LiIon laden

Hallo zusammen,

als altes Bastelkind sehe ich immer wieder neue Handyakkus von nicht mehr aktuellen Modellen im Preisbereich von ca. 1 Euro.
Diese Akkus sind stets LiIon oder LiPolym. mit 3,6 oder 3,7 Volt und rund 1000mAh. Sie sind sicherlich für viele externe Anwendungen zu gebrauchen. Nur: Wie lade ich diese Dinger, was sollte ich beachten?

Das entsprechende Ladeequipment des ursprünglichen Gerätes ist ja nicht vorhanden.

Danke und Gruß

Siggi

Hallo Siggi,

als erstes mußt Du wissen, wo Plus und Minus sind (das ist nicht immer ersichtlich). Wenn der Akku mehr oder weniger geladen ist, dann kannst Du das natürlich ausmessen.

Für das Folgende nehme ich an, Du weißt Plus und Minus; die anderen Anschlüsse des Akkus kannst Du ignorieren.

Ich habe hier ein Heft: Elektro-Modellflug-Praxis 1/2004. Da steht einiges über das Laden von Li-Akkus (hier wird nicht zwischen Li-Ionen und Li-Polymer-Akkus unterschieden, letztere sind beim Modellflug die üblichen). Alle folgenden Angaben habe ich daraus entnommen:

  1. Du kannst mit einem konstanten Strom laden bis zu 1 C, das heißt bei einer Kapazität von 1000 mAh bis zu 1 A Ladestrom. In dem Heft ist eine Kurve abgebildet, wonach der Ladestrom in dieser Stärke fließt, bis 70 % der Ladung erreicht sind (er muß durch das Ladegerät auf 1 C begrenzt werden), und ab dann wird der Strom nach und nach geringer (begrenzt durch den Akku), bis schließlich der Ladestrom abgeschaltet wird. Höhere Ladeströme als 1 C reduzieren die Lebensdauer.

  2. Du darfst nur bis zu einer Spannung von etwa 4.1 bis 4.2 Volt gehen (das scheint die wichtigste und absolute Regel zu sein, sonst wird der Akku kaputt, oder explodiert sogar - ab 5 Volt wird es wirklich gefährlich). 4.1 Volt sind für die Lebensdauer wesentlich besser, der Zugewinn an Kapazität beträgt nur wenige Prozent, wenn Du bis 4.2 Volt lädst. Also notfalls ein Digital-Voltmeter dazutun und überwachen.

  3. Hättest Du mehrere Zellen in Serie, müßtest Du durch zusätzliche Elektronik (sog. „Balancer“) sicherstellen, daß an keinem der einzelnen Zellen mehr als 4.1 - 4.2 Volt sind.

Die Handy-Akkus haben eine eingebaute Elektronik, die bei Unterschreiten der Spannung unter etwa 3.5 Volt den Akku vom Gerät trennt, um Tiefentladung zu verhindern.

Dadurch gibt es vier mögliche Zustände, die ein solcher Akku haben kann:

  1. Akku geladen, Klemmenspannung 4.1 Volt.

  2. Akku ziemlich entladen, Klemmenspannung etwa 3.5 Volt, Akku läßt sich problemlos mit dem dafür vorgesehenen Ladegerät laden.

  3. Akku noch weiter entladen, Klemmenspannung 0 Volt, aber der Akku selbst (hinter der Schutz-Elektronik, die den Akku jetzt bereits elektrisch getrennt hat) hat ca. 2.5 bis 3.5 Volt. Eventuell kann er nicht mehr vom dafür vorgesehenen Ladegerät geladen werden, ist chemisch aber noch intakt und kann extern geladen werden (s. o.). Nach kurzer Zeit kann wieder eine Klemmenspannung gemessen werden.

  4. Akku tiefentladen, keine Klemmenspannung meßbar, Akkuspannung selbst ist unter 2.5 Volt gefallen: der Akku ist chemisch zerstört und kann nicht mehr verwendet werden. Jeder Versuch, ihn zu laden, schlägt fehl, es wird keine Klemmenspannung mehr aufgebaut.

Grüße,

I.

Ergänzung
Hab ich vergessen:

Bei Marken-Akkus bin ich sicher, daß immer eine Elektronik eingebaut ist, die vor Tiefentladung schützt, sofern der Akku nicht in dem Zustand liegen bleibt und er durch Selbstentladung in die Tiefentladung kommt. Bei Nachbau-Akkus um 1 Euro bin ich da nicht so sicher.

I.

Hallo I.,

das war ja mal eine schnelle Antwort.

Also + und - zu kennen: kein Problem. Alle Akkus, die ich so habe und auch kenne, sitzen in einem kleinem Gehäuse und bestehen aus einer Zelle mit einer Schutz/Ladeelektronik. Ein wenig Elektronik außen als Ladegerät um den Strom und/oder die Spannung zu jonglieren ist kein Problem, das bekomme ich hin.
Was mir hier halt fehlt, das ist der Background. Meine Kenntnisse gehen in den Bereich von NiCd oder NiMh. Hier habe ich auch entsprechendes Equipment.
Ich schaue einmal nach ob ich die Grundlagen aus der empfohlenen Zeitschrift im Netzt finde.

Erst einmal vielen Dank für deine recht ausführliche Antwort.

Siggi

Hallo Siggi,

es gibt Tischladegeräte für Handy-Akkus. Ist doch das Einfachste, oder?

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