Lebensversicherung als Geldanlage?

Hallo,
schon seit einigen Tagen werde ich regelrecht bombardiert mit Werbepost von irgendwelchen Versicherungsgesellschaften, die mir irgendwelche Lebensversicherungen andrehen wollen, da es vor 2005 steuerlich günstiger wäre soetwas abzuschließen.
Leider habe ich absolut keine Ahnung von Versicherungen etc, was ich allerdings interessant finde ist die Tatsache, dass man bei manchen Versicherungen bei 12 Jahren Laufzeit bis zu 6-8% Zinsen auf das eingezahlte Kapital erhält, was meiner Ansicht nach eine zur Zeit überdurchschnittliche Rendite ist.
Da ich mit meinen 21 Jahren noch relativ jung bin und in nächster Zeit nicht vorhab den Löffel abzugeben war eine Lebensversicherung bisher noch kein Thema für mich. Allerdings finde ich diese Angebote als Geldanlage äußerst attraktiv.
Daher meine Frage: Wo ist der Haken an der Sache?
Gibt es vielleicht irgendwo eine Seite bei der man die verschiedenen Angebote vergleichen könnte wie zB beim Tages- oder Festgeld?

Hallo Donovan,

Daher meine Frage: Wo ist der Haken an der Sache?

der Haken an der Sache ist, dass die 6-8% inklusive der sogenannten Überschussbeteiligung sind. Und die ist nicht garantiert.
Der tatächliche (gesetzlich) garantierte Zinssatz liegt bei derzeit 2,75%.

Trotzdem kann eine KLV eine interessante Anlage sein.

Gruß Ivo

Hallo Donovan,
hall Ivo,

ein KLV (Kapitallebensversicherung) kann eigentlich nie eine Interessante Geldanlage sein und ist nur in wenigen Fällen sinnvoll, weil Du für einen Versicherungsschutz mitzahlst, den Du nicht brauchst.

Ein Kapitalversicherung (Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht)dagegen schon eher. Die sollte aber unter bestimmten Bedingungen auf 15 Jahre abgeschlossen werden, und nicht auf 12 Jahre, weil sonst die Steuerfreiheit u.U. nicht greift.

Überschussversprechungen mit 8% über 12 Jahre sind unseriös.

Neben dem „Versprechen“ solltest Du die garantierten Leistungen und die Finanzkraft des Versicherers prüfen, bei dem Du Geld anlegen willst.

Am besten reagierst Du nicht auf die Werbung sondern gehst zum Versicherungsmakler Deines Vertrauens entweder um die Ecke oder im Internet!

Versicherungsmakler findest Du zum Beispiel unter www.versicherungsmakler.de oder auch hier im Forum:

Viele Grüße
Thorulf Müller
Versicherungsmakler

Hallo Ivo,
ich habe gestern eine Abrechnung der großen Allianz gesehen.
Rückkaufswert 2003: 63.000 Euro. Rückkaufswert 2004: 53.000 Euro.
Klasse Rendite, oder?
Bei sehr vielen Gesellschaften ist es identisch.
die Fehlspekulationen der letzten jahre zahlt der Kunde.
Wer so eine KLV hat, sollte mal die Abrechnung vom letztem Jahr mit der neuen vergleichen. Er fällt vom Stuhl!
Soll aber keine Verallgemeinerung sein.
Es gibt bestimmt die eine und andere KLV (konventionelle, nicht fondsgebunden) die hier ein Plus hat.
Grüße
Raimund

Hallo Raimund,

das kann doch eigentlich nicht sein? Sicher, dass es der Rückkaufswert war? Ich nehme an es war ein Wert inklusive Überschüsse. Der Rückkaufswert ist ja bereits mit der Police festgelegt.

Andreas

Danke für die raschen Antworten, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe:
Von diesen 8% sind also nur 2,75% garantiert, der Rest ist also abhängig von der Entwicklung der Anlagen der Versicherungsgesellschaft (Überschußbeteiligung heißt in diesem Zusammenhang also der Ertrag einer von der Versicherung verwendeten Anlage,oder??)?

Macht es denn dann überhaupt Sinn eine Lebensversicherung abzuschließen - im Bezug auf diesen steuerlichen Vergünstigungen - wenn ich als Alternative auch eine normale Vermögensanlage hätte (wie gesagt: ich bin noch jung und hab nicht vor in nächster Zeit zu sterben)?
Ich denke, dass man anstelle eines Ertrags von 2,75% auf mehrer Jahre genausogut einen bewährten Fond oder ähnliches als Anlage wählen könnte was aus meiner Sicht wohl ertragsreicher wäre.

hallo Andreas,
Rückkaufswert. Der kann sich schon ändern.
zum Thema 2,75 %. Fast alle glauben, dass das auf die eingrezahlten Beiträge berechnet wird.
Mitnichten!
Erst werden mal sämtliche Kosten abgezogen. Das, was übrigbleibt, der Sparbeitrag, der hat dann eine Garantie. Hast Du eine LV erwischt, die 60 % Kosten hat, dann werden halt nur die 40 % mit der Garantie bedacht. In diesem Fall wären es dann 1,0243 %. Und natürlich nicht auf jeden einzelnen Beitrag, sondern die Gesamtrendite.
Doch nur keine Angst, so weit werden die LVs nicht sinken. Es geht ja auch mal wieder aufwärts (wenn du nicht gerade bei der Mannheimer bist)
Grüße
Raimund

Hallo Donovan,

Danke für die raschen Antworten, aber ich bin mir nicht
sicher, ob ich alles richtig verstanden habe:
Von diesen 8% sind also nur 2,75% garantiert, der Rest ist
also abhängig von der Entwicklung der Anlagen der
Versicherungsgesellschaft (Überschußbeteiligung heißt in
diesem Zusammenhang also der Ertrag einer von der Versicherung
verwendeten Anlage,oder??)?

Ja, das hast Du richtig verstanden. Wo ist jetzt aber das Problem. Wenn Du Festgelder machst kommst Du nun auch nicht weiter in Bezug auf die renditen. Legst Du in Fonds an kannst Du auch Geld verlieren. Machst Du Gewinne dann sind diese im gewissen Umfang steuerpflichtig.

Macht es denn dann überhaupt Sinn eine Lebensversicherung
abzuschließen - im Bezug auf diesen steuerlichen
Vergünstigungen - wenn ich als Alternative auch eine normale
Vermögensanlage hätte (wie gesagt: ich bin noch jung und hab
nicht vor in nächster Zeit zu sterben)?

Hattest Du meine Antwort gelesen? Ich habe Dir gesagt, dass eine „Kapitallebensversicherung“ keinen Sinn macht (mit bestimmten Ausnahmen) - also Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht - oder bei höherer Flexibilität eine Fondspolice!!!

Ich denke, dass man anstelle eines Ertrags von 2,75% auf
mehrer Jahre genausogut einen bewährten Fond oder ähnliches
als Anlage wählen könnte was aus meiner Sicht wohl
ertragsreicher wäre.

Ja, aber neben den garantierten Zinsen werden eben auch Überschüsse erwirtschaftet. Und von den Jahren 2001 - 2003 einmal abgesehen, 6-7 %!

Viele Grüße
Thorulf Müller

Hallo Raimund,

da muss ich dem Herrn Berger aber Recht geben. Der „Rückkaufwert“ einer Police ist festgeschrieben. Die Ablaufhochrechnung unter Berücksichtigung der Überschüsse hast Du gemeint, gell?

Viele Grüße
Thorulf Müller

ok, ich lasse mir beide Schreiben noch einmal zeigen.
Doch nicht vor Donnerstag.
Grüße
R.

Hallo Raimund,

sorry, aber da muss ich noch einmal dazwischen gehen.

Rückkaufswert. Der kann sich schon ändern.

Nein!!! Raimund, definitiv, der Rückkaufwert kann sich nicht ändern! Der ist Vertragsbestandteil!

zum Thema 2,75 %. Fast alle glauben, dass das auf die
eingrezahlten Beiträge berechnet wird.
Mitnichten!

Richtig!

Erst werden mal sämtliche Kosten abgezogen. Das, was
übrigbleibt, der Sparbeitrag, der hat dann eine Garantie.

Auch richtig!

Hast
Du eine LV erwischt, die 60 % Kosten hat, dann werden halt nur
die 40 % mit der Garantie bedacht. In diesem Fall wären es
dann 1,0243 %. Und natürlich nicht auf jeden einzelnen
Beitrag, sondern die Gesamtrendite.

Sehr hypothetisch, aber richtig. Nur hat keine Versicherung dauerhafte 60% Kosten in der Kalkulation.

Doch nur keine Angst, so weit werden die LVs nicht sinken. Es
geht ja auch mal wieder aufwärts (wenn du nicht gerade bei der
Mannheimer bist)

Und das ist jetzt völlig falsch, weil die Bestände der alten Mannheimer durch die Übertragung auf Protector überdurchschnittlich hohe Verzinsungen erhalten. z.B. weil die Mannheimer Holding den Kapitalschaden ausgleichen muss und das als Darlehn gegeben und verzinst abgezahlt wird, z.B. weil die laufenden Abschlusskosten nicht mehr entstehen! und damit außerordentliche Erträge entstehen, weil die Abschlusskosten ebenfalls kalkuliert waren, z.B. weil viele Kunden aus Unwissenheit gekündigt oder beitragsfrei gestellt haben, etc.

Viele Grüße
Thorulf Müller

Hier auch noch mal ein Beitrag von mir zu dem Thema.

Also eine LV als Geldanlage sollte wirklich NICHT in Betracht gezogen werden. Zu diesem Thema hat der Bund der Sparer auch sehr interessante Informationen bereit

http://www.bunddersparer.de/info/lebensversicherung/…

Es lohnt sich dort mal vorbei zu schauen. Mir ist auch völlig unverständlich wie es die Versicherungen über die Jahre so lange geschafft haben das Bild der „tollen“ LV zu zeichnen. Letztendlich freut sich auch nur der Versicherungsyogi über die Prov. un der Kunde zahlt ohne Ende für einen Schutz den er (meistens) nicht braucht!!!

Du solltest dich mal von einem möglichst unabhängigen Berater beraten lassen, damit du nicht über den Tisch gezogen wirst. Wobei auch da vorsicht geboten ist…

Hallo Joachim,

mit Sicherheit hast du an der Stelle recht, wenn du sagst, dass eine kapitalbildende Lebensversicherung nicht als Geldanlage betrachtet werden kann…

Aber gleich verdammen? Irren die Menschen, bzw. haben die Menschen bei 90 Millionen Abschlüssen geirrt?

Warum soll z. B. ein Selbstständiger, der die Beiträge als Vorsorgeaufwendungen geltend machen kann, eine Familie abzusichern hat, nicht die Variante KLV wählen?

Oder eine Gesellschafter-Geschäftsführer der im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung eine Direktversicherung abgeschlossen hat und ebenfalls eine Familie abzusichern hat, dies nicht tun?

Dann doch noch mal das Thema Geldanlage: In den oben beschriebenen Fällen ist die KLV sogar als Geldanlage lukrativ…

Aber bei vielen, und da gebe ich dir recht, natürlich nicht… Da ist dann der Eifer der Vetreter doch manchmal recht ungebremst…

Außer: Wir reden mit dem Kunden über Sicherheit! Da nur KLV oder Rentenversicherung…

Gruß Matthias

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Hallo Matthias,

eine Verdammung der LV möchte ich hier nicht heraufbeschwören, stehe aber voll hinter meinen gemachten Aussagen :smile:
Meines Erachtens „irren“ die Menschen die 90 Million Abschlüsse gemacht haben auch nicht, ich führe dies aber auf die gut geschulten Versicherungsvertreter zurück, die den Leuten die LV’s ganz einfach verkauft haben (und sicher auch eine gute provision erhalten haben). Ich bin der festen Überzeugung, dass es nie so viele LV’s geworden wären, wenn die Menschen vorher über die nicht unerheblichen Nachteile aufgeklärt worden wären!
Aber was mich bei den ganzen Versicherungsgesellschaften am meisten stört sind die „Überschußbeteiligungen“. Deren Herkunft wird bis heute möglichst geheim gehalten, damit der sparer nicht nachher noch auf die idee kommt etwas von den erträgen, die aus seinem kapital entstanden sind, abhaben zu wollen („hey 5-6% sind doch ne klasse sache, oder?“).

Oft verschwindet ja bekanntlich schon ein großteil in den stillen reserven der versicherungen. Trotzdem schließen noch viel zu viele leute solche verträge ab, im glauben die beste sparform gefunden zu haben (90 Millionen Verträge können schließlich nicht irren :wink:)

Zum Thema „sicherheit der klv“ stimme ich auch nicht voll zu! klar ist das ding sicherer als eine reine aktienanlage aber wenn wir über einen zeitraum von 30 jahren sprechen, fällt das thema sicherheit größtenteils eh weg (siehe Beispiel Mannheimer). Welcher sparer der dort mal abgeschloßen hat, hätte vor 30 jahren gedacht dass sein geld mal futsch sein wird? Ok die versicherungen waren ja nicht dumm und haben schnell eine auffanggesellschaft aufgestellt um das schlimmste zu verhindern aber wer garantiert das für die zukunft??

Mein Fazit: Am besten wird das geld dort investiert wo die versicherungen das geld der versicherten auch hinstecken: in die wirtschaft. Die Jungs dort arbeiten schließlich jeden tag daran gewinn und umsatz zu steigern und das ist für die kapitalanleger quasi ebenfalls eine geldgarantie.
Bei entsprechender streuung (beispielsweise über fonds) hat man dort einen wesentlich höheren ertrag für seine mühsam ersparten mäuse und hat eine viel besserer transparenz als es jede LV bieten kann.

Für Familien ist meines erachtens das Todesfallrisiko besser über eine risiko-LV darzustellen.

Würde mich freuen wenn meine „Gedanken“ noch diskutiert werden oder ein hinweis kommt falls ich einen groben denkfehler gemacht habe :smile:

Hi,

zum Thema Lebensversicherung findest Du auch hier viele Infos:

http://www.bundderversicherten.de

Schöne Grüße vom T.