Hallo Sibylle,
weil noch niemand eindeutig Stellung bezogen hat, will ich das mal tun:
Diese Aussage ist definitiv Unsinn!
Erstmal hat das nichts mit der Art zu tun, sondern wenn überhaupt dann mit dem Individuum. Die Theorie, daß die Telomerlänge die maximale Lebensspanne eines Individuums begrenzt gibt es in der Tat, aber sie ist auch unter Altersforschern (Gerontologen) umstritten.
Telomere sind die Enden von Chromosomen. Chromosomen wiederum sind (im Wesentlichen) Stücke vom Erbgut, auf denen die Gene liegen. Der Mensch zB. hat 46 Chromosomen, je 23 davon hat er von seinen Eltern geerbt. Damit eine Zelle sich teilen kann, muß sie zunächst das Erbgut, also die Chromosomen, kopieren. Dabei ist technisch bedingt, daß die äußersten Enden - Teile der Telomere eben - nicht mitkopiert werden können. Daraus folgt, daß bei jeder Zellteilung die Telomere kürzer werden. Zum Glück enthalten die Telomere keine genetische Information, es sind praktisch strukturelle Teile des Chromosoms. Nach vielen Zellteilungen aber können die stark verkürzeten Telomere ihre (strukturelle) Funktion nicht mehr erfüllen, der Zellstoffwechsel wird nicht mehr richtig gesteuert und in aller Regel wird die Zelle dann entweder schlicht teilungsunfähig oder sie begeht sogar Selbstmord (Apoptose). Eine Säugerzelle kann sich maximal etwa 50-60 mal teilen, bevor sie an diese Grenze stößt. Diese Grenze wird nach dem „Entdecker“ auch als das Hayflick-Limit bezeichnet. Die 50-60 Teilungen reichen mehr als aus, um, angefangen von der befruchteten Eizelle (=Zygote) einen Menschen wachsen zu lassen und über 100 Jahre in Teilen zu „reparieren“ (das Blut sowie viele Gewebe wie Haut, Endothel usw. werden zeitlebens +/- stark erneuert).
Aber: Wenn ich nun mit meinen ja schon verkürzten Telomeren Kinder kriege, erben die ja schon kürzere Telomere und sollten also nicht mehr in der Lage sein, sich zu entwickeln. Offensichtlich ist das aber kein Problem. Also wo liegt der Denkfehler? - Nun, die Telomere in den Embryonen haben wieder die volle Länge. Aber wie kann das sein? In der Zygote sind bestimmte Enzyme ganz besonders aktiv. Diese Enzyme verlängern die Telomere, daher nennt man sie Telomerasen.
Wow, nach deren Entdeckung hat man geglaubt, den Jungbrunnen schlechthin gefunden zu haben! Man aktiviert einfach die Telomerasen in den Körperzellen und man bleibt ewig jung, weil die Zellen nie aufhören, sich zu teilen. Versuche an Mäusen offenbarten aber das Gegenteil! Statt älter zu werden, starben sie früher, und zwar an Krebs! Damit war auch klar, was der eigentliche biologische Sinn dieser Telomergeschichte ist: Die Telomere sind quasi Not-Aus-Schalter für die Zellteilung. Wenn eine Zelle die Kontrolle über die Teilung verliert und sich eben unkontrolliert teilt, dann entsteht daraus - wenn man’s nicht verhindert - ein Tumor. Diese sich verstärkt teilenden Zellen erreichen das Hayflick-Limit aber schnell und werden dann an einer weiteren, für den Organismus schädlichen Vermehrung gehindert. Wie gesagt, das ist nur einer von vielen Sicherungsmechanismen. Und trotz alledem passiert es unter den vielen Billionen Zellen unseres Körpers im Laufe vieler Dekaden doch dann ab und zu, daß eine Zelle alle diese Schutzmechanismen unterwandert, umgeht oder austrickst und ein Tumor entsteht.
Die maximale Lebensspanne einer Art wird ganz wesentlich vom Zellstoffwechsel insgesamt bestimmt, und zwar ist letzlich die Schädigungsrate des Erbguts (hauptsächlich durch reaktive Sauersoffspezies ROS - die haben mit „freien Radikalen“ zu tun) der kritische Punkt. Alle bisher beschriebenen Gene, die einen Einfluß auf die (Geschwindigkeit der) Alterung haben, sind direkt oder indirekt beteiligt an der Entstehung, Vermeidung oder Entgiftung solcher ROS. Eine andere Gruppe von Genen (bzw. deren Produkte) ist beteiligt an der Reparatur bzw. Instandhaltung des Erbguts. Ein Defekt in diesen Genen führt zu einer überschnellen Rekapitulation vieler Alterungsprozesse (Bsp: Werner-Syndrom). Die kranken Kinder(!) sterben früh als „junge Greise“ mit Grauen Haaren, Arthritis, schlechten Augen, brüchigen Knochen an den Folgen von Herzversagen und Altersschwäche.
Auf Nachfrage gerne mehr.
Gruß,
Jochen