hallo ralf,
denk nicht, daß dein manuskript, wenn du es ein/er lektor/in gibst, fertig ist! du hast das rohmaterial geliefert, jetzt kommt erst der schliff. holzbretter werden ja auch gehobelt und geschliffen, bevor man die maserung bestmöglich herausgearbeitet hat.
aber du mußt schon großes glück haben, um einen lektor/in zu finden, unter deren händen dein werk zur vollen blüte gedeiht. eine fähige lektorin wird deinen text hinterfragen, eventuell sogar in deinem kopf demontieren und deine lieblingsszenen streichen, wenn sie die story nicht weiterbringen.
bei all dem macht sie aber immer nur vorschläge! das heißt, du kannst die vorgeschlagenen änderungen durchführen oder du läßt es. das zu entscheiden steht nur dem autor an. deshalb findet ein richtiges lektorat auch immer in mehreren arbeitsgängen wechselseitig zwischen lektor und autor statt.
eine so individuelle sache kann keinen qualitätsstandart haben, genausowenig wie ein gemaltes kunstwerk nach qualitätsregeln zu bewerten ist. natürlich gibt es das handwerkliche, das sowohl beim schreiben als auch beim malen (und jeder anderen kunst) beherrscht werden muß. alles andere darüberhinaus ist meinung, hängt vom zeitgeschmack, der wetterlage und der stimmung des rezipienten ab.
vielleicht meinst du aber wirklich ein korrektorat? das ist der arbeitsprozess, bei dem der korrektor (oft eine nebentätigkeit des lektors) schreibfehler ausmerzt, interpunktion berichtigt und noch ein bißchen an der grammatik dreht, wenn es nötig ist. das kann er (oder sie) selbständig machen und präsentiert dem autor das endergebnis. vorher sollte man sich allerdings darauf einigen, wie weit der korrektor eingreifen darf (z.b.: darf er einen satz umstellen, wenn er der meinung ist, daß dann der sinn besser herauskommt? hier gehen korrektorat und lektorat oft ineinander über).
und: so gut wie nie ist ein text gänzlich fehlerfrei. das geht einfach nicht. man kann nur durch mehrfache wiederholung des kompletten korrekturlaufs die fehler mehr und mehr ausdünnen, bis sich schließlich die fehler nicht mehr bemerkbar machen. es ist wie steine aus einem acker lesen: immer sind noch welche da. nur sollten dann wirklich alle felsbrocken und stolpersteine ausgeräumt sein.
richtwerte, was so etwas kostet, kannst du den empfehlungen des verbandes freier lektoren und lektorinnen (vfll) entnehmen: http://www.vfll.de/pages/honorare/honorare.php
dabei muß man aber auch wissen, daß immergültige festpreise unmöglich sind, denn neben der bloßen textmenge ist immer die arbeitstiefe der preisbestimmende faktor. letztlich ist es verhandlungssache und die preise sollten wirklich nur als richtwerte verstanden werden.
vielleicht doch noch eins zur qualität: das lektorat war dann gut, wenn plötzlich auch fremde, die ja nicht befürchten müssen, durch ein kritisches urteil ihre freundschaft mit dir zu gefährden, deine story verstehen und so gut finden, daß sie mehr davon lesen wollen.
wenn du weitere fragen hast, gern per mail.
schöne grüße
ann