'Leben=Drama' was kann ich für meine Freundin tun?

Liebe WWWler

vor ein paar Monaten (?) habe ich hier die Beschreibung einer Erkrankung bzw. Störung gelesen, deren Beschreibung ich mir gerne noch einmal genauer zu Gemüte führen würde, wenn ich denn wüsste, wie sie hiesse ;o) Es geht darum, dass der Betroffene sein ganzes Leben als Drama erlebt und auch wie ein Drama inszeniert und darstellt - was mit der Realität nicht mehr viel gemeinsam hat :-\

Ein einfaches morgens aufstehen - Kaffee trinken und joggen gehen - gibt es nicht mehr.

Weil dazu noch mindestens noch 25 dinge zwischendrin erwähnt werden müssen

Beispiel: Kater hat gekotzt weil ich die Malzpaste nicht gekauft hatte dabei sollte der die doch dreimal die woche bekommen wegen seiner Magenprobeme die er seit seinem Unfall im sommer 2003 hatte und als ich sie aus dem bad holen wollte sah ich dass die zahnpastatube leer war obwohl C. doch weiss, dass er sie dann austauschen soll, aber er hatte ja auch seine Schuhe nicht geputzt dabei wusste er doch genau, dass er sie heute zum vorstellungsgespräch zu dem er gehen wollte, weil er die schule jetzt geknickt hat nachdem er letztes Jahr wiederholt hat woran natürlich nur der alte (ex-Mann) schuld ist weil der die Kinder immer so unter Druck setzt und jetzt schon wieder weniger geld bezahlen möchte aber sie weiss dann nicht wie sie sich ihr Pferd noch finanzieren soll, weil die schwarzarbeit neben dem unterhalt nicht mehr reicht aber immerhin lohnt sich der Unterricht weil das Pferd sowieso seit letzter woche so schön läuft dass man schon merkt dass sich der Unterricht bei der M. die die Schülerin vom K. ist bei sie die letzten 2 Jahre immer mal unterricht hatte, also der der jetzt nach österreich gegangen ist was zu weit weg ist um da noch hinzufahren, was aber nicht nötig ist weil sie sowieso keinen ausbilder mehr braucht weil sie eh alles viel besser kann im gegensatz zur K. die ja nur …

???

An diese Mitteilungs/Sprechsucht, habe ich mich ja schon gewöhnt, aber dass sie neuerdings alles alles alles als hochdramatisch ansieht und auch einfachste, vollkommen uninteressante Dinge für erwähnenswert und dramatisierbar hält (erfolgreicher Toilettengang, etc.). ist neu

So hat ein (vielleicht ! sie wusste nicht einmal, ob sie ihn wirklich erwischt hat) angefahrener Spatz (!) sie so beschäftigt, dass wir (ich glaube ihre letzten freunde :-\ ) das einen halben Tag später innerhalb von 90 Minuten geschlagene 10 Mal erzählt bekamen - immer wieder die gleiche Wortwahl - immer wieder höchstdramatisch :

wie WAHNSINNIG schlimm das ist
wie WAHNSINNG erschrocken sie WÄRE
dass das ganz FÜRCHTERLICH wäre
aber sie hätte ihn wahrscheinlich nicht mehr RETTEN können
und das wäre ENTSETZLICH
wenn das jetzt eine Spatzenmutter und oh GOTT die ARMEN KLEINEN !!!
sie muss nach ihnen SUCHEN - gleich heute abend noch …

Obige Texte sind kein Witz (leider auch nicht übertrieben) und auch die Sache mit dem Spatz war genau SO. Erst als wir ihr schlichtweg verboten haben, uns noch einmal von dem Spatz zu erzählen, weil wir es jetzt definitiv oft genug gehört haben, hat sie dann aufgehört.

Dafür ist sie 1/2 Stunde später heulend zusammengebrochen, weil wir sie alle nicht mehr gern haben, immer alle nur gegen sie sind, niemand sie mag, wo sie sich doch für uns immer so aufopfert (?) etc.

Das ist sehr anstrengend - deswegen wir sind schon dazu übergegangen sie, wenn irgend möglich, „zeitlich auf uns aufzuteilen“ weil das wirklich keiner von uns dauerhaft über mehrere Stunden erträgt :\

Ich bin nun vor 9 Monaten dort weggezogen - wir haben aber nach wie vor viel Kontakt und sehen uns auch fast monatlich.

Und was mir jetzt mit dem räumlichen und auch zeitlichen Abstand am meisten zu denken gibt ist, dass sie zunehmend den Blick für die Realität verliert :frowning: und immer mehr in ihre "ich bin perfekt - alle sind schlecht - ich muss immer alles organisieren - alle sind gegen mich - nie tut jemand was für mich " Welt abtaucht

Sie hat ein deftiges Alkoholproblem (das sie natürlich nicht sieht - und asserdem ist ja eh nur der „Alte“ schuld) , sie dröhnt sich regelmässig mit Schmerztabletten (Naproxen, Novalgin, Diclofenac) zu (hat mehrere Ärzte, die sie reihum nach Rezepten abklappert und natürlich mehrere Apotheken - bettelt auch bei mir ab und an, bekommt von mir aber keine >:frowning: ! )

Sie ist wegen ihrer Soziophobie (kann nicht allein einkaufen gehen, kann nicht unter „viele“ fremde Menschen etc) und wegen ihrer Depressionen in Therapie. Ich bin mir aber nicht sicher ob die Therapeutin von all den anderen Dingen weiss - ich glaube eher nicht.

Erfolge der Therapie (1,5 Jahre ?) sehe ich in garkeiner Weise - im Gegenteil - mir scheint sie immer mehr und immer schneller abzudriften :frowning:

Ich würde ihr so gern helfen, weiss aber nicht wie

Mit „zuhören“ allein ist es bei ihr ja nicht getan (man könnte auch eine Wand hinstellen) … und nach dem 5. / 15./ 20. Mal der gleichen Geschichte mit identischem Wortlaut, kann ich dann auch nicht mehr so wirklich interessiert zuhören.

Was meint ihr, was ich für sie tun kann - oder die dort verbliebenen Freunde ? Sie sind alle ziemlich am verzweifeln und ratlos, weil es immer schlimmer wird, sie aber auch keiner fallenlassen möchte :frowning:

Ich will sie demnächst treffen und versuchen ihr bewusst zu machen, dass ich das Gefühl habe, dass sie aus dem Ruder läuft :-\ und gerade dabei ist ihre letzten Freunde (die die Bezeichnung Freunde verdienen) nachhaltig zu vergraulen :frowning: *herumschrei-tob-haltloseVorwürfemach* etc.

Darf ich eigentlich Kontakt zur Therapeutin aufnehmen ? Meint ihr das könnte etwas bringen, wenn ich ihr erzähle, was sozusagen ausserhalb der Praxis tatsächlich passiert? Oder soll ich versuchen meine Freundin dazu zu bekommen, dass wir uns mit ihr bei der Therapeutin treffen ??

Oder wäre es wohl besser für sie, wenn ich den Kontakt mit Hinweis auf : "bekomm du deine Alkoholprobleme und deine Tablettensucht in Griff, dann kannst du wieder kommen "beende ? - das wäre meine LETZTE Option :frowning: und will ich eigentlich nicht - sie hat mir auch schon sehr geholfen als es mir schlecht ging und ich mag sie nicht im Stich lassen :frowning:((

Sorry das konnte ich irgendwie nicht kürzer fassen :-\

Was würdet ihr tun ? was kann ich tun ?

irgendwie traurige und unsichere Grüße

hexerl

Hallo Hexerl,

aber du bist doch diejenige, die am Ende ihrer Kraft ist, oder nicht?

So, wie du deine Freundin schilderst, scheint sie ja noch über eine ganz ungeheure-negative- Energie zu verfügen. Was meinst du, woher sie die bezieht?

Du kannst mir wirklich glauben, dass mir aber auch jedweder Hang zu irgendwelchem pseudo-eso-Schmonzes abgeht, allerdings scheint in diesem Zusammenhang das Bild eines knochenmarksaugenden Ghoules nach bester lovecraft´scher Manier mir doch überaus treffend.

An ihrer Drogensucht kannst du ja auch nichts ändern…

Also mach dich, so schnell es geht, vom Acker, sonst tanzt die noch auf deinem Grab, glaub mir das.

Meinst du nicht, das deine Energie da ein Stück weit vergeudet wird, o.K., klingt jetzt irgendwie ein wenig nach Scheißkapitalismus, Kosten/Nutzen und so.

Wenn du dich erstmal komplett aufgeraucht hast, dankt dir deine Freundin das hundertpro, indem sie dir eben genau dieses „Versagen“ vorwirft.

Ich weiß, das klingt alles ziemlich platt jetzt.

Ein erkleckliche Galerie voll mit solchen „Herzchen“ durfte ich in meinem langen Leben schon durchdefilieren, leider.

Man wird nicht abgestumpft dadurch, höchstens ein wenig abgebrüht, keine Angst.

Alles liebe Awful Annie

Hi Hexerl,

Sie hat ein deftiges Alkoholproblem (das sie natürlich nicht
sieht … sie
dröhnt sich regelmässig mit Schmerztabletten (Naproxen,
Novalgin, Diclofenac)

Wenn ein Suchtproblem vorliegt, dann muss als erstes die Sucht in den Griff gekriegt werden, denn viele der genannten Symptome können Folge der Alkohol- und Tablettensucht sein.

Sie ist wegen ihrer Soziophobie (kann nicht allein einkaufen
gehen, kann nicht unter „viele“ fremde Menschen etc)

Das ist eine typische Folge von Sucht, eine Art Paranoia, die aus dem zunehmenden Realitätsverlust entsteht.

und wegen
ihrer Depressionen

Auch Depressionen sind Standard-Folgen von Sucht.

in Therapie.

Eine Therapie ist nur dann sinnvoll, wenn der Betroffene frei von Suchtmitteln, also klar im Kopf ist

Ich bin mir aber nicht sicher
ob die Therapeutin von all den anderen Dingen weiss - ich
glaube eher nicht.

Wenn es keine Suchttherpie ist, wovon ich nach Deinen Worten fast ausgehe, ist es gut möglich, dass die Therapeutin davon nichts weiß. Alkoholiker sind perfekt im Lügen, was Folge ihres eigenen Selbstbetruges ist.

Erfolge der Therapie (1,5 Jahre ?) sehe ich in garkeiner
Weise - im Gegenteil - mir scheint sie immer mehr und immer
schneller abzudriften :frowning:

Wundert mich nicht, im Falle von Sucht geht es irgendwann rapide bergab.

Ich würde ihr so gern helfen, weiss aber nicht wie
Ich will sie demnächst treffen und versuchen ihr bewusst zu
machen, dass ich das Gefühl habe, dass sie aus dem Ruder läuft

Konfrontiere sie mit Deiner Beobachtung und lasse Entschuldigungen oder Erklärungen ihrerseits nicht zu.

-\ und gerade dabei ist ihre letzten Freunde (die die

Bezeichnung Freunde verdienen) nachhaltig zu vergraulen :frowning:
Darf ich eigentlich Kontakt zur Therapeutin aufnehmen ?

Macht Euch nicht zum Co-Alkoholiker, übernehmt keine Verantwortung, das ist nicht Deine/Eure Aufgabe.

Oder wäre es wohl besser für sie, wenn ich den Kontakt mit
Hinweis auf : "bekomm du deine Alkoholprobleme und deine
Tablettensucht in Griff, dann kannst du wieder kommen "beende

Das wäre das sinnvollste, ja.

Gruß,

Anja

Hallo Hexerl,

ich bin kein Experte, habe aber vor vielen Jahren Erfahrungen mit einem Arbeitskollegen gemacht, die mich sehr stark an Deine Beschreibungen erinnern.

Er hatte einen Zyklus von etwa 4 Jahren - dann war es wieder so weit. Es ging wochenlang. Er hat kaum geschlafen, war in einer Traumwelt und hat alle totgequatscht. das ging (ich habe es mehrmals erlebt) bis zu einem Zusammenbruch. Dann kam die „Geschlossene“, starke Medikamente - ich glaube Lithium, nach ein paar Wochen ging es dann wieder - langsam - aufwärts. Das mal nur so als Stichworte hingeworfen.

Einmal, es fing wieder an, habe ich seine Ärztin angerufen. Für mich war es klar: wenn er jetzt Medikamente bekommt, kann man die schlimme Phase vielleicht sparen. Ging aber nicht. Die Ärztin war sehr nett und was zu tun war schien ja auch so klar - aber: Sie hatte die Auflage vom Rechtsanwalt meines Kollegen, jeden Namen zu notieren, der sich in die Angelenheit einmischt. (Mein Kollege war selbst ein gelernter Jurist). Und sie kann erst dann etwas machen, wenn er selbst kommt und behandelt werden will.

Was ich sagen will ist: Vorsicht! auch wenn man glaubt, die Dinge seien doch klar. Einmischen ist nicht ganz ohne - so jedenfalls meine Erfahrung.

Für mich ist heute klar, dass ich mich zurückziehen werde, wenn wieder etwas ähnliches passiert - aus Eigenschutz.

Ich stimme Awful Annie in dieser Sache voll zu. Ich lasse mich nicht kaputt machen!

Du musst Deinen Weg finden, ich wünsche dir Kraft dazu

Schöne Grüsse

Uli

Nachtrag
hallo Herxerl,
jetzt ist mir noch etwas eingefallen:

Ich habe mal mit einem Fachmann, den ich privat kennen gelernt hatte, über den Kollegen gesprochen, speziell ging es mir da um die Totquatschproblematik. In diesem Gespräch habe ich für mich folgendes gelernt:

Diese Fachleute wissen, wie man mit so jemandem reden muss. Die haben ihre Tools für diese Fälle. Wir als Laien haben da keine Chance.

Alles Gute

Uli

Hi Hexerl,

ganz ehrlich Deine Freundin iss dabei ihre letzten Gehirnzellen mit Alk und Tabletten still zu legen.

Deshalb dieses Wichtig getue,sie verliert den Sinn darüber was wichtig ist und was nicht.

Was soll man da machen?

Nun ja ich habe einen Freund seit 20 Jahren,der immer gerne und viel trank,zur Zeit ist es so schlimm ,das er fast täglich auf Alk iss,nun ja ,er erzählt dann ähnliche WICHTIGE DINGE,wie deine Freundin.Gepaart mit mich versteht eh keiner,keiner mag mich…*seufz hundertmal das gleiche geschwafel…man leidet erst mit,irgendwann geht es einen tierisch auf die Nerven,dann kommen Phasen wo ich gar nicht mehr zu hörte.

Irgendwann platze mir der Kragen und ich sagte ihm,das er Besoffen hier nicht mehr aufzutauchen braucht(tat mir ja leid),nun ja er ließ dann ca. 3 Wochen nix von sich hören und stand dann nüchtern vor der Tür,Kaffee getrunken nett geredet…2 Tage später wieder besoffen vor der Tür,er bräuchte Hilfe,bla,bla,alle sind gemein,sein Mutter liebt ihn nicht…weißte,da hab ich gesagt ,du kannst dir nur selber helfen,Tür zu.

Bitte opfere dich nicht auf,glaub mir man macht sich nur selbst kaputt,deine Freundin muss sich selber helfen in dem sie eine Entziehungskur macht.

LG Biene

Besagter Freund hatte gestern Geburtstag,nun ja glasige Augen…bla,bla nach dem Kaffee war ich wech,ich kann das nicht mehr.;o(

DANKE !!

für eure Antworten und … hmm , irgendwie hatte ich das geahnt, was ihr geschrieben habt :-\ und ihr habt allesamt recht - leider :-\

Bleibt mir also nur, so schweres mir fällt, mir zuliebe einen Riegel vorzuschieben und auf Abstand zu gehen und zu bleiben und es den anderen auch zu raten - aber den Weg für sie auch offenzuhalten, wenn sie wieder „o.k.“ ist.

Oh Mann, tut das weh da zuzuschauen :frowning: aber ihr habt vollkommen Recht ich muss mich rausnehmen, sonst geh ich mit…

Vielleicht ist es ja auch ein Freundschaftsdienst einen zum richtigen Zeitpunkt fallen zulassen :-\

Viele Grüße

hexerl

Hexerl,

für eure Antworten und … hmm , irgendwie hatte ich das
geahnt, was ihr geschrieben habt :-\ und ihr habt allesamt
recht - leider :-\

Bleibt mir also nur, so schweres mir fällt, mir zuliebe einen
Riegel vorzuschieben und auf Abstand zu gehen und zu bleiben
und es den anderen auch zu raten - aber den Weg für sie auch
offenzuhalten, wenn sie wieder „o.k.“ ist.

Sagt ihr aber offen,warum ihr so handelt,"vielleicht"schafft sie es darüber nach zu denken und etwas zu ändern?

Oh Mann, tut das weh da zuzuschauen :frowning: aber ihr habt
vollkommen Recht ich muss mich rausnehmen, sonst geh ich mit…

…unter.Ja leider es zehrt der Massen,an den eigenen Kräften…

Vielleicht ist es ja auch ein Freundschaftsdienst einen zum
richtigen Zeitpunkt fallen zulassen :-\

JA

LG Biene

Liebes hexerl,

Dein Artikel berührte und bedrückte mich sehr.

Nur allein das Lesen nahm mir schon die Luft und wenn ich mir vorstelle, ich hätte Kontakt zu Deiner Freundin, würde ich wahrscheinlich ernsthafte Atemprobleme und sonst noch was bekommen.

Du fragst, was Du tun kannst.

Ich schreibe mal von mir, damit ich Dich nicht mit Ratschlägen zu texte oder belehrend werde.

Das Problem, die Krankheit heißt Sucht.
Sucht ist etwas, dass jemand tut und was zum Siechtum führt.

In meinem Leben hatte ich auch zu tun mit dem Thema Sucht sowohl meine eigene, als auch im Zusammensein mit süchtigen Menschen.

Um zu überleben und Heilung zu erfahren, war ich gezwungen eine Menge zu den Mechanismen, Mustern der Suchtthematik zu lernen und wie ich mit Sucht umgehe.
Und ich lernte, was Co - Abhängigkeit bedeutet.
Ich lernte, mich zu spüren, mir mit Körperbewusstheitstraining bewusst zu machen, was fühle ich, wie geht es mir in Gegenwart der suchtkranken Menschen.
Wie geht es mir mit meinem Bedürfnis, diese Menschen ändern oder bessern zu wollen.
Ich spürte, wie mich der Kontakt entkräftete.
Ich lernte Grenzen zu setzen.
Ich lernte, die Verantwortung für diese Menschen abzugeben.

Das fällt mir dazu erst mal ein und ich hoffe, es können Anregungen für Dich sein.

Gruß
Sophia