Lateinkönner gesucht!

Hallo an Alle,

heute hätte ich ein Zuckerl zum Übersetzen für Lateinspezialisten - nämlich folgender Satz:

Non nihil rus olent, cetera pii.

Dieser Satz beschreibt das Verhalten (mores) eines Schülers (der Klassenbeste) am Schuljahresende (1775) im Fach Physik. Das Ganze ist nachzulesen im Catalogus studiosorum des Benediktiner-Lyzeums Freising.

Und wenn wir schon dabei sind: vor den Schülernamen steht manchmal ein D.

  • weiß jemand, was es damit genau auf sich hat und wann man es verwendet?

Bin gespannt!
Clarissa

Hallo, Clarissa,

heute hätte ich ein Zuckerl zum Übersetzen für
Lateinspezialisten - nämlich folgender Satz:

Das ist kein Zuckers! Das ist ein Klops!

Non nihil rus olent, cetera pii.

Non = nicht; nihil = nichts; rus = Land, ländliche Gegend (auch abwertend); olent = sie stinken (?); cetera = das Übrige; pii = die Frommen.

Und das soll einen Sinn geben?

Es stinkt nichts nicht nach Landwirtschaft, im übrigen die Frommen.

Bist du sicher, dass du richtig liest?

Gruß Fritz

Hallo, Clarissa und Fritz,

Non nihil rus olent, cetera pii.

eine Übersetzung kann ich leider auch nicht bieten, aber ein paar Hinweise:

„non nihil“ -> „nicht nichts“ = (irgend)etwas?
Vgl.
Venor aliquando, sed non sine pugillaribus, ut, quamvis nihil ceperim, non nihil referam.
Zuweilen gehe ich auf die Jagd, doch nicht ohne Schreibtafel, um, wenn ich auch nichts fange, doch jedenfalls etwas nach Hause zu bringen.

http://www.vox-latina-gottingensis.de/origueb/pliniu…

im übrigen die
Frommen.

In manchen Wörterbüchern wird pius auch mit „pflichtbewusst“ übersetzt.

Und noch eine Spekulation zu D. : Es könnte für „Discipulus“ stehen…

Gruß
Kreszenz

Servus Clarissa,

Non nihil rus olent, cetera pii.

Das Verb olere kann riechen/stinken heißen, aber auch übertragen „etwas verraten, nahelegen…“. Im Süddeutschen: „Eppes hat schon ein Gschmäckle von…“ Konstruiert wirds mit Akkusativ, also „rus olere“ = „eine ländliche Herkunft verraten“? Die doppelte Verneinung non nihil bekräftigt, „non nihil“ ist „schon ziemlich“.

Verwunderlich ist das Subjekt „cetera“: Die übrigen Leistungen? Das sonstige Betragen?

Und etwas rätselhaft das „pii“ ohne was dabei. Wenn da „huius“ oder „istius“ stünde, täte ich vorschlagen:

„Das übrige Betragen dieses an und für sich frommen Schülers verrät deutlich seine ländliche Herkunft.“

Ich empfehle aber dringend, diesen Satz mit den übrigen Beurteilungen abzugleichen, weil er auch gänzlich daneben liegen kann.

manchmal ein D.

Da bin ich ziemlich unsicher. Ich glaube mich zu erinnern, daß ich diese Abkürzung in Texten aus ähnlicher Zeit aus dem Kloster Schussenried für „Dominus“ gelesen habe, wenn ichs richtig weiß, ohne weiteren Titel = niederer Adel, Freiherr.

Schöne Grüße

MM

D = Dominus!
Hiho,

manchmal ein D.

Da bin ich ziemlich unsicher. Ich glaube mich zu erinnern, daß
ich diese Abkürzung in Texten aus ähnlicher Zeit aus dem
Kloster Schussenried für „Dominus“ gelesen habe, wenn ichs
richtig weiß, ohne weiteren Titel = niederer Adel, Freiherr.

Ja, ich meine auch, mich aus dem Studium an das „D“ in Handschriften erinnern zu können. Und da stand es, iirc, wirklich für Dominus. Wir interpretierten es (das Dominus bei Titeln) damals meist gleichbedeutend mit „nicht adelig, aber freier Bürger“.

Alles iirc, das Studium ist jetzt doch schon 'ne Weile her. :wink:

Liebe Grüße,
Nike

Hallo,

na, ihr macht mir ja Mut, dann ist mein Latein doch gar nicht so schlecht :wink:

Im Ernst:

Für mich heißt der Satz: „Einige (der mores) riechen nach Land, die übrigen [sind] fromm.“ Soweit mein schon etwas angestaubtes „grosses Latinum“

Ich bin nur deshalb unsicher, weil dieser Satz vom Stil her - er ist ja doch eher eines ehrwürdigen Benediktiner-Professors unangemessen - so gar nicht zu den restlichen Beurteilungen passt, die sonst immer in den höchsten und erfurchtsvollsten Tönen loben.

Ausserdem hatte der besagte Schüler, von dem ich die komplette Gymnasial- und Lyzeumschronologie rekonstruiert habe, sonst Anmerkungen zu seinen mores wie „magna laude dignissimi“ oder „supra aetate masculi“.

Oder sollte er gerade im letzten Schuljahr doch noch in die Flegeljahre gekommen sein??

Es bleibt spannend!
Danke erstmal und beste Grüße,
Clarissa

Servus Clarissa,

wenn vorher immer alles in Ordnung war, riecht das nach sowas wie einem „Abi-Streich“…

Aber das wäre zu viel der Ausdeutelei.

Schöne Grüße

MM

wenn vorher immer alles in Ordnung war, riecht das nach sowas
wie einem „Abi-Streich“…
Aber das wäre zu viel der Ausdeutelei.

Das denke ich auch, denn die Bemerkung stammt ja schließlich von der Lehrkraft, nicht vom Schüler :wink:

Gruß, Clarissa