Liebe Diskutierer,
der Begriff ist hinreichend bekannt, um ihn herum wurde schon lang und breit hier diskutiert - siehe Archiv. Wie gesagt: „Um ihn herum“. Denn nach Durchsicht vieler Antworten/Beiträge dort habe ich kaum Inhalte gefunden, kaum Aussagen, was das nun eigentlich ist, was denn nun dahintersteckt, wie er definiert ist, welche Eigenschaften der Deutschen, der deutschen Gesellschaft, der deutschen Mentalität usw. damit verbunden sind. Philipp Gröne hat versucht, die hitzige Diskussion, die sich meist meilenweit vom Begriff entfernte, wieder auf diesen zurück zu bringen … misslungen! Im Fernsehen versuchen die Herren Ministerpräsidenten Koch und Teufel es zu erklären, reden aber auch nur drum herum, bringen kaum Inhalte.
Also: Was versteht Ihr darunter? Bitte keine Polemik, die gab’s schon genug hier.
Sachliche und KURZE Beiträge wünsche ich mir!
Gruss, Stucki
Hi Stucki!
da unsere Kultur sehr eng mit der christlichen Religion verwuselt ist (Beweis: arbeitsfreie Tage bei christlichen Festen) gibt es ab 2000:
Weihnachtsbäume für Moslems
Ostereier für Hindus
und trotzdem bezahlte arbeitsfreie Tage für die vielen Inder!
Ayla, die gerade einen Gutschein für einen Weihnachtsbaum vom Chef bekommen hat…und sich fragte, was der moslemische Kollege damit machen wird…
es gibt keine ‚Leit‘-kultur
Was Merz wirklich gemeint hatte, hat weniger mit Kultur als mit Gesetzen zu tun. Er wollte nur darauf hinweisen das sich Ausländer an die Werte im Grundgesetz halten sollen. Natürlich kann man sich jetzt fragen, warum denn Herr Merz erstmal grundlegend davon ausgeht, dass sich Ausländer nicht ans Grundgesetz halten wollen. Aber wir wollen ja keine Polemik.
Leitkultur gibt es schon allein deshalb nicht, weil sie definitionsgemäß etwas feststehendes sein muß. Sonst könnte man sich ja nicht von ihr anleiten lassen. Kultur befindet sich aber immer im Wandel. Zur deutschen Kultur gehören Namen wie Goethe oder Schiller, auch die bayrischen Lederhosen. Aber da sich die Kultur im Wandel befindet gehört ebenso der Italiener um die Ecke mit zur Kultur, oder der türkische Gemüseladen, oder, oder, oder …
warum wir?
Die Pressestelle der CDU erreichen Sie telefonisch unter
030 / 220 70 - 143 oder - 144.
sag doch mal hier an, was da rauskommt…
gruss
khs
Ganz falsch, Du mußt den Leitartikelmenschen der Zeit anrufen, der hat 1998 den Begriff Leitkultur erfunden.
Die Zeit wird ja wohl keiner in die rechte Ecke stellen, oder?
Gruß
Rainer
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Na was denn wohl, nen Weihnachtsbaum kaufen, logisch.
Was glaubst Du, was bei meinen türkischen Mitarbeitern los wäre, wenn es keine Weihnachtsgeschenke gäbe, die Kinder würden einen Riesenkrach machen.
Ostereier finden die auch gut, und den Milkahasen *ggg*
Gruß
Rainer
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na wenn schon
dann war es dieser soziologie-professor aus - ich glaube - syrien - habe vor ca 2-3 wochen ein interview mit ihm im hr gehoert - falls nicht bekannt, sag mal an, dann such ich das mal…
gruss
kuddel
Ist bekannt, der hat einen deutschen Pass und einen Lehrstuhl an der Uni, der liest offenbar die Zeit, lies mal die FAZ von heute, das Original ist von Sommer.

Rainer
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vielleicht wurde er
ja immer nur falsch zitiert, und er sagte leidkultur…

kuddel
dann war es dieser soziologie-professor aus - ich glaube -
syrien - habe vor ca 2-3 wochen ein interview mit ihm im hr
gehoert - falls nicht bekannt, sag mal an, dann such ich das
mal…
Das war Bassam Tibi, das habe ich Euch doch schon gesagt, aber Ihr hört nicht zu!
ja immer nur falsch zitiert, und er sagte leidkultur…
kuddel
Könnte sein *g*
heute stand in der FAZ, daß schon Thomas Mann 1928 einen Artikel zur Leit-Cultur (noch mit C) geschrieben hat, das Problem ist wohl schon etwas älter.
Gruß
Rainer
An alle: Was isses denn nun?
Bis auf Thomas hat noch keiner was zu Inhalten gesagt!!!
„Inhalte“ - das war meine Frage!!!
Es ist mir völlig egal, wer den Begriff erfunden hat, ein heutiger Politiker hat ihn benutzt und instrumentalisiert.
Warum ist’s so schwer, ihn mit Inhalten zu füllen?
Gruss, Stucki
Lieber Stucki,
das Problem sehe ich genau da, wo du suchst: Es gibt überhaupt keine auch nur annähernd exakte Definition, sondern nur dieses schwammige Wort, das ja auch ausschließlich von CDU/CSU verwendet wird. Wenn man so einen undefinierten Begriff prägt und nach tagelanger Diskussion, trotz heftiger Gegenwehr selbst im eigenen Verein, immer noch nicht merkt, in welche Tradition man sich damit stellt, und wenn man obendrein noch darauf beharrt, diesen Begriff in ein Programmpapier dieses Vereins aufzunehmen, dann wirft das ein schiefes Licht auf alle anderen Begriffe, die darin womöglich genauso undefiniert und undifferenziert verwendet werden. Das Ergebnis: man polarisiert.
Genauso bezeichnend für den intellektuellen Zustand dieses Vereins ist es dann, wenn man auf die dadurch von den deutschen Juden gestellten, natürlich sarkastisch formulierten Fragen so wie Herr Glos von der CSU reagiert und Paul Spiegel vorwirft, er sei derjenige, der damit „polarisiere“. Wer, wenn nicht die Deutschen jüdischer Religion, haben schließlich erleben müssen, was man unter Umständen unter solchen saublöden, rein populistisch verwendbaren Begriffen zu verstehen und womöglich als Ergebnis aus dieser - ich sage es: - Volksverhetzung - zu erwarten hat.
Bei der Überprüfung der NPD sollte man gleich auch mitprüfen, ob die „Yuppies“ in der Führungsetage der CDU/CSU, die zur Zeit ungebremst das große Wort führen, nicht auf Grund ihres Status innerhalb einer offiziell als „demokratisch“ eingestuften Partei mit ihrem dummen Gerede nicht mehr Schaden anrichten als die Dumpfbacken von NPD etcetera, die sich von diesen Leuten eigentlich nur dadurch unterscheiden, schon rein äußerlich als etwas unterbelichtete Gestalten aufzufallen.
Das ist jetzt auch polemisch, aber mit Nächstenliebe, Aufklärung und Freundlichkeit allein kann man gefährliche Dummheit leider nicht bekämpfen.
Gruß Erich
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Bis auf Thomas hat noch keiner was zu Inhalten gesagt!!!
„Inhalte“ - das war meine Frage!!!
Es ist mir völlig egal, wer den Begriff erfunden hat, ein
heutiger Politiker hat ihn benutzt und instrumentalisiert.
Warum ist’s so schwer, ihn mit Inhalten zu füllen?
weil jeder da den begriff mit inhalten füllen will gleich in eine ecke geschoben wird wo er garnicht hin will oder hingehört.
cu
Gruss, Stucki
Na gut, ich versuch es mal…
Hi Stucki
Deutsche Leitkultur bedingt etwas spezifisch oder überwiegend Deutsches, das heisst es muss auf die überwiegende Mehrzahl der Deutschen zutreffen und auf alle anderen NICHT! Da kommt man gleich zum ersten Problem: was ist alles deutsch… BRD&DDR, soll man Österreich und Südtirol noch mit einbeziehen, das Elsass und die Deutschschweiz? oder gar Namibia…
Speziell deutsch ist m.E. ein gewisser Hang zum Perfektionismus, die deutsche Sprache, und das fehlende Tempolimit auf Autobahnen sowie die dazugehörige Diskussion. *g*
Was auch sehr Charakteristisch für D ist, ist das föderale Prinzip, (Halt, gibt es noch in A und CH…) und die starke kulturelle Gliederung, aber damit kommen wir dann eher auf die Nichtexistenz einer „deutschen“ Leitkultur…
Vieles Kulturelles, was von D ausging, (z.B. Musikalisch, Sozial Technisch) gehört heute zum Welt-, bzw europäischen Kulturerbe und ist somit nicht mehr (!) spezifisch deutsch.
Der etwas mies gewählte Begriff „Leitkultur“ impliziert zum einen eine Überlegenheit der einen Kultur über eine andere. Dies kann natürlich sehr wohl der Fall sein, eine Kulturform, die die subjektiven Bedürfnisse der Menschen besser erfüllt, wird eine andere allmählich verdrängen, bzw mit dieser eine Synthese eingehen.
Dieses Gefasele von der „Gleichheit der Kulturen“ geht mir ziemlich auf die Nerven. Wer jemals eine Kulturform gesehen hat, wo der Grossteil der Bevölkerung mit 40 an irgendwas stirbt, 70% Kindersterblichkeit , und Frauen ab dem 16 Lebensjahr ihre Fussspitzen nicht mehr sehen, weil sie permanent schwanger sind, dann weiss man, was man an der westl. Kultur hat.
Die Beschränkung des Wortes „Leitkultur“ auf rein rechtliche Betrachtungsweisen ist natürlich totaler Quatsch, man sollte eher von westlichen Grundwerten reden da ist nämlich Toleranz und Liberalismus gleich inclusive. Das sind weiss Gott keine rein „deutschen“ Produkte, sondern eher alles nach dem 1 WK importierte…
So,
mehr fällt mir dazu auch nicht ein…
vielleicht nicht allzu hilfreich,
Gruss
Mike
Im
Fernsehen versuchen die Herren Ministerpräsidenten Koch und
Teufel es zu erklären, reden aber auch nur drum herum, bringen
kaum Inhalte.
Hallo Stucki,
und damit hast Du Dir die Antwort grösstenteils schon selbst geliefert. Es geht nämlich wie nur allzu häufig nicht um Inhalte, sondern es sind bestenfalls Illusionen von Inhalten. Fällt Dir nicht ebenfalls auf, wie die Politiker in den Medien in Schlagworten und -bildern „ihre Sache“ zum besten geben? Ganz „normaler“ Populismus. Sei es nun, dass sich ein Polenz für die Kameras vor ein Plakat stellte, dass die Öko-Steuer zur „ko-Steuer“ machte; sei es, dass die Opposition Postkarten-Karrikaturen vor die Linsen hielt, auf denen sich der deutsche Autofahrer den Benzinschlauch gleich einer Pistole an die Schläfe hielt; sei es, dass Schröder die Stimme in seinen Reden ab und an laut werden lässt, aber dieser Nachdruck genauso inhaltsleer ist; oder sei es nun die „Leitkultur“.
Es kommt mir vor, als würden Schlagworte und -bilder erst einmal auf ihre Wirkung bei Meinungsmachern und -entgegennehmern getestet und anschliessend mit irgendwelchem Inhalt gefüllt werden. Oder bildlich gesprochen: Jemand haut vehement eine Tasse auf den Tisch, und sobald jemand aufguckt, wird darüber gestritten, ob nun Kaffee oder Tee ins Gefäss kommt, worüber man dann auch noch wiederum streiten kann, ob es sich überhaupt um eine Kaffee- oder Teetasse handelt.
Ich habe…, hmm, ich bin fertig!
Marco
Hallo,
Warum ist’s so schwer, ihn mit Inhalten zu füllen?
weil ihn - typisch für populistische Begriffe - jeder mit seinen eigenen Inhalten füllen kann.
Merz hat hier - wie ich meine, absichtlich - einen schwammigen Begriff gefunden und verbreitet, den eben auch die extreme Rechte mit ihren Inhalten füllen kann. Die CDU kann sich aber bei Bedarf auf die Aussage zurückziehen, dass es nur um die Einhaltung der Gesetze und die Verfassungstreue geht. Dafür hätte man aber diesen Begriff nicht gebraucht, denn das ist schon allgemeiner Konsens.
Deine Frage nach den Inhalten geht also m.E. am Problem rund um diesen Begriff vorbei.
Gruss, Stucki
Salzmann
LeidKohlTour
vielleicht hat er auch das gemeint! (taz mag vom 18./19.11.00)
Wolfgang
Hallo, ich habe mal bei www.cdu.de nachgesehen. Dort schreibt Merz:
"Einwanderung und Integration können auf Dauer nur Erfolg haben, wenn sie die breite Zustimmung der Bevölkerung findet. Dazu gehört, dass Integrationsfähigkeit auf beiden Seiten besteht: Das Aufnahmeland muss tolerant und offen sein, Zuwanderer, die auf Zeit oder auf Dauer bei uns leben wollen, müssen ihrerseits bereit sein, die Regeln des Zusammenlebens in Deutschland zu respektieren.
Ich habe diese Regeln als die „freiheitliche deutsche Leitkultur“ bezeichnet. Die Formulierung hat reflexartig Empörung ebenso ausgelöst wie breite Zustimmung. Nachdenklich macht besonders der Hinweis, die Kritik sei deshalb richtig und verständlich, weil es - möglicherweise wegen einer seit Jahren versäumten Debatte um Wertmaßstäbe und einen allgemeinen gesellschaftlichen Minimalkonsens - gar keine allgemein akzeptierte Definition dessen mehr gibt, was wir unter unserer Kultur verstehen, ja, eine Begrenzung gebe es nur noch durch die Gesetze, nicht mehr durch einen gemeinsamen, wertorientierten gesellschaftlichen Konsens.
Wenn dieser Hinweis richtig ist, dann sollten wir nicht über Begriffe, sondern über Inhalte streiten. Nur wenn wir uns darüber Klarheit verschaffen, kann ein Konzept zur Einwanderung und Integration wirklich gelingen.
Zur freiheitlichen Kultur unseres Landes gehört ganz wesentlich die Verfassungstradition unseres Grundgesetzes. Sie ist geprägt von der unbedingten Achtung vor der Würde des Menschen, von seinen unveräußerlichen persönlichen Rechten, von den Freiheits- und Abwehrrechten gegen den Staat, aber auch von Bürgerpflichten. Das Grundgesetz ist damit wichtigster Ausdruck unserer Werteordnung und so Teil der deutschen kulturellen Identität, die den inneren Zusammenhalt unserer Gesellschaft erst möglich macht.
Die deutsche Kultur ist nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend von der europäischen Idee geprägt worden. Deutschland als Land in der Mitte Europas und die Deutschen haben sich identifiziert mit der europäischen Integration, mit einem Europa in Frieden und Freiheit, basierend auf Demokratie und sozialer Marktwirtschaft.
Zur Identität unserer Freiheitsordnung gehört die in Jahren und Jahrzehnten erkämpfte Stellung der Frau in unserer Gesellschaft. Sie muss auch von denen akzeptiert werden, die ganz überwiegend aus religiösen Gründen ein ganz anderes Verständnis mitbringen. Wir können und dürfen auch im Hinblick auf den Religionsunterricht und vieles andere die Entstehung von Parallelgesellschaften nicht dulden. Das kulturelle Miteinander und die gegenseitige Bereicherung durch kulturelle Erfahrungen aus anderen Ländern stößt an ihre Grenzen, wo der Minimalkonsens zur Freiheit, der Menschenwürde und der Gleichberechtigung nicht mehr eingehalten wird. Für das Zusammenleben mit Ausländern ergeben sich daraus Konsequenzen. Menschen unterschiedlicher Herkunft können in einem freiheitlichen Land nur auf der Grundlage allgemein akzeptierter Werte ihre Zukunft gemeinsam gestalten. Eine erfolgreiche Einwanderungs- und Integrationspolitik muss darüber hinaus darauf bestehen, dass die deutsche Sprache verstanden und gesprochen wird. Dies ist nicht nationaler Sprachchauvinismus, sondern Grundvoraussetzung eines friedlichen Miteinanders in unserem Land, es ist die kulturelle Basis auch dann, wenn das Grundgesetz dazu schweigt."
ohne Kommentar
Andreas