Lese-Rechtschreib-Schwäche

Hallo an alle!

Ich bin ein wenig durcheinander. Mein jüngster Sohn (8) ist auf Lese-Rechtschreib-Schwäche getestet worden. Die Aussagen des Sozialarbeiters, der diesen Test vorgenommen haben, waren allerdings etwas konfus, weil er darauf bestand, dass mein Sohn ein Hörproblem hat.
Bei einem Termin beim Kinderarzt konnte durch einen Hörtest festgestellt werden, dass er einwandfrei hört.

Allerdings hat der Kinderarzt nach Duchsicht des Testergebnisses gesagt, dass eine Lese-Rechtschreib-Schwäche vorliegt.

Ich bin total verunsichert! Ist es eine schwache, mittlere oder stärkere Schwäche oder sogar eine Legasthenie? Könnte man dies überhaupt genau feststellen? Ich habe eigentlich das Gefühl, dass bei ihm der Knoten noch nicht „geplatzt“ ist, d.h. dass er noch ein paar Monate braucht.

Er würde nach den Sommerferien „Nachhilfe“ bekommen, bis dahin würde ich ihn gerne mit besonderen Arbeitsheften fördern, aber welche sind da wirklich sinnvoll?

Gruß

Wuschel

Hai, Wuschel,

Problem Hörtest. Kinderärzte überprüfen beim Hörtest üblicherweise nur, ob Töne ab einer bestimmten Lautstärke überhaupt gehört werden - natürlich auch verschiedene Frequenzen. Es gibt aber einen Hörfehler, bei dem zwar auch die allerleisesten Geräusche wahrgenommen werden, aber z.B. bestimmte Laute nicht auseinanderhalten können.
Ein KA überprüft also nur, ob das Gehör funktioniert, nicht, ob die Signale auch richtig verarbeitet werden, also z.B. das harte von dem weichen „B“ :wink: unterschieden wird. Die Auswirkungen dieses Laute-nicht-unterscheiden-könnens sind denen der Legasthenie sehr ähnlich.

Z.B. bei dem Kind eines Bekannten: der hat immer Pempibel, statt sensibel gesagt und ich war Pibylle - das war ja soo süß, alle fanden es niedlich und haben damit (unbewusst) genau das Buchstaben-falsch-verstehen verstärkt. Die Probleme sind dann in der 2. Klasse aufgetaucht. Ich glaube, es war ein Logopäde, der das Problem dann gefunden hat. Für den Kleenen - der jeden Hörtest mit Bravur bestanden hatte - war es nur mit viel Training möglich, die Laute s und p zu unterscheiden.

Watt tun?
Zunächst mal mit dem KA sprechen. Üblicherweise wissen die, bei wem man solche Probleme richtig überprüfen und dann auch lösen kann - ein Sozialarbeiter ist üblicherweise nicht in der Lage, Legasthenie von einem Hörproblem zu unterscheiden.
Dem Gör genau zuhören - werden bestimmte Laute beim Sprechen immer falsch gesagt? Beobachten: Wirst Du nur verstanden, wenn das Kind Dir ins Gesicht sieht, oder auch bei weggedrehtem Kopf? Scheint Dein Kind Verständnisprobleme zu haben, wenn ein erhöhter Geräuschpegel herrscht, oder rundherum andere Gespräche stattfinden?
Was Du beobachtet hast (aufschreiben, damit nix durcheinandergewürfelt wird) erzählst Du dann dem, an den Dich der KA verwiesen hat.

Gruß
Sibylle

Hallo!

Mein jüngster Sohn (8) ist auf Lese-Rechtschreib-Schwäche getestet
worden…

Lesen, das Gelesene sauber artikuliert wiedergeben, dabei den Zusammenhang vom Buchstaben über die Silbe und das Wort bis zum Satz verinnerlichen, einüben und das Ganze auch noch mit Freude - ich würde den Sprößling für eine Theatergruppe zu begeistern versuchen.

Wenn Dein Kind organisch gesund ist, auch einwandfrei hören kann, hilft weder dem Kind noch Dir die Festellung von Schwächegraden. Ich würde dem Kind auch nicht das Bewußtsein vermitteln, es wäre mit irgendeinem Defizit behaftet. Wenn es Schwächen gibt, wird eben entgegen gewirkt. Die schon erwähnte Theatergruppe und zusätzlich lesen, lautes Vorlesen halte ich für zielführend. Das kann man altersgerecht spielerisch gestalten. Auf Anhieb fallen mir Gesellschaftsspiele ein, bei denen sich die Spieler gegenseitig mit Fragekarten Fragen stellen, die der Gegenspieler beantworten muß. Außerdem gibt es Dutzende Spiele, bei denen aus einzelnen Buchstaben Silben und Worte zu bilden sind. Auch Kreuzworträtsel können sehr nützlich sein.

Als einmalige Veranstaltung bringt das alles natürlich nichts, aber als regelmäßiges Familienzeremoniell haben alle einschließlich des Familienlebens etwas davon. Ganz ohne Sozialpädagogen, Therapeuten und Krankenkassen.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wuschel,

Hörtest:
nur ein auf Kinderaudiometrie spezialisierter HNO oder Hörgeräteakkustiker kann klar feststellen, ob und wenn ja welche Hörschwäche vorliegt. Alles andere ist grobes Gerate!

Schreibschwäche:
Auch unser großer quält sich mit so was ab. Allerdings wurde uns gesagt, daß wir bis zum Ende der 2.Klasse warten sollen, weil viele dann einen Spätstart hinlegen.

Gandalf

Hallo Wuschel,

Ich bin ein wenig durcheinander. Mein jüngster Sohn (8) ist
auf Lese-Rechtschreib-Schwäche getestet worden. Die Aussagen
des Sozialarbeiters, der diesen Test vorgenommen haben, waren
allerdings etwas konfus, weil er darauf bestand, dass mein
Sohn ein Hörproblem hat.
Bei einem Termin beim Kinderarzt konnte durch einen Hörtest
festgestellt werden, dass er einwandfrei hört.

Hmm, wieso ein Sozialarbeiter? Das hört sich so an als wenn er Probleme bei der Lautumsetzung hat. Kleines Beispiel von meinem Sohn(7 1/2) wenn er „geben“ schreiben will wird daraus „gbn“ weil beim Buchstabieren Anfangs lautiert, also ohne Mitlaute Buchstabiert wurde, und sie nun das Alphabet mit Mitlauten verwenden. Und da wird aus „g“ „g_e“, aus „b“ wird „b_e“ und aus „n“ „e_n“. Da meiner aber schon vorher Probleme beim Hören von Lauten hatten konnte ich es recht schnell zuordnen, nur leider hört er nicht auf mich beim schreiben weiterhin zu lautieren mit den Buchstabenlauten :frowning:

Allerdings hat der Kinderarzt nach Duchsicht des
Testergebnisses gesagt, dass eine Lese-Rechtschreib-Schwäche
vorliegt.

LRS deckt vielfältige Schwächen ab, auch aus dem Hör- und Sehbereich.
Es ist eine Schwäche mit der man lernen muss umzugehen, sie ist aber definitiv nicht heilbar. Was aber nicht heißt das ein Leghasteniker dumm ist !!! Im übrigen wird LRS erst verbindlich in der 3.Klasse festgestellt, vorher ist es nur eine Lernschwäche.

Ich bin total verunsichert! Ist es eine schwache, mittlere
oder stärkere Schwäche oder sogar eine Legasthenie? Könnte man
dies überhaupt genau feststellen? Ich habe eigentlich das
Gefühl, dass bei ihm der Knoten noch nicht „geplatzt“ ist,
d.h. dass er noch ein paar Monate braucht.

Du musst nur wissen wie die Schwäche sich zeigt um entsprechend gegensteuern zu können, soll heißen das du dann deinem Kind entsprechende Handlungshilfen beibringts damit die Schwäche nicht allzusehr auffällt.

Er würde nach den Sommerferien „Nachhilfe“ bekommen, bis dahin
würde ich ihn gerne mit besonderen Arbeitsheften fördern, aber
welche sind da wirklich sinnvoll?

Nun das ist abhängig davon welches Problem er denn da genau hat. Sollte im Testergebnis drin stehen.
Die Nachhilfe sollte sich auch an seiner Lernschwäche orientieren, stures Pauken hilft gar nicht. Viel lesen und schwere Wörter spielerische erarbeiten ist in diesem Alter die bessere Option.
Und schimpfen hilft auch nicht…

Schöne Grüße
Andrea

Hallo Wuschel, hallo Andrea,

Er würde nach den Sommerferien „Nachhilfe“ bekommen, bis dahin
würde ich ihn gerne mit besonderen Arbeitsheften fördern, aber
welche sind da wirklich sinnvoll?

Nun das ist abhängig davon welches Problem er denn da genau
hat. Sollte im Testergebnis drin stehen.
Die Nachhilfe sollte sich auch an seiner Lernschwäche
orientieren, stures Pauken hilft gar nicht.

Das möchte ich nochmal betonen. Eine Lese-Rechtschreib-
schwäche kann nicht durch generelles Üben behoben werden.

Viel lesen und
schwere Wörter spielerische erarbeiten ist in diesem Alter die
bessere Option.
Und schimpfen hilft auch nicht…

Im Gegenteil.

Und zu den ganzen Hörtests, möchte ich noch einen Sehtest
empfehlen. Und zwar einen der auf Doppelsichtigkeit abzielt,
kein reiner Kurz- oder Weitsichtigkeitstest.
Gruß
Elke