Hallo André!
bezeichnet ie grundsätzlich nur den langen
i-Laut deutscher Wörter (einzige Ausnahme:
Endung -ie z.B. bei Biologie).
Heißt das, der letzte Vokal in Biologie ist nicht lang?
Doch. Klar ist er lang. Ich meinte auch nicht: Ausnahme für „=/i:/“, sondern: Ausnahme für „ nur in deutschen Wörtern“. Ich gebe zu, die Formulierung war unverständlich; und mittlerweile ist mir auch noch eine weitere Ausnahme (im von mir intendierten Sinne) eingefallen, nämlich das Suffix -ier- wie in Musketier, parieren, Diskriminierung.
Kurze Vokale am Wortende gibt’s zwar
im Deutschen (z.B. in „Ende“ oder in „zu“), aber mir scheint,
diese kommen nur in unbetonten Silben vor.
Das stimmt leider. Das hat auch einen extrem großen Einfluss auf Menschen, die weniger sprachbegeistert sind als wir: Du glaubst ja gar nicht, wie schwer es manchem fällt, das litauische _immer als [ɪ] auszusprechen (auch in =[ɛˈsɪ] oder **=[ˈbuːtɪ]) und das litauische immer als [ʊ] (z.B. in =[ɛˈsʊ] oder =[ʒʊˈʋɪs]).
Wie ist das aber mit betonten Vokalen und mit Vokalen in
anderen Wörtern wie Pizza, Lisa, Klo (hier ist's auch
eindeutig lang), Bobby usw.? Sind die finalen Vokale lang oder
kurz? Ich selbst höre das nicht raus.
Ich höre das auch nicht raus. In einer phonemischen Analyse würde ich das in als lang kennzeichnen (das in übrigens in den meisten Varietäten auch), weil in unserer Sprache die Kürze auch immer mit einer Änderung der Vokalqualität einhergeht. Also
/e/=[ə] (nur unbetont)
/e:/=[e] (unbetont) bzw. [e:] (betont).
=/me:nete:kl/=[meːnətʰeːkl̩]
Ebenso: /i/=[ɪ], /i:/=[i] (unbetont), [i:] (betont);
/o/=[ɔ], /o:/=[o] bzw. [oː];
/u/=[ʊ], /u:/=[u] bzw. [uː];
/ɛ/, /ø/ und /y/ analog. /ɐ/ fällt raus, das gibt’s nur kurz und unbetont; die anderen Unterscheidungen genügen für eine phonemische Analyse vollkommen. ([u] und [u:] z.B. sind nie distinktiv.)
Beim /a/ fällt die Unterscheidung schwerer, weil hier die Vokalqualität immer [a] ist. Ich denke, dass auch hier in unbetonten Silben /a/ und /a:/ nie distinktiv ist, deshalb würde ich in unbetonten Silben immer /a/ schreiben (einfach, weil man sich dann den Doppelpunkt spart).
In der phonetischen Analyse wird’s schwieriger, weil man eben keinen Vergleich zwischen langen und kurzen unbetonten Silben hat. Das müsste man dann für jeden Sprecher individuell entscheiden. Ich spreche z.B. [ˈpʰɪtsaˑ], [ˈliːza], [ˈbɔbi] und, um ein weiteres Beispiel zu bringen, [ˈkanadaˑ]. Die Regel, nach der ich das unbetonte /a/ mittellang oder kurz artikuliere, hab ich noch nicht ergründet.
Mir fallen als Ausnahmen noch "ihren" ein, oder "gibt".
Hast recht. Weiß ich auch nicht, warum mir das nicht einfiel. Selbst gibt’s nicht nur bei Pronomen (wie ich lange glaubte), sondern auch bei der Ihle. „Es gibt“ hat man früher (ich denke, bis 1902) noch mit geschrieben, aus alten Kinderbüchern kenne ich auch „puhsten“ – also alles in allem eine konsequentere Laut-Buchstaben-Zuordnung. Warum der Herr Duden das dann geändert hat, weiß ich nicht.
Es gibt auch Wörter mit "-ieh-".
Das liegt dann aber daran, dass das schon im Stamm enthalten ist, und am Prinzip „Verwandte Wörter werden ähnlich geschrieben“.
Bei Namen gibt's auch mehreres, Frieda gibt's so und auch als Frida.
Wobei „Frida“ auf mich immer fremdländisch wirkt. Das muss nicht unbedingt auf tatsachen beruhen, wahrscheinlich wird diese Wirkung tatsächlich durch das ungewohnte unbezeichnete lange erzielt.
Lange übrigens nix von dir gehört
Ja, ich muss in diesem Semester ein Skript erstellen, und das ist irre zeitaufwändig. Damit ich dann überhaupt noch zum Forschen komme, hab ich halt das Forum in der letzten Zeit gemieden. Diese Woche ging’s dann wieder, und in den Semesterferien gelingt mir sicher wieder der tägliche Besuch.
Liebe Grüße
Immo
P.S. Jetzt weiß ich doch wieder, warum mir Beispiele wie „ihre“ nicht eingefallen sind: Ich suchte nicht nach Beispielen für „/i:/ nicht als geschrieben“, sondern für „Länge bei unbezeichnet“. Da fallen dann die „Ihle“ und „verliehen“ nicht drunter.
Aber auf „gibt“ hätt’ ich kommen können.**_