Lebkuchen

Hallo!
http://urts55.uni-trier.de:8080/Projekte/WBB2009/DWB…

oder

im Krünitz:
" Leb=Honig , in der Bienenzucht, das grobe gezeidelte Honig oder Jungfern=Honig, welches nicht mehr von sich selbst aus den Scheiben läuft, sondern vermittelst eines Sackes ausgepresset wird; zum Unterschiede von dem eigentlichen geseimten Honige, welches von sich selbst auströpfelt; siehe im XXV Th. S. 7.

Von dem Leb=Honige scheinen die vorzüglich im Oberdeutschen sogenannten Leb=Kuchen , eine Art Kuchen, welche aus Mehl, Honig, Mandeln und allerley Gewürzen verfertiget, und im Hoch deutschen am häufigsten Pfeffer=Kuchen, im gem. Leben aber auch Honig=Kuchen genannt werden, den Nahmen zu haben, weil sie aus dem Leb=Honige gemeiniglich verfertiget werden. Siehe Pfeffer=Kuchen."

Was stimmt?

Gruß,Eva

Hallo Eva,
eindeutig zu entscheiden ist das wohl nicht. Der Schwenk nennt noch andere mögliche Ableitungen, tendiert jedoch zu Grimms Erklärung (sein Wörterbuch ist übrigens Jakob Grimm gewidmet). Zitat:

der Lebkuchen , eine Art Kuchen, in welche man Honig und Gewürze thut, daher auch Honigkuchen, Pfefferkuchen genannt; mhd. Lebekuchen. Da der ausgepreßte Honig Lebhonig heißt, d.i. Honigsatz (s. Lab ) und besonders zu Lebkuchen gebraucht wird, so könnte der Name daher kommen und aus Lebhonigkuchen abgekürzt seyn. Andere meinen, es komme der Name von laben, ein labender Kuchen, oder von leb , süß, im Osnabrückischen soll lebb sehr süß bedeuten. Da Leib Brod bedeutete, so wäre es möglich, daß Leb ebenfalls nur Brod bedeutet habe, wie man den Lebkuchen frz. pain d’épice nennt, und daß man den Honigkuchen einen Leib Kuchen nannte, im Gegensatze der Benennung Leib Brod; doch ist Leb-laib ebenfalls ein süßer Kuchen. Lat. heißt libum Kuchen, und dies Wort ward auch im Mittelalter gebraucht, wo die liba unter den Leistungen und Abgaben genannt werden, mlat. labelum, libelum [welches in einem alten Wörterbuch durch Lebtkuchen ausgedrückt wird], wodurch die Abstammung aus dem Lat. wahrscheinlich wird.

Konrad Schwenk
Wörterbuch der deutschen Sprache
in Beziehung auf Abstammung und Begriffsbildung
3. Aufl., Sauerländer, Frankfurt a. M. 1838

Freundliche Grüße,
Ralf

Danke :smile: owT
.

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Hi,
Kluge (Etym. WB) findet noch eine dritte Ableitung:
[…]andererseits wird an ein zu Laib im Ablaut stehendes Wort gedacht (das sich dann auf die Backform beziehen würde).

Das passt nun auch wieder zu dem Leb(er)käs, der ja auch weder Käse noch Leber enthält, sondern den Namen seiner Laib-Form verdanken soll.

Kluge meint aber auch „Beide Annahmen machen Schwierigkeiten.“

Blah

Servus,

ist Lat. libum, Griech. klibanos, Ahd. hleib, Got. hlaifs etc. nicht der gleiche Stamm?

Schöne Grüße

MM

Hi,
wohl schon, lieber Martin!
Nur dass der Grimm halt dem Lebkuchen nicht auf den Laib gerückt ist und nur mit Fladen um sich warf.
Gruß
Blah

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Servus,

andererseits sagt der Kluge, der es sonst gern mit den indogermanischen Stämmen hat und im Zweifelsfall auch noch ein „Hummgpff“ des Homo Heidelbergensis irgendwoher erschließen würde, nichts dazu.

Die alternative Deutung zur Unterscheidung von Honig, aus den Waben abgetropft, und Honig, aus den Resten der Waben ausgepresst, kommt mir ganz spannend vor. Nicht bloß wegen meiner Vorliebe für Minderheitenmeinungen und alles irgendwie Schräge, sondern deswegen, weil der Honig für die Lebküchnerei schon etwas ganz Wichtiges gewesen sein muß: Als Nürnberg schon vor einigen hundert Jahren zu einer Art Lebkuchenmetropole wurde, waren ein wesentlicher Standortvorteil die in der Region noch in großem Umfang erhaltenen Wälder, wo die Zeidler als Wildbeuter sozusagen auf Honigjagd gingen, aufgespürte Nester von Bienenvölkern wurden ausgenommen und dabei zerstört, an Hege und Pflege in ausgehöhlten Baumstämmen, Bienenkörben etc. dachte man allenfalls sekundär. Entsprechend primitiv die Gewinnung des Honigs aus den Waben: Schleudern sind eine eher späte Entwicklung. Jo, und was macht man mit dem wachsigen Gruscht, den man niemandem ernsthaft anbieten kann? Der Müller hats nicht gewußt, der Mann im Schnapsladen hats auch nicht gewußt, aber der Bäcker: Der hatte einen Einfall!

Für Ulm kann im nördlichen Hinterland auf der Albhochfläche ähnliches gelten, wie es in Pulsnitz und Aachen im späten Mittelalter mit Waldbeständen und entsprechend der Zeidlerei aussah, weiß ich nicht.

Wieauchimmer: Laib, Chleb etc. zum Lebkuchen ist auch eine Art Gewohnheit; mehr oder weniger einem Brot ähnelt er auch nicht mehr als irgendein anderer Kuchen, und in der Form grad halt nicht, weil die in der Lebküchnerei verwendeten Treibmittel Hirschhornsalz und Pottasche nur für Flachgebäcke geeignet sind. Wenn man den Christstollen „Lebkuchen“ riefe, das wäre was anderes und unmittelbar einleuchtend.

Um mit Wilhelm Buschs „Knopp“ zu sprechen:
Ach, wie viel ist doch verborgen / was man immer noch nicht weiß!

In diesem Sinne

MM

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