Linguistik

Liebe/-r Experte/-in,

ich habe morgen meine mündliche Prüfung im Fach Deutsch als Fremdsprache (bin aber selbst Muttersprachlerin) Als Thema habe ich unter anderem das Zustandspassiv. Nun ist immer wieder von „phrasaler“ bzw. „lexikalischer“ Adjektivierung des Partizips die Rede. Ich habe danach schon gegoogelt, aber finde immer nur Zitate aus den Aufsätzen, die ich selbst gelesen habe, allerdings keine Erklärung, was es denn nun ist oder mal einen Beispielsatz. Meine Prüfung ist morgen um 13:30. Ich würde mich natürlich tot freuen, wen ich noch heute eine Antwort bekomme, aber morgen schaue ich auch noch einmal gegen 1 in meine Mails.
DANKE und noch einen schönen Sonntag
Nina

Leider sind mir die beiden Begriffe nicht bekannt, Nina. Sie werden in gängigen Grammatiken wohl nicht verwendet. Ich könnte sie mir allenfalls zurechtlegen. Dann wäre „verdorben“ eben eine lexikalisierte Form (ohne Kontext verständlich und anwendbar), „abgeholt“ nur mit Kontext und quasi kurzfristig verwendbar. „verdorben“ wäre uneingeschränkt prädikativ und attributiv verwendbar, „abgeholt“ eher nur prädikativ. Um die prädikative Verwendung geht es ja beim Zustandspassiv.
Ich nehme an, dass ich Dir als Deutscher und DaF-Studentin die dahinterstehende Logik nicht weiter erklären muss - es hätte aber auch keinen Sinn, da ich ja nicht sicher weiß, ob dieses Phänomen gemeint ist.
Besten Gruß, Wolfgang

Lieber Wolfgang,
ich danke Dir vielmals für Deine schnelle Antwort und fühle mich zumindest insofern besser, als dass mein Prof bestimmt nicht unbedingt danach fragt, wenn der Begriff so unbekannt ist.
DANKE noch einmal!
Nina

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Hallo Nina,

ich bin mir der Antwort nicht hunderprozentig sicher, da ich es zu vermeiden versuche, mich mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen. Meine Vermutungen:

Bei lexikalischer Adjektivierung + Passivierung wird nur das Verb als eigenständige Entität des Lexikons passiviert, sowas wie „X öffnet die Tür“ -> „Die Tür ist offen“, wobei nur das Verb „öffnen“ zu einem prädikativen Adjektiv deriviert wurde. (deutlicher vielleicht „die offene Tür“)

Unter phrasaler ‚Adjektivierung‘ würde ich verstehen, wenn eine ganze Phrase auf diese Weise zum Prädikat gemacht wird, also sowas wie „Der Sturm zerstört das Haus“ -> „Das Haus [ist durch den Sturm zerstört (worden)]“ viz. „Das [durch den Sturm zerstörte] Haus“. (Wobei es sich strenggenommen bei „der Sturm zerstör-“ nicht um eine Phrase im linguistischen Sinn handelt, wohl aber kann man „durch den Sturm zerstör-“ als eine Phrase ansehen)

Wie gesagt, ich bin mir nicht 100% sicher, vielleicht solltest du sicherheitshalber nochmal woanders nachfragen.

Beste Grüße
elis.

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Du bereitest dich auf deine Prüfung anhand von Google vor??? Finde ich sehr komisch…
Ich empfehle dir eher die Duden Grammatik. Dort habe was über phrasalen Passiv. Hab aber keine Lust das alles abzutippen. Kannst ja selbst dort nachschlagen.

Viel Erfolg für morgen

Gabriella

Liebe Nina,

erst heute lese ich deine Mail und meine Antwort kommt vielleicht zu spaet.
Unter phrasalischer und lexikalischer Adjektvierung versteht man jedenfalls einen definitorischen Begriff.
Das Partizip kann im Zustandspassiv mal in seiner blossen adjektivalen Funktion (ich bin empoert/ verzweifelt usw) mal in seiner noch verbalen (phrasalischer) Funktion erscheinen (Die Stadt ist von einer hohen Mauer umgeben).
In diesem letzten Fall wird das Partizip durch eine obligatorische Praepositionalangabe ergaenzt.
Es ist nicht immer einfach, den Unterschied zwischen den beiden Faellen zu bestimmen. Das hat mit der Aktionalitaet der jeweiligen Verben zu tun. Aus diesem Grund spielen Adverbialien im Text eine wichtige Rolle.
Weiteres zum Thema findest du in der Duden Grammatik §811.
Ciao!

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