Leidensgenossen: Psychose, Persönlichkeitsstörung

Hallo,
bin nun schon über 31 Jahre alt und habe kaum Sozialkontakte. Aus ärztlicher Sicht bin ich sogar übertherapiert (oder überbetreut) und habe sehr viele Behandlungsversuche hinter mir bzw. es laufen diese schon seit sieben Jahren (medikamentös u.v.a.m.). Aufgefallen ist mir, dass gerade die fachlich Gebildeten großteil das geringste Verständnis für meine Not zeigen. Leider konnte ich auch bei meinen langen Psychiatrie-Aufenthalten kaum Kontakte knüpfen. Irgendwie fühle ich immer eine breite Ablehnung. Ich habe es auch auf diversen Dating-Seiten im Internet versucht. Die Reaktionen waren sehr, sehr gering, obwohl ich versucht habe, mich positiv darzustellen. Wie kann man positiv seine Einsamkeit begründen, ohne bei einer Antwort die Psychose (Ablehnungsgrund) zu verheimlichen? Ich fühle mich nämlich sehr, sehr einsam und das Schlimmste ist, dass mich niemand liebt. Ich bin auch bei einem Projekt beschäftigt, dass die Leistungsfähigkeit für eine beruflichen Wiedereinstieg misst. Auch sonst bin ich sehr beschäftigt und arbeite viel auf vielen Gebieten. Nur, was hilft mir das alles, wenn mich niemand mag. Ich glaube, meine Ansprüche sind nicht sehr hoch. Im wirklichen Leben ist das Problem, dass mir wegen meiner mentalen Einschränkungen kein Small Talk gelingt. Und wenn ich etwas sage, wird das fast immer falsch interpretiert, weil mein Gesichtsausdruck oder die Stimmlage mit meinen Gefühlen nicht übereinstimmt (ist angeblich bei einer Psychose so). Gibt es irgendwo Foren oder seriöse Angebote für Menschen wie mich? PS: Ein Problem ist meine große Empfindsamkeit oder Verletzlichkeit und meine zeitweises Misstrauen, wechselnd mit allzu blindem Vertrauen.

Hallo Gottfried,
das Problem, das Du beschreibst ist leider ein sehr häufiges.
Viele Menschen mit einer psychischen Erkrankung verlieren den Anschluss an ihre Gruppe, z.b. durch längere Krankenhausaufenthalte oder auch aufgrund von durch die Erkrankung bedingte, für andere „seltsame“, Verhaltensweisen.
Wenn sie dann auf dem Wege der Besserung sind und sich „fit fühlen wieder hinaus zu stürmen“ kommen häufig die Rückschläge durch Ablehnung. Es ist wirklich schwer dagegen anzukämpfen, da ein das „Problem“ nicht zwangsläufig bei einem selbst liegt, sondern häufig durch Berührungsängste entsteht. Viele Menschen wissen nicht was das ist und bedeutet, so eine Psychose. Aus Angst etwas falsch zu machen, oder weil sie nicht abschätzen können, was da auf sie zukommt, wenden sie sich dann ab.
Allerdings kann man dagegen trotzdem etwas tun:
und zwar sich untereinander austauschen und mal anschauen, wie andere mit dem Problem umgehen.
Im Rahmen vieler Kliniken oder Einrichtungen für psychisch Kranke gibt es offene Stammtische, Theatergruppen, Selbsthilfe usw. usf.
Dort findest Du Leute, die dieses Problem mit Dir teilen. Und wie es dann so ist, lernt man dort jemanden kennen der einen mitnimmt auf irgendeine Veranstaltung, woraufhin man wiederum andere Menschen kennenlernt. Für Adressen kannst Du Dich an den bei Dir ansässigen Verein bzw. die Selbsthilfegruppe und natürlich das Internet wenden. Die haben dort Listen und häufig auch Newsletter die einen informieren, wo als nächstes etwas stattfindet.
Im Internet gibt es natürlich auch Angebote, sogar recht viele.
relativ viel los ist zb. hier http://psycho-forum.2l84u.de/
(einem Forum für Psychose-Erkrankte)
auf http://www.Psychiatriegespräch.de findet ein Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Helfern rund um psychische Erkrankungen statt.
Unter http://www.psycho-treff.org/forum/ wird über alle denkbaren Themen geplaudert und es gibt einen dazugehörigen Chat.
Ich bin mir sicher, dass Du bei einem oder mehreren Angeboten Anschluss finden kannst. Dort sind viele viele Leute, die dasselbe Problem haben oder hatten, die Dich sicher gerne an die Hand nehmen und Dir zeigen, wie sie es lösen bzw. gelöst haben- wenn Du sie nur darum bittest und sie lässt.

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Hallo Gottfried!

Ein weiteres Forum, indem du sicherlich Leidensgenossen finden wirst ist http://www.psychotherapiepraxis.at

Viele Grüße
Falk