Hallo Michael,
erst mal vielen Dank für die Tipps. Natürlich habe ich im Lauf der letzten 5 Jahre allerhand versucht. Anrufbeantworter sowieso (zum Glück hatten meine Klienten, die die Nummer benutzten, großes Verständnis für meine AB-Taktik), niemals ein persönliches Wort an den Mann, es sei denn zur Abwehr. Kein Blickkontakt auf der Straße oder wo man ihm sonst begegnet (Lebensmittelladen, Kino usw.). Anfangs habe ich die Geschenke und Briefe noch immer zurückgegeben, seit ca. 2 Jahren bewahre ich sie als Beweismaterial auf. Rosen vom Scheibenwischer werfe ich sofort an Ort und Stelle deutlich sichtbar für die Anlieger in die Gosse. Bei deutlich aufdringlichen Kontaktaufnahmeversuchen seinerseits schreie ich ihn lauthals an, er solle mich in Ruhe lassen usw.
Leider hat seine „Verliebtheit“ sehr weitreichende Folgen. Er ist durch den ständigen Drang, mich zu verfolgen, arbeitslos geworden, anschließend wurde er auch noch körperlich sehr krank (wie mir seine Mutter berichtete), leidet inzwischen unter einer starken Mangelernährung und - wie ich es einschätze und vermute - auch unter einem Alkoholproblem. Seine Freund haben nach und nach den Kontakt zu ihm aufgegeben, weil sie meinen Namen nicht mehr hören konnten. Viele Freunde hatte er sowieso nicht. Einer davon hat anfangs auch noch versucht, mich dazu zu bringen, mit ihm etwas anzufangen, damit er endlich Ruhe gibt.
Ich habe schon lange überlegt, ob mir der Mann tatsächlich gefährlich werden kann, weil er sich so in seine „Verliebtheit“ verrannt hat. Jetzt hat mir jemand im Kriminalistikforum (ich hatte zuerst da gepostet und später überlegt, dass es in der Abteilung „Recht“ wohl eher angebracht ist) einige Links zum Thema „Stalking“ gegeben. Der Begriff war mir bisher überhaupt nicht bekannt, aber der Tenor dieser Berichte ist, dass eine Gefährdung des Verfolgten mit der Zeit immer wahrscheinlicher wird. Dort gibt es auch einen Hinweis auf Selbsthilfegruppen, darum werde ich mich jetzt als nächstes kümmern.
Insgesamt muss ich sagen, dass ich schon selbst ein ziemliches Nervenbündel bin. Die einzelnen Aktionen seinerseits stehen in keinem Verhältnis mehr zur Heftigkeit meiner psychischen Reaktionen. Das reicht von Heulkrämpfen über zittrige Hände bis zur Unfähigkeit zu laufen, weil die Beine den Dienst versagen. Ich bin bereits seit fast einem Jahr krank geschrieben, weil ich beruflich „nicht mehr funktioniere“, aber inzwischen auf dem Weg der Besserung.
Einen weiteren Mann wollte ich nicht einschalten, weil ich darauf bestehe, in Ruhe gelassen zu werden, weil ICH es will und nicht weil ich durch seinen Respekt vor einem anderen Mann meine Ruhe wiederbekomme. Denn was, wenn der möglicherweise eingreifende Nachbar wegzieht? Bin ich dann wieder fällig?
Einen Wohnungswechsel hatte ich natürlich auch schon ins Auge gefasst, aber dann habe ich mich anders entschlossen, weil es mein Recht ist, hier zu wohnen, wo ich mich immer wohlgefühlt habe. Er hat nicht das Recht, mich hier zu verdrängen. Zudem habe ich hier meine Bekannten und Freunde, die auch ein Stück Sicherheit für mein Kind und mich sind. Wenn ich wegziehe, wäre es für ihn zwar mehr Anstrengung aber keinesfalls ein Hindernis, mich weiter zu verfolgen.
Was seine Gefährlichkeit angeht, bisher hat er nur einmal sehr versteckt angedeutet, dass er gegen mein Kind vorgehen könnte, aber es ist nichts passiert. Allerdings muss ich sagen, dass ich seitdem einen großen Sicherheitsaufwand betreibe, der viel Zeit und Energie kostet, wie z.B. Überwachung meines Kindes durch wechselnde, ihm nicht bekannte Leute usw.
Viele Grüße
Sylvia