Laufschrift-Phänomen

Einmal gezwungen, eine Straßenbahn zu benützen (Graz/A), fiel mir folgendes auf:
wenn auf den zu Reklamezwecken angebrachten Laufschriftgeräten die Schrift „stehen“ blieb, waren die Buchstaben der Anordnung der Leuchtdioden entsprechend senkrecht formatiert.
„Lief“ aber die Schrift, erschien sie kursiv.

Eine mitfahrende Studiosigruppe befragt, verachtete meine Frage mit „… nicht schon wieder Laufschrift“, aber als ich die Bahn verließ, schienen sie mir doch etwas nachdenklich zurück zu bleiben.

Ich nehme an, daß es mit der Ansteuerungsfrequenz und -folge der Dioden zusammen hängt, aber eine genaue Erklärung fehlt mir.

Sepp

Hallo,

ich denke, ich weiß was Du meinst.
Die „laufende“ Schrift flackerte und wirkt verzerrt, war´s so?

Meine Erklärung ist folgende, wer schlauer ist soll es sagen:

(reden wir mal von LED´s)
Also, es wird nicht jede LED einzeln angesteuert wie man veilleicht vermutet. Warum nicht? Stell dir vor, die Anzeige enhält 10 LED´s in senkrechter Richtung, 100 in waagrechter. Das sind also 1000 LED´s. wenn ich jede einzeln ansteuern möchte, brauche ich 1001 Leitungen (1000 mal „+“, einmal „-“). Der Anzeigentreiber-IC braucht also min 1000 Pins, stell ihn dir mal vor :wink:
Also bau´ ich mir eine Matrix genannte Schaltung, das heißt die LED´s werden so angeordenet:frowning:fixed font!)

 1 2 3 4 . . .100
 | | | | |
A---x--x--x--x- x
 | | | | |
B---x--x--x--x- x
 | | | | |
C---x--x--x--x- x
 | | | |
.
.
.

J---x--x--x--x- x

Nun brauche ich nur noch 110 (100+10) Leitungen, also knapp ein Zehntel!! (Im Extremfall würden mir auch 64 Leitungen reichen, denn 32+32=64, 32*32=1024 oder sogar nur 30 : 10+10+10=30 10*10*10=1000, denn ich kann ja auch 10Stück 10*10-Matrixen nehmen und zusammenschalten).

Aber es ist natürlich klar, dass in Spalte 1 andere LED´s leuchten (können müssen) als in Spalte 2! Wenn ich nun also LED A1 und B2 leuchten lassen will, was dann? A=B="-" und 1=2="+" lassen A1, A2, B1 und B2 leuchten! Also heißt das Stichwort multiplexen. D.H. ich schalte ERST Leitung 1 auf „+“, gleichzeit A auf „-“, dann leuchtet A1. DANACH schalte ich Leitung 2 auf „+“, gleichzeitig B auf „-“. Jetzt leuchtet B2. Das ganze schalte ich schnell hin und her, die Trägheit der Augen bekommt das nicht mit, ich sehen A1 und B2 GLEICHZEIT leuchten!

Nun kommt dein beobachteter Fehler, denn ich lasse die Buchstaben durchlaufen. Entweder bekommt der o.g. Anzeigentreiber-IC die Buchstaben zu langsam zugespielt, er hat also z.B. die Zeile A korrekt dargestellt, hat aber die „neue“ Zeile B noch nicht und zeigt die alte an (die ist dann vielleicht um eine LED nach rechts versetzt). Oder er zeigt z.B. die Zeile A zuerst (korrekt) an, als er B anzeigen will ist der Text aber schon weitergelaufen und wieder um eine LED versetzt.

Ist die Sache nun klar? Wenn der Text steht, ändert sich natürlich nichts, alle LED´ werden korrekt angezeigt.

Was mir allerdings immer ein Rätsel ist warum nicht einfach die Taktraten erhöht werden. Das müsste doch möglich sein…

schönen Gruß,
…Jame~

Was mir allerdings immer ein Rätsel ist
warum nicht einfach die Taktraten erhöht
werden. Das müsste doch möglich sein…

Um dann aber die gleiche Helligkeit der LED’s zu erreichen, müsste der Strom entsprechend höher sein, weil ja die Leuchtzeit kürzer ist.

Der Dauerstrom der LED mag bei 20-50 mA maximal liegen, der Impulsstrom für solche Anordnungen sogar bis 1A!

Aber irgendwo ist dann halt Schluß.

bye
Micha

Tag,

Um dann aber die gleiche Helligkeit der
LED’s zu erreichen, müsste der Strom
entsprechend höher sein, weil ja die
Leuchtzeit kürzer ist.

hmmm, kann ich mir nicht vorstellen. Ob das Teil 100ms an / 500ms aus oder 10ms an / 50ms aus ist ändert doch nichts an der (subjektiven) Helligkeit…

*gübel*
Jame~

Einmal gezwungen, eine Straßenbahn zu
benützen (Graz/A), fiel mir folgendes
auf:
wenn auf den zu Reklamezwecken
angebrachten Laufschriftgeräten die
Schrift „stehen“ blieb, waren die
Buchstaben der Anordnung der Leuchtdioden
entsprechend senkrecht formatiert.
„Lief“ aber die Schrift, erschien sie
kursiv.

Also, meines Erachtens ist das nicht nur elektronisches, sondern ein physisches Problem. Hier kommt die Trägheit des menschl. Auges zum Tragen. Genau weiß ich das aber auch nicht. Zweifellos ist nicht unrichtig, was die anderen hier geschrieben haben. Gruß Ronald.

Eine mitfahrende Studiosigruppe befragt,
verachtete meine Frage mit „… nicht
schon wieder Laufschrift“, aber als ich
die Bahn verließ, schienen sie mir doch
etwas nachdenklich zurück zu bleiben.

Ich nehme an, daß es mit der
Ansteuerungsfrequenz und -folge der
Dioden zusammen hängt, aber eine genaue
Erklärung fehlt mir.

Sepp

Müßte man ausprobieren. Ich denke, es macht doch schon einen Unterschied. Habe vor langer Zeit mal damit experimentiert. So habe ich es in Erinnerung.

bye
Micha

Moin!

hmmm, kann ich mir nicht vorstellen. Ob
das Teil 100ms an / 500ms aus oder 10ms
an / 50ms aus ist ändert doch nichts an
der (subjektiven) Helligkeit…

Da kommen mehrere Faktoren zusammen: Um ihre Helligkeit zu erreichen, benötigt die LED Zeit (Anstiegszeit). Wenn ich die Taktrate so hoch wähle, daß die LED ihre Helligkeit nie erreichen kann, ist die mittlere Helligkeit geringer, als bei der langsamen Frequenz.

Weiterhin ist da die Speicherfähigkeit des Auges. Ein einfacher Selbstversuch mit dem Blick in eine Lampe zeigt: Je länger man in die Lampe sieht, bevor man die Augen schließt, desto heller und desto länger bleibt der Helligkeitseindruck bei geschlossenem Auge erhalten.

Zum Multiplexen gibt es daher eine optimale Frequenz. Da offenbar zeilenweise von oben nach unten gemultiplext wird, erscheint nach rechts bewegter Text rechtskursiv, während nach links bewegter Text linkskursiv erscheint, wenn schnell genug bewegt wird. Bei langsamer Textbewegung würde man den Eindruck eines spaltenweise nach rechts ruckenden Textes haben.

Noch interessanter wird’s, wenn nun noch ein Stroboskopeffekt, z. B. von einer Leuchtstofflampe dazukommt.

Munter bleiben… TRICHTEX

Jau, Roland hatte recht.
Das ganze ist nicht ein elektronisches Problem, sondern ein physiologisches:

Die LED Zeilen werden, gemuxt, korrekt ein/aus geschaltet. Das Auge interpoliert jedoch während den Zwischenzeiten, bedingt durch die Trägheit, eine weitere LED zwischen den echten LEDs dazu, was dann zu dem Effekt führt, dass die Linien „diagonal“ gesehen werden.

Das gleiche ist vergleichbar mit einer Taschenlampe in der Dunkelheit:
Bleibt der Lichtkegel der Taschenlampe ruhig, so sehen wir nur den echten Punkt.
Wird der Lichtkegel aber bewegt, so sehen wir, wieder bedingt durch die Trägheit, eine Linie.

Gruss R