Liebe Susanne,
es ist, finde ich, immer eine gute Idee, mehr Zeit für ein Kind zu haben. Ich kann aus eigener leidvoller Erfahrung nur bestätigen, dass es einem Kind sehr nützt, wenn einer öfter einfach nur für das Kind da ist. Es kann gut sein, dass es sich bei den vielen Fehlern tatsächlich um ein konzentrationsbedingtes Problem handelt - das hätte dann auch mit LRS nicht wirklich etwas zu tun.
Ich bekomme als Lehrerin aber schon manchmal mit, dass Eltern im besten Wollen und Bemühen alles nur noch schlimmer machen. So sagte mir eine Mutter neulich, sie habe sich mit dem Problem ihres Kindes doch vielleicht zu früh an einen Arzt gewandt und damit das Gegenteil erreicht. Ich weiss, man will auf keinen Fall etwas versäumt haben, und ich will dir auch keineswegs abraten, zum Arzt zu gehen - du solltest dich nur auch auf mögliche Gefahren vorbereiten. Längst nicht alle Kinderärzte sind wirklich kompetent. Es kann in der Tat sehr helfen, wenn das Kind einfach weiss, ok, ich habe hier eine Art Behinderung, aber ich habe andrerseits auch viele Stärken (LRS ist a u c h eine Begabung). Nur: Du weißt ja noch nicht, ob es wirklich LRS ist!
Auf jeden Fall finde ich es gut, dass du dir über mögliche Ursachen Gedanken machst. Viele Eltern meinen, die Kinder einfach nur auf gute Noten trimmen zu müssen. Sie setzen sich zu Hause hin und „üben“ mit dem Kind „Diktat“ - dabei gibt es lerntechnisch gesehen kaum eine ungünstigere Möglichkeit. Die Chance, dass die Kinder dabei verlernen, was sie schon können, ist viel höher als die, dass sie etwas Neues hinzulernen. Der Übungseffekt besteht fast ausschließlich im „Schreiben an sich“, d. h. die Kinder schreiben mehr, werden feinmotorisch sicherer und tun sich deshalb etwas leichter. Abschreiben brächte in dieser Hinsicht jedoch dasselbe, allerdings mit dem zusätzlichen Vorteil, dass von Vornherein eine Konzentration auf die r i c h t i g e n Buchstaben stattfinden kann. Lerntechnisch viel besser sind jedoch spezielle Rechtschreib-Übungshefte.
Aus der ERfahrung mit meinem eigenen Kind muss ich allerdings sagen, dass es ohne schwere familiäre Verwerfungen nicht möglich war, solche Übungen einzuführen. Konzentration und Durchhaltevermögen würde ich durch Waldspaziergänge, gemeinsames Essenmachen, gute Hörspielkassetten, Musikhören, Lesen, Fernseheinschränkung, Spiele und Ähnliches fördern, ich hätte Bedenken, meinem Kind in seine Arbeit allzu viel hineinzureden.
Da dein Kind so gern schreibt (was du schilderst, hört sich geradezu ideal an), hast du wohl eine ausgezeichnete Ausgangsposition. Merkt dein Kind eigentlich, dass die Briefempfänger das Geschriebene nur schwer lesen können, weil es so „fremd“ geschrieben ist? Vielleicht würde die Rückmeldung: „Ich weiss nicht, was du geschrieben hast“ das Kind ermutigen, mehr auf die komventionelle Schreibweise zu achten.
Viele Grüße,
Juliane
h erlebt, das:meine Tochter schreibt sehr gern, nur leider mit massiven
Fehlern. Sie schreibt aber auch wirklich alles auf. Schreibt
uns und der Oma Briefe, die sie dann selber zustellt. Also
kurz, Angst vor dem Schreiben hat sie nicht. Nur die Fehler
die wir dabei erkennen…
Mittlerweile (nachdem ich nun täglich etwas mit ihr übe) bin
ich fast der Meinung, dass sie sich nicht richtig
konzentrieren kann und die Probleme daher kommen. Sie springt
z.B. mitten in der Übung auf, oder erzählt von völlig anderen
Dingen usw. Vielleicht sollte ich mich mehr auf ein
Konzentrationstraining einlassen. Aber wie macht man das?
Als Konsequenz der schlechten Leistungen werde ich meine
Arbeitszeit ab Dezember um 5 Stunden verkürzen und versuchen
weiterhin mit ihr etwas zu üben (allerdings ohne großen
Druck), denn dafür ist oft zu wenig Zeit wenn man voll
arbeitet.
Viele Grüße
Susanne