Lineares Gleichungssystem

Hallo, liebe Mathe-Asse!

Ich bin’s schon wieder. Und zwar habe ich folgendes lineare Gleichungssystem:

-a + b - 2c = 0
a - b + 2c = 0
-2a + 2b - 4c = 0

Als Lösung habe ich a=x und b=y und c=(b-a)/2 mit x,y als Parameter. So weit, so gut. Eigentlich sollte ich mich mit diesem Ergebnis zufrieden geben. Allerdings kann man durch intuitive Logik auch zum Ergebnis a=x und b=-x und c=-x kommen. Das Ergebnis passt. Die Probe geht auf. Nur nutzt mich das überhaupt nichts, wenn ich es nicht mathematisch begründen kann. Die Probe ist zwar okay, doch wie komme ich andersherum nun von den Gleichungen auf mathematisch korrektem Weg zu dem zweiten Ergebnis?

Liebe Grüße und mächtig vielen Dank im Voraus
Querkopf

N’Abend.

Statt x,y,z kann man auch a,b,c als Variable wählen (übersehen ?)
Daraus folgt, dass die Matrix (das LGS)
-1 1 -2 = 0 (I)
1 -1 2 = 0 (II)
-2 2 -4 = 0 (III)
berechnet sein will. Eine eindeutige Lösung gibt’s übrigens nicht, da die Zeilen linear abhängig sind: 2*(I) = (II) (II)*(-2) = (III)…
Ach übrigens: das heisst auch, dass Deine Ergebnisse wie a=x nicht ganz richtig sein dürften… ;-O

HTH
mfg M.L., der hoffentlich Recht behält

Hallo Markus,

das mit dem ersten Ergebnis stimmt schoo. Es geht um Eigenvektoren. Der gefundene Eigenvektor hätte demnach die allgemeine Form

u = ( x, y, (y-x)/2 )

Auf dieses Ergebnis sind auch die meisten meiner Kommilitonen gekommen. Dennoch ist auch das andere Ergebnis mit u = ( x, -x, -x ) absolut passend. Setze mal -x für y in den ersten Eigenvektor ein. Siehst du, dass es passt?

Viele Grüße
Querkopf

Hallo, auch!

-a + b - 2c = 0 (1)
a - b + 2c = 0 (2)
-2a + 2b - 4c = 0 (3)

Da alle 3 Gleichungen als Linearkombinationen unterneinander darstellbar sind,
z. B. Gl. (2) = -Gl. (1) und Gl. (3)= 2* Gl(1), gilt eben

a = b - 2c

Weitere Abhängigkeiten zwischen a, b und c können nicht angegeben werden.

Grüße

Albrecht

Hallo

das mit dem ersten Ergebnis stimmt schoo. Es geht um
Eigenvektoren. Der gefundene Eigenvektor hätte demnach die
allgemeine Form

u = ( x, y, (y-x)/2 )

Auf dieses Ergebnis sind auch die meisten meiner Kommilitonen
gekommen. Dennoch ist auch das andere Ergebnis mit u = ( x,
-x, -x ) absolut passend. Setze mal -x für y in den ersten
Eigenvektor ein. Siehst du, dass es passt?

Ich habe zwei Bemerkungen:

  1. Deine Lösung (x,-x,-x) hat auch die Form (x,y,(y-x)/2). Setze einfach x=x, y=-x. Dann ist (y-x)/2=(-x-x)/2=-x.
  2. Ich denke, dass Du hier nicht wirklich von Eigenvektoren, sondern von Lösungen des Gleichungssystemes redest. Eigenvektoren sind im Normalfall etwas anderes.

Gruss Urs

1 „Gefällt mir“
  1. Ich denke, dass Du hier nicht wirklich von Eigenvektoren,
    sondern von Lösungen des Gleichungssystemes redest.
    Eigenvektoren sind im Normalfall etwas anderes.

Hallo Urs,

Das Gleichungssystem ist Ergebnis einer Reihe von Rechnungen: Zuerst wurden die Eigenwerte einer Matrix ermittelt, dann werden die zu den Eigenwerten passenden Eigenvektoren gesucht, und zwar nach der Formel:

A-u=µ*u

(A ist die Matrix, U der gesuchte Eigenvektor, µ der ermittelte Eigenwert) Das Produkt links des Gleichheitszeichens ergibt eine Matrix und µ*U ist ein Vektor der Form (µ*u1,µ*u2,µ*u3). Daraus Bastele ich ein LGS und die Lösung des LGS ist der Eigenvektor, also die Werte für u1, u2 und u3. Das beschriebene LGS ist das, mit dem der Eigenvektor der Matrix meiner Aufgabe ermittelt wird. Und hier hat der Eigenvektor eben die beschriebene Form. Es gibt unendlich viele Eigenvektoren, die allerdings der von mir (uns) ermittelten allgemeinen Form entsprechen müssen.

Du hast mir aber klar gemacht, dass ( x,-x,-x ) nur eine Sonderform ist. Es geht also nicht genauer und ( x,-x,-x ) als die Lösung anzugeben, wäre falsch. Mein Problem ist somit gelöst. Danke!

Gruß
Querkopf

Hallo Markus,

das mit dem ersten Ergebnis stimmt schoo. Es geht um
Eigenvektoren.

Nein, es geht lediglich um die Lösung eines linearen Gleichungssystems. Der Begriff Eigenvektor ist hier fehl am Platz.

Der gefundene XEXiXgXeXnX _Lösungs_vektor hätte demnach die
allgemeine Form

u = ( x, y, (y-x)/2 ) ________[*]

Ja, aber sprachlich genauer wäre es, wenn Du nicht „Der gefundene Lösungsvektor“ schreiben würdest, sondern „Damit ist die Lösungs_menge_ des LGS bestimmt; sie hat folgende Form: …“. Dein Gleichungssystem hat nämlich unendlich viele Lösungen. Du kannst Dir zwei x-beliebige Zahlen x und y ausdenken (z. B. x = 568 und y = -382) und schwupps hast Du auch schon einen Vektor, der Dein LGS löst: (568, -382, -475). Den kannst Du dann in ein 3D-Koordinatensystem eintragen. Mit anderen Werten für x und y wiederholst Du das. Solange, bis Du Dich fragst, was wohl passiert, wenn Du Dir wirklich _ganz viele_ Werte für x und y ausdenkst (z. B. x und y laufen jeweils von -10000 bis +10000 in 0.01er-Schritten), und alle Vektoren, die Du gemäß ( x, y, (y-x)/2 ) erhälst, in dasselbe 3D-Koordinatensystem einträgst. Was bilden die Punkte am Schluß? Antwort: Sie bilden eine _Ebene_, die in dem 3D-Koordinatensystem „schwebt“, irgendwie schief zu den Achsen. Das war übrigens von vornherein klar, denn die Dimension Deines LGSs ist ja 3, aber sein Rang bloß 1. Die Differenz von 2 ist gleich der Dimension der Lösungsmenge, und 2 Dimensionen entspricht einer Ebene.

So weit so gut. Aber kommen wir doch noch mal auf das „Du kannst Dir zwei x-beliebige Zahlen x und y ausdenken…“ zurück. Wie oben erläutert kannst Du x den Wert 568 geben und y den Wert -382. Findest Du den y-Wert doof – kein Problem: ändere ihn eben in 4.75 um. Die Formel [*] spuckt Dir dann zwar einen anderen Vektor aus, aber welchen y-Wert auch immer Du nimmst, er wird Dein LGS lösen. Aber hallo: „Welchen y-Wert auch immer Du nimmst???“ Was passiert denn dann, wenn Du „ganz crazy“ bist und y = -x nimmst, oder y = 5 x - 18??? Geht das überhaupt? Antwort: (Dickes) Ja! Auch diese Vektoren sind Lösungen Deines LGS. Aber irgendeinen Haken muß es doch dabei geben? Antwort: Den gibt’s. Wenn Du y durchlaufen läßt (-10000 bis +10000) und stets y = -x nimmst, schränkst Du die Lösungsmenge ein, weil Du eine zusätzliche Bedingung geschaffen hast. Es gibt jetzt nur noch einen Parameter (das x), wo es vorher zwei gab (x und y). Damit setzt Du die Dimension des Gebildes, das Du erhälst, wenn Du für „alle“ x die Vektoren (x, -x, (-x-x)/2) in das 3D-Koordinatensystem einträgst, um Eins herunter, und das heißt nichts anderes, als daß Du eine Gerade herausbekommst, die in der Lösungsmengen-Ebene liegt. Alle Punkte auf der Geraden liegen automatisch auch in der Ebene und sind damit Lösungen des LGS, aber es sind eben nicht mehr alle Lösungen, sondern nur noch ein Teil (alle Punkte, die in der Ebene, aber nicht auf der Geraden liegen, erfüllen das LGS, aber nicht „y = -x“).

Nimmst Du nicht y = -x, sonder y = 5 x - 18 bekommst Du eine andere Gerade. Du bekommst immer eine Gerade, sofern das y von dem x _linear_ abhängt. Wenn Du aber so verrückt bist und für die Ypsilons z. B. y = 2 x² - 3 x + 1 nimmst, dann bekommst Du keine Gerade mehr, sondern eine in der Lösungsmengen-Ebene liegende Parabel (für y = 1/x eine Hyperbel usw.). Damit würdest Du dann allerdings auch die lineare Algebra verlassen.

Auf dieses Ergebnis sind auch die meisten meiner Kommilitonen
gekommen. Dennoch ist auch das andere Ergebnis mit u = ( x,
-x, -x ) absolut passend. Setze mal -x für y

Ist es klargeworden? Zur Verdeutlichung noch ein ganz einfaches Analogon:

G = {2 n | n ganze Zahl}

ist die Menge aller _geraden_ Zahlen. Du kannst für n einsetzen, was immer Du willst, solange es eine ganze Zahl ist. Auch n = 135 t (t ganze Zahl) ist erlaubt, denn 135 t ist für alle ganzen t eine ganze Zahl. Was Du Dir damit einhandelst, ist der Umstand, daß G bei der Wahl „n = 135 t“ nicht mehr _alle_ ganzen Zahlen umfaßt.

Mit freundlichem Gruß
Martin

Moin!

Ich bin’s schon wieder. Und zwar habe ich folgendes lineare
Gleichungssystem:

-a + b - 2c = 0
a - b + 2c = 0
-2a + 2b - 4c = 0

Als Lösung habe ich a=x und b=y und c=(b-a)/2 mit x,y als
Parameter. So weit, so gut. Eigentlich sollte ich mich mit
diesem Ergebnis zufrieden geben. Allerdings kann man durch
intuitive Logik auch zum Ergebnis a=x und b=-x und c=-x
kommen.

Erstmal herzlichen Glückwunsch zu der genialen Wortkreation der „intuitiven Logik“. Wenn Du intuitiv etwas als Lösung erkennst, dann muß das nicht zwingend logisch sein. Umgekehrt ist eine logische Lösung wohl nur bei Vulkaniern auch intuitiv.

Der Grund, warum Du keinen Beweis für Deine Lösung findest, ist, daß es unendlich viele weitere Lösungen gibt. Zugegeben: Deine Lösung ist eine mögliche. Eine weitere mögliche wäre a=x, b=9x, c=4x. Du siehst die Problematik?

Munter bleiben… TRICHTEX

Hallo Gunther,

Erstmal herzlichen Glückwunsch zu der genialen Wortkreation
der „intuitiven Logik“. Wenn Du intuitiv etwas als Lösung
erkennst, dann muß das nicht zwingend logisch sein. Umgekehrt
ist eine logische Lösung wohl nur bei Vulkaniern auch
intuitiv.

jaaa, manchmal vermag eben nur ein gutes Oxymoron die Umstände passend zu beschreiben. (Mit Gegensatzpaaren wie „feather of lead“, „bright smoke“, „cold fire“ oder „sick health“ hat sich bekanntlich bereits Shakespeare im Überfluss beholfen.) Logisch, weil es auf die Formel passt und intuitiv, weil ich nicht erklären kann wieso ich auf die bescheuerte Idee gekommen bin. Aber uns Vulkaniern ist das Wurscht. Hauptsache, mit „intuitiver Logik“ etwas Schaum geschlagen :wink:))

Lieben Gruß
Querkopf