Leidiges Thema: Sauber werden

Hallo zusammen,

mein Sohn ist 3 Jahre und macht seine ‚kleinen Geschäfte‘ seit ca. einem Jahr zuverlässig auf Toilette bzw. auf dem Topf. ‚Nur‘ der Stuhlgang bereitet uns noch immer Probleme, er sagt einfach nicht das er auf’s Klo muß, sondern macht lieber in kleinen Häppchen in die Hose. Ich habe jetzt, angefangen mit Verständnis über Schimpfen etc., schon alles versucht aber es scheint im irgendwie egal zu sein. Wenn ich ihn Frage: „Sagst Du es mir beim nächsten Mal?“ sagt er „Ja“ und ne Viertelstunde später hängt wieder was in der Hose. Habt ihr ne Idee od. nen Tipp um ihn auch in diesem Punkt vernünftig ins Leben zu bringen? Vielen Dank.

Matthias

Hallo

Eine wirkliche Idee habe ich nicht dazu, aber …

Ich habe jetzt, angefangen mit
Verständnis über Schimpfen etc., schon alles versucht …

„schon alles versucht“ klingt für mich immer wie inkonsequente Erziehung. Ich glaube, dass es besser wäre, seinen Erziehungsstil beizubehalten, und nur zu versuchen selbigen zu verbessern, wenn er nicht so klappt wie man es möchte. Wenn die Eltern jedes Mal was anderes versuchen, wenn ihre Erziehung nicht so funktioniert, worauf soll der Knirps sich denn einstellen?

‚Nur‘ der Stuhlgang bereitet uns noch immer Probleme, er sagt
einfach nicht das er auf’s Klo muß, sondern macht lieber in
kleinen Häppchen in die Hose.
aber es
scheint im irgendwie egal zu sein. Wenn ich ihn Frage: „Sagst
Du es mir beim nächsten Mal?“ sagt er „Ja“ und ne
Viertelstunde später hängt wieder was in der Hose.

Das scheint ja schon eine eingefahrene Sache zu sein.

Diese kleinen Häppchen (alle Viertelstunde?) finde ich aber etwas ungewöhnlich. Kann es sein, dass er versucht, den Stuhl zurückzuhalten, so dass immer nur kleine Häppchen kommen?

Bei fest eingefahrenen Geschichten würde ich am ehesten die Sache mal ruhen lassen (akzeptieren, dass es so ist). Und wenn die Eltern den Zustand ganz sicher akzeptiert haben (das muss aber wirklich so sein, Kleinkinder kann man nicht belügen, sie fühlen es sehr deutlich, wenn was nicht stimmt) dann kann man weitersehen.

Ansonsten würde ich mich ehrlich gesagt an einen Kinderpsychologen wenden und fragen, was der davon hält. Da hätte man ein paar Sitzungen mit dem, und vielleicht bringt das einen weiter.

Viele Grüße
Simsy

Hallo zusammen,

Hallo Matthias,
Bitte mitlesen und im Hinterkopf behalten! Das Folgende sind Überlegungen von mir (keine „Mach-mal-so“-Vorschläge), sind "Ich denke diesunddas, daher würde ich . . . " auch wenn ich es der Einfachheit halber anders formuliere.

sondern macht lieber in
kleinen Häppchen in die Hose.

Das „beweist“, dass es nicht mehr an der mangelnden Kontrolle liegt. Sondern eher, dass es zu einem Kriegs- Auseinandersetzungsschauplatz geworden ist. Es geht nicht mehr um den sachlichen Vorgang, dass da irgendetwas zu entsorgen ist, für alle Beteiligten so wenig unangenehm wie möglich. Es ist zu einem stillen „Machtkampf“ (bitte nicht ganz wörtlich nehmen) ohne Kampfgetümmel und -geschrei geworden, nach wessen Vorstellungen das geschehen soll.

Und damit halte ich es für klar, wie die Lösung aussehen könnte.
Der Machtkampfeffekt muss da wieder raus. Geht auch ganz einfach. Sag ihm, dass du keine Lust hast X-mal am Tag seine Unterwäsche zu wechseln, und die Extrawäsche zu waschen. An Ersatzhosen zu denken, wenn ihr für längere Zeit das Haus verlasst, was alles nicht nötig wäre, wenn er seine vorhandenen Fähigkeit nutzen würde. Bis du dich auf seine Ansagen verlassen kannst, trägt er wieder Windeln. Nicht als Strafe, nicht weil er „wieder Baby ist/sich wie ein Baby verhält“, sondern weil auch du ein Recht darauf hast, dass Dinge, die einfach und wenig Arbeit verursachend geregelt werden könnten, auch tatsächlich so geregelt werden.

Besprich das mit ihm nicht nachdem wieder ein Portiönchen in der Hose ist, sondern unabhängig davon. In einer ruhigen Situation, wenn du wirklich gelassen sein kannst. Und formuliere es nicht als Frage, sondern als Mitteilung, wie du in Zukunft vorgehen wirst. Diskutiere nicht, es gibt nichts zu diskutieren. Die Tatsache dass er Stuhlgang hat, der entsorgt werden muss kann auf zwei Arten geregelt werden. Du willst, dass sie nach deiner Vorstellung geregelt wird, die dazu notwendige Voraussetzung ist vorhanden, also wird sie auch so geregelt. Natürlich nicht so harsch und „Zack-Zack“–formuliert, wie es sich hier jetzt vielleicht liest. Freundlich und nett, aber bestimmt, keinen Zweifel daran aufkommen lassend, dass es so wie besprochen gemacht wird.

Was du als „verhandelbar“ darstellen könntest, ist die Anzahl von Tagen, die er, trotz Windel, verlässlich und rechtzeitig angesagt haben muss dass er auf’s Klo muss, um windelfrei zu werden. Gib eine hohe Anzahl vor, und lass dich auf drei „runterhandeln“. Ich halte nichts davon einem Kind vorzumachen, dass es irgendwo mitentscheiden kann, wo es in Wirklichkeit kein Mitspracherecht hat. Aber vielleicht brauchst du das Gefühl, diese ganze Anforderung etwas abzufedern.

Ja, ich weiß, dass dadurch auch das Pipi machen schwieriger wird. Macht er da denn den ganzen Ablauf allein? Einschließlich hinterher spülen? Manche Kinder haben davor eine Zeitlang Angst. Vielleicht liegt ja da der Knackpunkt. Frage ihn in diesem Zusammenhang mal ein bisschen aus (Formulierungshilfen/Antwortalternativen anbieten, bei so jungen Kindern ist der (aktive) Sprachschatz für ihre Emotionen und Befindlickeiten häufig noch nicht ausdifferentiert genug). Deine Hilfe wird ja ohnehin noch eine ganze Zeit gefragt sein, auch wenn das umstrittende Objekt in Kloschüssel oder Topf landet. Da kannst du ihm auch gleich noch deine Unterstützung zusichern, was dieses so plötzlich aufbrüllende, und lange Zeit spuckende und gurgelnde Monster angeht.

Ist er denn in irgendeiner Form mit anderen Kindern zusammen, Kiga oder so, das wirkt manchmal Wunder.

Ich wünsch euch viel Ruhe und Gelassenheit.

Gruß von Renate und hier:

Eine kleine Geschichte zur Auflockerung:
Das Mädchen, das ich zwei/dreimal nachmittags betreue ist drei Jahre und drei Monate alt. Sie ist „im Prinzip“ zuverlässig sauber. „Im Prinzip“ bedeutet: Tagsüber, während des Mittagsschlaf, während der Nacht ist sie schon gaaaaanz lange zuverlässig und vollständig „trocken“.
Das „große Geschäft“ funktioniert so:
Tagsüber: „Renate, ich brauche eine Windel“ Ich habe dann Zeit ganz in Ruhe eine zu holen und am Kind zu befestigen. Frage ich zehn bis fünfzehn Minuten später, ob die Windel wieder ab kann, folgt meist ein „Ja“. Selten auch mal ein -in deutlich genervtem Ton und mit gen Himmel verdrehten Augen- „Noch nicht!“
Mittagsschlaf und Nachts:
Sie sagt beim Bett-geh-ritual, ob sie eine Windel braucht. Wir nehmen dann nach einer Stunde mal eine Duftprobe in ihrem Zimmer. Es kommt vor, dass eine geforderte Windel ungennutzt bleibt. Jedoch nie, dass sie eine benötigt hätte, aber keine umhatte.
Kinder sind schon seltsame Wesen.

Hallo

Was du als „verhandelbar“ darstellen könntest, ist die Anzahl
von Tagen, die er, trotz Windel, verlässlich und rechtzeitig
angesagt haben muss dass er auf’s Klo muss, um windelfrei zu
werden.

Bis wieviel muss er denn dann schon zählen können? Versteht das ein 3-jähriger?

Ich halte nichts davon einem Kind
vorzumachen, dass es irgendwo mitentscheiden kann, wo es in
Wirklichkeit kein Mitspracherecht hat.

Das finde ich auch.

Viele Grüße
Simsy

Ansonsten würde ich mich ehrlich gesagt an einen
Kinderpsychologen wenden und fragen, was der davon hält. Da
hätte man ein paar Sitzungen mit dem, und vielleicht bringt
das einen weiter.

??
Sorry, aber mit einem 3-jährigen zum Psychologen zu gehen, nur weil
er noch in die Hose macht, finde ich doch sehr übertrieben. Wenn man
wegen jeder Erziehungssache, die nicht auf Anhieb funktioniert, zu
einem Psychologen mit dem Kind rennt, sollte man sich fragen, ob man
überhaupt fähig ist, ein Kind zu erziehen. Das Kind würde ja von
Anfang an einen Schaden weg haben.

Ich hatte mit meiner Tochter auch Probleme mit dem Töpfchengehen. Sie
wollte auch lieber ihr großes Geschäft in die Windel machen, weil sie
es ja seit 3 Jahren so gewohnt war und sich auf dem Töpfchen wohl
eher unsicher fühlte. Natürlich hab ich ihr am Anfang auch alles
mögliche versucht. Und ich muß sagen: alles schimpfen usw. hilft
nichts. Die Kinder müssen selbst darauf kommen, dass es angenehmer
ist, aufs Töpfchen zu gehen, als in die Hose zu machen. Deswegen ließ
ich meiner Tochter die volle Windel mal öfters länger an (natürlich
jetzt nicht über Stunden!). Das wurde ihr dann mit der Zeit doch
unangenehm und sie kam plötzlich von ganz alleine und wollte keine
Windel mehr. Seitdem macht sie alles auf dem Töpfchen oder der
Toilette.

Also, nur keine Panik, wenn es nicht gleich klappen sollte. Dein
Kleiner muß erstmal das Gespür dafür finden, dann wird es schon
funktionieren!

LG

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Hallo Simsy!

Ich stimme mit dir überein, dass konsequent sein sehr wichtig für ein Kind ist, um sich zu orientieren.
Konsequent handeln heißt für mich, dass ich, wenn ich z.B. etwas ankündige, dies auch durchführe. Konsequent handeln heißt für mich ebenfalls, dass ich „berechenbar“ bin, nicht heute das Kind für ein gewisses Verhalten bestrafe und morgen dafür lobe.
Konsequent handeln heißt für mich NICHT, dass ich nicht mehrere Verhaltensweisen/ Reaktionen austesten sollte, um ein gewünschtes Verhalten herbeizuführen.
Dass der Kleine sein „großes Geschäft“ noch in die Windel macht, hat seine Ursache. Wie soll Matthias herausfinden, was nötig ist, damit der Kurze auf´s Töpfchen oder auf´s Klo geht, wenn er nicht unterschiedlich reagiert, mal dieses, mal jenes ausprobiert?
In der systemischen Therapie wird genau DAMIT gearbeitet, dass gewohnte Verhaltensmuster unterbrochen werden. Weil dadurch beim anderen eine Verwirrung ausgelöst wird, die ihm dabei helfen kann, ein neues Verhalten an den Tag zu legen.
Das soll nicht heißen, dass man mit 3jährigen systemisch arbeiten sollte, sondern damit meine ich, dass ich als Erziehender durch unterschiedliche Reaktionen herausfinden kann, womit ich mein Kind gut erreichen kann, bzw. was bei meinem Kind „los“ ist.

Ansonsten würde ich mich ehrlich gesagt an einen
Kinderpsychologen wenden und fragen, was der davon hält.

Das finde ich in diesem Fall völlig unangemessen!

Grüße, jeanne

Hallo Matthias!

Ich zitiere aus meinem Psychologie-Buch:
„Die anale Phase…umfasst im wesentlichen das 2. und 3. Lebensjahr und ist gekennzeichnet durch die Forderungen der Umwelt nach Verzicht auf den sofortigen Vollzug der lustbetonten Entleerung. (…) Soll sie erfolgreich verlaufen, dann darf das Hinführen zur Schließmuskelbeherrschung weder zu früh einsetzen (nicht vor dem Ende des 1. Lebensjahres) noch zu streng gehandhabt werden. Starker Druck auf das Kind, der oft aus Ehrgeiz, oft auch einfach aus Bequemlichkeit ausgeübt wird, (…), Bestrafung, Tadel und vor allem alle Äußerungen der Unlust und des Ekels sowie der Abwertung des Kindes können (…) zu Fehlentwicklungen führen.“

Hinter dem Verhalten deines Sohnes KANN eine psychische Ursache stecken. Da Kinder wenig Möglichkeiten haben, sich gegen etwas zu wehren, wird häufig die Zurückhaltung des Stuhlgangs dazu benutzt, sich den Eltern zu widersetzen.
Bevor du dir jedoch ernsthaft Sorgen machst, würde ich jedoch erstmal noch abwarten, schließlich ist er erst 3.
Probiert doch mal aus:
-den Sommer (zumindest die wenigen warmen Sonnentage) dazu nutzen, das Kind nackt rumlaufen zu lassen. Häufig äußern Kinder dann den Wunsch nach der Toilette, dem Töpfchen. Hat bei der Reinlichkeitserziehung schon häufig Erfolg gezeigt.

  • andere Kinder besuchen und eurem Sohn ermöglichen, ihnen dabei zuzusehen, wie diese auf die Toilette gehen. (Kinder mit größeren Geschwistern werden häufig früher „sauber“ als Gleichaltrige ohne Geschwister, weil sie abschauen, nacheifern.)

Viel Erfolg,
Grüße, jeanne

Ansonsten würde ich mich ehrlich gesagt an einen
Kinderpsychologen wenden und fragen, was der davon hält. Da
hätte man ein paar Sitzungen mit dem, und vielleicht bringt
das einen weiter.

??
Sorry, aber mit einem 3-jährigen zum Psychologen zu gehen, nur
weil
er noch in die Hose macht, …

Ich dachte, die Eltern gehen zum Psychologen.

Wenn man
wegen jeder Erziehungssache, die nicht auf Anhieb
funktioniert, zu
einem Psychologen mit dem Kind rennt, sollte man sich fragen,
ob man
überhaupt fähig ist, ein Kind zu erziehen.

Na ja, ich dachte nur, beim Psychologen ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass er den richtigen Grund rausfindet (im Gespräch mit den Eltern).

Viele Grüße
Simsy

Hallo
meine Tochter war 2,5 Jahre als sie mit dem kleinen Geschäft sauber war.
Das große hat sie immer noch in die Wilde gemacht sie hat sich immer hinter den Vorhang oder hinter die Zimmertür gestellt ist dann gekommen und hat gesagt sauber machen . Das war ihr sehr unangenehm auch wenn sie ein paar Tröpfchen im Höschen hatte kam sie angerannt mama nass.
Das mit der Windel hat sich dann von selbst ergeben. Ich habe ihr aber auch immer wieder gesagt das man das auch ins Clo machen kann.aber ich denke das war nicht der Auslöser.
Es wird zuoft auf bestimmte Sachen gepocht Mit soviel Jahren Sprechen mit soviel Jahren Sauber man sollte bei 3 Jahren noch nicht zuviel erwarten das setzt einen nur unter druck . Es sind nunmal nicht alle gleich. Früher hat man die Kinder mit einem Jahr auf die Töpfchen gestzt bis sie Ringe am Po hatten davon ist man lange weggekommen, nur sieht es so aus als ging alles von vorne los weil irgendwelche Psychologen etwas schreiben oder elternzeitschriften oder es immwieder so super Eltern mit super Kindern gibt( oder so tun als seien sie welche).Nur weil ein Kind Kind mit drei noch nicht ganz sauber ist muß es nicht gleich Krank oder gestört sein oder ein Psychologisches Problem haben.Das hat wohl eher unsrer heute gesellschaft und einstellung.

Moin,

‚Nur‘ der Stuhlgang bereitet uns noch immer Probleme, er sagt
einfach nicht das er auf’s Klo muß,

Wieso muss er das sagen? Kann er nicht einfach aufs Klo gehen?

Gruß
Marion

Entschuldige mal, er ist erst drei! Wieso ist sowas mit 3 schon ein „leidiges Thema“?

Mein Sohn hat noch bis knapp 4 sein großes Geschäft in die Windel gemacht. Und ich glaube nicht, daß er ein Einzelfall war.
GRuß
Aia