LangZeitarbeiter ab ende des Jahres arbeitslos?

Hallo in einem größeren Unternehmen mit vielen Zeitarbeitern wurde durch den Betriebsrat informiert, das zum ende des Jahres alle Langzeit-Zeitarbeiter (über 2 Jahre) entlassen werden sollen.

Es soll wohl eine Änderung im Gesetz zur Zeitarbeit geben, das festlegen soll das Zeitarbeit nur vorrübergehend betrieben werden darf.

Ist das richtig?

Die Idee dahinter ist ja ansich vielleicht nachvollziehbar, aber was wird aus den Zeitarbeitern? Arbeitslos per Gesetz, das kann ja eigentlich auch nicht sein.

Hat hier jemand ein paar Infos für mich?

Ich bedanke mich.

Konstruktive Gegenfrage
Hallo,

Warum wollte ein Mitarbeiter nicht eher danach fragen:

_ " Warum muss man trotz nachgewiesener Zuverlässigkeit in der Leiharbeit nicht nach 3 Monaten bereits auf der Übernahmeliste des Entleihbetriebes stehen ? " _

mfg

nutzlos

Dagegen kann ich überhaupt nichts sagen.

Ich denke oder hoffe ja mal, das diese Gesetzesänderung ansich im Sinne des Arbeitnehmers sein soll.

Dann sind 2 Jahre aber zu viel und zu wenig zugleich.

Für den Arbeitnehmer heißt das in gewissen Branchen das er vermutlich niemals irgendwo länger arbeiten kann als max 2 Jahre. Das heißt nicht nur oft wechseln sondern auch Zulagen, Urlaubstage etc. die man sich erarbeitet hat fallen immer wieder weg.

Für den Arbeitgeber sind zwei Jahre aber lange genug das es sich lohnt trotzdem nur Zeitarbeiter zu halten. Einarbeitungzeit 1-2 Monate / 2 Jahre Arbeit und dann Wechsel.
Arbeitgeber die mit einer großen Flotte von Zeitarbeitern arbeiten kennen da nichts und haben durchaus auch finanzielle Gründe warum keiner festangestellt wird.

Wie ich auch schon schrieb, die Idee ist sicherlich gut gemeint und ich verstehe auch deine Aussage. Aber dann sind zwei Jahre viel zu lang.
Dann sollte es ein Gesetz geben das festlegt das Zeitarbeiter wirklich nur bei Engpässen und vielleicht maximal 6 Monate oder noch kürzer beschäftigt werden dürfen. Denn dann lohnt es sich nicht mehr für den Arbeitgeber Jobs mit Zeitarbeitern zu füttern.
So wie es jetzt wohl wird, sehe ich das aber nicht so. Ich glaube das geht eher zum Nachteil der Arbeitnehmer aus. Gerade für die die jetzt nach X Jahren auf Grund dessen ihren Job verlieren werden.

Hallo

… das zum ende des
Jahres alle Langzeit-Zeitarbeiter (über 2 Jahre) entlassen
werden sollen.

Entlassen im Sinne von: Arbeitsvertrag gekündigt?
Entlassen in Sinne von: Arbeitnehmerüberlassungsvetrag gekündigt?

Es soll wohl eine Änderung im Gesetz zur Zeitarbeit geben, das
festlegen soll das Zeitarbeit nur vorrübergehend betrieben
werden darf.

Das klingt nach Regeln zum Überlassungsvertrag.

Die Idee dahinter ist ja ansich vielleicht nachvollziehbar,
aber was wird aus den Zeitarbeitern? Arbeitslos per Gesetz,
das kann ja eigentlich auch nicht sein.

Der Überlassungsvetrag wird zwischen dem Verleiher und dem Entleiher geschlossen. Eine Beendigung dieses Vertrags hat keine direkte Auswirkung auf den Arbeitsvertrag des Zeitarbeiters.

In der Praxis wird das auf ein Jobkarusell hinauslaufen.

MfG Frank Müller

Begreift ein ’ Betroffener ’ es …warum keine…
…außenstehenden…

Dann sind 2 Jahre aber zu viel und zu wenig zugleich.

2 Jahre als Status " Leiharbeiter " sind definitiv lt. ursprünglicher Beschreibung zu viel.

Für den Arbeitnehmer heißt das in gewissen Branchen das er
vermutlich niemals irgendwo länger arbeiten kann als max 2
Jahre.

Da gab es auch konkrete Gesetze vor der Agenda 2010. Mit " ihr" wurden diese Gesetze leider " aufgeweicht.

Das heißt nicht nur oft wechseln sondern auch Zulagen,
Urlaubstage etc. die man sich erarbeitet hat fallen immer
wieder weg.

Soweit kann es rechtlich nicht eindeutig in diesem Thread gesehen werden.
Da besteht man als Leiharbeiter zumindest auf Dem, was einem jährlich eingeräumt wird.
( Da beginnt dann leider oft das Spiel mit „Hoffnung und Versprechen“)
Andere Länder sehen Leiharbeit unter anderen Vergütungsmodellen. ( mehr, weil… )

Für den Arbeitgeber sind zwei Jahre aber lange genug das es
sich lohnt trotzdem nur Zeitarbeiter zu halten.

Das sind leider gesetzliche Möglichkeiten für AG ( Entleihbetiebe ).
Wird AN krank, hat der Verleiher umgehend eine neue Kraft zu stellen.

Einarbeitungzeit 1-2 Monate / 2 Jahre Arbeit und dann Wechsel.

Dann hat dieser AN es ja noch relativ gut " erwischt ". Seiner Spezialisierung steht es aber ebenfalls entgegen. Ich sehe es neben beruflicher Anerkenung auch in sozialem Aspekt. ( Letztlich auch noch Entlohnung und innerbetriebliche Aufstiegschancen )

Arbeitgeber die mit einer großen Flotte von Zeitarbeitern
arbeiten kennen da nichts und haben durchaus auch finanzielle
Gründe warum keiner festangestellt wird.

Geht es der Firma schlecht, ist der Leiharbeiter weg. Der Firmeninhaber fragt dabei nicht immer nach der sozialen Befindlichkeit des L-AN.

Wie ich auch schon schrieb, die Idee ist sicherlich gut
gemeint und ich verstehe auch deine Aussage. Aber dann sind
zwei Jahre viel zu lang.

Jepp.

Dann sollte es ein Gesetz geben das festlegt das Zeitarbeiter
wirklich nur bei Engpässen und vielleicht maximal 6 Monate
oder noch kürzer beschäftigt werden dürfen.

" Schwarz - Gelb " wehrt sich vehement dagegen, L-AN kompromisslos gleichen Lohn für gleiche Arbeit zusprechen zu wollen.
Zumal es auch noch diese " Dreckstarife " gibt. Einheitlich in einer Einarbeitung etwas weniger, ist schon o.K.

Es darf aber nicht einfach ausnutzbar sein.

Denn dann lohnt es
sich nicht mehr für den Arbeitgeber Jobs mit Zeitarbeitern zu
füttern.
So wie es jetzt wohl wird, sehe ich das aber nicht so. Ich
glaube das geht eher zum Nachteil der Arbeitnehmer aus.

Das ging es mit der Leiharbeit schon seit der Agenda 2010. Nach " Hörensagen " bietet Frankreich dazu bislang noch eine angemessene Lösung zu befristeter Direkteinstellung.

Gerade
für die die jetzt nach X Jahren auf Grund dessen ihren Job
verlieren werden.

Da wäre eher die Frage, warum der AN lange Jahre ohne Nachfrage in 3 fremde Hände wirtschaftete ?

  • produzierender Betrieb muss Gewinn machen ( klar )
  • an den Staat + Sozialkassen sind Beiträge zu entrichten ( klar )
  • Ein " Verleiher " kassiert AN zusätzlich ab unter o.g. Grundbedingungen ?
    ( unverständlich auf Dauer )

mfg

nutzlos

Da wäre eher die Frage, warum der AN lange Jahre ohne
Nachfrage in 3 fremde Hände wirtschaftete ?

  • produzierender Betrieb muss Gewinn machen ( klar )
  • an den Staat + Sozialkassen sind Beiträge zu entrichten (
    klar )
  • Ein " Verleiher " kassiert AN zusätzlich ab unter o.g.
    Grundbedingungen ?
    ( unverständlich auf Dauer )

Danke nochmal für deine Antwort

Ansich ist es aber auch oft so das viele Festangestellte nicht besser verdienen als der Zeitarbeiter. So soll es ja auch sein. Und auch der Zeitarbeiter kann eine Festanstellung haben (bei der Zeitarbeitsfirma).

Bei vielen Betrieben (Globale Unternehmen - zB. IT Sektor) wird einfach so gerechnet:
Die Firma soll keinen Gewinn machen - nicht in Deutschland. Zeitarbeiter sind Betriebskosten. Für Angestellte muss man Steuern zahlen. Also hat man bloß keine Festangestellten und dafür max. Zeitarbeiter (egal wie teuer die sind).

In diesen Bereichen wird dann in naher Zukunft einfach nur eine Reise nach Jerusalem einkehren, wenn ein Zeitarbeiter gegen den nächsten getauscht wird.
Für den „Zeit“-Arbeitnehmer ist das in dem Fall ein klarer Verlust. Dem Arbeitgeber ist es egal und der Staat hat auch nichts gewonnen.

Hallo,

Danke nochmal für deine Antwort

Ansich ist es aber auch oft so das viele Festangestellte nicht
besser verdienen als der Zeitarbeiter.

In meiner Branche als Handwerker / Facharbeiter äußerst ungewöhnlich.

So soll es ja auch
sein. Und auch der Zeitarbeiter kann eine Festanstellung haben
(bei der Zeitarbeitsfirma).

Nicht der Frage wert, warum Das ein " NOGO " sein kann.

Bei vielen Betrieben (Globale Unternehmen - zB. IT Sektor)
wird einfach so gerechnet:
Die Firma soll keinen Gewinn machen

Wenn ich dabei selbst als Handwerker mit mehreren handwerklichen Qualis noch an den Weihnachtsmann glaube…

  • nicht in Deutschland.

Zeitarbeiter sind Betriebskosten. Für Angestellte muss man
Steuern zahlen. Also hat man bloß keine Festangestellten und
dafür max. Zeitarbeiter (egal wie teuer die sind).

Warum stellt man sie sonst ein ? Weil sie glatt " abbestellbar " wie eine " Warenlieferung " sein können ? " Ware - Arbeit ? "

In diesen Bereichen wird dann in naher Zukunft einfach nur
eine Reise nach Jerusalem einkehren, wenn ein Zeitarbeiter
gegen den nächsten getauscht wird.

Wenn jemand Privat es so bevorzugt, soll er seine Argumente dafür mal nennen.

Für den „Zeit“-Arbeitnehmer ist das in dem Fall ein klarer
Verlust.

Was spricht dann also für " pro " ?

Dem Arbeitgeber ist es egal und der Staat hat auch

nichts gewonnen.

Die Binnenwirtschaft verliert eher dadurch. Auch andere Branchen verlieren bedingt durch Unsicherheit in der Finanzlage.

mfg

nutzlos

Der Überlassungsvetrag wird zwischen dem Verleiher und dem
Entleiher geschlossen. Eine Beendigung dieses Vertrags hat
keine direkte Auswirkung auf den Arbeitsvertrag des
Zeitarbeiters.

In der Praxis wird das auf ein Jobkarusell hinauslaufen.

Ja genau.
Auch wenn natürlich der Vertrag zwischen Arbeitnehmer und ZA-Firma besteht, wird die in Konsequenz mangels Auftrag den ZA natürlich auch vor die Tür setzen.
Dann kommt der Nächste und der besetzt die Stelle und der andere dessen.
Reise nach Jerusalem.
Nur bleiben natürlich Zulagen, Urlaubstage etc. dabei auf der Strecke.

Hallo,

die EU Zeitarbeitsrichtlinie verlangt das. Die Abweichung von den Einstellungsbedingungen des Entleihers durch Tarifverträge ist nur vertretbar, wenn der Zeitarbeitnehmer durch ständig wechselnde Entleiher sonst z. B. nicht seinen Urlaub planen könnte, weil er in jedem Betrieb andere Ansprüche hätte.

Ist er immer bzw dauerhaft beim selben AG, verlangt die Richtlinie Equal Pay. Also verlangen die Entleiher mehr Fluktuation.

Die Zeitarbeit ist trotzdem ein Flexibilitätsinstrument, da man die bei Flauten schnell loswerden kann, während betriebsbedingte Kündigungen, noch dazu mit Sozialplänen schwieriger und teurer wären.

VG
EK

Hallo,

Die Zeitarbeit ist trotzdem ein Flexibilitätsinstrument, da man die bei Flauten schnell loswerden kann, während betriebsbedingte Kündigungen, noch dazu mit Sozialplänen schwieriger und teurer wären.

Genau. Ich denke das ist der Knackpunkt. Was den Stundenlohn usw. angeht, ist der Leiharbeiter nicht unbedingt „billiger“ als der Festangestellte. Viele mögen das jedoch glauben, weil sie nur die Bruttolöhne vergleichen und nicht wissen, was der AG noch an den Verleiher abdrückt.
Der Buhmann, wenn man es hier so nennen will, sind hier nicht die Arbeitgeber oder die Verleiher, sondern die Festangestellten. Die sind „im System“ mit längeren Kündigungsfristen, betrieblichen Sonderzuwendungen inkl. Sozialplänen. Davon wollen sie natürlich zu gunsten der Leiharbeiter nichts abgeben.
Ein Arbeitgeber kann mit Leiharbeiter jedoch wesentlich flexibler auch Auftragsschwankungen reagieren, was auch die Arbeitsplätze inkl. alle betrieblichen Sonderzuwendungen sichert bzw. ermöglicht.

Die geplante Gesetzesänderung bzgl. Leiharbeitern ist die typische Folge von staatlichenProblemlösungsversuchen in Deutschland. Anstatt ein erkanntes Problem (relative Starrheit auf dem deutschen Arbeitsmarkt durch Kündigungsschutz usw.) zu beheben, wurde versucht dessen Syptome (Arbeitgeber stellen nur sehr zögerlich, wenn überhaupt zusätzliche Arbeitskräfte ein) zu behandeln, indem man eine Zwei-Klassen-Arbeitnehmerschaft ermöglicht hat.
Das wäre ungefähr so, als würde man jetzt zum Bekämpfen der Finanzierungsprobleme der Krankenkassen zum Tag X allen Mitgliedern der Krankenkasse das bisherige Leistungsniveau erhalten und allen ab dem nächsten Tag hinzukommenden nur noch eine mickrige Notfallabsicherung, aber für den gleichen Beitrag zugestehen. Bei der Rentenversicherung haben wir ja schon diese Entwicklung, auch wenn sie schon stufenweise abläuft.
Es kam naturgemäß so wie es kommen musste. Die Arbeitgeber, die mehr Flexibilität brauchten, nutzen diese auch. War ja Sinn und Zweck des Ganzen. Das passt den Deutschen aber nun auch wieder nicht, also versucht man nun mit noch einer neuen Gesetzesänderung wieder unerwünschte Symptome zu bekämpfen, anstatt das eigentliche Problem anzugehen.

Davon abgesehen, nehme ich an, dass sich diese Problematik langsam aber sicher von allein entschärfen wird. Zum einen scheiden immer mehr Arbeitnehmer mit ihrer starren Kündigungfristen und hohen Ansprüchen bei Sozialplänen aus, und die Arbeitgeber brauchten dank Leiharbeit nicht in gleichem Umfang neue einstellen. Zm Anderen dürfte auch die Verknappung des Arbeitskräfteangebots aufgrund der demografischen Entwicklung die Angebots- und Nachfrageverhältnisse verschieben, so dass qualifizierte Arbeitsuchende in eine bessere Verhandlungsposition gelangen.
Und nach wie vor sind es in der Masse nicht besonders hoch qualifizierte Arbeitnehmer, die (jahrelang) in der Leih- oder Zeitarbeit festhängen. AN mit nachgefragten Qualifikaton werden nach wie vor in aller Regel innerhalb weniger Monate vom AG in eine Festanstellung oder zumindest befristete Anstellung übernommen und haben dann entsprechend mehr in der Tasche.
Das Problem der großen Masse der Geringqualifizierten wird also eine Reform bei der Zeitarbeit ohnehin nicht lösen. Die sind dann halt nach wie vor außerhalb des Systems, aber dann eben auf der Straße anstatt in Leiharbeit.
Dies wird immer dann passieren, wenn deren Wertschöpfungsbeitrag unterhalb aller gezahlten Lohnkosten liegt. Und das ist eben nicht nur das, was auf dem Lohnzettel steht.

Grüße

Die halbe Wahrheit
Hallo,

Die Zeitarbeit ist trotzdem ein Flexibilitätsinstrument, da
man die bei Flauten schnell loswerden kann, während
betriebsbedingte Kündigungen, noch dazu mit Sozialplänen
schwieriger und teurer wären.

Fein, alle diese Vorteile würden weiterhin gelten, wenn den Zeitarbeiter der gleiche Bruttolohn gezahlt würde.
Bedingt durch die Entleihgebühr wären Zeitarbeiter etwas teurer als festangestellte Mitarbeiter, aber die Vorteile sollten dem Arbeitgeber das wert sein,… oder?

Die Wahrheit ist, dass Zeitarbeiter dem Entleiher häufig billiger kommen, als festangestellte Mitarbeiter. Ein wunderbares Instrument um Tarife zu unterlaufen.

Gruß
Carlos