Langsamer sprechen, mehr Zeit zum überlegen?

Ich habe schon in mehreren Fachartikel gelesen, dass wenn man langsamer spricht, mehr Zeit zum Überlegen hat. Oder wenn man langsamer spricht, spricht man automatisch weniger.
Vielleicht habe ich einen Gedankenfehler, aber ich meine, ob ich schnell oder langsam spreche, die Zeit zum Überlegen (Vordenken) habe ich so oder so!? Die Zeit zum Überlegen, die ich mir selbst lasse bestimme ich doch alleine, oder?
Kann mir da einer auf die „Sprünge helfen“?
Die Frage bezieht sich nicht auf einen Vortrag, sondern auf die ganz normale Kommunikation (Argumentation).

Grundsätzlich hast du sicher recht, aber in einer Kommunikation erwartet das Gegenüber deine Antwort in einer gewissen Zeit. Es ist eher unüblich, minutenlang zu schweigen, bevor man antwortet (außer in Westfalen :wink:).
Wenn aber dein Hirn bis dorthin nicht mit der Antwort fertig ist, kann es noch weiterarbeiten, während dein Mund schön langsam mit den ersten Worten beginnt.
Ich persönlich mache das nicht selten so. Die entsprechenden Sätze beginnen dann meist mit Ähh, Hmm, Je nun oder so was - wieder ein oder zwei Sekunden gewonnen…

Livia

Hi,

wenn du in einer „richtig guten Diskussion“ auf gleicher Diskussionsebene bist, wird dir jeder Diskussionspartner (wenn ihr nur zu zweit seid - bei mehr Leuten redet dann sowieso ein anderer weiter) Gedankenpausen gönnen. Wenn du aber erst in diesen Pausen anfängst „mitzudenken“, werden sie sicher zu lange.

Normalerweise hat man, wenn man gut und richtig zuhört schon Zeit, gewisse Gedanken „vorzudenken“.
Wichtiger, als lange Pausen vor deinen Sätzen zur Gedankensortierung zu machen, ist meines Erachtens die Fähigkeit, aus dem Gehörten das Vokabel „rauszupicken“, das dich - euch beide - weiterbringt und das auch noch zur Diskussion gehört.

Wenn dich ein Argument überrascht, dann sag das auch - mit dem simplen ehrlichen Satz „darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht“ gewinnst du Zeit, kannst deine Gedanken ordnen und dein Gegenüber wird möglicherweise sogar ausführlicher in seiner Argumentation.

Wenn du keine Antwort weißt, dann sag das ebenso - dann ist vielleicht der „Partner“ im „Zugzwang“.

Übrigens: auch Fehler in der Argumentation können eine „gute Diskussion“ richtig weiterbringen.

In der Nähe der Fehler liegt oft die Qualität:smile: (G.Tabori)

Aber wie Livia schon gesagt hat - ganz ohne „Erklärung“
werden lange Gesprächspausen quälend.

Die Formulierung, die einem immer „nachher“ einfällt, gewinnst du auch nicht mit langen Pausen vor deiner Antwort - die ist entweder parat - oder sie kommt eben erst nachts vor dem Schlafengehen:smile:

Und du hast Recht: langsam reden bringt nicht unbedingt Klarheit in deine Gedanken - aber lange Pausen vor deinen Gedanken bedeutet auch nicht, dass sie dadurch klarer werden:smile:

Gruß, jenny

Hallo Livia,
mir sind kurze Gedankenpausen 1000 x lieber, als diese sich immer weiter verbreitende Äh, Äh, Äh, Krankheit. Jeden im Fernsehen oder Radio Sprechenden Äh, Äh, Nerver schalte ich sofort weg.
genervte Grüße
Nastaly

Das kann nicht allgemein …
… beantwortet werden, weil schliesslich nicht alle Leute gleich schnell denken.
Mehr noch: je nach Müdigkeit oder emotionalem Engagement wird das Denken langsamer – im Extremfall dreht es nur noch wie ein Karussell am Ort oder es bleibt sogar stehen.

Die anderen Poster haben auch eher an DenkPAUSEN gedacht – du meintest ja wohl das Denken WÄHREND des Redens.
Und da ist es schon so, dass man sich weniger verhaspelt, wenn man sich die Ruhe gönnt, beim langsameren Reden etwas weiter vorauszudenken.

Grüsse
scalpello

Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken…
…beim Reden.

Moin,

so heißt ein Aufsatz von Heinrich von Kleist, den Du dir mal reinziehen solltest.
Eine kurze Einführung findest Du hier http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_allm%C3%A…
Am Ende des Artikels findest Du Links zum vollständigen Text - er ist nicht sonderlich lang.
Deutungshilfen findest Du gewiss auch
http://www.google.de/search?hl=de&lr=&safe=off&as_qd…

Pit