Lautverschiebung: i -> ie

Hallo,

es fällt mir gerade wieder auf (auch und besonders hier im Forum), dass sich das ie immer weiter verbreitet - elektronisch gibt es Platienen mit Wiederständen, bei Turbienen muss man auf die Zentriefugalkräfte achten, und wahrscheinlich tankt man bald Superbenzien…

Gibt es Regeln, mit denen man das begründen kann - zugegebenermassen ist das I in den Beispielen ja meistens tatsächlich lang?

Gruss Reinhard

Guten Morgen,

Du willst wirklich Regeln für sowas?
Glaubst Du etwa, daß das richtig ist, was Du da siehst?
Nur weil es „alle“ machen wird es noch nicht zum Gesetz.
Um Himmels willen.

Ich habe wirklich Angst vor der Zukunft.
Heutzutage lernen die Kinder in der Grundschule die Worte erstmal so zu schreiben, wie sie sie sprechen und anschließend wird umgeschult.
Ich halte das für gefährlich. Es hat zig Jahre lang ja auch anders geklappt. (Mal abgesehen davon, daß ich wirklich Schwierigkeiten hätte, die Texte der Kinder auf Anhieb zu verstehen (Vater => Fata). Da muß man schon laut vorlesen, um die Bedeutung gleich zu begreifen - finde ich).

Daß (vor allem seit der neuen Rechtschreibung) keiner mehr so genau weiß, wie was zu schreiben ist, ist ein schlimmer Zustand. Aber immerhin lernen die Kinder heute noch ansatzweise das Lesen und Schreiben - wo sie sich doch kaum noch in der Schule aufhalten eine erstaunliche Sache. (Aber irgendwie muß der Laptop ja auch bedient werden.)

Abschließend: bitte lasse Dich nicht blenden und verwende Deine Rechtschreibung weiterhin! (Vermutlich kostet das BenziEn heute € 1,42, weil das E es länger macht :wink: )

m.
*ihreszeichens Orthographie-Freak (mit Macken)

Hallo Reinhard,

natürlich gibt es rechtschreibregeln für alles. Z.B. bezeichnet ie grundsätzlich nur den langen i-Laut deutscher Wörter (einzige Ausnahme: Endung -ie z.B. bei Biologie). Damit hat es bei

Platienen, Turbienen, Zentriefugalkräften und Benzien

schon einmal nichts verloren.
Außerdem folgt die deutsche Rechtschreibung dem Prinzip, Bedeutungsunterschiede gleich lautender Wörter durch die Schreibweise auszudrücken. Nur aus diesem Grunde schreibt man Waagen anders als Wagen und bis anders als Biss. Unter diese Regel fällt die Vorsilbe wi(e)der-: in der Bedeutung „erneut“ schreibt man sie mit e (wiederholen, wiederkommen, Wiederkehr); während sie in der Bedeutung „(ent)gegen“ ohne e geschrieben wird (widerspiegeln, Widerhall, widerrufen). Deshalb hat das e in

Wiederständen

auch nichts zu suchen.

Ansonsten gilt: Langes i in der betonten Silbe schreibt man in deutschen Wörtern als ie (die einzige Ausnahme, die mir spontan einfällt, ist der I_gel); in unbetonten Silben nur als i (dabei fallen mir als Beispiele nur Namen ein: Gab_i, Br_i_gitte, Fri(e)dol_i_n).

Liebe Grüße
Immo

mehr Lautverschiebungen: zt->tz/tzt; tz->tzt
Moin,

„Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 1.020.000 für Artz OR Ärtze“
http://www.google.de/search?as_q=&hl=de&num=10&btnG=…
"Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 209.000 für Artzt OR Ärtzte.
http://www.google.de/search?as_q=&hl=de&num=10&btnG=…

Die Tendenz zur Schreibung tz->tzt ist mir beim Verb „übersetzen“ schon oft aufgefallen.
Falsche Infinitive sind leicht zu finden; bei falschen Präsens-Formen ist die Suche aufwändiger, weil man zuviel Kontext lesen muss.
„Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 1.110.000 für übersetzten kann OR muss OR will“.
http://www.google.de/search?as_q=%C3%BCbersetzten&hl…
Ob das irgendwann mal Standart ( Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 50.300.000 für Standart) wird?

Fiehle Krüße
Pit

Moinmoin,

Die Tendenz zur Schreibung tz->tzt

ich denke, daran ist die Tatsache nicht ganz unschuldig, dass beide Buchstaben direkte Nachbarn auf der Tastatur sind. Viele (wenn nicht die Mehrzahl) der gegoogelten Fallbeispiele dürften simple Vertipper sein.

Nur so nebenbei - ich bin jedesmal begeistert, wenn ich in Viernheim die Hinweisschilder zum Multzentrum sehe. Das kommt schon deutlich besser als ein simples Schulzentrum, eben eher protzig als schnulzig …

Ob das irgendwann mal Standart ( Ergebnisse 1 - 10 von
ungefähr 50.300.000 für Standart) wird?

Dieser Standard ist lediglich noch nicht durch den Duden abgesegnet. Aber für mich schon jetzt ein totsicherer (sic!) Kandidat.

Freundliche Grüße,
Ralf

… (Mal abgesehen davon, daß ich wirklich
Schwierigkeiten hätte, die Texte der Kinder auf Anhieb zu
verstehen (Vater => Fata). Da muß man schon laut vorlesen, um
die Bedeutung gleich zu begreifen - finde ich).

So wie beim Berufswunsch Begaxel. Will Bäckergeselle werden.

Gruss Reinhard

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So wie beim Berufswunsch Begaxel. Will Bäckergeselle werden.

Im genannten Stadium dürfen die Kinder als Berufswunsch tatsächlich „Jega“ schreiben.
Hannes

Hallo Reinhard,

natürlich gibt es rechtschreibregeln für alles. Z.B.
bezeichnet ie grundsätzlich nur den langen
i-Laut deutscher Wörter (einzige Ausnahme:
Endung -ie z.B. bei Biologie). Damit hat es bei

Heißt das, der letzte Vokal in Biologie ist nicht lang? Ich denke nämlich doch. Kurze Vokale am Wortende gibt’s zwar im Deutschen (z.B. in „Ende“ oder in „zu“), aber mir scheint, diese kommen nur in unbetonten Silben vor.
Wie ist das aber mit betonten Vokalen und mit Vokalen in anderen Wörtern wie Pizza, Lisa, Klo (hier ist’s auch eindeutig lang), Bobby usw.? Sind die finalen Vokale lang oder kurz? Ich selbst höre das nicht raus.

Eine bessere (wirkliche?) Ausnahme dazu wäre eher „Kastanie“ oder „Orgie“.

Ansonsten gilt: Langes i in der betonten Silbe
schreibt man in deutschen Wörtern als ie (die einzige
Ausnahme, die mir spontan einfällt, ist der I_gel); in
unbetonten Silben nur als i (dabei fallen mir als
Beispiele nur Namen ein: Gab_i
, Br_i_gitte,
Fri(e)dol_i_n).

Mir fallen als Ausnahmen noch „ihren“ ein, oder „gibt“ (evtl. ist das Dialekt, aber nicht meiner *g*). Es gibt auch Wörter mit „-ieh-“. Bei Namen gibt’s auch mehreres, Frieda gibt’s so und auch als Frida.

Lange übrigens nix von dir gehört, hoffe wieder mehr von dir zu lesen.

Viele Grüße,

  • André

bezeichnet ie grundsätzlich nur den langen
i-Laut deutscher Wörter (einzige Ausnahme:
Endung -ie z.B. bei Biologie). Damit hat es bei

Platienen, Turbienen, Zentriefugalkräften und Benzien

schon einmal nichts verloren.

Hallo,

wenn das so ist, muss man damit rechnen, dass die Schreibweise häufiger vorkommt, wenn man die Wörter als deutsch ansieht. Ich verstehe dich jedenfalls so: Turbiene wäre richtig, wenn es ein deutsches Wort wäre (wie Biene ja auch). Das war eigentlich auch meine Frage, ob es Regeln gibt, die man zur Begründung der Schreibweise heranziehen könnte, auch wenn man sie (derzeit noch) für falsch hält. Danke.

Gruss Reinhard

Hallo Reinhard!

wenn das so ist, muss man damit rechnen, dass die Schreibweise
häufiger vorkommt, wenn man die Wörter als deutsch ansieht.

Genau so ist es. In der Sprachgeschichte hat’s so was ja auch schon gegeben, z.B. als von dem lateinischen Namen Luise –> Luisa –> L_ie_se abgeleitet wurde.

Liebe Grüße
Immo

Hallo André!

bezeichnet ie grundsätzlich nur den langen
i-Laut deutscher Wörter (einzige Ausnahme:
Endung -ie z.B. bei Biologie).

Heißt das, der letzte Vokal in Biologie ist nicht lang?

Doch. Klar ist er lang. Ich meinte auch nicht: Ausnahme für „=/i:/“, sondern: Ausnahme für „ nur in deutschen Wörtern“. Ich gebe zu, die Formulierung war unverständlich; und mittlerweile ist mir auch noch eine weitere Ausnahme (im von mir intendierten Sinne) eingefallen, nämlich das Suffix -ier- wie in Musketier, parieren, Diskriminierung.

Kurze Vokale am Wortende gibt’s zwar
im Deutschen (z.B. in „Ende“ oder in „zu“), aber mir scheint,
diese kommen nur in unbetonten Silben vor.

Das stimmt leider. Das hat auch einen extrem großen Einfluss auf Menschen, die weniger sprachbegeistert sind als wir: Du glaubst ja gar nicht, wie schwer es manchem fällt, das litauische _immer als [ɪ] auszusprechen (auch in =[ɛˈsɪ] oder **=[ˈbuːtɪ]) und das litauische immer als [ʊ] (z.B. in =[ɛˈsʊ] oder =[ʒʊˈʋɪs]).

Wie ist das aber mit betonten Vokalen und mit Vokalen in
anderen Wörtern wie Pizza, Lisa, Klo (hier ist's auch
eindeutig lang), Bobby usw.? Sind die finalen Vokale lang oder
kurz? Ich selbst höre das nicht raus.

Ich höre das auch nicht raus. In einer phonemischen Analyse würde ich das in als lang kennzeichnen (das in übrigens in den meisten Varietäten auch), weil in unserer Sprache die Kürze auch immer mit einer Änderung der Vokalqualität einhergeht. Also
/e/=[ə] (nur unbetont)
/e:/=[e] (unbetont) bzw. [e:] (betont).
=/me:nete:kl/=[meːnətʰeːkl̩]
Ebenso: /i/=[ɪ], /i:/=[i] (unbetont), [i:] (betont);
/o/=[ɔ], /o:/=[o] bzw. [oː];
/u/=[ʊ], /u:/=[u] bzw. [uː];
/ɛ/, /ø/ und /y/ analog. /ɐ/ fällt raus, das gibt’s nur kurz und unbetont; die anderen Unterscheidungen genügen für eine phonemische Analyse vollkommen. ([u] und [u:] z.B. sind nie distinktiv.)
Beim /a/ fällt die Unterscheidung schwerer, weil hier die Vokalqualität immer [a] ist. Ich denke, dass auch hier in unbetonten Silben /a/ und /a:/ nie distinktiv ist, deshalb würde ich in unbetonten Silben immer /a/ schreiben (einfach, weil man sich dann den Doppelpunkt spart).

In der phonetischen Analyse wird’s schwieriger, weil man eben keinen Vergleich zwischen langen und kurzen unbetonten Silben hat. Das müsste man dann für jeden Sprecher individuell entscheiden. Ich spreche z.B. [ˈpʰɪtsaˑ], [ˈliːza], [ˈbɔbi] und, um ein weiteres Beispiel zu bringen, [ˈkanadaˑ]. Die Regel, nach der ich das unbetonte /a/ mittellang oder kurz artikuliere, hab ich noch nicht ergründet.

Mir fallen als Ausnahmen noch "ihren" ein, oder "gibt".

Hast recht. Weiß ich auch nicht, warum mir das nicht einfiel. Selbst gibt’s nicht nur bei Pronomen (wie ich lange glaubte), sondern auch bei der Ihle. „Es gibt“ hat man früher (ich denke, bis 1902) noch mit geschrieben, aus alten Kinderbüchern kenne ich auch „puhsten“ – also alles in allem eine konsequentere Laut-Buchstaben-Zuordnung. Warum der Herr Duden das dann geändert hat, weiß ich nicht.

Es gibt auch Wörter mit "-ieh-".

Das liegt dann aber daran, dass das schon im Stamm enthalten ist, und am Prinzip „Verwandte Wörter werden ähnlich geschrieben“.

Bei Namen gibt's auch mehreres, Frieda gibt's so und auch als Frida.

Wobei „Frida“ auf mich immer fremdländisch wirkt. Das muss nicht unbedingt auf tatsachen beruhen, wahrscheinlich wird diese Wirkung tatsächlich durch das ungewohnte unbezeichnete lange erzielt.

Lange übrigens nix von dir gehört

Ja, ich muss in diesem Semester ein Skript erstellen, und das ist irre zeitaufwändig. Damit ich dann überhaupt noch zum Forschen komme, hab ich halt das Forum in der letzten Zeit gemieden. Diese Woche ging’s dann wieder, und in den Semesterferien gelingt mir sicher wieder der tägliche Besuch.

Liebe Grüße
Immo

P.S. Jetzt weiß ich doch wieder, warum mir Beispiele wie „ihre“ nicht eingefallen sind: Ich suchte nicht nach Beispielen für „/i:/ nicht als geschrieben“, sondern für „Länge bei unbezeichnet“. Da fallen dann die „Ihle“ und „verliehen“ nicht drunter.
Aber auf „gibt“ hätt’ ich kommen können.**_