ich habe wieder einmal eine „Streitfrage“ aus meinem Kollgenkreis.
Wie sagt ihr:
Er lehrte mich den Unterschied zwischen Lehren und Lernen.
oder:
Er lehrte mir den Unterschied zwischen Lehren und Lernen.
Wir haben bereits im Duden (Zweifelsfälle der deutschen Sprache) nachgeschaut, angeblich geht beides (die Benutzung des Dativs wird als veraltend angegeben)…
Die Mehrheit meiner Kollegen favorisiert mich und empfindet mir als falsch oder zumindest als sehr ungewöhnlich.
Könnte das ein regionaler Sprachunterschied sein? Der Kollege, der „mir“ bevorzugt, stammt aus den neuen Bundesländern…
Die Mehrheit meiner Kollegen favorisiert mich und
empfindet mir als falsch oder zumindest als sehr
ungewöhnlich.
»mich« klingt sicherlich gebildet und korrekt, aber »mir« erscheint mir (!) natürlicher und lebensnäher. Schließlich heißt »lehren« ja »beibringen«. Und wem bringt die Frau Lehrerin etwas bei? Mir (und nicht mich).
da der Duden sich wieder mal vornehm zurückhält, tue ich mal
meine Meinung kund (ich bin nur interessierter Laie): „lehrt
mich“ gab es in grauer Vorzeit nur mit „zu“, also wie „Er lehrte
mich zu schreiben“. Einen Unterschied lehrt man weder mich noch
mir, den kann man mir nur zeigen; wohl lasse ich mich lehren zu
unterscheiden. Vielleicht liegt ja hier der Hund begraben, dass
heute das „lehrt mich“ mit Substantiven verbandelt wird. Ein Beispiel aus der Literatur (frei aus dem Gedächtnis, vermutlich von Eugen Roth): „Ich werd’ Dich lehren, mich einen Deppen zu heißen!“ Kann sich das irgend jemand vorstellen als „Ich werd Dir lehren, mir einen Deppen zu heißen!“?
Und watt lernt mich datt? Deutsch is schön, aber Masematte noch
viel schöner.
Gruß Ralf
Hallo Sprachliebhaber,
ich habe wieder einmal eine „Streitfrage“ aus meinem
Kollgenkreis.
Wie sagt ihr:
Er lehrte mich den Unterschied zwischen Lehren und
Lernen.
oder:
Er lehrte mir den Unterschied zwischen Lehren und
Lernen.
Deiner Theorie zufolge würde es z.B. auch heissen: Ich begebe
mir jetzt in den Keller:wink:
Ich bin für mich, ohne jetzt Egoist sein zu wollen.-))
Ich wollte gar keine allgemein gültige Theorie aufstellen; es ging mir nur darum, mein Bauchgefühl in diesem begrenzten Einzelfall auszudrücken. Wenn uns der Duden schon die Freiheit lässt – warum sollte man die nicht ab und an nutzen? Etwa, um eine Formulierung auffälliger zu gestalten. Und wer will bestreiten, dass der dahin eilende Leseblick wohl eher übers »Er lehrte mir schreiben« stolpert als übers gelehrt-geläufige »Er lehrte mich schreiben«?
als ich Deutsch an der Uni gelernt habe, habe ich „lehren + Dativ“ gelernt, also „er lehrt mir“. So stand es in meinem Buch…
Mir scheint es diese Version natürlich, aus dem einfachen Gründ, dass es sich auf Italienisch genauso anhört (im Italienischen gibt es, wie Du wahrscheinlich weisst, kein Dativ, dafür aber ein „indirektes Objekt“, das dem Dativ entspricht - und das Verb „insegnare“=lehren wird eben mit diesem verwendet).
Bei solcherlei Fragen finde ich es immer recht lustig und verblüffend, Google zu befragen.
(Satzteile dabei natürlich in Anführungszeichen setzen)
„er lehrte mich“ landete 362 Treffer, aber
„er lehrte mir“ nur 15.
Interessant wird das auch bei „die Mail“, „das Mail“ und „der Mail“ - man findet alle Formen wieder, zum Glück in abgestufter Anzahl.
Viele Grüße, Renate
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Dass „lehren“ den Akkusativ fordert, steht außer Zweifel - in unseren Schulen wird das so gelehrt (und hoffentlich auch gelernt !)
Die regionale Schwierigkeit besteht darin, dass „lehren“ in unserem Dialekt in dieser Diktion nicht verwendet wird. Es wird mit „lernen“ (+ Dativ) ersetzt: 'Der Lehrer lernt mir ‚s Schreibm.‘
Ist es in Bayern nicht auch so?
nicht nur in Bayern, sondern in ganz Süddeutschland (glaub ich wenigstens) sagt man „er lernte mir“.
Hochdeutsch kenne ich nur „lehrte mich“. Vor dieser Diskussion kannte ich die „mir“-Variante gar nicht. Ich hab’s zuerst für einen üblen Scherz gehalten. Aber es sind halt wohl doch nicht nur die Weißwürscht, die uns von jenseits des Mains unterscheiden.
ja, ugs. heißt es in Bayern „er lernt mir“. Möglicherweise kommt die Variante „er lehrt mir“ daher, vielleicht trägt auch beibringen mit Dativ dazu bei.
Interessanterweise gibt es im Schwedischen nur ein Verb für lernen und lehren. Es heißt „han lärar mig“ für „er lehrt mich/mir“ und „han lärar“ für „er lernt“. Es existieren keine unterschiedlichen Endungen für Dat. und Akk. mehr, aufgrund der Stellung im Satz ist das „mig“ als Dat. zu werten. Es könnte also sein, daß im Deutschen die Differenzierung in zwei Verben erst später erfolgte.
Der Duden gibt „er lehrt jmdn.“ an, erwähnt aber auch die Form „er lehrt jmdm. etw.“, also nur, wenn noch ein Akk.-Objekt folgt.
es grüßt
Rainer
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aus meiner wilden Jugend im Ruhrgebiet kenne ich auch noch die Version „lernt mich“.
Dem Hochsprachler rollt’s dabei zwar die Fußnägel hoch, aber in finde diese Variante hat auch einen besonderen Charme.