Lateinischer Satz

ich bin in latein nicht so bewandert, müsste aber mal diesen satz übersetzt haben:

licentiam es, tibi me permitto.

mein lexikon sagt: licentiam: Freiheit, Frechheit… (oder als Verb?)
im Akkusativ
Me ebenfalls im Akkusativ
–> also meine Freiheit…

permitto - ich erlaube

ergo:

Ich gebe (erlaube) dir meine Freiheit oder (falls Ablativ) Durch mich gebe (erlaube) ich dir Freiheit.


Ist das jetzt richtig oder habe ich etwas falsch gemacht?

Hallo vastitas,

licentiam es, tibi me permitto.

bist Du sicher, dass dieser lat. Satz richtig wiedergegeben ist? Er gibt m.E. keinen Sinn.

Wenn es sich um zwei unabhängige Hauptsätze handelt, fehlt dem ersten ein Prädikat, dem das Objekt „licentiam“ untergeordnet wäre. Esse & Akkusativ wäre mir neu.

Wenn es sich um insgesamt einen Hauptsatz handelt, würde dieser (da bin ich mit Dir einig) lauten: „Licentiam tibi permitto“ (Ich erlaube Dir die Freiheit, Frechheit oder ähnliches). Dann wäre aber „permitto“ auch noch gleichzeitig reflexiv (mit me) konstruiert, und das gibts im Lateinischen noch nicht, erst viel später im Spanischen, wo an allen möglichen und unmöglichen Verben ein -se dranhängt. Und außerdem würde „es“ = „Du bist“ frei im Raum schweben.

Kannst Du einen Kontext oder eine Quelle geben? Das würde es leichter machen, das Original zu dem offensichtlich verstümmelten lat. Satz zu finden.

Schöne Grüße

MM

Hallo vastis!

licentiam es, tibi me permitto.

„es“ kann auch eine Nebenform von edere sein mit den Bedeutungen:

  1. essen, fressen,
  2. verzehren (corpora, animum, carinas)

Liebe Grüße, Anna

Hallo Anna,

licentiam es, tibi me permitto.

„es“ kann auch eine Nebenform von edere sein mit den
Bedeutungen:

  1. essen, fressen,
  2. verzehren

Schönen Dank, das ist spannend.

Aber dann sind wir mit der Übersetzung, die sich damit ergibt:

„Du verzehrst die Freiheit (Zügellosigkeit, Frechheit etc.), ich erlaube mich Dir“

noch nicht wirklich weiter. Oder was meinst Du?

Schöne Grüße

MM

Esse & Akkusativ wäre mir neu.

Hallo zusammen,

meine lateinischen Tage liegen schon ein wenig zurück, also bitte nicht schlagen, wenn ich jetzt Unsinn rede, aber könnte das kein ACI sein und eine freie Übersetzung „Ich erlaube Dir, von mir frei zu sein“ lauten ?

Viele Grüße
soneji

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Noch vergessen

Hallo zusammen,

meine lateinischen Tage liegen schon ein wenig zurück, also
bitte nicht schlagen, wenn ich jetzt Unsinn rede, aber könnte
das kein ACI sein und eine freie Übersetzung „Ich erlaube Dir,
von mir frei zu sein“ lauten ?

Viele Grüße
soneji

P.S. „me“ dachte ich mir dabei nicht reflexiv, sondern als eine Art Richtungsakkusativ, im Sinne „von mir weg“.

Hallo soneji,

Sey getrost: Latein und Schlagen war zwar einige Generationen lang ein vertrautes Paar, aber ich finde, es passt nicht gut zusammen.

Zum ACI: Dieser funktioniert trotz seines mysteriösen Rufes im Lateinischen wie im Deutschen: Transitives Verb + Akkusativobjekt + Objekt-Infinitiv: Doceo te natare = Ich lehre Dich schwimmen. Der Unterschied liegt nur im Kreis der anwendbaren transitiven Verben, der im Lat etwas größer ist: Verben des Sagens, Glaubens, Meinens, Denkens und der Gemütsbewegung: Te amicum meum esse puto = Ich glaube, dass Du mein Freund bist. Ferner findet man ihn zur Formulierung indirekter Rede.

Er setzt wieauchimmer einen Akkusativ und einen Infinitiv voraus. Würde im gegebenen Satz also heißen: Licentiam esse tibi permitto. Das „me“ bleibt dann immer noch übrig, und „licentia“ in diesem Zusammenhang ist ein bissel ungewohnt, weil es im Gegensatz zu „libertas“ in Richtung Frechheit, Zügellosigkeit, Willkür geht - also Freiheit, die sich einer selbst nimmt. „Licentiam mihi permitto“ würde von diesem Sinn eher passen, etwa „Ich erlaube mir die Frechheit“ - aber dann rutscht wieder „es tibi“ weg.

Die Idee vom Akkusativ des Ortes als eine ebenfalls schöne Figur ist sicherlich interessant, aber der Akkusativ meint immer „auf etwas zu, irgendwohin“. Für „von etwas/jemandem weg“ bräuchte man einen Ablativ (Hilfsform „a me“, weil kein Ablativ beim Personalpronomen gebildet wird). Ob man einen Akkusativ des Ortes in bezug auf Personen benutzen kann, weiß ich nicht, kommt mir aber merkwürdig vor.

Ich überreiche Dir ein „hilfreich“, weil ich das Herangehen grundsätzlich gut und richtig finde, einen lat. Satz, der nicht ohne weiteres einleuchtet, auf „Latinismen“ abzukopfen, mit denen er sich vielleicht erschließt.

Und dann hammer noch einen schönen (nicht ganz ernsten) ACI-Übungssatz, der allerdings wegen der Doppelbedeutung des deutschen „Hafen“ bloß im süddeutschen Raum verstanden wird:

Caesat cum vidit portum plenum esse iuxta navigavit.

Als Caesar sah, dass der Hafen voll war, schiffte er daneben.

Schöne Grüße

MM

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Hallo Martin,

na, da habe ich mal wieder mit meinem gesunden Halbwissen „geglänzt“, aber immerhin hat es dafür gesorgt, daß ich dank Deiner ausführlichen Erläuterungen meine Grammatikkenntnisse aufgefrischt habe. Übrigens hatte ich auch noch in Erinnerung, daß die Römer gern mal ein paar Endungen weggelassen haben und habe dann großzügig darauf getippt, daß das „es“ ein verkürztes „esse“ sein könnte. Du siehst, ich habe mir durchaus etwas dabei gedacht, nur leider offensichtlich das falsche
:wink:)))). Aber schön geklungen hat meine Übersetzung, das mußt Du zugeben :wink:)))))))).

Nochmals vielen Dank und schöne Grüße
soneji

schwierig schwierig
Vielen Dank für eure Bemühungen,

ich glaube der Inhalt ist weitesgehend klar geworden…

Ich habe diesen Satz von einer alten Freundin per SMS bekommen… ich schätze sie hat sich selbst diesen Satz ausgedacht, was vielleicht die Schwierigkeiten, den Satz zu erklären, begründet.

Trotzdem Danke
Gruß
vastitas