Das Film-Gremium/Birth of a Nation
Hallo Uwe,
also ich habe nochmal in Leni Riefenstahls Biographie gewühlt.
1958 sollte der Film nochmal in den (deutschen) Kinos gezeigt werden. Die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) war sich offensichtlich nicht sicher, ob der Film nicht Nazi-Propaganda ist. Daraufhin schrieb der für die Durchführung der Olympischen Spiele 1936 verantwortliche Generalsekretär, Prof Dr. Carl Diem 1958 einen Empfehlungsbrief an die FSK, in dem er u.a. erklärte, dass der Film 1956 (!) in den „USA von einem Gremium bekannter Filmregisseure unter die zehn besten Filme der Weltproduktion eingestuft“ wurde (Leni Riefenstahl, Memoiren 1945-1987, S. 173ff.)
Mehr habe ich nicht gefunden.
Also 1956 ja, nicht 1958.
Was das wert ist? Da ich nicht herausgefunden habe, was das für Filmregisseure waren, kann ich das nicht sagen.
Dass aber Riefenstahls Filme von der Technik, vor allem ihre Schnitttechnik und ihre Kameraperspektiken, ihre Dramatik Filmgeschichte geschrieben hat, ist unbestritten. Die Olympiafilme habe ich auf Video, „das blaue Licht“, der das Highlight ihres Schaffens sein soll (1932, ihr erster Film als Regisseurin), habe ich ledier (noch) nicht gesehen.
Außerhalb Deutschlands werden ihre Filme als „Lehrfilme“ verwendet. Selbst „Triumph des Willens“ über den Parteitag 1935 hat Kameraperspektiven und -fahrten, die man so noch nicht gesehen hat.
Ich selbst halte sie für bestenfalls politisch ignorant, aber künstlerisch genial.
Ihre Ästhetik wird aber auch als „faschistische“ Ästhetik diskutiert. (Susan Sonntag z.B.)
Wie auch immer, da kann man spannend drüber diskutieren.
Birth of a Nation
Der erste „Spielfilm“, ein Meilenstein der Filmgeschichte und technischer Innovation, eigentlich die Geburt des Spielfilms wie wir ihn heute kennen, ist z.B. „Birth of a Nation“ von D.W. Griffith 1914. Der Film wird heute auch als Reklamefilm innerhalb Kukluxklans verwendet. Es handelt vom amerikanischen Bürgerkrieg ( sowohl Vom Winde verweht als auch Fakeln im Sturm haben hier schamlos geklaut) und ist übelst rassistisch (die Helden sind die Kukluxklan-Männer). Trotzdem wurde hier fast alles, was heute einen guten Spielfilm ausmacht, das erste Mal versucht.
Beste Grüße,
barbara