Letzte echte Siedlungsgründung in D?

Moin,

fragt mich nicht, wie wir DA drauf gekommen sind, aber im Freundeskreis tauchte die Frage auf: wann war eigentlich die „jüngste“ Siedlungsgründung in Deutschland? Also nicht rein verwaltungstechnisch, dass ein Ortsteil zum eigenständigen Ort gemacht wurde, sondern so richtig im Sinne von „Jetzt haben wir drei Misthaufen und eine Kneipe - also sind wir jetzt ein Dorf und nennen uns Kleinhintertupflingshausensweiler“.

Uns geht es jetzt nicht um eine konkrete Jahreszahl - vielmehr war die Diskussion, ob das eher im 19ten Jahrhundert oder noch früher gewesen sein mag. Auch wenn solche Diskussion von Sachkenntnis ungetrübt viel mehr Spaß machen (besonders nach dem dritten Glas Rotwein), wüsste ich es doch gerne mal aus kompetenten Munde. Wer weiss was näheres?

Gruß
Stefan

Hallo !

Dörfer, die heute die Endung „fehn“ haben, sind Moorsiedlungen, die Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurden.
Augustfehn, Stiekelskamperfehn, Ostrhauderfehn, Elisabetfehn usw.

Diese Siedlungen sind im Moor entstanden. Man baute das Moor ab und machte das Land beackerbar.
Erst in den 70er jahren des 20. Jahrhunderts, also vor gut 30 jahren, waren diese Siedlungen aus dem Gröbsten raus und man erreichte das Nveau Restdeutschlands.
mfgConrad

servus
Ich würde da mal sagen, ziemlich neu.
Denn im Bereich der Braunkohletagebaue werden regelmäßig ganze Dörfer planmäßig neu errichtet, in die dann die Leute aus den Ortschaften umziehen, deren alte Orte dem Bagger zum Opfer fallen.

Heutzutage geht das alles nicht mehr so informell zu, sondern es muss alles seine planerische Ordnung haben.

Gruß
Mike

Hallo,
kurz vor dem ersten Weltkrieg wurde Wilhelmshafen als Marinestützpunkt neu gegründet. Kurz vor dem zweiten Weltkrieg wurde in Wolfsburg das VW-Werk mit angeschlossener Stadt eröffnet. Und nach dem Weltkrieg wurde Espelkamp als Flüchtlingssiedlung gebaut.
In der DDR wurde Eisenhüttenstadt auf die grünen Wiese gestellt.
Ich weiß allerdings weder, ob das jeweils komplette neugründungen und nicht nur Erweiterungen eines bestehenden Dorfes waren, noch die genauen Gründungsdaten. Aber das sollte man mit entsprechenden Stichworten auf den Infoseiten der entsprechenden Städte wohl finden können.
Gruß Axel

Halle-Neustadt 1967-1991

Fragt mich nicht, wie wir DA drauf gekommen sind, aber im Freundeskreis tauchte die Frage auf: wann war eigentlich die „jüngste“ Siedlungsgründung in Deutschland? Also nicht rein verwaltungstechnisch, dass ein Ortsteil zum eigenständigen Ort gemacht wurde, sondern so richtig im Sinne von „Jetzt haben wir drei Misthaufen und eine Kneipe - also sind wir jetzt ein Dorf und nennen uns Kleinhintertupflingshausensweiler“.

Im Jahre 1967 wurde Halle-Neustadt in Sachsen-Anhalt, damals Bezirk Halle der DDR, rein auf der „grünen Wiese“ gegründet, eine Plattenbausiedlung westlich der Saale mit (in den Spitzenzeiten) 100.000 Einwohnern. (Alt-) Halle liegt östlich der Saale. Nach 24 Jahren Existenz wurde Halle-Neustadt nach Halle eingemeindet (1991).

  • Django -
    geb. 1964 in (Alt-)Halle

Hi Stefan,

im Rheinland werden gerade mal wieder Dörfer umgesiedelt, die dem Braunkohletagebau weichen müssen.
Da werden dann auf der grünen Wiese neue Dörfer gegründet, die dann häufig den Namen 'Neu’hintertupfingen haben.
Es gibt aber auch Neugründungen mit neuem Namen, weil sich das alte Dorf ‚geteilt‘ hat.

Gandalf

Hallo !

kurz vor dem ersten Weltkrieg wurde Wilhelmshafen als
Marinestützpunkt neu gegründet.

Wilhelmshaven würde ab 1855 gebaut!!!

Eigentlich wurde aber nach Siedlungen gefragt, nicht nach Städtegründungen.

mfgConrad

Hallo Stefan,

von den verschiedenen Ansätzen sieht man: Es ist eine Definitionsfrage. Ist eine Umsiedlung eine Neu-Siedlung? Ist Halle-Neustadt eine Art Zwilling zu Halle?

Um den Topf noch vollends voll zu machen: Im August 1955 wurde mit dem Bau des Braunkohlekombinats (einschließlich Wohnbauten, Hoyerswerda liegt ein Stück weg) Schwarze Pumpe begonnen. Eine immerhin vom Namen her eigenständige Siedlung, nicht Neu-NNN. Die „Schwarze Pumpe“, von der das Kombinat seinen Namen bekam, war ein einzeln stehendes Gasthaus ohne was dabei.

Schöne Grüße

MM

Hallo Conrad,

im Grundsatz bin ich damit einverstanden, dass der Begriff der „Siedlung“ denjenigen der Urbarmachung enthält und daher die Braunkohle-Umsiedlungen aus dem Westen und die Industrie-Wohnmaschinen wie Eisenhüttenstadt und Halle-Neustadt nur bedingt als „Siedlungen“ anzusprechen sind.

Wegen des Zeitraums der Fehn-Gründungen, zu denen ich nicht Deinen persönlichen Bezug habe, sondern in dem ich bloß mal im Rahmen eines freiwilligen Nebenfaches rumgestochert habe, bin ich aber nicht sicher, ob der von Dir gegebene Zeitraum nicht ein bisschen zu spät angesetzt ist:

Zum Zeitpunkt des Urbarmachungsediktes 1765 gab es schon Fehne (weiß nicht, ob man den Plural bilden darf), die hundert Jahre alt waren: z.B. Großefehn 1633, Neuefehn 1660, Hüllenerfehn 1639.

Es ist dann noch nachher bis etwa 1830 einiges gegründet und gesiedelt worden; aus welcher Epoche die Mehrzahl der Namen auf -fehn datiert, weiß ich nicht, es wäre mal ein Auszählen wert. Jedenfalls sind die Namen selbst noch kein Indiz für eine Gründung nach dem Urbarmachungsedikt.

Vom Ende der Fehn-Gründerzeit noch ein Bröselchen aus einer Ecke, wo man Urbarmachung zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr erwarten würde: Wilhelmsdorf in Oberschwaben 1824.

Schöne Grüße

MM

Hallo, Stefan,
eine echte Neugründung nach dem 2. Weltkrieg war Neu Gablonz (Nähe Kaufbeuren) Hier sammelten sich auf Grund der Benesch-Dekrete Vertriebene aus Gablonz (Sudentenland) und gründeten eine neue, eigene Siedlung. Näheres hier: http://www.eo-bamberg.de/eob/opencms/jugend/zivildie…
Gruß
Eckard

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