Latex versprödet. Was sonst?

Liebe/-r Experte/-in,
in einem Schiffsmodell muss ich eine größere Fläche mit einem flexiblen Diaphragma abdichten. Bisher habe ich dafür Latex (Theara-Band, ein Sport-Artikel) verwendet. Dieses versprödet aber schon nach einigen Monaten. Vielleicht liegt das an den Ausdünstungen des CFK-Materials, aus dem mein Modell besteht.

Frage: Welches flexible Material gibt es noch? Wäre Silicon geeignet? Gibt es das als dünne Folie?

Besten Dank im Voraus für einen Hinweis.
Jörg Sommer

Da kann ich leider auch nicht weiter helfen. Weiß aber das es eine AArt Silikonmasse gibt die säurefest ist und eigentlich in jedem Baumarkt zu erhalten ist.

Viele rüße

Herbert

Ja, aber es geht ja um eine Folie. Trotzdem vielen Dank für die Auskunft.
Jörg Sommer

Hallo Jörg,

das Latex versprödet in der Tat, aber nur unter bestimmten Bedingungen, siehe:

Pflege von Latexkleidung [Bearbeiten]

Latex ist ein Naturprodukt, das zwar sehr temperaturbeständig ist, aber durch den Kontakt mit Fetten und Ölen zersetzt werden kann; auch UV-Licht schädigt die Struktur der Latexkleidung, dadurch ist eine intensive Pflege nötig. Um die Haltbarkeit zu optimieren, sollten folgende Grundsätze beachtet werden:

* Der Kontakt mit Fetten und Ölen ist zu vermeiden. Gleiches gilt für viele Metallarten (z. B. Kupfer, Messing)
* Nach dem Tragen sollten die Kleidungsstücke mit speziellen Reinigungsprodukten oder mit fett-/ölfreier Waschlotion (pH 5,5) gereinigt werden.
* Nach dem Trocknen sollte die Kleidung mit Talkum behandelt werden, damit das Latex nicht verklebt und elastisch bleibt, oder
* Alternativ kann auch Silikonöl oder entsprechende Pflegeprodukte verwendet werden. Einen Spritzer in klares Wasser geben, die Wäsche darin walken und so zum Trocknen aufhängen.
* Es empfiehlt sich, jedes einzelne Kleidungsstück hängend im Schrank aufzubewahren, da sich Spuren von Falten unter Umständen nicht mehr entfernen lassen
* Die Kleidungsstücke sollten dunkel gelagert werden, da Latex lichtempfindlich ist (UV-Strahlung).

Von daher kann man Latex schon schützen (Talkum, Silikonöl), aber wenn Fette und Öle in dem Rumpf verdampfen sieht es schlecht aus.

Alternativ könntest Du mit einem der bei R&G (www.r-g.de) erhältlichen Silicone (ich würde das M4641 nehmen) mit einem breiten Spachtel auf einer Glasplatte (vorher wachsen, polieren und PVA drauf) eine dicke Silikonfolie erstellen, die Du dann verwenden könntest. Verklebung ebenfalls mit dem 4641 oder dem speziellen Wacker Elastosil E4.
Es gibt bei R&G auch noch eine hochelastische Vakuumfolie namens PO 150, recht preiswert aus Polyolefin, über die Verklebbarkeit ist mir allerdings nichts bekannt.

Viel Erfolg,
schöne Grüße,

Hallo Hanno,
vielen Dank für Deine erschöpfende und hilfreiche Auskunft. Das Latex kann ich wohl abschreiben, ich kann ja in meinem Schiffsmodell nicht diese Pflegemaßnahmen ausführen, die Du beschreibst. Die Sache muss weitgehend wartungsfrei funktionieren.

Also Silikon. An die Selbst-Herstellung einer Folie hatte ich auch schon gedacht. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, eine halbwegs einheitliche Materialstärke zu erzielen. Jetzt hat Du mich ermutigt, es doch mal zu probieren. Du erwähnst in diesem Zusammenhang PVA. Was ist das?

Nochmals vielen Dank und herzlichen Gruß
Jörg

Hallo Jörg, ich war unterwegs.
PVA ist ein Folientrennmittel auf Polyvinylalkohol Basis, mit Alkohol und Wasser als Lösungsmittel das schnell verdunstet. Das PVA wird als trennende Schicht zwischen gewachster und polierter (mehrfach Formoberfläche und Werkstoff (in diesem Falle Silikon) aufgetragen. Es trocknet hochglänzend auf und trennt die Flächen hervorragend, wenn man entformen will. Bei R&G (www.r-g.de)kannstkannst) Du zwischen PVA und Partall Coverall wählen. Ist praktisch das gleiche.
Eine halbwegs gleichmäßige Schichtstärke könntest Du bekommen, wenn Du seitlich Drähte mit der gwünschten Stärke festklebst und als Spachtel ein Stück Alu-Winkel benutzt, mit dem Du das Silikon von der Mitte ausgehend verschlichtest.
Besser eine glatte Platte als Untergrund nehmen als eine Folie, das gibt nur Probleme…
Ich wünsche viel Erfolg!

Hallo,
vielen Dank für die zusätzlichen Informationen. Inzwischen habe ich mich nun doch für die VakuumFolie PO 150 entschieden und sie gekauft. Das ist sicher die einfachste Lösung. Sie ist allerdings nicht resistent gegen Styrol - wo kommt dieses vor? Könnte es auch in meinem GFK-Modell stecken?
Herzlichen Gruß,
Jörg

Sie ist allerdings nicht resistent gegen Styrol - wo kommt dieses vor?
Könnte es auch in meinem GFK-Modell stecken?

Hallo Jörg,
Styrol kommt als Lösungsmittel in Polyester-Spachtel und -harzen vor. Es verdampft/verdunstet schon während des Aushärtungsprozesses, so dass Du selbst bei einem Polyesterrumpf (gibt es aber kaum) kein Problem haben dürftest. Du solltest allerdings nicht mit Polyesterharz im Rumpf kleben oder drauf herum spachteln, das mag die Folie sicher nicht.

Viel Erfolg weiterhin!

Grüße Hanno

klar-transparente Faserbund-Werkstoffe
Hallo Hanno,

offenbar kennst Du Dich mit Faserverbund-Werkstoffen gut aus. Folgendes Problem:
Ich habe ein Schiff entworfen mit einem Solar-Dach. Darüber kreist ein großes Windrad in Gestalt eines Twisters. Das ist ein weiterentwickelter H-Rotor, ein Vertikalachser. Senkrechte Flügel werden von horizontalen, rotierenden Armen getragen. Diese beschatten die Solarzellen und mindern deren Leistung. Fachleute der Solarbranche haben mir gesagt, dass sogar schon der Schatten der Takelage eines Segelbootes erhebliche Einbußen bei Solarzellen verursacht. Deshalb meine Frage:

Gibt es seewasserresistente, UV-beständige, klar-transparente Faserbundwerkstoffe und wenn ja: Wie ist deren Festigkeit im Vergleich zu dem sonst üblichen Material?

besten Dank im Voraus für einen Tipp!
Jörg

Gibt es seewasserresistente, UV-beständige, klar-transparente
Faserbundwerkstoffe und wenn ja: Wie ist deren Festigkeit im
Vergleich zu dem sonst üblichen Material?

besten Dank im Voraus für einen Tipp!
Jörg

Hallo Jörg, ich kann mir das Design noch nicht recht vorstellen, hast Du ein Foto oder eine Zeichnung davon, was Du hier reinstellen könntest, oder einen Link dazu? Die Größenordnung wäre noch wichtig zu wissen.

Grüße Hanno

hast Du ein Foto oder eine Zeichnung davon, was Du

hier reinstellen könntest, oder einen Link dazu? Die
Größenordnung wäre noch wichtig zu wissen.

Hallo Hanno,
eine Internetadresse kann ich hier nicht reinsetzen, die schmeißen einen raus wg. Spam-Verdacht. Aber schau mal nach unter „Oeko-Trimaran“, meine Seite ist dann leicht zu finden.
Gruß, Jörg

Hallo Jörg,

sehr interessantes Projekt, Dein Trimaran!

Insbesondere die Kopplung von Energiegewinnung aus dem Wind und der Wellenenergie ist beeindruckend, würde mich sehr freuen wenn das mal fahren würde!

Zu Deinem Problem: Bei der dünnen Auslegung der Rotoren hätte ich weniger Angst dass die Solarerzeugung durch die Abschattung leidet. Das ist glaube ich verschmerzbar bei der großen Fläche die Du da für Solarzellen hast. Mehr Gedanken würde ich mir um die Festigkeit bzw. die unterschiedlichen Beanspruchungsebenen der Rotoren machen, die besonders bei Böen sehr hoch beansprucht werden können.

Wie auch immer, Du wirst das berechnet haben - es gibt bei R&R ein Harz mit Härter HT 2, das hochtransparent ist und mit HIlfe von Fasern mit Finish (Finish FK 144/FK 800) hochtransparente Laminate bei nur geringfügig herabgesetzten Werten bei Zug- und Biegefestigkeit, seewasserbeständig sowieso.

Ich würde ja von der Anwendung her zu Aramidfasern im Verbund mit Glas-Rovings neigen, allerdings ist Aramid nicht UV-stabil und verliert schon nach kurzer Zeit seine guten mechanischen Werte - wenn es uv-ungeschützt verbaut wird. Insofern widersprechen sich hier die Anforderungen. Aber wie ich oben schon sagte, von der Anforderung an mechanische Werte würde ich eher Aramidrovings oder -gewebe in den Rotoren verbauen und die geringfügige Abschattung in Kauf nehmen. Aramid hat einfach super Werte hinsichtlich Biegefestigkeit und nimmt überdies auch Querkräfte eher auf als Glas oder Kohlefaser. Dann gibt es noch die überragenden Werte in Bruchdehnung usw. Ich glaube da sollte mal jemand der sich mit Faserverbundbauweise gut auskennt ran und das durchrechnen für Glas und Kevlar/Aramid.

Also geh’ mal in Dich, was Du davon hältst.

Schöne Grüße, Hanno