Leichter Hypochondrischer Wahn?

Hallo,

meine Freundin hat sich im Laufe ihres jungen Lebens schubweise immer Gedanken gemacht, irgend welche schweren Krankheiten haben zu können (z. B. HIV). Manchmal kommt das Thema monatelang nicht auf, manchmal ist es wieder da und sie berichtet, nachts nicht einschlafen zu können und Panikattacken zu haben, wenn sie daran denkt, dass sie ja nicht weiß, mit wem der 21jährige Dorftrottel, mit dem sie vor zwei Jahren mal eine kurze Affäre hatte, alles schon gepennt hat… Das belastet sie teilweise so, dass sie wirklich lange darüber nachdenkt und sie wohl an nichts anderes mehr denken kann.

Krankheitssymptome hat sie nicht, an sich ist alles in Ordnung (ok, wäre was, würde es einem ja auch nicht auf der Stirn stehen, aber abgesehen davon) - sie möchte aber dennoch nicht zum Arzt gehen, aus Angst, es könnte etwas sein und dann wäre ja ihr Leben zerstört.

Ferndiagnosen sind nicht möglich, das ist mir klar. Aber habt Ihr von solchen Ideen schon mal was gehört? Ich will nicht sagen, dass sie arg psychisch gestört ist, aber es ist halt seltsam - bei jedem kleinen Schnupfen (und sie ist höchst selten mal krank) sollen das schon Vorboten sein.

Was meint Ihr?

Liebe Grüße,

Schnägge

Hallo Schnägge!

Man lehnt sich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man sagt, dass die Geschichte von weitem wohl mehr nach Hypochondrie klingt als nach einer HIV-Infektion.
Ich habe eine kleine Zahl Hypochonder kennengelernt. Die gingen sehr häufig zum Arzt. Hypochondrie wird ja auch mit häufigen Arztbesuchen assoziiert. Andererseits werden natürlich tendenziell eher die Menschen erfasst, die klinisch auffällig werden, weil sie oft zum Arzt gehen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.
Sollte jemand eine ausgeprägte Hypochondrie mit entsprechendem Leidensdruck oder selbstschädigendem Verhalten entwickeln, dann sollte diese natürlich behandelt werden.

Gruß, Stefan

Hi Schnägge,

deine Freundin sollte sich dringend darüber klar werden, dass ihr nur ein Test Gewissheit verschaffen kann. Du könntest versuchen ihr die Logik klar zu machen: solange sie keine Gewissheit hat, wird sie immer wieder diese Panikschübe kriegen…

Lieben Gruß von Suse

Hallo,

ich bin ja (nur) ein Mensch und kein Psychologe *g*

Panikattacken zu haben, wenn sie daran denkt, dass sie ja
nicht weiß, mit wem der 21jährige Dorftrottel, mit dem sie
vor zwei Jahren mal eine kurze Affäre hatte, alles schon
gepennt hat… Das belastet sie teilweise so, dass sie
wirklich lange darüber nachdenkt und sie wohl an nichts
anderes mehr denken kann.

Das klingt für mich nach schlechtem Gewissen, weil sie vielleicht eine Zeit des zügellosen Sexes hatte.
Hatte sie eine Zeit, in der sie wild rumgev****t hat, oder halt kurze und wechselnde Sexualpartner hatte, dies aber moralisch nicht vertreten kann?

Klingt für mich jedenfalls nach moralischem Problem mit Sex.

Gruß Marion

hallo,

was es genau ist, ist ja eigentlich egal. wichtig ist, dass es sie beeinträchtigt. dies würde ich als argument nehmen, um sie zu diesem test zu bewegen.

ihr leben wird nicht durch den test zerstört. den test nicht zu machen, (zer-)stört ihr leben:
* schlaflosigkeit
* panikattacken
* grübeln, ev. depressivität
* sich wahrscheinlich nicht mehr auf sexuelle kontakte einlassen wollen, wegen ansteckungsgefahr und/ oder der notwendigkeit, dem partner dann irgendwann etwas über die angebliche infektion berichten zu müssen
* ggf. bei tatsächlicher ansteckung: gefahr, dass die erkrankung schneller und stärker durchbricht, als es sein müsste. HIV-infizierte werden heute schon im vorfeld, nicht erst bei den schlimmsten symptomen behandelt. dadurch lässt sich der zeitraum, in dem es dem infizierten gesundheitlich gut geht, verlängern.
* lebensplanung: würde sich zumindest bei mir im falle einer HIV-infektion deutlich von der bisherigen unterscheiden. z.b. kinder: die muß sie sich ja versagen, wenn sie von einer infektion ausgeht - will sie solche großen, nicht wiederholbare dinge tatsächlich auf der basis eines verdachts treffen?

ich würde versuchen, ihr dies darzustellen. möglicherweise geht sie ja dann, vielleicht auch mit moralischer unterstützung zum test.

wenn nicht, ist es schwierig, weiteres zu raten. es stimmt zwar, dass uneinsichtigkeit teils symptom einer psychischen störung sein kann, aber letztendlich steht einem oftmals gar nicht zu, zu beurteilen, ob jemand vernünftig/ einsichtig ist oder nicht. d.h. auch wenn jemand uneinsichtig erscheint, muß er trotzdem nicht psychisch gestört sein.

falls man den eindruck hat, es handelt sich um eine psychische störung (in diesem fall käme hypochondrie in frage, aber auch depression oder eine angsterkrankung), kann man das ansprechen. manchmal führt es wirklich dazu, dass ein erkrankter sich in behandlung begibt, wenn man ihm sagt, dass er nach der eigenen meinung psychiatrische hilfe brauchen. viele reagieren auf solche vorschläge wie auf ein rotes tuch. kommt wahrscheinlich auf das verhältnis zwischen den beiden an und auf die form, mit der man seine meinung vorträgt.

als freund oder verwandter kann man nur versuchen, auf den betreffenden einzuwirken. aber wenn er nicht mitmacht, muß man ihn irgendwann seiner entscheidung überlassen.

viele grüße, schokolinda.

Hallo,

Was meint Ihr?

ich wäre vorsichtig und kann mich den Meinungen meiner Vorrednerinnen und Vorredner nur bedingt anschließen.

Wenn sie tatsächlich Hypochonderin ist, dann bringt der HIV-Test in Bezug auf die Hypochondrie wenig: Ein negatives Ergebnis würde sie nur kurzfristig psychisch entlasten. Nach kurzer Zeit würde sie die Testergebnisse anzweifeln, weil sie ihr die „Symptome“ ja beweisen, daß etwas nicht mit ihr stimmt (B-Kriterium für Hypochondrie nach DSM-IV: „Die Beschäftigung mit den Krankheitsängsten bleibt trotz angemessener medizinischer Abklärung und Rückversicherung durch den Arzt bestehen“.).

Hypochonder darauf anzusprechen, daß ihr Problem primär psychisch ist, bringt oft nicht viel, da die Hypochonder ihre „Symptome“ wahrnehmen und sie dadurch in ihrer Überzeugung, körperlich krank zu sein bzw. in der Gefahr zu sein, körperlich krank zu sein, bestätigt werden. Man kann jemanden in diesem Zustand nur sehr behutsam dahin führen, daß auch andere als körperliche Ursachen für die Situation verantwortlich sein könnten. Das braucht Zeit und Geduld.

Sehr schwierig die Sache.

Grüße

Vielen Dank - und Update!
Hallo Ihr!

Vielen Dank für die vielen Meinungen. :smile:

Ich hab daraufhin noch mal mit ihr gesprochen - sie hat nun gesagt, dass auch so seltsame Dinge dazu kommen wie, dass sie sich manchmal denkt

„Wenn ich es schaffe, ohne Blechschaden nach Hause zu kommen…“
oder „Wenn ich heute nie wieder das Wort „Aids“ lese…“
oder "Wenn ich heute bis 0 h keinen Apfel mehr berühre…

  • „dann ist das ein Zeichen, dass ich nichts habe.“

Davon hat sie bislang wohl noch niemandem (außer mir) berichtet, weil es ihr unangenehm ist und sie nicht für bekloppt gehalten will. Ok - aber ich find’s schon etwas merkwürdig, solche Gedanken! Hab ich ihr natürlich nicht gesagt.

Und so viele wechselnde Partner hatte sie meines Wissens auch nicht - nur einen 21jährigen aus einem Mini-Bauerndorf, der wohl schon etwas erfahrener war.

Für mich überwiegt hier die psychische Komponente, ich denke, das ist ihr Problem. Oder wie klingt das? Sie ist jetzt nicht komplett durchgeknallt, sonst ganz normal, geht arbeiten, hat eine Beziehung usw. - nur wohl seltsame Gedanken manchmal.

Liebe Grüße,

Schnägge

da hast du recht, aber ein HIV-test würde auch für diesen aspekt einen gewissensgewinn darstellen. momentan nützt es doch überhaupt nichts, dem problem einen namen zu geben, sondern es sollte etwas getan werden, um das problem zu lösen. hat sie nach dem negativen HIV-test immer noch die überzeugung, infiziert zu sein, oder kommt die überzeugung bald wieder, dann muss man weiter sehen.

Hallo schokolinda,

und Du hast Recht, daß es momentan keinen Gewinn darstellt, dem Problem einen Namen zu geben, v.a. nicht, wenn man noch nicht ausreichend über das Problem im Bilde ist. Um die Namensgebung ging es mir auch nicht, sondern nur darum, zwei kleine Hinweise zu geben, wieso ich mich den Tipps hier nicht anschließen kann.
Aufgrund des Geschilderten vermute ich übrigens, daß der HIV-Test im konkreten Fall wohl keine längerfristige psychische Entlastung bringen würde. Aber ich kann mich selbstverständlich täuschen, weil wir ja nur Informationen aus zweiter Hand besitzen.

Beste Grüße