kann mir jemand den begriff „latwerden“ etwas genauer erklären? soweit ich ihn verstehe, handelt es sich dabei um die in der damaligen medizin berühmt-berüchtigten arzneien wie quecksilber oder arsen - aber was genau bedeutet dieses wort?
aus faust I, osterspaziergang:
Da ward ein roter Leu, ein kühner Freier,
Im lauen Bad der Lilie vermählt,
Und beide dann mit offnem Flammenfeuer
Aus einem Brautgemach ins andere gequält.
Erschien darauf mit bunten Farben
Die junge Königin im Glas,
Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte: wer genas?
So haben wir mit höllischen Latwergen
In diesen Tälern, diesen Bergen
Weit schlimmer als die Pest getobt.
Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben:
Sie welkten hin, ich muß erleben,
Daß man die frechen Mörder lobt."
das komische Wort taucht auch bei E. T. A. Hoffmann auf. Was es ist? Nun ja: die Leutchen schnappten sich irgendwelches Heilpülverchen, mixten es mit Sirup oder Mus und verabreichten es dann als Medizin. Latwergen bezeichnet also eine bestimmte Darreichungsform von Medikamenten.
Das Wort „die Latwerge“ stammt aus dem Griechischen (Latein: Electuarium). Es handelt sich dabei um ein brei- oder teigförmig zubereitetes Arzneimittel.
Im Deutschen wird das Wort noch mundartlich für Frucht- oder Pflaumenmus verwendet.
kann mir jemand den begriff „latwerden“ etwas genauer
erklären? soweit ich ihn verstehe, handelt es sich dabei um
die in der damaligen medizin berühmt-berüchtigten arzneien wie
quecksilber oder arsen - aber was genau bedeutet dieses wort?
Quecksilber und Arsen haben damit eigentlich nichts zu tun, Latwerge waren Arzneipulver, die man mit Fruchtmus, Honig, Zuckersirup oder Süßwein mischte, weil sie schlecht schmeckten oder nicht gut löslich waren, als Lösungsmittel kannte man nur Wasser, Alkohol als Lösungsmittel gab es noch nicht, die Destillation wurde erst später entdeckt.
Die wurden recht vielseitig verwendet, es gab auch schon Potenzmittel, hier mal ein interessantes Zitat: http://www.kraeuter.ch/Knabenkraut/Knabenkraut.htm
Gruß
Rainer
Alkohol als Lösungsmittel gab es noch nicht, die
Destillation wurde erst später entdeckt.
Hallo Rainer,
was meinst Du genau mit später? Später als was? Weiter oben wird Faust zitiert. Als Goethe Faust schrieb, gab es sicher schon das Wissen um die Destillation. So ist doch 1507 in Straßburg Hieronymus Brunschwigs „Liber de arte Distillandi de Compositis“ erschinen.
was meinst Du genau mit später? Später als was? Weiter oben
wird Faust zitiert. Als Goethe Faust schrieb, gab es sicher
schon das Wissen um die Destillation. So ist doch 1507 in
Straßburg Hieronymus Brunschwigs „Liber de arte Distillandi de
Compositis“ erschinen.
Latwerge gab es schon in der Antike, ägyptische und griechische Ärzte haben sie schon hergestellt.
Die Destillation wurde um 1000 n.Chr. von dem persischen Arzt und Alchemisten Ibn Sina, auch unter dem Namen Avicenna bekannt, zur Herstellung reiner ätherischer Öle zur Heilbehandlung eingeführt.
Damals baute man auch die ersten brauchbaren Destillationsgeräte.
In der Antike, Aristoteles kannte schon das Prinzip der Destillation, benutzte man Bronzegefäße, machte Feuer darunter und fing das Destillat mit Wollfäden oder Schwämmen auf, die im Hals des Gefäßes angebracht waren.
Damit ließ sich natürlich nicht professionell arbeiten.
Avicenna benutzte einen Kolben mit angesetztem Kupferrohr, kannte aber noch noch keinen Kühler am Destilationsapparat, man kühlte mit nassen Tüchern.
Im 14. Jahrhundert wurde erstmalig ein Destillationsapparat mit Wasserkühlung beschrieben.
Aus dieser Zeit stammen die ältesten Vorschriften zur Darstellung von Alkohol, der aus Wein gewonnen wurde. Alles deutet darauf hin, daß die Entdeckung dieses brennenden Wassers (aqua ardens) an der Universität von Salerno gelang und die Destillationstechnik grundsätzlich verbessert wurde, in dem man zwischen Helm und Vorlage ein zusätzliches Element einsetzte, das durch ein mit Wasser gefülltes Gefäß eine wesentlich bessere Kühlwirkung besaß.
Damit war es erst möglich, tiefer siedende Substanzen wie Alkohol bei der Destillation zu gewinnen.
Man konnte bereits damals bei vorsichtigem und schwachen Erhitzen einen etwa 90 %-igen Alkohol, wenn auch nur mit geringer Ausbeute und mit hohem Aufwand herstellen, was zu der Zeit ein beachtliches Ergebnis darstellt.
In der darauffolgenden Zeit wurden von mehreren Praktikern der Alchemie auf die selbe Art u. Weise das „aqua ignea rectivicata“ (gereinigtes feuriges Wasser), und letztlich das " aqua vitae rectivicata" (gereinigtes Lebenswasser) hergestellt.
Die Kenntnis seiner Gewinnung lag allein bei den Ärzten und den seit dem Erlaß der Medizinalordnung durch Friedrich II. eine eigene Berufsgruppe bildenden Apothekern.
Dies änderte sich jedoch sehr bald, vor allem während der ersten großen Pestepidemie, die Europa zwischen 1347 und 1350 heimsuchte und nahezu ein Viertel der Bevölkerung hinwegraffte.
Im „aqua Vitae“, dem Lebenswasser, glaubte man eine wirksame Medizin gegen diese Seuche gefunden zu haben.
Jedermann bemühte sich, dieses „Wunderwasser“ auf eigene Faust herzustellen.
So drang die Kenntnis der Alkoholgewinnung bald in die breite Öffentlichkeit.
Es bildeten sich im 15.Jahrhundert dann sehr schnell gewerbliche Betriebe zur Herstellung von Branntwein, viele bekannte Marken wie Armagnac entstanden damals.
Im 14. Jahrhundert wurde erstmalig ein Destillationsapparat
mit Wasserkühlung beschrieben.
Aus dieser Zeit stammen die ältesten Vorschriften zur
Darstellung von Alkohol, der aus Wein gewonnen …
Hallo Rainer,
noch ein Zitat:
„Die erste eindeutige Beschreibung der Alkoholdestillation aus Wein liegt in einer Handschrift der ‚Mappae clavicula‘ (‚Kleiner Schlüssel zur Malerei‘) aus dem 12. Jahrhundert vor. Nach der Auflösung der Kryptogramme für , und läßt sich das Rezept folgendermaßen übersetzen:
‚Stärkster, unverfälschter Wein wird mit dem dritten Teile Salz vermischt und in den zu dieser Operation geeigneten Gefäßen erhitzt. Daraus entsteht ein Wasser, welches angezündet eine Flamme entwickelt, aber den Stoff unverbrannt läßt.‘“
Nein, nicht dass ich jetzt alle Zeitangaben besser wissen will, aber vielleicht kann ich Dir eine Quelle kundtun, die Dich interessiert.
„Die erste eindeutige Beschreibung der Alkoholdestillation aus
Wein liegt in einer Handschrift der ‚Mappae clavicula‘
(‚Kleiner Schlüssel zur Malerei‘) aus dem 12. Jahrhundert vor.
Nach der Auflösung der Kryptogramme für ,
und läßt sich das Rezept
folgendermaßen übersetzen:
‚Stärkster, unverfälschter Wein wird mit dem dritten Teile
Salz vermischt und in den zu dieser Operation geeigneten
Gefäßen erhitzt. Daraus entsteht ein Wasser, welches
angezündet eine Flamme entwickelt, aber den Stoff unverbrannt
läßt.‘“
Was ist denn mit Salz gemeint?
Kochsalz kanns nicht sein, irgend eine Chemikalie?
Werd ich nicht so recht schlau draus.
Gruß
Rainer