Hallo!
Ich hoffe ich bin in diesem Brett richtig. Es geht mir um die späte Auswirkungen von der „Umgewöhnung“ auf rechts. Ich bin linkshändig und wurde mit Gewalt (und damit mache ich wirklich Gewalt - linke Hand schlagen oder hinter dem Rücken binden) auf rechts „getrimmt“, habe mir aber im späteren Jahren das Recht auf Linkshändig - sein erkämpft. Jetzt schreibe ich mit beiden Händen, alle andere wichtige Aufgaben (schneiden, hammern malen u.s.w.) erledige ich mit der linken Hand. Bis auf einen etwas getrübten Orientierungssinn („Etwas“ ist dabei ine Untertreibung, ich habe eigentlich Probleme mit „rechts“ und „links“ als Richtungsangaben - brauche Zeit um zu überlegen was ist was) und eine leichte Schreibschwäche sind mir keine grosse „Macken“ aus dieser Kindheitsümgewöhnung geblieben - dachte ich. Ich bin auch niemandem böse - sowohl Eltern als auch Lehrer taten alles in der ernsthaften Überzeugung mir gutes zu tun. Das waren nun mal die Zeiten. Keiner hat es genossen mir gegenüber grausam zu sein. Dennoch werde ich zunehmend aggressiv wenn es um das Thema umgewöhnung geht. Neulich habe ich beobachtet wie eine Mutter aus Kroatien ihrer 5-jährigen Tochter die Schere von der linken Hand nahm und in die rechte drückte. Ich musste mich richtig beherrschen, um dieser Frau nicht eine zu scheuern! Auch berichte über die Folgen von „Umgewöhnungen“ machen mich viel unruhiger und wütender als vor 20 Jahren. Obwohl ich, zugegebenermassen notgedrungen, mit Geräten für rechtshänder gut umgehen kann, habe ich mir (für mich ungemerkt) plötzlich fast alles für Linkshänder zugelegt - von Kartoffelschäler, über Dosenöffner bis hin zu Schere und Lineal. Wenn jemand an meinem Komputer sitz (der Rest meiner Familie sind rechtshänder) und vergisst, die Maus zurück auf die linke Seite zu stellen, flippe ich aus. Was passiert eigentlich. Ich bin bald 40 und habe ansonsten nicht vile an mir oder meiner Umwelt auszusetzen. Werde ich, wie meine Mutter behauptet, zu „militante“ Linkshänderin? gibt es irgendwelche „Spätfolgen“ der Umgewöhnung?
Grüsse: Marina
Hallo Marina,
Ich bin linkshändig und wurde mit Gewalt (und damit mache ich wirklich Gewalt - linke Hand schlagen
Kenne ich auch aus eigener Erfahrung
Jetzt schreibe ich mit beiden Händen, alle andere wichtige Aufgaben (schneiden, hammern malen u.s.w.) erledige ich mit der linken Hand.
Ganz normal, mache ich auch.
Bis auf einen etwas getrübten Orientierungssinn („Etwas“ ist dabei eine Untertreibung, ich habe eigentlich Probleme mit „rechts“ und „links“ als Richtungsangaben
Stimmt, ich habe auch schon öfter Leute in die falsche Richtung geschickt. Sage nach rechts und deute nach links.
Ich bin auch niemandem böse
Dennoch werde ich zunehmend aggressiv wenn es um das Thema umgewöhnung geht. Auch berichte über die Folgen von „Umgewöhnungen“ machen mich viel unruhiger und wütender als vor 20 Jahren. Wenn jemand an meinem Komputer sitz (der Rest meiner Familie sind rechtshänder) und vergisst, die Maus zurück auf die linke Seite zu stellen, flippe ich aus.
Was passiert eigentlich.
Das meint dein Bewußtsein, dein Unterbewußtsein sieht das anders. Es ist immer noch verletzt darüber. Mache dir deine verdrängten Gefühle, die du als Kind nicht zeigen durftest, bewußt und akzeptiere sie. Notfalls mit Hilfe eines Psychologen.
gibt es irgendwelche „Spätfolgen“ der Umgewöhnung?
Das hat weniger mit der Umgewöhnung zu tun, sondern mit deinen damaligen Empfindungen darüber, als du als hilfloses Kind den Erwachsenen ausgeliefert warst. Verdrängen hilft nur immer eine Zeit lang, aber dann kommt die Erinnerung wieder und will verarbeitet werden.
Gruß
Monika
Hallo Marina,
bei aller verständlichen Wut: Vorsicht mit den Vorurteilen!
Neulich habe ich beobachtet wie eine Mutter aus Kroatien
ihrer 5-jährigen Tochter die Schere von der linken Hand nahm
und in die rechte drückte. Ich musste mich richtig
beherrschen, um dieser Frau nicht eine zu scheuern!
Mein Sohn war bis zum Vorschulalter nicht in der Lage, einen Stift auch nur richtig zu halten. Das war ziemlich schlimm, er wollte so gerne Bilder malen, aber es klappte mit der Feinmotorik hinten und vorne nicht. Eine Untersuchung ergab eine Beidhändigkeit! Wird normalerweise dieser "Einfädel-"Test gemacht und entsprechend erkannt, je nachdem, mit welcher Hand das Kind nach Nadel oder Faden greif, ob es links- oder rechtshändig ist, schlug bei meinem Sohn alles fehl. Sein Gehirn konnte sich einfach nicht entscheiden. Und ohne Übung eben auch kein Meister. Bei mehreren weiteren Tests haben wir uns (Ärzte und ich) für die linke Hand entschieden, weil die Linien mit dieser irgendwie gerader waren *seufz*.
Heute weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war. Von DEM Tag an, an dem er von seinen Bezugspersonen gesagt bekam, welche Hand die „richtige“ ist, hat es prima geflutscht. Und inzwischen hat er eine Handschrift vom Feinsten.
Übrigens: Alles „andere“ macht er mit rechts (Fußballspielen, PC-Maus bedienen usw.) Nur das Schreiben halt nicht.
So kann es auch gehen, und zwar bei ca. 5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland, wie ich einer Statistik entnehmen durfte.
Viele Grüße
Jana
Linkshändigkeit
Hallo Marina,
eigentlich geht’s mir hauptsaechlich darum, den
Titel archivfaehig zu machen.
Zusaetzlich kann ich mir eine kleine Anmerkung
nicht verkneifen: auch Linkshaender koennen
kaum mit Scheren fuer Rechtshaender schneiden.
Zwar ist dann das Beste, Linkshaenderscheren zu
kaufen, aber lebenstauglich ist es schon, wenn man
wenigstens ansatzweise mit einer Rechtshaenderschere
umgehen kann.
Gruesse
Elke
Hallo Marina,
Bis
auf einen etwas getrübten Orientierungssinn („Etwas“ ist dabei
ine Untertreibung, ich habe eigentlich Probleme mit „rechts“
und „links“ als Richtungsangaben - brauche Zeit um zu
überlegen was ist was)
sei beruhigt, das kommt nicht von Deiner Linkshändigkeit bzw. deren Umgewöhnung, das hab ich als ‚reiner‘ Rechtshänder auch 
Gandalf
noch einen draufgesattelt…
Hallo Marina,
hallo Gandalf,
Bis auf einen etwas getrübten Orientierungssinn („Etwas“ ist dabei eine Untertreibung, ich habe eigentlich Probleme mit „rechts“ und „links“ als Richtungsangaben - brauche Zeit um zu überlegen was ist was)
sei beruhigt, das kommt nicht von Deiner Linkshändigkeit bzw. deren Umgewöhnung, das hab ich als ‚reiner‘ Rechtshänder auch
Und die „Orientierungslosen“, die ich kenne, sind ausnahmslos „gebürtige“ Rechtshänder, wobei ich (ebenfalls „umgelernter Linkshänder“) damit - gelinde gesagt - keinerlei Probleme habe.
Ansonsten weiß ich nicht, ob Agressionen, Fehlverhalten, Ungeduld, etc, etc, bei mir auf das Umlernen von Links- auf Rechtshändigkeit zurückzuführen sind. Oder vielleicht auf den Zoobesuch, den mir mein Vater mit 4 Jahren versprochen hat, aber nicht eingehalten. Oder das Gewitter, das ich mit 5 ohne meine Eltern erleben mußte. Oder, oder, oder…
Meinungsäußernde Grüße
Bonsai
Hallo, Monika!
Danke für die ausführliche Antwort. Das mit dem Verarbeiten ist ein guter Tipp, ich werde daüber nachdenken. Allerdings fehlt es mir schwer, Menschen, denen keine Schuld trifft (Partner und Tochter zum Beispiel) dafür leiden zu lassen. So habe ich ohne an sie zu denken alle Schranktüren der Wohnung „gedreht“ so dass sie jetzt mit der linken Hand leichter zu öffnen sind. Eiinrseits habe ich schlechtes gewissen, da ich sie in eiiner „Spiegelwelt“ zwinge, aber anderseits bereitet mir das blosse Gedanke daran, alles wieder zu ändern, Bauchschwrzen, und zwar nicht wegen der damit verbundenen Arbeit. Mir wäre es lieber, ich könnte ordentlich mit meiner Mutter schimpfen, aber sie ist nun wirklich eiine wunderbare Frau und liebe Mutter die sich den Zwängen ihrer Zeit ud einer ziemlich unflexiblen Regierung gebeugt hat. Und auch meine Lehrerin war eigentlich lieb. Ich würde mit auch recht billig vorkommen, wenn ich vor einem Psychologen über Menschen aus meiner Kindcheit schimfe. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es Mode geworden ist, alle persönliche Schwächen mit der Kindheit zu entschuldigen und keine Verantwortung zu übernehmen. Anderseits kann ich auch schlecht mit Wut umgehen ud es sit auch etwas unnormal bei einem Fernsehbericht über Linkshändigkeit wütend zu werden. Alles droht zu kompliziert zu werden und ich habe eine Schwäche für einfache Strulturen „seufz“. Aber du hast mir einige nützliche impulse gegeben. Danke noch mal.
Grüsse: Marina
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Hallo,
entschuldige, wenn ich mich einmische, aber ich denke, was du machst ist ganz richtig. Du hast ein Gefühl der Wut, du unterdrückst es nicht, sondern lässt es zu, und du kontrollierst deine Handlungen. Du weisst, woher es kommt und kannst deswegen auch mit deiner emotionalen Reaktion adäquat umgehen.
Die Vergangenheit kann man ja nicht ungeschehen machen und erlittene Kränkungen auch nicht. Man kann nur Versuchen, seine Vergangenheit adäquat zu bewerten, nicht zu verdrängen und nicht zu leugnen, lernen aufkommende Gefühle zuzulassen (Wut nicht aufstauen), lernen aufkommende Impulsreaktionen zu beherrschen.
Also freu dich, wenn du so viel für dich geschafft hast und versuche ruhig, dabei noch weiter zu kommen, aber ich finde, du hast einen wirklich guten Umgang mit deiner Kindheitserinnerung.
Gruß
Tahere
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Hallo Marina,
vielleicht solltest du deine Frage mal hier stellen:
http://www.f18.parsimony.net/forum31983/index.htm
VG
gipsy