Lebensfreude wieder finden

liebe leute,

ich hab vor ca. einem dreiviertel jahr meine arbeit verloren. ich war jahrelang in einer wunderschönen stadt mit einer mir sehr lieben arbeit beschäftigt. mit einem tag auf den anderen war alles vorbei. nun hab ich zwar wieder einen job, bekomme aber 500 euro weniger und noch dazu in einer stadt, die ich überhaupt nicht mag. ein arbeitsplatzwechsel - bzw. andere arbeit zu finden - ist im moment fast unmöglich (ich bin 39). kurz und gut: meine lebensfreude ist weg. auch wenn mir dieser zustand nicht gefällt - es ist so…

was kann man tun, um wieder zu mehr lebensfreude zu gelangen. (ich fühle, bei mir geht es ans eingemachte…)
tja- vielleicht hat ja jemand einen tipp…

dank euch
helma

Hallo, Helma,
vielleicht magst du deine jetzige Stadt nur noch nicht? Was weißt du über sie? Hast du schon mal die Sehenswürdigkeiten besucht? Vielleicht dich mit einem Besuch in der Stadtbücherei über die Stadtgeschichte kundig gemacht? Wenn man sich näher mit einer Sache beschäftigt, schafft das Vertrautheit.
Als ich vor 25 Jahren hier nach Solingen zog, habe ich mich mit der Geschichte der Schleifkotten entlang der Wupper beschäftigt, das Heimatmuseum und die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Umgebung abgeklappert. Heute fühle ich mich hier doch sehr zuhause.

Und wer weiß, vielleicht ergibt sich bei deinen Erkundungen auch der eine oder andere menschliche Kontakt?

Ich wünsche dir, dass du dich bald eingewöhnst und nicht mehr fremdelst :smile:
Gruß
Eckard

Tag, Helma,
ich kenne eine derartige Situation. Schau, daß Du so schnell wie möglich von diesem Ort wegkommst. Es macht Dich kaputt. Man kann an einem Ort, wo man sich wohlfühlt, auch mit sehr wenig Geld auskommen. Gruß

Hallo Helma!

Ich war schon in einer ähnlichen Sitution.

Was ich jetzt erzähle mag für manche blöd klingen, aber mir hat es geholfen.

Ich konnte die Stadt nicht leiden in der ich wohnte. All die „Idionten“
die die Stadt unsicher machten, die unfreundliche Kassiererin im Supermarkt, der dumme Tankwart…
Alles erschien mir schlecht und irgendwann hab ich mich auch schlecht gefühlt. Ich wollte das alles nicht mehr sehen… wie man so dahersagt.

So kam ich auf die Idee mir ein Wochenende lang die Augen zu verbinden.
Tapfer hab ich 2,5 Tage durchgehalten. Und als es so ganz dunkel um mich war, da konnte ich plötzlich verstehen, wie sich Blinde fühlen müssen. Und ich war froh zu wissen, das ich am Montag wieder all die Menschen in der Stadt sehen konnte. Das ich einen Job hatte und am Montag wieder arbeiten kann. Und ich nahm mir vor in den Stadtpark zu gehen und ein paar Cafés auszuprobieren.

Und mir wurde bewusst, das ich mich glücklich Schätzen kann gesund zu sein, Arbeit zu haben und ein Dach über dem Kopf.

Ich weiss es hört sich abgedroschen an, aber uns „Normalos“ geht es nicht schlecht. Es gibt immer noch eine Steigerung.

ABENDSTERN

Hallo Helma!

ich hab vor ca. einem dreiviertel jahr meine arbeit verloren.
ich war jahrelang in einer wunderschönen stadt mit einer mir
sehr lieben arbeit beschäftigt. mit einem tag auf den anderen
war alles vorbei.

Nur kurz: Kenn ich, da war ich auch schon.

nun hab ich zwar wieder einen job, bekomme
aber 500 euro weniger und noch dazu in einer stadt, die ich
überhaupt nicht mag. ein arbeitsplatzwechsel - bzw. andere
arbeit zu finden - ist im moment fast unmöglich (ich bin 39).

Wherever I lay my hat … Die Frage, die mir einfällt, ist: Was ist für dich wichtig, um dich an einem Ort wohl zu fühlen?

Für mich sind’s in erster Linie die Kontakte zu anderen Menschen, die ich mag und mit denen ich gute Zeiten erlebe. Wenn die fehlen, hat auch der Ort, an dem ich bin, keine Chance. Nach 11 Monaten Arbeitslosigkeit bin ich vor einigen Jahren nach England gegangen, denn im Ausland war es kein Problem, mit meinem Profil einen Job zu bekommen.
Viele Dinge sind dort geschehen, leider auch sehr viele unschöne, inzwischen bin ich wieder in Deutschland, zurück in der Stadt, in der ich die meisten Jahre meines Lebens verbracht habe, aber vielleicht wäre ich noch in England, wenn ich dort mehr richtige Freundschaften geschlossen hätte. Denn inzwischen vermisse ich dieses Land, aus dem ich fast „geflohen“ bin (und das in eine immer noch ungewisse Zukunft) sogar hin und wieder.

kurz und gut: meine lebensfreude ist weg. auch wenn mir dieser
zustand nicht gefällt - es ist so…

Was tust du FÜR DICH in der Freizeit, Dinge, die dir Freude bereiten? Am Anfang ist es an einem neuen Ort schwer und manchmal vergißt man dann auch gerne, das zu tun, was man gerne tut, und sitzt stattdessen nach Feierabend nur herum. Vielleicht kannst du ja auch dort, wo du jetzt bist, einmal etwas ausprobieren, was du schon lange tun wolltest, wozu du aber noch nie gekommen bist?
Es hört sich blöd an, aber was mir manchmal am meisten fehlt, ist die ehrenamtliche Tätigkeit, die ich in England wenige Monate vor meiner Rückkehr nach Deutschland begonnen hatte: Sch**** schaufeln und Zwinger ausspritzen in einem privaten „dog rescue“. Die Hunde haben sich soooo gefreut, wenn ich da war, und die Leute waren so nett.

was kann man tun, um wieder zu mehr lebensfreude zu gelangen.
(ich fühle, bei mir geht es ans eingemachte…)

Vielleicht ist diese Zeit, die du gerade erlebst, ja gar nicht so schlecht. Platt, aber manchmal wahr: „Nur im Leiden lernen wir.“ Vielleicht hast du ja gerade jetzt die Chance, viel über dich selbst und das, was dir gut tut, herauszufinden, einen Schritt in diese Richtung zu tun und dabei zu erleben, dass du so etwas auch kannst!

Eine Folge meiner Jahre in England für mich auf jeden Fall ist: So schnell schreckt mich ein Orts- und sogar Länderwechsel jetzt nicht mehr. Bei allem, was nicht schön war, kann ich inzwischen aber auch sehen, was ich so alles geschafft habe, das ich mir vorher teilweise gar nicht zugetraut hätte. Das stärkt das Selbstbewußtsein! Und ändert langfristig die Perspektive …

Viel Kraft wünscht dir
Christiane

Hi,

Schau, daß Du so schnell
wie möglich von diesem Ort wegkommst. Es macht Dich kaputt.

Flucht war noch nie ein guter Ratgeber…
Gruß, Anja

Liebe Helma,

es tut mir leid, dass Du Dich so niedergedrückt fühlst und gar befürchtest, etwas Elementares wie Lebensfreude verloren zu haben. Du hast etwas gehabt, das nur sehr wenige Menschen erleben dürfen: Eine Arbeit, die Dir Spaß und Anerkennung gegeben hat.

Ich kann Dir nur raten zu relativieren. Es ist nicht selbstverständlich, was Du hergeben musstest. Die Allermeisten arbeiten, um ihr tägliches Überleben abzusichern. Arbeit ist in unserer Gesellschaft aber natürlich aus verschiedensten Gründen wichtig. Es liegt aber an jedem Einzelnen, ernsthaft zu hinterfragen, ob diese gesellschaftlichen Dogmen auch wirklich STIMMEN!

Ich will Dich dazu aufmuntern, mit der Vergangenheit abzuschließen, indem Du trauerst für eine festgelegte Zeit, dann aber konsequent „den Deckel schließt“. So, als wäre ein guter Freund oder gar Verwandter gestorben. Wende Dich bewusst Deinem jetzigen Leben zu, überlege, was Dir wirklich fehlt, was DU ändern könntest, damit es Dir vielleicht besser gefällt in Deinem neuen Lebensumfeld. Und da gibt es garantiert eine ganze Menge!

Mein Vater hat immer gesagt: „Stell Dir vor, Du bist gestorben - wer steht wohl an Deinem Grab und weint um Dich? Deine Kollegen???“

Vertraue auf Dich, Verzweiflung beginnt immer im eigenen Denken!

Deine Jana

Hi,

die Budddhisten meinen, dass alles Leiden vom Anhaften kommt, z.B. an
Geld und materielle Güter,„geliebte“ Personen, sozialen Status,Ideen, einen bestimmten Wohnort,einen bestimmten Job, usw usw.

Also derzeit klammerst Du dich emotional an einen Job, den Du nicht mehr hast und einen Wohnort, wo du nicht mehr wohnen kannst. Bringt dich das in irgendeiner Hinsicht weiter?
_________________________

Für deine jetztige Situation gibt es nur 3 Möglichkeiten

  • verändere die Situation
  • verlasse die Situation
  • akzeptiere die Situation so wie sie ist

wenn die ersten 2 Möglichkeiten auch nach eingehender Prüfung nicht bestehen, bleibt nur die dritte. Erst wenn Du die Situation wirklich innerlich akzeptiert und den Widerstand gegen das Hier und Jetzt aufgegeben hast, wirst Du auch gefühlsmäßig dahinter kommen, dass es an der neuen Wohngegend ggf. auch Positives, dass es an dem neuen Job auch Vorteile gibt.

Gruss A.

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Hallo Helma,

wenn man deine anfrage etwas auseinander nimmt, lässt sie sich bestimmt besser beantworten.

Fangen wir also an:

Du hast deine Arbeit verloren und nun hast du eine neue – das würde ich als einen durchaus glücklichen Zustand betrachten. Viele Menschen würden dich darum beneiden.

Dein neuer Job bringt Dir 500 Euro weniger - aber immerhin 155 (im Westen) oder 169 (im Osten) Euro mehr als ein Hartz IV – Einkommen. Herzlichen Glückwunsch

Ja zugegeben, wenn man seine Lieblingsstadt verlassen muss, ist das erst einmal sehr traurig.
AAAAAAAAAAAber, jedes Ende ist auch gleichzeitig ein neuer Anfang.
Geh’ raus aus Deinen vier Wänden – schön Essen oder ins Kino. Finde heraus was es an Sehenswürdigkeiten in Deiner neuen „Heimat“ gibt. Die meisten Städte haben eine eigene Zeitschrift (Stadtanzeiger) dort kannst Du nachlesen was so abgeht.
Lade Deine Freunde ein und zeige ihnen was in Deiner neuen Stadt anders oder besser ist.
Es gibt also wie bei allen Angelegenheiten im Leben zwei Möglichkeiten:

Das Glas ist halb voll – oder eben - wie bei Dir liebe Helma – halb leer.

Es liegt immer im Auge des Betrachters. Du hast also die Möglichkeit in Selbstmitleid zu verfließen, oder aber Du schaffst es Dich selbst bei den „Hörnen“ zu nehmen und zu sagen: Ab heut’ mach ich was draus, ihr kriegt mich nicht unter – ihr nicht ! ! !

Ja und zu Deinem Alter (39) . . .

. . . wie war das noch mal mit dem Glas ? ? ? Du schreibst ich bin 39 und meine Lebensfreude ist weg ;-(

Wie wär’s den mit:

. . . ich bin 39 und wenn ich mich gut halte könnte ich sogar noch einmal 39 Jahre Leben :wink:

Zeit genug um mit guten Freunden Wein zu trinken, schön Essen zu gehen, das Schwimmbad zu besuchen, einen Menschen zu lieben und für ihn da zu sein, Kinder zu bekommen und glücklich zu sein.
All das ist möglich, wenn Du nur will, liebe Helma . . .

. . . ich hoffe ich konnte Dir etwas von meinem Optimismus abgeben

. . . Kopf hoch – ab Morgen ist das Glas wieder halb voll

Herzlichst Dein/e Zuversicht