt noch schlimmer: Er ist ein Studierter. Dann auch noch alleinstehend. Der ist bestimmt schwul. Nee, der macht mit 'ner Frau 'rum. Vermutlich mit mehreren. Au weia. Ok, ist nicht zu ändern, aber „der Neue“ oder „der Zugezogene“ bleibt er. Das ändert sich frühestens in der nächsten Generation. Vorausgesetzt, er beschwert sich nicht, wenn im Dorf gefeiert wird.
Engagiere dich irgendwo im Dorf, ohne dich anzubiedern. Besuche Gemeindevertreterversammlungen, mache bei der freiwilligen Feuerwehr, im Fußballverein oder im Tischtennisverein mit, egal, jedenfalls irgendwo. Dann brauchst du für die Dorfereignisse kein Facebook, bekommst überhaupt mit, wie dort der Hase läuft und begibst dich nicht in die Isolation. Das muß man mögen, mindestens aber akzeptieren oder nicht ins Dorf ziehen.
Gruß
Wolfgang