Leichte Geometrie für Könnerkonstruktöre

Hallo liebe Wer-wissenden,

Zwei geometrische Probleme rauben mir den Schlaf und nun will ich wissen, ob nur ich nicht auf die entcheidene Idee komme, ob es keiner weiß oder ob es gar nicht geht?
Viele Grundkenntnisse werden nicht von nöten sein.

Problem 1)
Das geometrische Mittel aus 3 Strecken (a,b und c).
Gegeben sei ein weißes Blatt, auf dem drei Strecken eingezeichnet sind. Weiterhin steht ein Zirkel, ein Bleistift und eine gerade Kante zur Verfügung. Gesucht ist eine Strecke m, die dem geom. Mittel von a,b,c entspricht. So das gilt: dritte Wurzel (a*b*c) = m.

Problem 2)
konstruktion eines Quadrates. Gegeben sei ein weißes Blatt (mit viel Platz für missglückte Versuche) und ein Zirkel.
Zu konstruieren seien vier Punkte, die nach verbinden ein Quadrat bilden. (Analog das Beispiel des Sechsecks: ein Kreis, ein Punkt auf dem Kreis, sechs mal den Readius und schon hat man die Eckpunkte)
Es steht nur ein Zirkel zur Verfügung. (Na gut, ein Bleistift zum besseren Punkte makieren.

Näherungen seien nicht akzeptiert.
Wünsche viel Spaß beim knobeln und hoffe, dass eines der beiden Rätsel gelöt werden kann. Falls jemand behauptet, dass das nicht ginge, dann glaube ich ihm das, aber warte trotzdem auf einen Beweis :smile:

Grüße,
Zwergenbrot

[Fahre weg und kann erst ab Sonntag wieder auf Fragen und Antworten antworten.]

Hallo Zwergenbrot,

Für das zweite Problem hätte ich mehrere Lösungen, bräuchte allerdings noch ein Lineal um die Punkte schlußendlich zu verbinden.

Problem 2)
konstruktion eines Quadrates. Gegeben sei ein weißes Blatt
(mit viel Platz für missglückte Versuche) und ein Zirkel.
Zu konstruieren seien vier Punkte, die nach verbinden ein
Quadrat bilden. (Analog das Beispiel des Sechsecks: ein Kreis,
ein Punkt auf dem Kreis, sechs mal den Readius und schon hat
man die Eckpunkte)
Es steht nur ein Zirkel zur Verfügung. (Na gut, ein Bleistift
zum besseren Punkte makieren.

  1. Ich nehme mal an die Seitenlänge a des Quadrates sei vorgegeben.

Also: Zeichne zuerstmal eine beliebige Gerade g und wähle einen beliebigen Punkt A auf dieser Geraden. Nun zeichne einen Kreis um A mit dem Radius a. Der Kreis schneidet die Gerade g in zwei Punkten B und C. Nun zeichnet man die Mittelsenkrechte zu B und C. (Nehme mal an die Konstruktion ist bekannt.)
Die Mittelsenkrechte schneidet die Gerade g in A. Also trägt man auf ihr von A aus wieder die Strecke a ab. Damit hat man schon das halbe Quadrat.
Nun muß man nur noch dieselbe Konstruktion, die man zunächst auf g durchgeführt hat, auf der Mittelsenkrechten wiederholen.

  1. Angenommen es ist ein Kreis gegeben, in den ein Quadrat einbeschrieben werden soll.

Dann hilft der Satz des Thales weiter: Zeichnet man in einen Kreis ein Dreieck, dessen eine Seite der Durchmesser des Kreises ist, so ist der dem Durchmesser gegenüberliegende Winkel immer ein Rechter.

Also: Ausgehend vom Kreis (Mittelpunkt ist ja durch „Einstichpunkt“ des Zirkels bekannt): Durchmesser zeichnen und zu den beiden Schnittpunkten mit dem Kreis die Mittelsenkrechte konstruieren. Dies schneidet den Kreis dann in den beiden restlichen gesuchten Punkten.

Eine dritte Möglichkeit wäre die beiden obigen Konstruktionen zu verknüpfen:

Zeichne Gerade g beliebig und wähle einen beliebigen Punkt A auf dieser Geraden. Nun zeichne einen Kreis um A mit dem Radius a. Der Kreis schneidet die Gerade g in zwei Punkten B und C. Nun zeichnet man die Mittelsenkrechte zu B und C. Diese schneidet die Gerade g in A. Also trägt man auf ihr von A aus wieder die Strecke a ab. ==> Punkt D.
Nun zeichnet man die Mittelsenrechte zu z.B. BD und einen Kreis um B mit dem Radius a. Dieser schneidet die Mittelsenkrechte zu BD in E. Dann ist BADE ein Quadrat mit der Seitenlänge a.

Über das andere Problem muß ich noch etwas nachdenken, ist aber u.U. nicht lösbar. (Düster meine ich mich an einen Satz aus der Galoischen Theorie zu erinnern, der besagt, daß eine Strecke der Länge einer dritten Wurzel nicht mit Zirkel und Lineal konstruierbar ist. Aber ob ich das noch richtig im Kopf hab??? Ist schon Urzeiten her…)

Hoffe die Antwort hilft Dir etwas weiter

Gruß

Helga

Nicht ganz.
Hallo Helga,

Also: Zeichne zuerstmal eine beliebige Gerade g

Das geh kaum nur mit Zirkel. Dazu benötigt man ein Lineal. Es sei denn, man ließe einen unendlich großen Radius zu, aber das wäre schlecht zu konstruieren.

Nun zeichnet man die Mittelsenkrechte
zu B und C. (Nehme mal an die Konstruktion ist bekannt.)

Wieder ohne Lineal. Dann wird genau diese Konstruktion schwierig. Man kann zwei Punkte finden, die auf der Mittelsenkrechten liegen, sogar vier oder beliebig viele, aber die Gerade findet man nicht so leicht.

  1. Angenommen es ist ein Kreis gegeben, in den ein Quadrat
    einbeschrieben werden soll.

Also: Ausgehend vom Kreis (Mittelpunkt ist ja durch
„Einstichpunkt“ des Zirkels bekannt): Durchmesser zeichnen und

Durchmesser wird schwer, ohne gerade Linie. Man findet zwar zwei gegenüberliegende Punkte, aber verbinden kann man sie nicht.

Eine dritte Möglichkeit wäre die beiden obigen Konstruktionen
zu verknüpfen:

Zeichne Gerade g beliebig und wähle einen beliebigen Punkt A
auf dieser Geraden.

Selbiges gilt wieder: Kein Lineal, keine Gerade.

Über das andere Problem muß ich noch etwas nachdenken, ist
aber u.U. nicht lösbar. (Düster meine ich mich an einen Satz
aus der Galoischen Theorie zu erinnern, der besagt, daß eine
Strecke der Länge einer dritten Wurzel nicht mit Zirkel und
Lineal konstruierbar ist. Aber ob ich das noch richtig im Kopf
hab??? Ist schon Urzeiten her…)

Wäre Dir ausgesprochen dankbar, wenn Du den Satz finden würdest und mir die Quelle nennst.

Danke für deine Ideen, aber als gelöst kann ich das Problem leider noch nicht abhaken. Sorry.

Grüße,
Zwergenbrot

Zirkelkonstruktionen des Mascheroni
Hallo Zwergenbrot,

konstruktion eines Quadrates. Gegeben sei ein weißes Blatt
(mit viel Platz für missglückte Versuche) und ein Zirkel.
Zu konstruieren seien vier Punkte, die nach verbinden ein
Quadrat bilden.

diese Aufgabe ist von vornherein unlösbar, denn nur mit einem Zirkel eine Gerade „in Gänze“ (heißt: inklusive aller Punkte, die sie enthält) zu malen, ist selbstverständlich unmöglich. Selbst angestrengtes Philosophieren über Zirkel mit unendlich großem Radius hilft hier nicht weiter.

Was hälst Du aber von folgender Modifikation Deiner Aufgabe:

[…] Zu konstruieren seien vier Punkte, die ein Quadrat bilden.

Auch wenn in allen Mathebüchern Quadrate immer mit „Seitenlinien“ abgebildet sind, so ist es doch so, daß die Information „Quadrat“ bereits vollständig in den Eckpunkten enthalten ist (d. h. wenn die Eckpunkte gegeben sind, dann sind auch die Seitenlinien eindeutig festgelegt). Deshalb darf – und sollte – man vier nicht identische Punkte, die auf einem Kreis liegen, bereits als Quadrat betrachten (und den, der sie noch durch Linien verbindet, als Kosmetiker, nicht als Mathematiker).

Nun zu Deiner eigentlichen Frage (im Sinne der obigen Modifikation). Das „Standardwerkzeug“ der großen Mathematiker des Altertums (Euklid, Thales, Pythagoras…) bestand bekanntlich aus Zirkel und Lineal. Wie man damit mehr oder weniger leicht alles mögliche konstruieren kann, ist heute Stoff des Matheunterrichts.

Einige Leute kamen aber auch auf die Idee, sich stärkere Beschränkungen in der Wahl der Werkzeuge aufzuerlegen, und herauszufinden, was dann noch geht. Der Erste, der in dieser Richtung forschte, war der persische Mathematiker Abul Wefa im 10. Jht. Er ging der Frage nach, wie weit man wohl mit einem Lineal und einem festen statt einem verstellbaren Zirkel kommt. Er gab etliche Konstruktionsvorschriften für das Arbeiten mit einem solchen Zirkel an, der später auch der „rostige Zirkel“ genannt wurde. Viele seiner Lösungen – speziell seine Methode, ein regelmäßiges Fünfeck zu konstruieren, sind wahrhaft genial. Später experimentierten noch viele andere mit dem rostigen Zirkel, darunter Leonardo da Vinci. Ein englischer Landvermesser namens William Leybourn schrieb 1694 sogar ein ganzes Buch darüber, in dem sich viele abgefahrene Rostige-Zirkel-Konstruktionen finden, aber erst im 19. Jht. lieferte der französische Mathematiker Jean Victor Poncelet einen Beweis, der später von dem Schweizer Jakob Steiner streng durchgeführt wurde, daß alle Konstruktionen, die mit (verstellbarem) Zirkel und Lineal möglich sind, auch mit Lineal und rostigem Zirkel durchgeführt werden können. Sie bewiesen dabei sogar noch mehr, nämlich, daß alle Konstruktionen mit Zirkel und Lineal auch mit einem Lineal alleine durchgeführt werden können, wenn nur ein einziger Kreis mit seinem Mittelpunkt in der Ebene gegeben ist. Im frühen 20. Jht. zeigte man, daß nicht einmal der volle „Poncelet-Steiner-Kreis“, wie er genannt wurde, gebraucht wird – es genügt ein beliebig kleiner Bogen davon (zusammen mit seinem Mittelpunkt).

Die Frage, was passiert, wenn man den Zirkel verstellbar läßt, aber das Lineal wegläßt, stellte sich der italienische Mathematiker Mascheroni. 1797 gab er die Antwort, und die überraschte die Mathematiker seiner Zeit ziemlich. Er fand heraus, daß jede Konstruktion mit Zirkel und Lineal auch nur mit einem (verstellbaren) Zirkel alleine ausgeführt werden kann! Seine Konstruktionen sind unter dem Namen „Zirkelkonstruktionen des Mascheroni“ berühmt geworden. Heute weiß man allerdings, daß ihm der dänische Geometer Georg Mohr zuvorkam: Er veröffentlichte Mascheronis Beweis bereits 1673 in einem unscheinbaren kleinen Buch, das man jedoch erst 1928 entdeckte.

1939 veröffentlichte T. R. Dawson eine sehr skurille Konstruktionsmethode und ein bemerkenswertes (aber wenig bekanntes) Theorem dazu. Zur Verfügung steht eine unbegrenzte Anzahl von gleichlangen Zahnstochern, die als Modell für feste Strecken fungieren, die in der Ebene bewegt werden können. Dawson bewies, daß sich mit den „Zahnstochern“ genau diejenigen Punkte konstruieren lassen, die man mit Zirkel und Lineal erhalten kann. Er gibt Methoden an, eine Strecke zu halbieren, einen Winkel zu halbieren, ein Lot zu fällen und andere elementare Konstruktionen, die seine Behauptung untermauern.
Dawson glaubt, daß man mindestens 11 Zahnstocher braucht, um eine Strecke zu halbieren. Ein Quadrat läßt sich mit 16 Zahnstochern konstruieren; die Halbierung eines Winkels erfordert nur fünf.

Nun bin ich Dir immer noch die Antwort auf Deine Frage schuldig :wink:. Eine Vorschrift, wie sich nun tatsächlich ein Quadrat nur mit einem Zirkel konstruieren läßt, und weitere Informationen zu Abul Wefa, Mascheroni und den Zahnstochern findest Du hier:

http://www.oliver-bieri.ch/mascheroni/default.htm

MfG
Martin

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Der absolute Wahnsinn.
Hallo Martin,

Hätte niemals gedacht, dass sich ernsthafte Mathematiker bereits mit meinem Problem befasst haben. Und auch noch so effizient.
Ich bin zu tiefst überrascht, was alles möglich sein soll.
Werde mich in tiefere Studien vertiefen müssen.

Danke Dir von ganzem Herzen,
Zwergenbrot

Hallo Zwergenbrot,

Das geh kaum nur mit Zirkel. Dazu benötigt man ein Lineal.

Hatte ich mir fast gedacht, daß die Frage so gemeint war. Ich schrieb ja auch ausdrücklich, daß ich Zirkel und Lineal benötigen würde.

Die Konstruktionen auf der schweizer Seite sind übrigens hoch interessant. Da hab ich auch noch was dazugelernt. Also Danke für die gute Frage!

Über das andere Problem muß ich noch etwas nachdenken, ist
aber u.U. nicht lösbar. (Düster meine ich mich an einen Satz
aus der Galoischen Theorie zu erinnern, der besagt, daß eine
Strecke der Länge einer dritten Wurzel nicht mit Zirkel und
Lineal konstruierbar ist. Aber ob ich das noch richtig im Kopf
hab??? Ist schon Urzeiten her…)

Wäre Dir ausgesprochen dankbar, wenn Du den Satz finden
würdest und mir die Quelle nennst.

Hab’ nochmal Literatur gewälzt: In

E. Artin
Galois’sche Theorie,
Teubner

ist es genau das allerletzte Beispiel des Buches, das zeigt, daß die dritte Wurzel aus 2 nicht mit Zirkel und Lineal onstruierbar ist.
(Dürfte also nicht ganz einfach sein das so auf die Schnell mal kurz nachzuvollziehen.)

Trotzdem Viel Erfolg bei Deinen Nachforschungen

Gruß

Helga