Hallo Joe,
interessanter Ansatz, das
Und das mit dem leistungsabhängigen Lohn ist ja durchaus ein bekanntes Thema. Allerdings habe ich bisher nur Ansätze miterlebt, die bestenfalls nichts geändert haben. So als Beispiel: Eine Firma definiert mit jedem Mitarbeiter Ziele und Aufgaben (was ja an sich keine blöde Idee ist). Und am Ende des Beurteilungszeitraums wird gezählt (sic!) wieviele Prozent der Aufgaben erledigt wurden.
Sodele, nun steh ich da - und was lerne ich als Arbeitnehmer daraus? „Gut“ bin ich (und „viel Geld“ kriege ich) wenn ich möglichst 100% von meinen Aufgaben erledige. Das heisst, um zeitaufwendige Aufgaben drücke ich mich („das kann der Hubermüller viel besser“), ich schätze meine Arbeit nicht realistisch ein, sondern versuche möglichst viele blitzschnell zu erledigende Sachen in die Liste aufzunehmen. Und vielleicht trickse ich auch noch in die eine oder andere Richtung. Aber ehrlich gesagt - motivieren tut mich das nicht die Bohne (und schon gar nicht die Erbse oder die Rübe). Eher provoziert mich das, dieses System so gut wie möglich zu schädigen.
Was mich hingegen motiviert ist, wenn das Arbeitsklima stimmt. Wenn ich diejenigen Aufgaben erledigen darf, die ich am besten kann. Wenn ich mich mit „meinen“ oder den Zielen der Firma identifiziere. Wenn ich alle notwendigen Arbeitsmittel habe. Wenn ich gewisse Freiheiten, zum Beispiel in der Zeiteinteilung, habe. Wenn meine Kritik oder Verbesserungsideen nicht nur angehört sondern auch umgesetzt werden. Diese Liste lässt sich natürlich noch beliebig verlängern und hier hat wohl jeder etwas andere Prioritäten, aber unterm Strich kann man sagen, wenn das alles „passt“, dann bin ich motiviert, arbeite viel und gut.
Dazu fällt mir noch ein anderes Beispiel ein: ich besitze so ein Regalsystem, das im wesentlichen aus Platten und Verbindungselementen besteht. Nun wollte ich besagtes Regalsystem mal wieder erweitern und hab mir vorher genau aufgeschrieben wieviele Platten und Verbinder ich brauche. Im Möbelhaus x latschte ich also zielstrebig mit Wagen und Zettel zum Regal-Regal und wollte gerade anfangen aufladen.
Da stand plötzlich ein Verkäufer hinter mir. Ob er helfen könne? Nein, denn ich wusste ja ganz genau was ich will. Daraufhin postierte es sich hinterm Wagen und schrieb sein Kürzel auf jedes Preisschild (war natürlich ein gewisser Aufwand, da nahezu jedes Brett und jedes Verbindungsteil einzeln verpackt war *fg*). Soweit so gut - ist mir ja wurscht.
Alles ging gut bis zu dem Zeitpunkt als ich feststellen musste, dass es eine bestimmte Sorte Bretter nicht gab. Gut, daraufhin musste ich spontan umplanen und natürlich mussten auch manche Teile aus dem Wagen wieder ins Regal etc. Der arme Kerl kam mit abzeichnen und durchstreichen gar nimmer nach und wurde immer ärgerlicher, motzte schliesslich, ich solle mich gefälligst mal entscheiden.
Auf meine verwunderte Frage, was er denn da eigentlich tut, lernte ich, dass er nach Provision bezahlt wird. Nun, der arme Kerl konnte natürlich nix dafür, ausser dass er das sehr ungeschickt angestellt hat. Und ich glaube auch nicht, dass ihn dieses System irgendwie motiviert hätte. Im Gegentum, auch er hat versucht, das System so gut es geht zu überlisten.
Oder um irgendwie doch noch den Bogen zu Deiner Frage zu kriegen: Du sagst also (plump ausgedrückt): „Bei x läuft die Maschine 7 Stunden am Tag, bei y nur 6, darum ist x der bessere Mann“. Das wäre richtig, wenn y die restliche Stunde draussen rumlungern und rauchen (oder ratschen oder was halt auch) würde. Das wäre aber grottenfalsch, wenn x vielleicht auf Material warten muss. Oder wenn er komplexere Teile hat, die mehr Programmieraufwand erfordern bzw. die öfters umgespannt werden müssen. Oder wenn es vielleicht etwas gefühlvoller als x arbeitet und dafür nicht so viel Ausschuss macht. Oder wenn die Maschine von y immer mal wieder „zickt“. Oder wenn y viel an der manuellen Maschine (der ohne Stundenzähler) machen muss. Oder was auch immer.
Aaber: so wie ich Deine Frage verstehe hast Du da eine kleine Firma, oder? Das heisst, Du kennst Deine Pappenheimer sehr gut. Und Du siehst, dass y wirklich ständig am Rauchen ist, während x effektiv und zügig arbeitet. z ist vielleicht langsamer als x, dafür sind seine Teile aber immer extrem genau und nichts ist ihm zu schwierig.
Langer Rede kurzer Sinn: wenn Du Deine Leute kennst, motiviere sie nach alter Väter Sitte. Lobe x für seine Schnelligkeit und z für seine Präzision. Und sprich mit y, ob er nicht vielleicht seine Rauchpausen etwas reduzieren kann.
Und dann versuch, das Drumrum so einzurichten, wie es sich Deine Jungs wünschen. Klar, es wird Limits (Räumlichkeiten, Geld) geben, aber überleg mal, was bei Euch fehlen könnte? Rede mit Deinen Jungs, was sie gerne hätten. Binde sie beim eventuellen Kauf neuer Maschinen ein (eine Maschine, die ich mit ausgewählt habe ist „meine“, eine die mir der Chef „vor den Latz knallt“ ist mir eher egal), kauf nette Möbel für den Pausenraum, stell ein paar Pflanzen rein, kauf ein Radio, was auch immer.
Und wenn’s dann gut läuft "Hey Jungs, wenn wir den Kundenauftrag pünktlich fertig haben, gibt’s am Freitag mittag Weisswürschte und Bier (für jeden nen Hunni, einen Tag Sonderurlaub). Und Deine besten Leute kannst Du ja bei der nächsten Gehaltsrunde noch zusätzlich bedenken.
Oder der ganze Roman in einem Satz: Make it their ship.
*wink*
Petzi