Leseverbot bei Gehirnerschütterung

Hallo Leute,

eine Freundin von mir hat sich eine Gehirnerschütterung mit Schleudertrauma zugezogen und darf deshalb weder Fernsehen noch Lesen.

Das Fernsehverbot kann ich ja noch nachvollziehen;
doch im Falle des Lesens verstehe ich dies nicht richtig. Lesen ist doch nur eine geringe Beanspruchung für das Gehirn, vor allem im Vergleich zu Fern sehen.

Was ist bei einer Gehirnerschütterung/einem Schleudertraum das genaue Problem und welche Folgen (auch auf zellularer Ebene) hätte eine Nichtbeachtung der genannten Verbote?

Viele Grüße,

Heiko

Hallo Heiko,

2 Minuten zu lesen würde sicher nicht schaden.
Nun soll man in der ersten Zeit möglichst still liegen/sitzen, man langweilt sich, soll nicht fernsehen…
Nimmt man sich jetzt ein Buch und liest z. B. eine Stunde am Stück in diesem Buch, dann bekommt man sehr leicht, bzw. garantiert akute, starke Kopfschmerzen mit Übelkeit, weil die Anstrengung und Belastung über die Augen für das Gehirn, das jetzt Ruhe braucht, zu groß ist.

Das waren die schlimmsten Kopfschmerzen, die ich je hatte, dabei hatte ich vor Jahren, als 13-jährige, nach einem Autounfall mit starker Gehirnerschütterung im Krankenhaus „nur“ ein Buch gelesen…, anschließend sagte man mir, dass ich das auch nicht soll.

Gruß, Renate

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Hallo Heiko,

eine richtige Gehirnerschütterung (Kontusion) ist meist mit sehr kleinen Blutungen (Kontusionsblutungen) im Gehirn verbunden, die in CT-Bildern sichtbar sind, und die meist nicht schlimm sind sowie folgenlos verheilen. Als Folge davon kann das Gehirn etwas anschwellen, was - wenn es sich in Maßen hält - auch kein Problem darstellt, da noch etwas (aber sehr wenig) Spielraum vorhanden ist. Da aber eine Mehrdurchblutung ein weiteres Anschwellen des Gehirns begünstigt, kann im schlimmsten Fall das Gehirn so stark anschwellen, dass die Spielräume ausgereizt sind, und es zu erhöhtem Druck im Kopf kommen kann. Erste Anzeichen dafür sind starke Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit bis hin zu Pupillendifferenz oder z.B. dem so genannten Druckpuls: Langsamer Puls und hoher Blutdruck. Das Ganze nennt sich dann „Hirnödem“. Um nun diesem Hirnödem, einer lebensgefährlichen Komplikation, vorzubeugen, sollte nach einer erlittenen Gehirnerschütterung das Lesen bzw. Fernsehen vermieden werden, da dadurch ein deutlicher Anreiz zur Mehrdurchblutung des Gehirns gesetzt wird. Ruhe und Disziplin können im Extremfall also sogar lebensrettend sein, ebenso die Oberkörper-Hochlagerung.

Gruß
Huttatta

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Hallo Huttatta,

vielen Dank erstmal für die ausführliche Antwort. Mich würde nun noch interessieren, wie lange man i.d.R. Ruhen muss, um der Gefahr eines „Hirnödem“ vorzubeugen (bei einer starken/leichten Gehirnerschütterung).

Und welche Rolle spielt ein Schleudertrauma? Ist dies eine Folge der „Kontusion“, oder kommt sie noch zusätzlich zum Tragen?

Viele Grüße,

Heiko

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Hallo Heiko,

Mich würde
nun noch interessieren, wie lange man i.d.R. Ruhen muss, um
der Gefahr eines „Hirnödem“ vorzubeugen (bei einer
starken/leichten Gehirnerschütterung).

Das kommt darauf an. In der Regel ist bei leichten Gehirnerschütterungen (Commotio) nach etwa 2 Tagen nicht mehr mit Komplikationen zu rechnen. Ich ging bei der vorherigen Antwort von der schweren Gehirnerschütterung (= Gehirnprellung/Kontusion/Contusio - die mit den kleinen Blutungen) aus. Ich war wohl etwas voreilig, wie so oft. *tschuldigung* Hier kann noch nach Tagen die gefürchtete Komplikation auftreten. Deshalb wird in solchen Fällen regelmäßig mittels Computertomographie der Verlauf kontrolliert. Bleibt der Befund über 2 bis 3 Tage unverändert, ist die Komplikationsrate nur noch gering.

Und welche Rolle spielt ein Schleudertrauma? Ist dies eine
Folge der „Kontusion“, oder kommt sie noch zusätzlich zum
Tragen?

Das Schleudertrauma bezieht sich nur auf den Band- Muskel- und Sehnenapparat im Bereich der Halswirbelsäule. Durch die starke Krafteinwirkung beim Unfall wird er überbeansprucht und ein reflektorischer Muskelhartspann, verbunden mit teils auch in den Kopf ausstrahlenden Schmerzen, sowie vorübergehende Bewegungseinschränkung bis hin zu bleibenden Schäden im Bereich der Halswirbelsäule kann Folge sein. Häufig, gerade bei Autounfällen, tritt beides gemeinsam auf, was mit dem Unfallhergang zusammenhängt: angeschnallt, gut durchgerüttelt (Schleudertrauma) und zu allem Überfluss noch mit dem Kopf irgendwo gegengeschlagen (Gehirnerschütterung/-prellung). Jedoch hat das eine mit dem anderen eigentlich nichts zu tun und keines der Beiden ist Folge oder Ursache des anderen.

Gruß
Huttatta

Hallo Huttatta,

vielen Dank nochmals für die ausführliche Antwort. Das hat mich sehr viel weiter gebracht.

Von einer vorschnellen Antwort würde ich bei Dir eigentlich nicht sprechen, denn so genau hatte ich ja gar nicht gesagt, was ich meinte. Kein Problem also! :wink:

Gerade bei der Ruhezeit war ich von wesentlich mehr ausgegangen, bis hin zu mehreren Wochen. Da muss ich mich dann wohl getäuscht haben.

Viele Grüße Heiko

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Hallo Heiko,

Gerade bei der Ruhezeit war ich von wesentlich mehr
ausgegangen, bis hin zu mehreren Wochen. Da muss ich mich dann
wohl getäuscht haben.

das kann individuell natürlich sehr unterschiedlich sein. Meist ist nach 1-2 Tagen nicht mehr mit großen Komplikationen zu rechnen. Dennoch kann z.B. die Arbeitsunfähigkeit nach Gehirnerschütterung durchaus länger betragen, da Belastungskopfschmerz und andere Beschwerden schon länger anhalten können. Man sollte also nach diesen 1-2 Tagen nicht gleich in die Disco moshen gehen und noch einige Tage „Galama“ machen. Ich bin aber auch selbst, das gestehe ich zu meiner Schande, nach einer leichten Gehirnerschütterung schon am nächsten Tag wieder arbeiten gegangen.

Gruß
Huttatta