Liebes Kind - böses Kind

Hallo,

da ich nun getrennt von der Mutter meines Sohnes (1 Jahr) lebe, stellt sich mir zunehmend eine Frage.

Ich besuche meinen Sohn mehrmals die Woche, allerdings zu sehr unregelmäßigen Zeiten (bei meiner Arbeit geht es nicht anders). Sonntags hab ich ihn fast ganztägig bei mir. Nun das Problem. Bei Muttern macht Sohn zunehmend Probleme, also Böckchen, schreien, nicht schlafen wollen, wenig essen und bewußt provozieren (wirklich!). Wenn er mich sieht, ist alles ganz anders. Er ist lieb, man kann ihn schlafen legen, wenn er weiß, ich bin da. Das Kind ißt richtig, er zeigt allerbeste Laune, spielt auch allein, ist ruhig. Wenn ich ihn Sonntags habe, so folgt er meinen Handlungen, auf dem Spielplatz ist er ausgelassen, gehe ich mit ihm irgendwohin, so ist er lieb, kein Weinen und kein störrischer Anfall.

Wo liegt das Problem? Weil er mich zuwenig sieht? Weil Mutter nicht mehr seine 100%ige Bezugsperson ist? Weil er Mutter immer sieht und Papa was ganz Besonderes ist, weil wenig zu sehen?

Wie nun dem Kind helfen?

Gruß
André

Ist normal
Hallo,

Kinder benehmen sich dort am schlechtesten, wo sie sich am sichersten fühlen, wo sie sich am geliebtesten, angenommensten fühlen. Ganz besonders in diesem Alter.
Das liegt nicht an dir sondern in der Natur der Sache.
DU bist nicht mehr da, bist weggegangen, du bist nur ein paarmal die Woche da, Mama aber immer. Also ist Mama diejenige, deren Liebe mir am sichersten ist. Eigentlich ein Riesenkompliment für Mama, obwohl es auf den ersten Blick genau anderes herum aussieht.

Ich hatte mal ein Tageskind, von ihrem 3. Lebensmonat an hatte ich die Kleine von Montag bis Freitag, war also auch eine wichtige Bezugsperson. Als sie ein, zwei Jahre alt wurde, entdeckten wir etwas merkwürdiges. Bei mir war die Kleine ein Engelchen, vergnügt, lieb, einfach ein Traum. Kaum kam abends die Mama, wurde aus dem Engelchen ein Teufelchen, das Trotzanfälle bekam weil es angezogen werden sollte, schrie, tobte, Sachen herumwarf etc. Das Kind war kaum wieder zu erkennen.

Die Lösung war: Endlich ist Mama (wahlweise in diesem Fall auch Papa) da, endlich kann ich ICH sein, denn Mama (Papa) hat mich immer lieb - egal was ich tue. Bei mir war sie sich da nicht so sicher. Natürlich hatte ich die Kleine lieb aber ich war eben nicht ein Elternteil.
Ich hoffe das macht Sinn, ich kann es nicht besser erklären *müde guck*

Alles Gute

Gruss

Hallo!

Von diesem Problem habe ich schon öfter gehört und gelesen. Es liegt wohl daran, dass Mama den Alltagsstress macht ( Räum dein Zimmer auf, mach dies, tu das, steh endlich auf du musst zur Schule ) und du als Papa machst immer schöne Dinge.

Wenn er bei dir leben würde wäre es genau anders herum :wink:

Tara

Hallo,

Bei mir war die Kleine ein Engelchen, vergnügt, lieb,
einfach ein Traum. Kaum kam abends die Mama, wurde
aus dem Engelchen ein Teufelchen, das Trotzanfälle
bekam weil es angezogen werden sollte, schrie, tobte,
Sachen herumwarf etc. Das Kind war kaum wieder zu
erkennen.

ich verstehe zwar, dass Du aus wirtschaftlichen und
emotionalen Gesichtspunkten den gestressten Eltern
erzählst:

Die Lösung war: Endlich ist Mama (wahlweise in diesem Fall
auch Papa) da, endlich kann ich ICH sein, denn Mama (Papa) hat
mich immer lieb - egal was ich tue. Bei mir war sie sich da
nicht so sicher. Natürlich hatte ich die Kleine lieb aber ich
war eben nicht ein Elternteil.

… aber hier im Forum kannst Du doch offen reden.
Das ist imho viel lehrreicher als solche überzogenen
Rationalisierungen (die aber in der entsprechenden
Situation gefordert sein können).

Lies Dir mal Taras Artikel oben durch, mit wenigen Worten
wurde klar das Wesentliche gesagt.

Das Kind reagiert aggressiv auf die Mutter,
weil es Erfahrungen der „Unlustvermittlung“
im stärkeren Maaße mit der Mutter als mit Dir
gemacht hat. Es soll beim Abholen vom
„Lustkontext“ in den „Unlustkontext“ über-
führt werden und dann noch sein aktuelles
gegenwärtiges „Eingestelltsein“ an die
Umgebung aufgeben.

Grüße & nix für Ungut …

CMБ

Hallo,

Von diesem Problem habe ich schon öfter gehört und gelesen. Es
liegt wohl daran, dass Mama den Alltagsstress macht ( Räum
dein Zimmer auf, mach dies, tu das, steh endlich auf du musst
zur Schule ) und du als Papa machst immer schöne Dinge.

Du hast im Prinzip Recht, allerdings ist das Kind doch erst ein Jahr alt… In diesem Alter sind die Aufgaben doch eher gering.

Gruß
Tato

Hi!

Aber der Kleine spielt schon ausgelassen auf dem Spielplatz. Heißt also, dass er seine Umwelt schon voll mitbekommt. Kinder bekommen den Stress der Eltern sehr gut mit. Sie fühlen sich bei entspannten Eltern (-teile )einfach wohler.

Tara

Hallo,

Kinder bekommen den Stress der Eltern sehr gut mit. Sie fühlen sich
bei entspannten Eltern (-teile )einfach wohler.

Achso… Ja, das merken sie.
Ich dachte, es ging um die Aufgaben und Pflichten (aufräumen, helfen, zur Schule…) mit denen das Kind konfrontiert wird und daher lieber beim weniger fordernden Elternteil ist.

Tato

Hi!

Ja, kann man auf beide Arten verstehen.

Tara

Hallo André,
möchte mich meinen Vorrednern anschließen und noch zwei Gedanken hinzufügen.
Kinder merken die Unruhe des Erwachsenen. Ist dieser gestresst - dann ist das Kind es auch und schreit beispielsweise herum.

Mit Gelassenheit, Geduld und Konsequenz (!) wird die Mutter es schaffen.

Du schreibst ja nicht, wie sie mit Eurem Sohn so erzieherisch umgeht. Ihr Verhalten bestimmt sein Verhalten.

Dann wäre da noch das Thema „Konsequenz“. Nun ist Euer Sohn ja erst 1 Jahr - aber trotzdem wird er schon gemerkt haben, wie verschieden Mutter’s und Deine Reaktionen auf seine ‚Taten‘ jeweils so war und sich dementsprechend verhalten.

Probleme gibts immer, wenn Eltern (nur) ellenlange Vorträge halten, keine kurzen klaren Ansagen geben können oder völlig überzogene Strafen verhängen - und leider auch, wenn sie aus einger Überforderung heraus sich zu wenig mit dem Kind beschäftigen (wollen) oder ihm zu wenig echte Aufmerksamkeit schenken (können).
Da haben wir es vielleicht - Du holst DIR den Sohn, um mit ihm was zu machen und bist für ihn in dem Moment auch meist uneingeschränkt da. Die Mutter ist (immer) da und deren Zeit nimmt er gar nicht mehr so wahr.

lieben Gruß
Trine

Hallo André,

das Verhalten ist ganz normal. Bei den Personen, bei denen das Kind sich gewiss sein kann, dass es auch mit miesestem Benehmen geliebt wird, lebt es auch seine Trotzphase aus. Ist also eigentlich eine Liebeserklärung des Kindes an die Mama.
Helfen kannst du ihm (generell), wenn du ein zuverlässiger Vater bist und euch die Chance gibst, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Dazu gehört auch, nicht gegen die Mutter zu schießen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen, gerade was die generelle Marschrichtung der Erziehung anbelangt.
Dein Kleiner ist weder verzogen (von der Mutter), noch verschüchtert (bei dir), die Mutter ist halt nur die Hauptbezugsperson und dein Kleiner ein ganz normaler Einjähriger.

Viele Grüße, Heike

Schön beschrieben! owT
:smile:

Bei den Personen, bei denen das
Kind sich gewiss sein kann, dass es auch mit miesestem
Benehmen geliebt wird, lebt es auch seine Trotzphase aus. Ist
also eigentlich eine Liebeserklärung des Kindes an die Mama.

Was ist das denn für eine Einstellung? Dann ist jeder Radaubruder am Ende nur das Opfer seiner übergroßen Liebe geworden oder wie?

Sorry, das ist für mich eine ausgesprochen fragwürdige Erklärung für das zuvor geschilderte Problem.

Ich glaube nicht, das Kinder wirklich glücklich sind, wenn sie sich unmöglich benehmen.

Gruß Maid :smile:

Hallo Maid,

Ist also eigentlich eine Liebeserklärung des Kindes an die Mama.

Ich glaube nicht, das Kinder wirklich glücklich sind, wenn sie
sich unmöglich benehmen.

So war es sicher auch nicht gemeint. Dies ist anerkannte Fachmeinung zum Thema Trotzphase bei Kindern. Kinder sind ja grundsätzlich „woanders“ wohlerzogener als zu Hause. Der Grund dafür ist, daß sie sich bei ihren Bezugspersonen am ehesten trauen, Grenzen zu überschreiten. Bei Mama (und normalerweise Papa) wissen sie genau: Die lieben mich, auch wenn ich mich mal daneben benehme.

Darum kriegt Mama eben immer die Trotzanfälle ab, den Streß beim Windelnwechseln, die „NEIN, WILL NICHT!“ Arie - und nie die Oma, die Tagesmutter oder die Babysitterin.

Heike hat das wirklich sehr treffend auf den Punkt gebracht. Am „schelchtesten“ benimmt sich ein Kind dort, wo es Urvertrauen hat.

Das ist nicht auf „Danebenbenehmen“ gemünzt, wie Du es wohl meinst. Es geht hier um einen einjährigen. :smile:

Liebe Grüße,
Nike

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Hallo Heike,

ich nehme den Kleinen auch ernst. Vielleicht anders als Mama. Ok, sie hat ihn die Woche über, den Streß, wenns ihm mal nicht so „danach“ ist. Auch ich windele ihn, wisch ihm die Kacke vom Hals (ja wenn, dann macht er es richtig!). Immer ist ein ein Mustersöhnchen. Bei Mami ist windeln eine einzige Brüllorgie. Und noch was, der Kleine Witzbold weiß schon, was er tun darf und was nicht. Mama sieht ihn dann böse an und sagt mal ein energisches „Nein“. Nach dem dritten oder vierten Mal trollt sich der Kleine. Ich brauche nur hinzusehen, maximal einmal „Nein“, Ruhe ist im Karton.

Ich habs mal nachgerechnet, in der Woche bin ich mindestens 20 Stunden bei ihm. Ein Bruchteil dessen, was er von Mami hat. Ich würde ihn schon mal ein ganzes Wochenende nehmen, aber er wird neben seinem Breichen noch gestillt. Daher muß ich mich gedulden, ehe ich mit Sohnemann einen auf WG machen kann :wink:

Aber danke für die Hinweise, die hier kamen.

Gruß
André

Das ist nicht auf „Danebenbenehmen“ gemünzt, wie Du es wohl
meinst. Es geht hier um einen einjährigen. :smile:

Oki…das hatte ich falsch gelesen, dachte der Vater ist 1 Jahr getrennt. Dann muss ich das natürlich ganz anders interpretieren. Danke für den Hinweis.

Wirklich überzeugend ist die Meinung für mich allerdings trotzdem nicht. :wink:

Gruß Maid :smile:

Hallo,

Wirklich überzeugend ist die Meinung für mich allerdings
trotzdem nicht. :wink:

Die „Fachmeinung“ besteht wohl eher darin, dass
man gestressten Eltern so etwas erzählen soll :wink:

Nehmen wir mal an, wir haben zeitweilig „inkompetente“
Eltern (etwas überzogen ausgedrückt), die die Signale
des Kindes missverstehen oder „je nach Laune“ unter-
schiedlich reagieren.

Dann wird das Wohlbefinden des Kindes empfindlich
gestört, seine Bemühungen, sich in eine „verstehbare“
Welt einzugliedern müssen scheitern.

Es wird, wenn es (noch) normal ist, seiner häufigen
Unlust deutlich und aggressiv Ausdruck verschaffen.

Die obige „Deutung“ wäre jetzt aber so, dass das Kind
die Eltern besonders liebt und genau deshalb aggressiv
reagiert, weil es sich geborgen fühlt und das
jetzt mal austesten muss.

Alles klar :wink:

Grüße

CMБ

Hallo Maid,

es ist wirklich die Fachmeinung und zudem auch meine persönliche Erfahrung mit meinen beiden Kindern. Sie trotzen schon vorzugsweise bei uns Eltern, bei anderen (fremden und auch relativ vertrauten) Personen eher nicht, da sind sie die bravsten Kinder. Das hat ja auch nichts damit zu tun, dass man den Kindern keine Grenzen setzen soll/muss/darf. Meine Kinder werden immer als sehr wohlerzogen bezeichnet, auch von Leuten, die sie im häuslichen Umfeld erleben. Das sind durchaus 2 Paar Schuhe.
Es ist der Job der Kinder, auch mal zu trotzen (das ist ein ganz normaler Entwicklungsschritt und hat nichts mit elterlichem Versagen zu tun). Es ist aber der Job der Eltern, mit diesem kindlichen Aufbegehren konstruktiv umzugehen und das Verhalten in die gewünschten Bahnen zu lenken.
Besser so?

Viele Grüße, Heike

1 „Gefällt mir“

Hallo André,

so richtig könnte es dir wohl nur dein Sohn sagen, warum sein Verhalten so und nicht anders ist. Na sicher merken die Kleinen, bei wem bzw. auch in welchen Situationen sie durchkommen. Oftmals schleichen sich auch Verhaltensmuster ein, die erst mal wieder durchbrochen werden müssen (Windelstreik beispielsweise).
Wie eng eure Beziehung ist, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen, wie auch. So kann es eben sein, dass er weiß, dass brüllen keinen Zweck hat (stört ein Kind in dem Alter aber nicht immer), dass er sich bei dir nicht traut oder dass es zu interessant ist um zu bocken.
Ich glaub dir ja auch, dass du ein guter Papa bist, sonst würdest du dir ja auch keinen Kopf machen darüber.

Viele Grüße, Heike

das Verhalten ist ganz normal. Bei den Personen, bei denen das
Kind sich gewiss sein kann, dass es auch mit miesestem
Benehmen geliebt wird, lebt es auch seine Trotzphase aus. Ist

Die Antwort kann ich so nicht unterschreiben. Das ist doch kein Hund, der von Instinkten gesteuert ist.
Auch der einjährige ist ein Mensch mit Gefühlen und klaren Vorstellungen selbst wenn er die nicht ausdrücken kann.

Es gibt halt Kinder, die Vaterbezogen sind (hatte ich auch einen von), und obwohl ich nicht getrennt von der Mutter war, konnte ich alles mit ihm machen und er war ruhig. Wenn ich weg war fehlte ihm was und er wurde teilweise unerträglich.

Bei meiner Tochter war es genau andersrum. Ich konnte machen was ich wollte sie wollte immer nur Mama.

Heute ist es genau andersrum.

Aber man sollte versuchen auch bei einer Trennung fair gegenüber dem Partner zu bleiben und die Kindererziehung gemeinsam besprechen und diese nicht gegen den Ex ausspielen. Die Kinder können nichts dafür.

Gruss

Nehmen wir mal an, wir haben zeitweilig „inkompetente“
Eltern (etwas überzogen ausgedrückt),

LOL…so überzogen ist das nicht, wer kann schon von sich behaupten, dass er wirklich kompetent ist in Sachen Kindererziehung. :wink:

Lediglich rückblickend können wir feststellen, nicht alles falsch gemacht zu haben (oder Kinder mit überaus resitenten Genen zu haben, wer weiß…)

Gruß Maid :smile: