Hallo,
ich habe da mal eine Frage. Es geht um das gegenteilige Verhalten von Leistungsbilanz und Kapitalbilanz. Meines Wissens nach ist der Leistungsbilanzsaldo zu ermitteln, indem man von den Exporteinnahmen die Importausgaben abzieht. Ein Exportüberschuss bedeutet demnach also einen positiven Saldo.
Der Kapitalbilanzsaldo hingegen subtrahiert von dem Kapitalimport den Kapitalexport. Ein Kapitalexport entsteht, wenn die Forderungen gegenüber dem Ausland größer werden oder die Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland sinken. Mit anderen Worten, wenn sich die „Verschuldungslage“ ggü. dem Ausland verbessert. Kapitalimport ist das genaue Gegenteil.
Ich hoffe, bis hierhin stimmt erstmal alles.
Angenommen, ein Land exportiert in einer Periode nur, importiert aber nichts. Dann bedeutet das ja, dass der Leistungsbilanzsaldo positiv ist, da die Exporteinnahmen größer als die Importausgaben sind. Wertpapierkäufe etc. sollen in diesem Beispiel nicht weiter berücksichtigt werden, es soll nur der Güterhandel betrachtet werden und die dadurch entstehenden Auswirkungen auf die Kapitalbilanz. Die Kapitalbilanz hingegen muss dann doch betragsgleich, jedoch negativ sein, da diese definiert ist: Kapitalimport-Kapitalexport. Es findet in diesem Fall nur ein Kapitalexport statt, da die Forderungen gegenüber dem Ausland durch den Güterexport gestiegen sind.
Ist das bis hierhin richtig?
Das eben beschriebene Szenario setzt ja voraus, dass die Güter, die exportiert wurden, nicht sofort bezahlt wurden, sondern Forderungen ggü. dem Ausland entstanden sind (Kapitalexport: „Forderungen gegenüber dem Ausland sind gestiegen“). Wie ist das jetzt aber, wenn die Güter direkt bezahlt werden?
Ich tue mich in diesem Fall mit dem Begriff Kapitalexport etwas schwer. Wenn die Güter sofort bezahlt werden, dann „fließt“ doch Geld in das Land und wird nicht exportiert. Warum spricht man dann noch von einem Kapitalexport, obwohl eigentlich Geld zufließt?
MfG,
Tobi