Leibgarde des Zaren

Meine Mutter hat mir heute zum wiederholten Male eine überaus merkwürdige Geschichte erzählt, der ich mit höxter Skepsis begegne, und jetzt möchte ich doch mal wissen, was dahintersteckt. Also:
Nach dem 2. Weltkrieg soll ein Vater sich auf die Suche nach seinem verschollenen Sohn gemacht haben, der angeblich mit irgendwelchen Soldaten mitgelaufen ist. Er wandert - vermutlich nicht wörtlich zu nehmen - quer durch Deutschland, fragt überall nach seinem Sohn und trifft eines diesigen Abends mitten in der Lüneburger Heide auf einen Trupp russischer Soldaten, die dort biwakieren. Sie nehmen ihn mit an ihr Feuer, fragen nach Woher und Wohin und er erzählt die Geschichte von seinem verlorenen Sohn. Dann erkundigt er sich, wer diese überaus prachtvoll uniformierten Russen denn sind und erhält zur Antwort, sie wären die Leibgarde des Zaren und vom fernen Sebastopol nach Deutschland geordert worden, aber erst angekommen, als der Krieg schon zu Ende war, und wären jetzt unterwegs zur Ostsee, dort sollte ein Schiff liegen, das sie zurück nach Hause bringt. Meine Mutter wird nicht müde zu betonen, der Mann wäre überwältigt gewesen, von der besonders schönen und prachtvollen Erscheinung dieser Leute (goldbetresst, etc.). (Meinen Einwand, dass Soldaten nicht in Gala in den Krieg ziehen und nach dem langen Weg sowieso leicht angeschmutzt gewesen sein müssten, lässt sie nicht gelten :wink: Auch dass Stalin vermutlich die Leibgarde des Zaren ausgerottet haben dürfte, bzw. der eigenen Armee einverleibt, zieht nicht.) Nun klingt mir das alles sehr nach Droste-Hülshoff oder „Jenseits des Tales standen ihre Pferde, zum roten Abendhimmel stieg der Rauch“ etc. Ich gönne meiner Mutter die romantische Schwärmerei, halte die Geschichte aber für eine Art moderne Sage, *urban legend*, die nach dem Krieg jemand in die Zeitung gesetzt hat. Meine Mutter behauptet jedenfalls, die in der Zeitung gelesen zu haben.
Ich bin stark neugierig auf Informationen von eurer Seite. Ein Quentchen Wahrheit steckt ja angeblich in jedem Märchen, jeder Sage…
Gruß,
Eva

Hallo Eva !

Deine Mutter könnte die Wahrheit sagen, was die Soldaten betrifft.
Es könnten Kosaken (General Wlassow) gewesen sein, die im 2. WK mit den Deutschen gegen die Sowjets kämpften.
Sie flüchteten mit der Deutschen Armee über die Elbe. Während der Zarenzeit bildeten Kosaken die Leibgarde der Romanows. Sie waren dann die sogenannten Weißgardisten, die gegen die Sowjets kämpften. Gegen die Rotgardisten.

In der Deutschen Armee waren sie entweder selbständige Kosakeneinheiten oder als Angehörige der Wlassowarmee.
Sie hatten ihre Pferde und die kleinen Panjawagen mit und zogen dann nach 1945 durch Westdeutschland. Gaben in den größeren Dörfern Vorstellungen über ihr Leben und ihre Reitkunst.

Ich habe eine Vorstellung, die sie bei uns im Dorf gaben, selbst gesehen und kann mich noch gut an ihre bunten Uniformen erinnern. Sie trugen nach 1945 natürlich nicht mehr die Uniformen der Deutschen, sondern ihre bekannten Kosakenkleider.

Irgendwann wurden sie dann in die UdSSR zwangsevakuiert und dort mit Sicherheit alle ermordet.

Es gelang aber immer wieder einigen Familien sich abzusetzen und im Westen unterzutauchen.
In unserem Dorf wohnten zwei oder drei Familien, die von der Gemeinde im so genannten Gemeindehaus einquartiert wurden und dort bis zu ihrem Tod lebten. Sie machten alle möglichen Arbeiten für den Ort. Praktische Arbeiten, wie die damalige primitive Müllabfuhr, irendwelche Gemeindeäcker bewirtschaften usw.

Diese Kosaken hat es wirklich gegeben und sie waren die Leibgarde des Zaren. Dazu wurden die Kosaken damals verpflichtet. Sie sind heute die größten Zarenverehrer in Russland.

Gruß max

Irgendwann wurden sie dann in die UdSSR zwangsevakuiert und
dort mit Sicherheit alle ermordet.

Hallo Max!
Mit deinen Infos habe ich gegoogelt und das hier interessiert dich vielleicht:
„Wer erinnert sich noch daran, dass die Amerikaner den russischen General Wlassow, der sich ihnen im Glauben an eine korrekte Behandlung ergeben hatte, in eine Falle laufen ließen, und ihn dadurch den Sowjets in die Hände spielten. Er endete auf dem Roten Platz am Galgen.“

Danke und Gruß,
Eva

ließen, und ihn dadurch den Sowjets in die Hände spielten. Er
endete auf dem Roten Platz am Galgen."

Ja, das ist bekannt. Die Angehörigen der Wlassow-Armee wurden über eine Stadt in Österreich in die UdSSR zurückbefördert. Darüber gibt es auch einen deutschen Spielfim. Über die Tragödien, die sich dort im deutsch-österreichischen Grenzgebiet abspielten.
Sie sollen alle ermordet worden sein. Die Engländer waren dabei die Haupthandlanger der Sowjets.

Gruß max

In einer Konferenz… ich glaube Jalte verlangte Stalin die Aushändigung sämtlicher sowjetischer Bürger, die auf Seiten Deutschlands bzw. dessen Verbündeten kämpften. Die gefangen Kosaken (von pannwitz) gingen in britische bzw. amerikanische Gefangenschaft… und wurden von dort postwendend an die russische Seite ausgeliefert. Ohrenzeugen erklärten, das die meisten sofort hinter Front erschossen wurden… manche sprachen von Zehntausenden. Daher heutzutage auch die Vorwürfe an die Alliierten am Völkermord beteiligt gewesen zu sein.

Kann ja mal näheres hervorsuchen…

und erhält zur Antwort, sie wären die Leibgarde des Zaren und
vom fernen Sebastopol nach Deutschland geordert worden, aber
erst angekommen, als der Krieg schon zu Ende war, und wären
jetzt unterwegs zur Ostsee, dort sollte ein Schiff liegen, das
sie zurück nach Hause bringt.

Hallo!
Danke vielmalen für eure Auskünfte, das war überaus interessant. Ich beklage meine unvollständige Bildung, denn von Kosaken, die auf deutscher Seite im 2. Weltkrieg kämpften, habe ich bisher keine Ahnung gehabt. Werde mich auch bei meiner Mutter für die ungläubige Miene meinerseits entschuldigen.
Schönen Advent wünscht
Eva

Hallo Eva,

hier mal noch so einiges zum lesen: http://www.nexusboard.net/showthread.php?siteid=332&…