ganz nett
Hallo Jakob,
nett ist es erklärt, aber nicht ganz richtig.
Ich erlaube mir, meine Anmerkungen einzufügen in den verlinkten Text:
…
Niemand weiß etwas mit dem Drehmoment anzufangen, obwohl es
eigentlich die ausschlaggebende Größe ist. …
Eigentlich nicht 
…
Um ein Gewicht über eine Distanz zu bewegen, brauchen Sie eine Kraft.
Genaugenommen zur Überwindung der Reibung, denn die horizontale Bewegung eines Gewichtes hat mit physikalischer Arbeit wenig zu tun.
Ist das Gewicht festgeklebt, und bewegt sich somit nicht von der
Stelle, verrichten Sie keine Arbeit (zumindest nicht im
physikalischen Sinn).
Richtig.
Arbeit ist also die Bewegung eines Gewichtes über eine Strecke
(durch die angreifende Kraft).
Falsch.
Wenn man jetzt noch die Zeit mit hinzunimmt, kann man die Leistung
errechnen.
O. K.
Die Leistung ist die Dauer der Arbeit, also die Dauer der Bewegung
eines Gewichtes über eine bestimmte Strecke.
Falsch. Leistung ist nicht Dauer ( Zeit ).
Je mehr Gewicht man in kürzerer Zeit bewegt, umso mehr leistet man
demnach.
Jein.
Angenommen, Sie möchten Motor spielen und haben ein Gewicht von 1N
(= 0.102 kg) an einem Ende eines 1m langen Stabes befestigt, den Sie
am anderen Ende fassen und waagerecht zu halten versuchen. Die (Dreh-
)Kraft, die dazu nötig ist, beträgt 1N × 1m = 1Nm.
Physikalisch richtig heißt das DrehMoment. Der Stab ist dann wohl masselos…
Jetzt stellen Sie sich vor, Sie drehen dieses Gewicht am Ende des
Stabes einmal um 360° gegen einen Widerstand von 1N an.
Hmmh, das Gewicht scheint auch masselos zu sein, denn wieso bremst es sonst auch bei der AbwärtsBewegung statt mir zu helfen?
… Wenn Sie also einen 1N schweren Gegenstand 6.2832m in die Höhe
heben würden, hätten Sie demnach die gleiche Arbeit von 6.2832Nm
verrichtet.
So stimmt´s dann wieder. Es folgen weitere richtige Erklärungen.
Dann wieder so etwas:
Die Einheit von PS lautet N × m/s.
1 Nm/s = 1 W. Das ist zwar nur um einen ZahlenFaktor daneben, aber trotzdem falsch.
Die nachfolgende BeispielRechnung nehme ich einmal ungeprüft als richtig an. Ist aber nicht relevant für die Behauptung, dass das DrehMoment -eigentlich- die entscheidende Größe ist.
Niemand mißt also die Leistung eines Motors direkt. Auf einem
Prüfstand wird immer nur das Drehmoment ermittelt, aus dem sich nach
obiger Formel in Abhängigkeit zur Drehzahl die Leistung errechnet!
Zahlenspielerei und nichts direkt greifbares. Das mag jetzt den ein
oder anderen erstaunen, aber es ist wirklich so!
Jetzt wird es wirklich unsachlich. Nur weil die Leistung nicht direkt gemessen wird ( wie misst man denn das DrehMoment direkt? ) soll die Leistung nun abqualifiziert werden? Technisch richtige Berechnungen als „Zahlenspielerei“ zu diffamieren ist unverschämt. Da helfen dann auch keine AusrufungsZeichen oder Wiederholungen der falschen Aussage.
Witzig geht es weiter:
Für die Stärke der Beschleunigung ist ausschließlich das Drehmoment
verantwortlich.
Vielleicht eher der BMW-Fahrer.
Es sind die Newton-Meter, die man spürt.
Mit einem geeichten Popometer spürt man so Einiges. Welche genau sollen es denn sein - vor oder nach dem Getriebe?
Jedes beliebige Auto beschleunigt in jedem beliebigen Gang exakt so
stark, wie es die Drehmomentkurve vorgibt. Die größte Beschleunigung
erfährt man auf dem Drehmomentgipfel.
Bei VollGas. Ist bei BMW-Fahrern aber vielleicht Standard 
Das heißt auch, daß es keine Unterschiede in der Beschleunigung
ergibt, wenn das Drehmoment von beispielsweise 500Nm bei 4000
anstatt bei 2000 Umdrehungen pro Minute anliegt. Der Formel nach
wäre die Leistung des Motors bei 4000 U/min jedoch doppelt so hoch.
Ist sie auch. Es ist auch ein großer Unterschied, ob ich von 0 auf 100 km/h beschleunige oder von 100 km/h auf 200 km/h. Letzteres ist 3 mal so energieaufwändig.
Dann wird die RadUmfangsKraft aus dem DrehMoment errechnet - also ZahlenSpielerei, oder? Jedenfalls wieder ein ScheinArgument für die Wichtigkeit des DrehMomentes:
Wie man sieht, kann der Zusammenhang zwischen Drehmoment und Schub
deutlicher nicht sein. Mehr Drehmoment bedeutet mehr Vortrieb -
unabhängig von der Drehzahl und unabhängig von der Leistung bei
dieser Drehzahl!
Physiker und Ingenieure wissen, dass DrehMoment, DrehZahl und Leistung ( bei VollGas ) in einem festen Zusammenhang stehen. Wonach man die Gleichung auflöst ist unerheblich.
PS sind für die Beschleunigung also völlig uninteressant, oder…?
Immerhin als Frage formuliert 
Da die Leistungskurve solange ansteigt, bis das Drehmoment schneller
fällt, als die Drehzahl steigt, ist die Leistungsangabe in gewisser
Weise doch wieder ein Hinweis darauf, wie schnell ein Auto
beschleunigen kann. Warum?
Oha, im Laufe der Niederschrift seines Textes scheint der Autor nun doch so weit gereift zu sein, der Leistung einen gewissen StellenWert einzuräumen…
Das Geheimnis sind die Schaltpunkte. Geschaltet werden muß dann,
wenn im nächst höheren Gang mehr Drehmoment zur Verfügung steht, als
im zur Zeit eingelegten.
Man beachte, dass im höheren Gang dann wieder weniger Moment zur Verfügung steht. Das steht zwar im Text, geht aber umrahmt von fahrzeugspezifischen Angaben etwas unter.
Liegen diese Punkte bei hoher Drehzahl, kann man länger in einem
Gang bleiben und muß nicht (wegen der höheren Übersetzung)
Motorkraft zugunsten der Geschwindigkeit opfern.
Hohes DrehMoment bei hoher DrehZahl geht nicht ohne hohe Leistung.
…
…Stellen wir uns nun vor, wir würden den Lamborghini-Motor
ebenfalls mit Turboladern bestücken, die ebenfalls schon ab 2000
U/min das maximale Drehmoment liefern würden, so daß von 2000 bis
5500 Umdrehungen 630 Nm anlägen. Dies würde aus dem Motor eine
brutale Beschleunigungsmaschine machen, die aber - und das ist das
interessante - nicht mehr PS hätte! Rechnen Sie nach.
Der Lamborghini hätte auch nicht mehr Nm. Das brauchen wir nicht nachzurechnen. Es geht also um eine flache MotorKennLinie.
Deswegen beschleunigen Turbodiesel trotz ihrer geringen Leistung
überraschend stark, da sie durch den Turbolader früh das Drehmoment
aufbauen und lange halten. PS sind also eine recht schwammige
Angelegenheit.
Schwammig ist nur die immer wieder einseitige Argumentation.
… dreimal soviel Drehmoment an den Rädern ankommt, der Wagen also
plötzlich dreimal so stark beschleunigt.
Nur wenn die Reifen entsprechenden Grip haben.
Um ersehen zu können, wie stark ein Auto beschleunigen kann, muß man
sich demnach die Drehmomentkurve und das Getriebe ansehen.
Berücksichtigt man dann noch das Gewicht des Fahrzeugs, dann - und
nur dann kann man Aussagen über die zu erwartende Beschleunigung
machen. Das Wissen um die PS-Leistung nützt hierbei eher wenig.
Die Kenntnis des DrehMomentWertes allein ist genausowenig aussagekräftig.
Ich hoffe, ich konnte zeigen, dass DrehMomentFetischisten gerne etwas zweifelhaft argumentieren wenn es darum geht, zu erklären, warum ihre LieblingsKennzahl so aussagekräftig ist.
Freundliche Grüße
Thomas