Langlebigkeit - wie wird man über 100

Hi,

eben war beim Durchzappen im Fernseher die Rede vom 102jährigen Johannes Heesters. Vor einiger Zeit kam mal eine Sendung in der um die 100 Jahre alte Menschen nach ihrem Leben und Lebensweg befragt wurden, der jeweils recht unterschiedlich war. Der Mönch meinte seine Frömmigkeit habe ihn wohl auch zu seinem hohen Alter verholfen, eine Frau hingegen argumentierte mit Bier trinken, Zigaretten rauchen und Karten spielen. Kleines Kontrastprogramm. :smile: Jedoch was alle Befragten gemeinsam hatten, war Gelassenheit.

Was sind Eure Erfahrungen in Eurem Umfeld, oder welche „Studien“ gibt es, zum Thema Langlebigkeit bzw. was unterstützt ein langes und erfülltes Leben?

Vermutlich müssen hier verschiedene Faktoren positiv zusammen wirken. Gesunde Ernährung allein kann es nicht sein, denn siehe die Frau mit Alkohol und Zigaretten. Ist der Hauptfaktor tatsächlich Gelassenheit?

Sicherlich mag ein wesentlicher Punkt sein, vielleicht sogar der wesentlichste, sich selbst zu leben. Im Grunde geht es nicht um die Länge eines Lebens sondern wie erfüllt, wie ausgefüllt es ist mit Leben. Wobei sich das möglicherweise auch wieder auf die Lebensquantität auswirken kann, die Lebensqualität.

Ciao,
Romana

Hi Romana,

die einzige sichere methode, die empirisch bewiesen udn geeignet ist über 100 zu werden ist:

Nicht vorher sterben.

Das, was im Allgemeinen in „zivilisierten“ Ländern als „Gesunde Ernährung“ bezeichnet wird, halte ich dahingegen für kontraproduktiv.

siehe auch den aktuellen Artikel im Spiegel über die Allergie-Adaptation bei Migranten.

gruss

Hallo, ich verweise auf Voltaire, der gab den Rat:

Rhabarber und Diät, schonen Sie sich, essen Sie wenig, gehen Sie früh zu Bett und leben Sie hundert Jahre lang!

Gruß, multze

Vermutlich müssen hier verschiedene Faktoren positiv zusammen
wirken. Gesunde Ernährung allein kann es nicht sein, denn
siehe die Frau mit Alkohol und Zigaretten. Ist der Hauptfaktor
tatsächlich Gelassenheit?

Zunächst muß man das Problem des Alterns unter zwei Gesichtspunkten betrachten:

  1. Das Psychische Altern
  2. Das Physische Altern.

Selbst wenn man nun alle Punkte des psychischen Alterns im Griff hätte, führt das nicht automatisch zu einer ewigen Jugend des Körpers. Ich glaube aber, zwischen beiden besteht eine Wechselwirkung, die stark genug ist um die Unterschiede zu verdeutlichen.

Das physische Altern hängt stark von der Lebenskraft ab (prana), die, wenn sie zu schnell verzehrt wird, zu einem frühen Tod führt.

Hier kann eine gesunde Lebensführung helfen. Gesundes und richtiges Essen (also nicht Leben um des Essens willen, sondern Essen um zu leben) , Bewegung, eine kontrollierte Sexualität, alles das läßt den Körper lange leben, vielleicht länger als man im allgemeinen glaubt. Eine Zahl von 200-300 Jahren ist gewiss nicht aus der Luft gegriffen.

Aber auch psychologische Fehlhaltungen wie Ärger, Zorn, Eifersucht, Neid führen zum frühzeitigen Verschleiß der Lebenskraft. Gelassenheit verhilft hier zu einer richtigen Verhaltensweise.

Außerdem müssen auch die Umstände günstig sein, unter denen wir leben. Eine pessimistische Atmosphäre verhindert ebenfalls Langlebigkeit.

…ein Rezept ist bestimmt auch Heiterkeit.

gruß
rolf

Hi Romana,
ich komme aus einer Familie mit sehr langlebigen Frauen. Meine Oma ist jetzt 98. meine Mutter 76, und die Vorfahrinnen waren im Rahmen der damals geltenden Maßstäbe auch überaus langlebig.
Ich denke, dass das eher genetisch bedingt sein muss. Wobei mir jetzt aber einfällt, dass alle Frauen eines gemeinsam haben:
sie haben sich nie wirklich Gedanken um ihr Alter gemacht. Meine Oma hat mit 60 noch mal geheiratet und ist in eine andere Stadt gezogen. Nach dem Tod ihres zweiten Mannes ist sie mit über 80 noch mal umgezogen. Mit 96 hat sie ihren Sohn in Kanada besucht. Meine Mutter hat mit 60 den Motorradführerschein gemacht. Da war sie gerade zum dritten Mal verheiratet. Sie hat mit eigenen Händen ihr Haus gebaut und im letzten Jahr hat sie einen Anbau gemacht, weil sie eine Werkstatt brauchte, um Möbel zu restaurieren.
Es sind also alles Frauen, die neugierig auf das Leben sind.
Bei meiner Oma fällt mir auf, dass sie sich an ihren Ritualen und ihrer Eitelkeit festhält. Sie hat sich vorgenommen, rund 100 Jahre alt zu werden und wird jetzt langsam etwas seltsam. Sie wohnt immer noch alleine und hat ihren Tag genau aufgeteilt. Zum Frühstück braucht sie z.B. ihre Serviette (die sie gar nicht benutzt), sie trägt ihr Korsett, obwohl sie sicher sein kann, dass niemand sie besucht,und sie käme niemals auf die Idee, legere Kleidung zu tragen.
Vieleicht ist es eine Mischung aus: Genen, Neugier, Disziplin und einem gesunden Selbstbewusstsein, die es uns ermöglicht, so alt zu werden.
Ich wünsche Dir ein langes, waches und schmerzfreies Leben.
Liebe Grüße
Ricarda

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und wozu dann 100 jahre leben?

Rhabarber und Diät, schonen Sie sich, essen Sie wenig, gehen
Sie früh zu Bett und leben Sie hundert Jahre lang!

auch gruß
ann

Hi Zusammen,

denke, dass es wohl primär daran liegt, dass man sich selbst lebt, sprich das man das was man macht, gerne tut, dass man möglichst in Frieden mit sich und der Welt ist, dass man sich und das Leben liebt und natürlich auch andere. Das schließt nicht aus, dass es auch giftige, böse 100jährige geben kann. Wohl mögen da die Gene auch eine Rolle mitspielen. Ernährung: ich denke, das liegt dann eher zu der Einstellung zur Ernährung als an der Ernährung selbst. Es gibt Ungesunde die sich gesund ernähren und Gesunde die sich ziemlich „krank“ ernähren. Und ich glaube auch, dass man in einer inneren und äußeren Bewegung bleiben muss, sprich sich immer wieder neue Ziele und Herausforderungen setzen muss: wer rastet, der rostet.

Dann wünsche ich uns allen mal über 100 Jahre bei bester physischer, psychischer, mentaler und auch finanzieller Gesundheit zu werden.

Und ein Spruch könnte dann sein: ich schreibe langsam, weil ich weiß, Du kannst nicht schnell lesen. :smile:

Ciao,
Romana

Auch Hi,

die Frage stelle ich mir auch hin und wieder. Es kommt vor, daß alte Leute zu mir kommen, um die Beerdigung ihrer Eltern mit mir im Vorhinein zu besprechen. Die Leute sind dann so 70 aufwärts und ihre Eltern zw. 95 und 103 (letztere ist meine „älteste“ Vorsorgekundin). Es ist mir auch immer wieder ein Phänomen, denn wenn ich mir die Lebens- und of Leidensgeschichten anhöre, kann ich nur staunen. Kein roter Faden weit und breit. Die wenigsten konnten „sich selbst leben“ vor allem nicht die Frauen. Tod, Abschied, Schmerz durchzieht ihr Leben. Es gibt einige, die schon sehr dement sind und im Grunde nur noch körperlich existieren. Andere führen tägl. noch inhaltsvolle Telefonate mit ihren Kindern und lösen ihre Kreuzworträtsel. Gerade bei der o.g. 103-jährigen kann ich das Alter kaum fassen. Sie „wollte“ bereits vor mehr als 30 Jahren sterben als ihr jüngster Sohn verunglückte, hat als junge Frau bereits mehrere kleine Kinder verloren und sich laut Tochter daraufhin emotional zurückgenommen. Sie ist nicht gelassen, nicht humorvoll und nicht gütig. Aber 103! Ich habe keine Ahnung! Beobachte immer nur mit Staunen. Ich bin einzig davon überzeugt, daß es kein Rezept gibt.

Gruß

Avera

Hallo Romana,

der Vater meiner Tante wurde 102 Jahre alt. Er arbeitete bis zu seinem 65. Lebensjahr als Pförtner mit Schicht- und Nachtdienst. Nach Rentenbeginn kümmerte er sich „nur“ noch um seinen Garten, weitere spannende Hobbies oder besondere Interessen hatte er nicht.

Nach dem Tod seiner Frau, da war er 81 Jahre alt, versorgte er, mit ein wenig Unterstützung durch meine Tante, seinen Haushalt weitestgehend selbst. Ab diesem Zeitpunkt fuhr er nicht mehr selbst mit dem Auto, er benutzte aber noch mehrere Jahre das Fahrrad. Nach dem 90. Geburtstag hatte er diverse Krankheiten, z.B. Haut- und Prostatakrebs, die aber mit relativ kleinen Eingriffen und Medikamenten ganz gut in Schach gehalten werden konnten. Sein Sehvermögen hat in den letzten Jahren vor seinem Tod stark nachgelassen, was ihn ihn ziemlich beeinträchtigt hat. Insgesamt gesehen, war er aber bis zum Schluss ein überaus rüstiger Mensch.

Zu seinem 100. Geburtstag kam ein entsprechender Artikel in der örtlichen Tageszeitung. Auf die obligatorische Frage, worauf er sein langes Leben zurückführe, antwortete er, dass er es nicht wisse. Er lebe, esse und verhalte sich nicht anders, als andere Menschen auch.

Zu uns sagte er immer, er habe schon viel zu lange gelebt. Noch länger zu leben, mache keinen Sinn, denn er wisse nicht, wozu. Es gäbe nichts mehr, wofür es sich lohne, zumal ihm alles beschwerlicher würde. Bekannte und Verwandte seines Alters seien längst gestorben. Er frage sich, wann er endlich gehen dürfe.

Vor zwei Jahren ist er nach einer kurzen aber heftigen Grippe gestorben.

Mir persönlich fällt es schwer, Gründe zu (er-)finden, die ein Leben weit über 100 Jahre hinaus erstrebenswert erscheinen lassen, vor allem, wenn man nicht mehr kann, wie man will und dauernd der Hilfe anderer Menschen bedarf.

Bei Johannes Heesters schwanke ich eher zum Mitleid als zur Bewunderung: Er wird wie eine Marionette für einen kurzen Augenblick auf eine Bühne gestellt, lächelt, winkt, lässt sich applaudieren und wird dann wieder zurückgepackt. Das ist ok, wenn es ihm Auftrieb gibt.
Aber was soll dieses „Vorführen“ dem Fernsehzuschauer sagen??

Viele Grüße
Mara

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hallo helmut,

davon wirste aber noch nicht hundert, es kommt dir nur so lange vor!

strubbel
d:open_mouth:)