Liebe/-r Experte/-in,
Es geht um das Thema Sucht. Hier spielt das assoziative Lernen, insbesondere die klassische Konditionierung eine Rolle.
Eine Bekannte nahm vor über 10 Jahren Drogen wie Ecstasy und LSD auf sog. Technoparties. Heute, obwohl sie die Drogen seit 10 Jahren nicht mehr genommen hat, kann sie beim bloßen Hören eines bestimmten Technotitels (Musik) einen Kick (wie durch Ecstasy) hervorrufen. Das heißt, aus dem neutralen Stimulus Musik wurde ein konditionierter Stimulus.
Sie sehen, dass die Verbindung zwischen Musik und Ecstasy sehr lange bestehen bleibt (über 10 Jahre- trotz Extinktionsversuchen).
Nun meine Frage: Spielt beim klassischen Konditionieren die Langzeitpotenzierung eine Rolle?
Manfred Spitzer schreibt hierzu in „Geist im Netz“ (1996), S. 47:
„LTP findet nicht an einer Synapse, sondern in den gleichzeitig aktiven Synapsen statt. Dadurch kann auch ein schwaches Signal verstärkt werden. Die Eigenschaft der Assoziativität bedeutet nicht nur, daß LTP (Langzeitpotenzierung) ein zelluläres Äquivalent der klassischen Konditionierung darstellt, sondern auch, daß das Phänomen als Basis für assoziative Speichermechanismen in neuronalen Netzwerden angesehen werden kann.“
Ich zitiere hier noch Schandry „Biologische Psychologie“, S. 520f:
„Besonders interessant ist der weitere Sachverhalt, dass für bestimmte Hippocampusneuronen, bei denen LTP möglich, also ein „Gedächtnis“ vorhanden ist, auch assoziatives Verknüpfen von Signalen aus zwei verschiedenen Quellen möglich scheint (Assoziativität).
Bei diesen Neuronen kann ein einzelner synaptischer Kontakt X,
der mit einer Reizsalve wiederholt aktiviert wurde, keine LTP auslösen.
Wenn jedoch ein weiterer Kontakt Y gleichzeitig tetanisch aktiviert wird, so kommt es an X zu einer LTP.
Wenn man sich vorstellt, dass über Kontakt X die Information über das Auftreten des CS (wäre Musik) und über Y das Auftreten des UCS (Drogen) an das Zielneuron weitergegeben wird, hat man damit die Basis für klassisches Kodnitionieren.“
Ich bin mir nicht sicher, ob ich es richtig verstehe, aber bei der klassischen Konditionierung geht es ja gerade darum, dass zwei Kontakte gleichzeitig aktiviert werden.
Eventuell kann man aber gar nicht pauschal sagen, dass bei der klassischen Konditionierung immer eine LTP vorliegt. Aber wenn ich Spitzer richtig verstehe, dann behauptet er ja gerade, dass LTP als Basis für assoziative Speichermechanismen (also auch klassisches Konditionieren) gelten.
Nach diesem langen Absatz stelle ich nochmals die Fragen:
Liegt in dem spezifischen Versuch (Musik und Drogen) eine Langzeitpotenzierung (im Hippocampus) vor?
Kann man LTP als Grundlage für assoziatives Lernen (Klassische Konditionierung) sehen?
Ich würde mich sehr über Ihre Hilfe freuen.
Vielen Dank.
Felicis

